mini|BYD auf der High-Tech-Fair in Shenzhen, November 2009 mini|BYD-Messestand auf der IAA Mobility 2023
BYD Auto Company Limited, kurz BYD Auto (), ist ein Automobilhersteller in Shenzhen in der Provinz Guangdong in der Volksrepublik China und eine Tochtergesellschaft der BYD Company Ltd. BYD Auto gehört zu den weltweit größten Pkw-Herstellern und ist die größte Automarke nach Verkäufen in China. Das Unternehmen ist an der Hong Kong Stock Exchange notiert.
BYD Auto ist stark im Markt der Plug-in-Hybride und Elektroautos vertreten. Im vierten Quartal 2023 lieferte BYD mit 526.409 Fahrzeugen über 35.000 mehr E-Autos als der bisherige Marktführer Tesla und 2025 übertraf der BYD-Konzern Tesla nicht nur in einzelnen Quartalen, sondern im Verkauf von Batterie-Elektrofahrzeugen auch auf Jahressicht.BYD Aktie: Neuer Elektro-Spitzenreiter (2. Januar 2026) Im Bereich der Elektromobilität gilt es – nicht zuletzt durch die Markteinführung der weltweit ersten Elektro-Sattelzugmaschine, des ersten Elektro-Gelenkbusses und des ersten Elektro-Doppeldeckerbusses – als eines der innovativsten Unternehmen.
Der Name BYD ist die Abkürzung des latinisierten chinesischen Firmennamen Bǐyàdí (). Der ursprüngliche Firmenname Yadi Electronics () bezieht sich auf den ersten Sitz des 1995 gegründeten Unternehmens im Dorf Yadi () in Shenzhen. Der Buchstabe „B“ () wurde später beim Eintrag ins Unternehmensregister hinzugefügt ohne besondere inhaltliche Bedeutung. Der Hauptgrund für die Wahl des Zeichen („B“) hierfür war, den Namen des Unternehmens in der alphabetischen Auflistung im Register relativ vorn zu platzieren. Basierend auf dem Akronym BYD verwendete das Unternehmen jahrelang den Marketingslogan Build Your Dreams ( für „Bau deine Träume“).
Geschichte Im Januar 2003 kaufte das bis dahin auf die Herstellung von Batterien spezialisierte Unternehmen BYD den angeschlagenen staatlichen Automobilhersteller Xian Qinhuan Automobile. Dieser Unternehmenszweig firmiert seitdem als Tochtergesellschaft unter BYD Auto Co. Ltd. Beim Kauf des staatlichen Unternehmens ging es BYD weniger um den Erwerb von technischem Know-how als um die staatliche Lizenz zum Automobilbau, die seinerzeit in der Regel nur im Rahmen von Joint Ventures vergeben wurde. Zunächst wurde die Produktion des erfolglosen Kleinstwagen Flyer übernommen und unter der Bezeichnung BYD Flyer weitergeführt. Das Modell blieb jedoch mit geringen Verkaufszahlen weitgehend unbeachtet.
In den Folgejahren vermied das Unternehmen den schnelleren Weg der Nutzung von Lizenzbauten globaler Konzerne, sondern setzte langfristig auf Eigenentwicklungen.Yin Li: In: chinaanalysis.com, Chinaanalysis vom 3. April 2011, abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch). Dabei kam es zunächst – wie bei anderen chinesischen Unternehmen auch – in einer ersten Phase zu Nachbauten ausländischer Automarken: In eigenen Forschungs- und Entwicklungszentren wurden ausgewählte Modelle anderer Hersteller zerlegt, alle patentierten Bauteile durch maßgefertigte Eigenentwicklungen ersetzt und als neues Modell wieder zusammengefügt. So war der Ende 2005 entwickelte BYD F3 eine weitgehende Imitation des Toyota Corolla und der 2010 erschienene BYD M6 ähnelt äußerlich stark dem Toyota Previa. Diese Vorgehensweise ermöglichte einen schnellen Lernprozess, der zur Entwicklung eigener Technik führte: Bereits 2007 besaß das Automobilunternehmen mehr als 2000 Patente auf Eigenentwicklungen.
Im Unterschied zu den meisten anderen Automobilherstellern, die auf Produkte der Zulieferindustrie zurückgreifen, produziert BYD Auto die meisten Komponenten selbst; hierzu gehören neben Motoren, Getrieben, Steuer- und Bremssystemen und der gesamten Fahrzeugelektronik selbst Scheibenwischer, Sicherheitsgurte, Airbags und CD-Spieler (lediglich Reifen, Autoglas und wenige Bauteile allgemeiner Art werden extern beschafft).
Die hierzu erforderliche personalintensive (und für westliche Unternehmen zu kostenintensive) Eigenfertigung vieler Komponenten in relativ geringen Stückzahlen wurde ermöglicht durch Produktionsprozesse, die die Muttergesellschaft BYD bereits im Bereich der Batterieherstellung praktizierte: Die Ablaufabschnitte in der Produktion konnten mittels einer äußerst detaillierten Beschreibung des Workflow so stark verkleinert werden, dass auch junge Menschen mit geringer und selbst gar keiner beruflichen Qualifizierung eingestellt werden. Dies erlaubt eine halbautomatische Fertigung von Autoteilen, die qualitativ den (bei anderen Herstellern in der Regel) von Industrierobotern gefertigten Produkten vergleichbar sind, jedoch, bedingt durch die in China gegebenen Niedriglöhne, kostengünstiger angeboten werden können.
Zur Verbesserung der weiteren Unabhängigkeit von Zulieferern und zur Erreichung eines weitgehend autarken Produktionsprozesses erwarb BYD Auto am 10. März 2010 vom japanischen Unternehmen Ogihara Corp. eine Fabrik zur Herstellung von Fahrzeugteil-Urformen. Gleichzeitig erweiterte BYD Auto permanent seine Forschungs- und Entwicklungszentren, an denen heute rund 10.000 Wissenschaftler an inzwischen vier Standorten arbeiten.
mini|BYD-Hybridmotor in einem BYD F3DM mini|BYD e6 – Elektroauto als Taxi in Shenzhen
Dies förderte in einer zweiten Phase den Übergang zu vollständig neuen Entwicklungen. Das Ergebnis waren neuartige Fahrzeuge, wie der BYD F3DM als erstes Hybridfahrzeug Chinas, das Nachfolgemodell BYD Qin sowie der BYD e6, ein Elektroauto, das weltweit vor allem als Taxi im Einsatz ist.
2010 wurden bereits über 500.000 Fahrzeuge produziert.Bertel Schmitt: China Car Market 101: Who Makes All Those 18 Million Cars? In: thetruthaboutcars.com, The Truth About Cars vom 19. Januar 2011, abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch).
Der global vermarktete BYD ebus wird auch in Europa im regulären Liniendienst eingesetzt, so in den Niederlanden (35 Busse in Amsterdam-Schiphol) und in London (u. a. zwei Linien mit 51 Batteriebussen). Damit belieferte BYD die größten Elektrobusflotten in Europa.Mayor unveils first fully electric bus routes for central London. In: london.gov.uk, Website des Londoner Bürgermeisters vom 9. September 2016, abgerufen am 7. Februar 2023 (englisch). Insgesamt wurden bis Januar 2019 bereits 50.000 Elektrobusse hergestellt. Auch in Deutschland werden Elektrobusse von BYD eingesetzt, so sind seit Oktober 2020 in Bochum und Gelsenkirchen 20 Elektrobusse in der Solobus-Variante (12-Meter-Standard) im Dienste der BOGESTRA und zwei Fahrzeuge in Herne für die HCR im Einsatz.
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag bestätigte in einem Bericht zur Zukunft der Automobilindustrie dem Unternehmen BYD Auto einen hohen Integrationsgrad und eine hohe Wertschöpfungstiefe im Bereich der für Elektrofahrzeuge notwendigen Batterienherstellung.
mini|Denza N7 (2024)
Als Joint Venture zwischen BYD Auto und der Daimler AG wurde 2011 Shenzhen Denza New Energy Automotive gegründet. Dabei hielten zunächst beide Unternehmen 50 Prozent der Anteile. 2022 trat die Daimler AG einen Großteil seiner Anteile an BYD Auto ab. Seitdem steigen die Verkaufszahlen der Automarke Denza deutlich an. Im Jahr 2024 trennte sich die Daimler AG schließlich auch von den letzten zehn Prozent an Denza.Mercedes bei Automarke Denza raus – BYD übernimmt. In: Auto Motor und Sport, Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG (17. September 2024).
Am 29. März 2012 hat das Unternehmen vom TÜV Rheinland ein Sicherheitszertifikat für die Ladeeinrichtungen seiner Elektrofahrzeuge BYD ebus und BYD e6 erhalten, das die angestrebte Vermarktung dieser Produkte auf dem europäischen und amerikanischen Markt vereinfacht.
Im selben Jahr erweiterte BYD sein Geschäftsfeld um die Produktion von Gabelstaplern und Niederhubwagen. Auf einem neu erschlossenen Gelände im Industriepark Shaoguan entstand auf 100.000 m² eine Fabrik mit Fertigungskapazitäten für 50.000 Fahrzeuge pro Jahr.BYD bereitet Markteintritt in Europa vor: Die China-Stapler kommen. In: handling.de (aka industrial-production.de, Industrial Production – IP), 28. November 2013, abgerufen am 7. Februar 2023. 2016 erhielt das Unternehmen auf der Leitmesse CeMAT in Hannover von dem unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie stehenden IFOY Award die Auszeichnung „Weltbester Stapler des Jahres“.IFOY AWARD 2016 – Die Sieger sind … In: ifoy.org, Internetauftritt des IFOY Award, abgerufen am 7. Februar 2023.
2014 erweiterte das Unternehmen sein Angebot an Elektrofahrzeugen um die Elektrolastkraftwagen T5 und T7 sowie die weltweit erste Elektro-Sattelzugmaschine T9. BYD-Elektrolastkraftwagen werden seit September 2016 in größerer Stückzahl als Großkehrmaschine zur Reinigung der Straßen der chinesischen Hauptstadt Peking eingesetzt.
Unternehmen aus dem Bereich der Batterietechnik verfügen über einen Innovationsvorteil bei der Neuentwicklung von Elektrofahrzeugen gegenüber traditionellen Automobilkonzernen, die eher an der Verbesserung des herkömmlichen Verbrennungsmotors sowie des (bei Elektrofahrzeugen nicht vorhandenen) Antriebsstranges (Getriebe, Kupplung, Abgasminderung) festhalten. In der ersten Jahreshälfte 2016 vervielfachte das Unternehmen den Gewinn um 384 Prozent.Frank Volk: Elektroautobauer BYD vervielfacht Gewinn – Steigerung um 384 Prozent. In: automobil-produktion.de, Automobil-Produktion vom 31. August 2016, abgerufen am 7. Februar 2023.
2016 wurde der deutsche Autodesigner Wolfgang Egger als Chefdesigner angestellt, der davor für das Design von Audi und Lamborghini verantwortlich war.
Anfang Mai 2020 verkündete das Unternehmen, noch im selben Jahr in Europa Fahrzeuge verkaufen zu wollen. Zum Start kam der BYD Tang schließlich im August 2021 auf den norwegischen Markt, der weltweit zu den führenden für Elektroautos gehört.
2021 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit nahezu 600.000 Elektro-PKW verkauft.Marktleistung Homepage des Herstellers, abgerufen am 7. Februar 2023. Im März 2022 stellte BYD die Produktion von reinen Verbrennermodellen ein. Seitdem werden nur noch Plug-in-Hybride und Elektroautos gebaut.
Auf dem Pariser Autosalon im Oktober 2022 stellte der Hersteller weitere Modelle für Europa vor. Zu nennen sind hier der BYD Han, der BYD Seal und der BYD Atto 3.
mini|Yangwang U8 (2023)
Die Marke Yangwang wurde im Januar 2023 eingeführt, auf dem Genfer Auto-Salon im Februar 2024 wurde sie auch in Europa vorgestellt. BYD Auto löste erstmals im ersten Quartal 2023 Volkswagen bei den Verkaufszahlen als Marktführer in China ab.
mini|Fang Cheng Bao Leopard 5 (2023)
Im August 2023 wurde mit dem Leopard 5 das erste Modell der neuen Premiummarke Fang Cheng Bao () vorgestellt.
Laut eigenen Angaben verkaufte BYD im Jahr 2024 bereits 4,25 Millionen Autos, darunter 1,76 Millionen reine Elektrofahrzeuge. Der Umsatz lag 2024 bei knapp über 100 Milliarden Euro. Das Unternehmen profitiert von Subventionen der chinesischen Regierung und strebt nun einen globalen Absatz von bis zu sechs Millionen Fahrzeugen pro Jahr an.BYD will der Tesla-Killer sein – Wie Chinas Elektroauto-Riese wirklich tickt. In: Vorarlberg Online, Russmedia Digital GmbH, (6. April 2025). Mitte 2025 werden Informationen über Überproduktion bei BYD bekannt.
Speziell für den Verkauf von Fahrzeugen für Fahrdienstvermittlungen, Taxis und Firmenwagen wurde im Februar 2026 die Automarke Linghui vorgestellt. Die ersten vier Modelle dieser Marke basieren aber auf BYD-Modellen.
Aufbau des Händlernetzes in Deutschland mini|BYD Store Stuttgart
Im Oktober 2022 wurden die Pläne für das Händlernetz in Deutschland vorgestellt, dazu gehören Händler mit deutschen Premium-Marken, wobei die BYD-Fahrzeuge einen eigenen Verkaufsraum erhalten. Zudem sollen in den wichtigsten Großstädten in sehr guten Lagen „Flagship-Stores“ entstehen. Im Januar 2023 wurde dann der erste Ausstellungsraum in Deutschland eröffnet.