mini|Britische Postkarte von 1890 mini|Postkarte mit eingedrucktem Wertzeichen (Ganzsache) aus dem Königreich Bayern, abgestempelt am 27. April 1895 in Nürnberg, eingegangen am 28. April 1895 in München (Michel-Nr. P44/1) mini|Postkarte (Ganzsache) der Deutschen Reichspost zur Jahrhundertwende 1899/1900 mini|Standardpostkarte des Kaiserreiches Österreich Postkarten, veraltet auch Korrespondenzkarten genannt, sind meist rechteckige Karten, in der Regel aus Karton, die als offen lesbare Mitteilungen per Post verschickt werden. Die Postgebühren sind häufig niedriger als für einen Brief.Ein Standardbrief kostete in Deutschland 0,80 € im Jahr 2020, eine Postkarte 0,60 €. Siehe Produkte und Preise auf einen Blick, hrsg. von Deutsche Post und DHL, Stand 1. Mai 2020. Nachdem in den USA bereits im Jahr 1861 private Karten gesetzlich zugelassen worden waren, wurden sie postamtlich zum ersten Mal am 1. Oktober 1869Das Archiv – Magazin für Kommunikationsgeschichte. Heft 3/2009, S. 51. in Österreich-Ungarn mit der Bezeichnung „Correspondenzkarte“ eingeführt. Zunächst konnten Postkarten national und international lediglich auf Basis zweiseitiger Abkommen verschickt werden. Ab 1878 konnten sie in die meisten Länder der Erde verschickt werden. Eine Ansichtskarte ist eine Postkarte mit einem Bilddruck oder Foto auf der Rückseite.Ansichtspostkarte. In: Großes Lexikon der Philatelie. Band 1: A–M. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1978, ISBN 3-570-05337-7, 1973, S. 23. Die Ansichtskarte wird manchmal nicht ganz korrekt als Bildpostkarte bezeichnet, da es zudem eine eigenständige Form der Postkarten mit diesem Namen gibt.

Geschichte Vorgeschichte und Vorläufer 1760 führte das private Stadtpostunternehmen Petite Poste (Kleine Post) in Paris offen lesbare Mitteilungen ein, 1784 führte die privat betriebene Kleine Post in Wien Karten mit offen versandten Mitteilungen ein. In beiden Fällen sind jedoch keine Exemplare erhalten.Arnold Linke, Wolfram Richter: Ratgeber für Ansichtskartensammler. Salzwasser Verlag, [Bremen] 2007, ISBN 978-3-86741-091-5, S. 8 ff.Otto Wicki: Geschichte der Post- und Ansichtskarten. Verlag Zumstein & Cie, Bern 1996, S. 5. In: arcor.de, Websitebetreiber: Manfred Richter, abgerufen am 6. September 2009. 1840 erschien in England die erste Briefmarke und verbreitete sich bald über den Globus. Das war eine Voraussetzung für die Postkarten und das Postwesen in der heutigen Form.

mini|Lipman’s Postal Card (1861) Am 27. Februar 1861 wurde in den Vereinigten Staaten ein Gesetz vom Kongress verabschiedet, das erlaubte, privat gedruckte Karten mit einem Gewicht von unter einer Unze mit der Post zu verschicken. Das ist die erste staatliche Genehmigung zur Verwendung von Postkarten. Bis 1500 Meilen betrug das Porto einen Cent und darüber zwei Cent.Alan Petrulis: In: metropostcard.com, abgerufen am 6. September 2009.Alan Petrulis: In: The Postcard Web, abgerufen am 6. September 2009. Am 17. Dezember 1861 nutzte John P. Charlton aus Philadelphia das neue US-Postkartengesetz und ließ sich die Postkarte urheberrechtlich schützen.Dan Friedman: The Birth and Development of American Postcards. Classic Postcard Press, West Nyack, NY, 2003, S. 11. Er verkaufte seine Idee an Hyman L. Lipman, ebenfalls aus Philadelphia, der dann Karten mit der Kennzeichnung „Lipman’s Postal Card“ produzierte. Die Erfindung wurde durch Lipman auch als Patent angemeldet, welches aber letztlich nicht zugelassen wurde. Am 12. Mai 1873 erschienen die offiziellen staatlichen Postkarten der USA, die unabhängig von der Versanddistanz einen Cent Porto kosteten.Dan Friedman: The Birth and Development of American Postcards. Classic Postcard Press, West Nyack, NY 2003, S. 27. Privat gedruckte Karten waren in den USA ab dann nur noch zum teureren Briefportosatz von zwei Cent erlaubt.

Ab 1865 gab es kartenförmige Postanweisungen in Deutschland, zunächst ab 1. Januar 1865 in Preußen und bald in anderen Postgebieten.

mini|Preußische „Offene Karte“ von 1866 Zum 1. Juni 1865 wurde erstmals in Preußen die sogenannte „Offene Karte“, auch „Aviskarte“ oder „Drucksachenkarte“ genannt, als offen versandte Mitteilung eingeführt, sie ist der Vorläufer der Postkarte in Deutschland. Diese Karten wurden nur sehr selten für private Zwecke verwendet,Vgl. AnsichtsKarten-SammlerBrief (Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft), Nr. 172, September 2009, S. 6. sie wurden oft verwendet, um den Besuch eines Handelsvertreters anzukündigen, sie werden deswegen heute in Sammlerkreisen als Vertreterkarten bezeichnet.Otto Wicki: Geschichte der Post- und Ansichtskarten. Verlag Zumstein & Cie, Bern 1996, S. 6.Wolfram Grallert: Lexikon der Philatelie. Verlag Phil*Creativ, 2. Auflage 2007, S. 103 (Stichwort: Drucksachenkarte) Manche dieser Karten haben Abbildungen (z. B. Fabrikgebäude) auf der Rückseite.Horst Hille: Ansichtskarten sammeln. Phil*Creativ Verlag, Schwalmtal 1993, S. 19.

mini|links|hochkant|Heinrich von Stephan Der preußische Geheime Postrat Heinrich Stephan schlug in einer Denkschrift am 30. November 1865 bei der 5. Postvereins-Konferenz in Karlsruhe vor, ein sogenanntes Postblatt als offen versandte Karte zuzulassen, da die damalige Briefform nicht die genügende Einfachheit und Kürze gewährte. Die Rückseite hätte für schriftliche Mitteilungen jeglicher Art dienen sollen. Stephan durfte seinen Vorschlag nicht offiziell in die Konferenz einbringen, deshalb verteilte er seine vervielfältigte Schrift außerhalb der Sitzungen an die Teilnehmer.A. Linke: Der Vorschlag Stephans zur Einführung eines „Postblattes“ im Frühjahr 1865. In: AnsichtsKarten-SammlerBrief (Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft), Nr. 174, März/April 2010, S. 4. Sein Vorschlag wurde bereits vor der Konferenz vom preußischen Generalpostdirektor Karl Ludwig Richard von Philipsborn (1818–1884) In: dgpt.org, Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte e. V., abgerufen am 5. Dezember 2009. wegen sittlicher Bedenken, aufgrund der offenen Lesbarkeit jeglicher Korrespondenz, abgelehnt., abgerufen am 6. September 2009. Wegen der Idee eines geringeren Portos wurde außerdem befürchtet, die Einnahmen der Post könnten zurückgehen.Robert Lebeck, Gerhard Kaufmann: Viele Grüße… Eine Kulturgeschichte der Postkarte. 2. Auflage. Harenberg Kommunikation, Dortmund 1988, S. 401.

1868 reichten zwei Leipziger Buchhandelsunternehmen, die Firma Friedlein und die Firma Pardubitz, angeblich unabhängig voneinander beim Berliner Generalpostamt den Vorschlag ein, eine „Universal-Correspondenz-Karte“ einzuführen. Auf den Rückseiten sollten verschiedene Mitteilungen zum Ankreuzen vorgedruckt werden.Grosse: Beiträge zur Geschichte der Postkarte. In: Archiv für Post und Telegrafie. 1896, S. 681 ff., mit ausführlicher BeschreibungOtto Wicki: Geschichte der Post- und Ansichtskarten. Verlag Zumstein & Cie, Bern 1996, S. 8. Trotz Ablehnung erscheint hier die später verwendete Bezeichnung „Correspondenzkarte“.

Am 26. Januar 1869 erschien in der Wiener Tageszeitung Neue Freie Presse ein Artikel mit dem Titel Über eine neue Art der Correspondenz mittels der Post vom Professor der Nationalökonomie Emanuel Herrmann.Postkarte. In: Ullrich Häger: Großes Lexikon der Philatelie. Band 2: N–Z. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1973, ISBN 3-570-05338-5, S. 360 f. In dem Artikel regte er die Einführung der Postkarte an, hierbei standen volkswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund.Heike Pauschart: Kurz und bündig – Stephans Erfindung der Postkarte. In: Klaus Beyrer (Hrsg.): Kommunikation im Kaiserreich. Der Generalpostmeister Heinrich von Stephan. Museumsstiftung Post und Telekommunikation, 1997, S. 216 f. Er ging von der Überlegung aus, dass es viele Mitteilungen gebe, für die ein Brief zu umständlich und vor allem zu kostspielig sei (das Porto betrug 5 Neukreuzer).Andrea Reisner, zitiert nach: Herbert Wöber. In: Wienerzeitung. 5. März 2010 (, abgerufen am 7. Juli 2010) Ähnlich einem Telegramm sollte die Anzahl der Wörter auf 20 begrenzt sein und die Postkarte für eine geringere Gebühr befördert werden. Der Artikel kam bald zum General-Post- und Telegraphen-Direktor Vincenz Freiherr Maly von VevanovićHorst Hille: Ansichtskarten sammeln. Phil*Creativ Verlag, Schwalmtal 1993, S. 20. (1808–1878), ihm gefiel die Idee und er verwirklichte sie trotz einiger Widerstände.Herbert Leclerc: Ansichten über Ansichtskarten. In: Archiv für deutsche Postgeschichte. Heft 2, 1986, S. 13. Es wurde vielfach spekuliert, ob Emanuel Herrmann nicht erst indirekt durch den Vorschlag von Heinrich von Stephan auf seine Postkarte gekommen ist, vermutlich beeinflusst durch den Artikel von Grosse aus dem Jahr 1896.Vgl. Grosse: Beiträge zur Geschichte der Postkarte. In: Archiv für Post und Telegrafie. 1896, S. 674 bis 689. Wahrscheinlich ist die Postkarte eine Mehrfacherfindung., Ansichtskarten Blog, abgerufen am 26. Mai 2010.Feuilleton Die Erfindung der Postkarte. In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Abendausgabe, 19. Juli 1902, S. 1, Sp. 1 f. unten (Nachruf auf Emanuel Herrmann).

Postamtliche Einführung mini|Emanuel Herrmann Am 1. Oktober 1869 erschien bei der österreichisch-ungarischen Post die von Emanuel Herrmann entwickelte Correspondenzkarte mit eingedrucktem Postwertzeichen. Die Rückseite der 8,5 cm × 12,2 cm großen Correspondenzkarte konnte bei Erscheinen der Karten, zur Vereinfachung, frei beschrieben werden. Der von Herrmann vorgeschlagene Name „Postkarte“ wurde von der Postverwaltung in Wien in „Correspondenzkarte“ geändert. Die Karte kostete im Unterschied zum fünf Kreuzer teuren Brief nur zwei Kreuzer, was gleichzeitig dem Wert der eingedruckten Briefmarke entsprach, und verkaufte sich bereits im ersten Monat 1,4 Millionen Mal. In Ungarn erschienen fast identisch aussehende Correspondenzkarten wie in Österreich, nur mit ungarischem Wappen statt Doppeladler.Otto Wicki: Geschichte der Post- und Ansichtskarten. Verlag Zumstein, Bern 1996, S. 7.

mini|Exemplar der ersten österreichischen Correspondenzkarten der Welt mit Doppeladler-Wappen mini|Adressseite einer 1898 von Bozen nach Wien gelaufenen Correspondenz-Karte (mit Poststempel)