mini|hochkant|Friedrich Harkort, um 1820 mini|hochkant|Friedrich Harkort mini|hochkant|Gedenktafel am Harkortturm in Wetter mini|hochkant|Harkort-Denkmal in der Harkortstraße in Dortmund-Hombruch mini|Alfred Rethel: Die Harkortsche Fabrik auf Burg Wetter, um 1834 mini|Die Erbbegräbnisstätte Harkort mit dem Grabmal Friedrich Harkorts
Friedrich Wilhelm Harkort (* 22. Februar 1793 in Westerbauer bei Haspe; † 6. März 1880 im Kirchhörder Gemeindeteil Hombruch), häufig als „Vater des Ruhrgebiets“ bezeichnet, war ein deutscher Unternehmer und Politiker in der Frühzeit der Industriellen Revolution.
Seine Harkort’sche Maschinenfabrik in Wetter (Ruhr) ging später in der Deutschen Maschinenbau Aktiengesellschaft (DEMAG) auf. Der Kohleabbau im Tiefbau wurde durch seine Pumpen, Dampfmaschinen und Eisenbahnschienen erst möglich. Die Sorge um das nachhaltige Wohl seiner Beschäftigten führte ihn bis nach Berlin als Abgeordneter des Reichstags (1871–1874). Sein Kampf galt dem Verbot von Kinderarbeit, der Einrichtung von Krankenkassen für Arbeiter, Schulbildung für alle, Gesundheitsschutz für Werktätige durch die Errichtung von Berufsgenossenschaften.
Seine letzte Ruhestätte liegt auf dem Ardeygebirge im Buchenwald des Gutes Schede in Herdecke.
Leben Harkort wurde als fünftes von acht Kindern des märkischen Eisenwarenfabrikanten und Kaufmanns (Reidemeisters) Johann Caspar Harkort IV. (1753–1818) im Haus Harkorten geboren. Er war unter anderem Bruder des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers Gustav Harkort, des Bergbauingenieurs und Offiziers Eduard Harkort und des Unternehmers Johann Caspar Harkort V. Nach der Grundschule auf dem Quambusch besuchte er ab 1799 die Gewerbeschule in Hagen. Diese schloss er im Jahr 1808 ab. Anschließend machte er eine kaufmännische Lehre bei dem Unternehmen Mohl in Barmen-Wichlinghausen. Ab 1813 nahm er zusammen mit seinem Bruder Gustav als Premierleutnant an den Befreiungskriegen teil. Bei Jumet (heutiges Belgien) wurde er zweimal verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Familie Im Jahre 1818 heiratete er die Tochter seines früheren Lehrherrn, Auguste Mohl Louise (1796–1835). Das Paar hatte zwei Söhne und vier Töchter: Auguste (* 16. Juli 1819; † 10. Dezember 1899) ⚭ 1845 Georg Christian Funk († 29. August 1849) Mathilde Wilhelmine Auguste (* 5. Dezember 1820; † 20. November 1893) ⚭ 1843 Eduard von Scheven (* 15. September 1812; † 16. Juni 1907), Pfarrer Friedrich Wilhelm (* 10. Mai 1822; † 19. Juni 1897), Maschinenfabrikant in Barmen ⚭ 1849 Anna Catharina Helene Hueck (* 13. März 1823) Johanna (* 13. Januar 1828; † 12. März 1908) ⚭ Carl Gustav Maentell (1821–1907), preußischer Generalleutnant Louise (* 15. August 1831; † 26. September 1907) ⚭ 1856 Louis Constanz Berger, Wittener Unternehmer Carl (25. Dezember 1832; † 5. Februar 1894), Gründer der Sägen- und Werkzeugfabrik Fa. Harkort und Lohmann in Cronenberg ⚭ 1859 Emma Tesche (* 10. März 1835; † 9. Oktober 1910)
Ehrungen 1861 bekam Harkort den preußischen Roten Adlerorden 3. Klasse verliehen. Bei der Wiedergründung des Westfälischen Bezirksvereins des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Jahr 1864, dem er zu diesem Anlass mit der Mitgliedsnummer 756 beitrat, hatte er die Funktion eines Ehrenpräsidenten inne. Nach Friedrich Harkort wurden u. a. benannt: Der Harkortsee, der Harkortturm, der Harkortberg, der Harkortweg, das Unternehmen Harkort Consulting sowie der Lions-Club Hagen-Harkort. Nach ihm sind im Ruhrgebiet bzw. Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet viele Straßen benannt, so die Harkortstraße in Dortmund-Hombruch, Oberhausen-Klosterhardt, Essen-Holsterhausen, Bochum-Wattenscheid (Harkortstraße), Bochum-Wiemelhausen (Friedrich-Harkort-Straße)Straßennamenbuch der Stadt Bochum sowie in Düsseldorf. Weiterhin gibt es in Hamburg eine Harkortstraße und einen Harkortstieg.
Unternehmerisches Wirken Das unternehmerische Wirken Harkorts war insbesondere von technischen und sozialen Pionierleistungen geprägt. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg hingegen stellte sich bei seinen Unternehmungen nicht ein. Der Grund hierfür dürfte nicht zuletzt darin gelegen haben, dass Harkort grundsätzlich jedem Interessierten gestattete, die von ihm errichteten Betriebe zu besichtigen, die dort praktizierten Verfahren im Detail zu studieren und bei Bedarf beim Aufbau entsprechender Betriebe mit Rat und Tat zur Seite stand. In seinem Bestreben, der industriellen Entwicklung seiner Heimat Vorschub zu leisten, unterstützte er tatkräftig die eigene Konkurrenz.
Im Jahr 1827 hatte Harkort in Hombruch große Besitzungen erworben. Er regte die Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft an, womit Hombruch an das Eisenbahnnetz angebunden wurde. Im selben Jahr 1847 verlor er jedoch die meisten Besitzungen dort durch Pfändung und Zwangsverkauf.
Stremmel zufolge besaß Hartkort „Weitblick und ein Gespür für die Transformation der Welt“, für neue Maschinentechniken, Mobilität und Kommunikation. Jedoch sei er mehr „Visionär als Praktiker“ gewesen.Ralf Stremmel: Friedrich Harkort (1793–1880). Oppositionell und königstreu. In: Felix Gräfenberg (Hrsg.): 1848/49 in Westfalen und Lippe. Biografische Schlaglichter aus der revolutionshistorischen Peripherie. Aschendorff, Münster 2023, DNB 1292109440, S. 125–135, hier S. 126.
Industriepionier In seiner Heimat galt Friedrich Harkort als unruhiger Geist. Nach dem Tode seines Vaters 1818 gründete er zunächst auf dem väterlichen Gut Harkorten eine Gerberei und betrieb einen Kupferhammer am Deilbach. Schon ein Jahr später übergab er diese beiden Unternehmen an Verwandte und gründete zusammen mit dem Elberfelder Kaufmann und Bankier Heinrich Kamp auf der Burg innerhalb der Stadt Wetter die Firma Mechanische Werkstätten Harkort & Co. zur Herstellung von Dampfmaschinen und Gasbeleuchtungsapparaten. Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav gründete er zudem ein Unternehmen, das Spedition und Kommission betrieb und mit englischen Garnen handelte. Die preußischen Behörden förderten Harkorts Werk als erstes industrielles Eisenwerk in Westfalen und als eine der ersten Maschinenbaugesellschaften im Ruhrgebiet, denn dieses profitierte von den Wasserhaltungsmaschinen für den aufstrebenden Bergbau an der Ruhr. Bereits 1826 wurde in dem nach englischem Vorbilde erbauten Puddel- und Walzwerk das Puddelverfahren eingeführt. Auf der Rüblinghauser Hütte bei Olpe ließ Harkort als einer der Ersten in Westfalen seit Anfang der 1830er Jahre Eisenerz mit Hilfe von Koks verhütten.
Aus Harkorts Unternehmen ging später das Werk Wetter der Demag hervor. Zu seinen Frühtaten auf sozialem Gebiet gehörte innerhalb seines Unternehmens die Schaffung einer Betriebskrankenkasse nach dem Vorbild der Berggewerkschaftskassen. Harkort gilt als früher Pionier der industriellen Revolution.
Bahnpionier Im Jahre 1825 veröffentlichte Harkort in der Nummer 26 der Zeitschrift Hermann den Aufruf, zwischen Köln am Rhein und Minden an der Weser eine Eisenbahn zu bauen. Zu dieser Zeit begann man in Deutschland das Thema zu beachten, und Harkort handelte wie ein Unternehmer, als er seinen Artikel unter der Maßgabe einer gewissen Marktstrategie veröffentlichte. Sein Aufsatz begann mit den Worten:
Als im Jahre 1824 der britische Ingenieur Henry Robinson Palmer eine Einschienenbahn vorstellte, bei der hängende Transportbehälter von Pferden gezogen wurden, ließ Harkort durch seine Fabrik 1826 probehalber in Elberfeld eine solche Bahn bauen. Gemeinsam mit dem Bergrat Heinrich Heintzmann versuchte er die Öffentlichkeit für diesen Vorläufer zu interessieren, was sich aber erst 75 Jahre später im Bau der Wuppertaler Schwebebahn niederschlug. Harkorts Überlegungen als Unternehmer galten aber vor allem dem Fernverkehr, denn für den einheimischen Bergbau besaßen Harkorts Unternehmen im Jahr 1829 bereits eine Produktionskapazität von einer Million Pfund Schienen.
1828 gründete Friedrich Harkort gemeinsam mit Nikolaus Egen, seinem Schwager Ludwig Mohl (der den Kupferhammer im Deilbachtal betrieb), dem promovierten Mediziner Voß aus Steele (heute Stadtteil von Essen) und den Langenberger Kaufleuten Reichmann und Meyberg die erste Eisenbahn-Aktiengesellschaft auf deutschem Boden – die Prinz-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft. Ihr Zweck war der Bau der Deiltaler Eisenbahn (Deilthaler Eisenbahn Aktiengesellschaft), die am 20. September 1831 eröffnet wurde und den Namen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn erhielt.
Im Jahre 1828 wurde unter seinem maßgeblichen Einfluss auch die seit 1820 im Bau befindliche Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn im ersten, eine preußische Meile langen Abschnitt, eröffnet. Es war die erste Eisenbahn Deutschlands über die Länge von einer Meile, die zweite Eisenbahn Deutschlands über diese Länge war die Deiltaler Eisenbahn, die ebenfalls von Harkort errichtet wurde. Ein Jahr später, im Jahr 1829, wurde Harkort in den westfälischen Provinziallandtag gewählt. Dort wiederholte er 1831 seinen Vorschlag. 1833 veröffentlichte Harkort nochmals seinen Aufruf: „Die Eisenbahnen von Minden nach Cöln“. Das Resultat war eine Aktiengesellschaft, die sich um das notwendige Kapital für den Bau der Strecke bemühte, denn der preußische Staat war nicht willens oder in der Lage, die Strecke zu bauen.
Auf Grund widriger Umstände konnte das Unternehmen einige Zeit später nicht mehr fortgeführt werden. Erst 1847 war die Strecke vollständig befahrbar und wurde von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft betrieben. Von 1844 bis 1848 wurde nach von Harkort entwickelten Plänen die Stammstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft gebaut.
Politisches Wirken Bildungspolitik Friedrich Harkort war maßgeblich an der deutschen Bildungspolitik im 19. Jahrhundert beteiligt.Karl Bungardt: Die Odyssee der Lehrerschaft. Sozialgeschichte eines Standes. Ein Versuch. Kern & Birner, Frankfurt am Main 1959, S. 39 ff. Er gründete den Verein für die deutsche Volksschule und für Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Der Verein zählte binnen kürzester Zeit 2500 Mitglieder aus dem gehobenen Bürgertum. Unter diesen fanden sich viele Befürworter einer neuen Schulform, die es den Volksschullehrern ermöglichen sollte, ihren niedrigen Stand zu verlassen. Dies war ein heikles Thema, da weder Staat noch Kirche daran interessiert waren, „mündige Lehrer“ mit dem Bildungsauftrag zu versehen. Vielmehr entsprach das gewohnte Bild des „Katecheten“ nach wie vor den Vorstellungen der Obrigkeit.
Harkort erkannte die entstehenden Missstände bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung einerseits und durch unzulänglichen Ausbau der Bildungsmöglichkeiten für das Proletariat andererseits und verfasste eine 1844 veröffentlichte Anklageschrift mit dem Titel „Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der unteren Klassen“, aus der folgende Zitate stammen:
„100.000 Fibeln, die 3000 Taler kosten, haben einen größeren Wert für die Erziehung der Menschheit als 100.000 Bewaffnete, die jährlich 9 Millionen verschlingen.“
„8000 Menschen, die auf einer Quadratmeile leben, bedürfen, um bestehen zu können, eines höheren Grades von Bildung und Kenntnissen, als einige Hirten, die auf wüster Fläche schweifen.“
Mit dem Verständnis für Missstände und Ungerechtigkeit setzte Harkort sich über zwanzig Jahre in der Verfassungsgebenden Nationalversammlung Preußens für die Aufhebung der Regulative und für die Verabschiedung des Unterrichtsgesetzes ein.
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