Luqman oder Lôkman (), auch Lokman der Weise (Luqman al-Hakim), war eine sagenumwobene Gestalt des arabischen Heidentums. Im Koran trägt die 31. Sure Luqmans Namen.
Luqman in vorislamischer Zeit In vorkoranischer Überlieferung erscheint Luqman als „der Langlebige“ (al-Muʿammar). Als ihm ein langes Leben angeboten wird, wählt Luqman die Lebensdauer von sieben Geiern. Er zieht sie nacheinander auf und lebt so 560 Jahre (7 × 80 Jahre). Sein letzter Geier heißt Lubad. Als dieser die Flügel sinken lässt, ermuntert ihn Luqman vergebens zum Fliegen. Lubad stirbt und mit ihm Luqman.B. Heller: Lukman. In: A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. E. J. Brill, Leiden 1976.
In Tabaris Universalgeschichte (Taʾrīch al-rusul wa-ʾl-mulûk wa-ʾl-chulafāʾ) gehört Luqman zum Volk des Propheten Hūd. Er gehört einer Gesandtschaft nach Mekka an, die dort Regen für ihr sündiges und von Dürre heimgesuchtes Volk erfleht. Die Gesandtschaft vergisst dieses Anliegen aber aufgrund der Gastfreundschaft der Mekkaner. Daraufhin wird ihr Volk vom Verderben in Gestalt einer schwarzen Wolke heimgesucht.Michael Jan de Goeje (Hrsg.): Annals of Tabari. Bd. II, S. 235–240.
Luqman im Koran Im Koran trägt eine Sure den Namen Luqmans. Dort tritt Luqman als weiser Spruchdichter auf, der Ermahnungen an seinen Sohn richtet:
Einige der Ermahnungen Luqmans gehörten zu Mohammeds Zeiten bereits zum Gemeingut der Spruchdichtung. Ein Beispiel dafür ist folgender Koranvers, der in Hunderten von Fassungen verbreitet warB. Heller: Lukman. In: A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. E. J. Brill, Leiden 1976. Dort auch weitere Belege
Ein weiteres Beispiel ist der Koranvers 19:
Dieser Vers findet seinen Vorläufer in der sogenannten Ahikar-Erzählung:Ausführliche Erörterung siehe: Rendel Harris u. a.: The Story of Ahikar. Cambridge 1913, S. 79–83.
Die islamische Tafsīr-Wissenschaft identifizierte Luqman aufgrund der Bedeutungsgleichheit beider Namen mit dem biblischen Bileam .
Luqman in spätorientalischer Dichtung Einige Jahrhunderte nach Mohammed wird von Luqman als Fabeldichter berichtet. Er erscheint als Zimmermann, Hirte, Schneider, als missgestalteter Sklave und auch als ägyptischer, nubischer oder äthiopischer Sklave. Diese im späten Mittelalter auftauchenden Fabeln sind allesamt dem griechischen Fabeldichter Äsop zuzuschreiben, dessen Geschichten ins Arabische übertragen wurden.
Auch im West-östlichen Divan von Goethe tritt Luqman auf:
Quellen B. Heller: Lukman. In: A. J. Wensinck, Johannes Hendrik Kramers, Arent Jan Wensinck (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. E. J. Brill, Leiden 1976. Bernhard Maier: Koran-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 348). Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-34801-2 (s. v. Luqman).
Einzelnachweise
Kategorie:Prophet des Islam Kategorie:Mythologisches Wesen