mini|Georg Riha im Mai 2023 Georg Riha (* 28. August 1951 in Wien) ist ein österreichischer Fotograf, Filmemacher und Erfinder. Er gilt als technischer Pionier in der Filmbranche, insbesondere im Bereich der Luftbildfotografie und spezialisierter, selbstentwickelter Kamerasysteme. Sein Werk ist geprägt durch das Streben nach Qualität, Symmetrie und Harmonie sowie die Erschließung neuer Perspektiven („Die höhere Sicht der Dinge“).

Leben und Ausbildung Riha wurde am 28. August 1951 in Wien geboren. Zwischen 1961 und 1966 besuchte er das Schottengymnasium im 1. Wiener Gemeindebezirk. Bereits in seiner Jugend zeigte sich seine Begeisterung für Film und Fotografie: 1964 richtete er sich sein erstes eigenes Schwarz-Weiß-Fotolabor ein, und 1967 wurden erste eigene Aufnahmen in Zeitungen veröffentlicht. Parallel dazu war er als Leistungssportler im Rudern erfolgreich; er war dreifacher Juniorenstaatsmeister und belegte den zweiten Platz bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Ab 1972 studierte er Kamera an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Während dieser Zeit verlagerte sich sein Fokus vollständig auf das Medium Film.

Werbefotografie und Luftbildfotografie 1975 gründete Riha die FWG Foto Werbe GmbH. In dieser Phase rückte der Film zunächst in den Hintergrund, während er sich als Fotograf für namhafte Industrie-, Architektur- und Werbekunden etablierte. Zu seinen Auftraggebern gehörten Unternehmen wie Steyr-Daimler-Puch, VÖEST, Siemens und die SGP. In diese Zeit fällt auch die Veröffentlichung seines ersten Bildbandes Der Wiener Naschmarkt. Ab 1984 spezialisierte sich Riha auf die Flugfotografie. Mit der Buchreihe Vogelschau Österreich, für die Alfred Komarek die Texte verfasste, dokumentierte er alle Bundesländer aus der Luft.

Technische Entwicklungen Um seine Vision der „höheren Sicht“ umzusetzen, begann Riha in den 1980er-Jahren mit der Konstruktion eigener Spezialkameras. Er entwickelte eine Reihe sehr leichter Neigeköpfe mit Lichtleiter und Videoausspiegelung, um analoge Kamerasysteme per Funk steuern zu können. CAMPOLE 1987 konstruierte er mit dem CAMPOLE einen pneumatischen, fernsteuerbaren Teleskopmast, der auf einem Puch-G-Vorserienmodell montiert war und Aufnahmen aus bis zu 20 Metern Höhe ermöglichte.

CAMBLIMP mini|CAMBLIMP vor Schloss Schönbrunn 2002 Zwei Jahre später folgte das System CAMBLIMP, ein mit einer fernsteuerbaren Kamera versehener Helium-Fesselballon, der ruhige und präzise Luftaufnahmen ermöglichte. Die Kamera konnte auf eine Höhe von bis zu 150 Metern angehoben werden, während der Ballon selbst eine Höhe von 300 Metern erreichte. Für den Betrieb wurde eine bis zu siebenköpfige Bediencrew benötigt. Das System wurde unter anderem für die Signation der ITN News in London und in Rihas Dokumentationen eingesetzt.

CAMCAT mini|CAMCAT Ein besonderer Meilenstein war die Entwicklung der Seilbahnkamera CAMCAT Anfang der 1990er-Jahre (basierend auf Rihas Idee und konstruiert von Victor Alder). Das System ermöglichte stabile Kamerafahrten in großer Höhe über weite Strecken. Die CAMCAT wurde kontinuierlich weiterentwickelt und es entstanden verschiedene, auf spezifische Anforderungen angepasste Varianten: CAMCAT Vertical für sehr steile bis lotrechte Fahrten, CAMCAT High Speed für besonders hohe Geschwindigkeiten und CAMCAT 2D mit absenkbarer Kameraplattform für zusätzliche vertikale Bewegungen. Das System erlangte großen internationalen Erfolg und war weltweit im steten Einsatz – von globalen Großevents wie den Olympischen Spielen bis hin zu namhaften Hollywood-Produktionen.

CAM35TL Für Langzeitbeobachtungen über ganze Jahreszeiten hinweg entwarf Riha 1997 gemeinsam mit Manfred Gruber das wetterfeste Analog-Digital-Hybrid-Zeitraffersystem CAM35TL. Das System bestand aus einer computergesteuerten 35-mm-Filmkamera in einem motorisierten, wetterfesten Gehäuse. Die Aufnahmeintervalle und Belichtungskurven wurden vorab programmiert, woraufhin der Aufnahmevorgang vollautomatisch ablief; dabei war die Mechanik des Gehäuses mit der Kamerasteuerung gekoppelt. Neben statischen Einstellungen ermöglichte das System auch programmierte Kamerafahrten und Schwenks.

STUDIO R und AirDisk Weitere Innovationen umfassten das automatisierte Studio-Kamerasystem STUDIO R (2004), das als „virtueller Kameramann“ mit Echtzeitverfolgung fungierte, sowie den 2011 entwickelten flexiblen Flugkörper AirDisk.

HD Vorreiterrolle Riha gilt zudem als Vorreiter der HD-Technologie in Österreich: Bereits 1999 sammelte er mit einem aus den USA importierten Prototyp der Sony HDCAM umfangreiche Flugaufnahmen von Österreich, die auf der EXPO 2000 in Hannover präsentiert wurden. Die 2002 fertiggestellte Dokumentation Schönbrunn – Quelle der Schönheit ist eine der ersten österreichischen TV-Produktionen die komplett in HD produziert wurden – sechs Jahre bevor der ORF 2008 mit der Ausstrahlung erster Inhalte in HD begann.

Videoarchiv rihaimages.com Zur Verwaltung und Verwertung seines umfangreichen Rohmaterials entwickelte Riha Anfang 2000 in Kooperation mit der FH Hagenberg das Online-Videoarchiv rihaimages.com. Das System war für seine Zeit wegweisend in Bezug auf Media Asset Management.

Produktionszentrum Brains & Pictures Anfang der 1990er-Jahre kehrte Riha zur filmischen Gestaltung zurück. Mit dem Bau seines Firmenkomplexes Brains & Pictures in Pressbaum im Jahr 1994 schuf er ein hochmodernes Produktionszentrum. Es beherbergte ein eigenes Filmstudio, Werkstätten, sowie weitreichende Postproduktionsanlagen mit zeitweise bis zu 40 Angestellten. Riha investierte zudem in zwei hochpräzise, computergesteuerte Motion-Control-Systeme, die als Dienstleistung für die Werbe- und Filmbranche angeboten wurden – eine technische Infrastruktur, die es damals in Europa neben Pressbaum nur in London gab.

Auch Rihas Eigenentwicklungen, allem voran die CAMCAT, wurden weltweit als Dienstleistung vermarktet. Der größte und zugleich letzte große Dienstleistungsauftrag war der Einsatz von acht CAMCAT-Systemen bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. 2009 startete Riha mit der RIHA Film neu, wobei er sich fortan ausschließlich auf die Filmproduktion konzentrierte.

Filmproduktion Dokumentationen Rihas filmisches Schaffen ist stark durch aufwendige Natur- und Kulturdokumentationen geprägt. 1994 drehte er mit Wasserwege – Lebensadern einer Großstadt seine erste Dokumentation für die ORF-Reihe UNIVERSUM.

Der große Durchbruch gelang ihm 1997 mit dem Film St. Stephan – Der lebende Dom, der nicht zuletzt wegen seiner neuartigen visuellen Ästhetik zur bis heute quotenstärksten UNIVERSUM-Dokumentation avancierte. Um den Dom aus noch nie gesehenen Perspektiven zeigen zu können, nutze Riha Eigenentwicklungen wie den Heliumballon CAMBLIMP, motorisierte Schienensysteme und erstmals die Seilbahnkamera CAMCAT. Als Sprecher wählte Riha den Schauspieler Bruno Ganz. Dies führte zu Auseinandersetzungen mit der ORF-Redaktion, die Ganz für ungeeignet hielt und sich stattdessen Sprecher Otto Clemens wünschte.TV-Media, Nr. 17/97, S. 27 Obwohl sich Riha schlussendlich durchsetzte, ließ der ORF später eine Alternativversion des Films mit Sprecher Victor Couzyn anfertigen.https://www.ofdb.de/fassung/210134,320182,St-Stephan-Der-lebende-Dom/

Im Jahr 2000 folgte das 90-minütige UNIVERSUM-Special Glockner – Der schwarze Berg. Anlässlich des 200. Jahrestags der Erstbesteigung des Großglockners widmete Riha dem höchsten Berg Österreichs ein Porträt. Die zweijährigen Dreharbeiten waren technisch und logistisch aufwendig; das Produktionsteam wurde dabei von Alpinpersonal, Pionieren und Flugrettern des Österreichischen Bundesheers unterstützt. Wie bei früheren Produktionen setzte Riha spezielle Kameratechnik ein. Neben Helikopter-Luftaufnahmen und der Seilbahnkamera CAMCAT kam erstmals das von ihm mitentwickelte Zeitrafferkamera-System CAM35TL zum Einsatz. Mehr als zehn dieser wetterfesten Kameras wurden für zwei Jahre im gesamten Glocknermassiv platziert, um kontinuierliche Veränderungen der Landschaft im Verlauf der Jahreszeiten zu dokumentieren. Der ORF strahlte die Dokumentation, die von Michael Köhlmeier und Peter Wolfsberger gesprochen wurde, am Nationalfeiertag (26. Oktober) 2000 im Hauptabendprogramm aus. Mit 1,229 Millionen Zuschauern war sie die meistgesehene UNIVERSUM-Folge des Jahres.https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20001127_OTS0069/orf-universum-dokumentation-glockner-der-schwarze-berg-ab-sofort-als-video-erhaeltlich

Fast drei Jahre lang arbeiteten Georg Riha und sein Team an der darauffolgenden UNIVERSUM-Dokumentation Schönbrunn – Quelle der Schönheit, die 2002 im ORF erstausgestrahlt wurde. Als Präsentator führte Sir Peter Ustinov durch den Film. Da die Produktion zweisprachig realisiert wurde, mussten alle Szenen mit Ustinov zweifach aufgenommen werden. Um das Schloss, den Park und den Tiergarten Schönbrunn aus ungewohnten Perspektiven zeigen zu können, wurden mehrere Spezialkamerasysteme genutzt. Zum Einsatz kamen fünfzehn Zeitrafferkameras, mehrere Kräne, Motion-Control-Kameras, das Seilkamerasystem CAMCAT sowie der heliumgefüllte Fesselballon CAMBLIMP. Für die Eröffnungsszene des Films – eine Plansequenz vom Haupttor bis über das Dach des Schlosses – wurde erstmals die CAMCAT 2D eingesetzt. Dabei handelte es sich um eine Weiterentwicklung der CAMCAT, die neben der horizontalen auch eine vertikale Bewegung der Kamera ermöglichte.

In den Folgejahren entstanden die Dokumentationen Wachau – Land am Strome (2004), Wiener Wälder – Grüne Juwele (2005) und Salzburg – Im Schatten der Felsen (2006), die allesamt von Peter Simonischek gesprochen wurden. Er entwickelte sich in der Folge zum festen Sprecher für Rihas Dokumentarfilme.

Mit der 2009 gegründeten Firma RIHA Film produzierte Riha zwischen 2010 und 2016 mehrere Dokumentationen für die ORF Sendereihe Österreich-Bild und den neuen Spartensender ORF III, sowie einen Film über das Wiener Wasser für ORF Universum.

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Pariser UNESCO-Deklaration sowie des 30-Jahre-Jubiläums der Ratifizierung durch Österreich gestaltete Riha in den Jahren 2022 und 2023 mehrere Filme über die 12 österreichischen UNESCO Welterbestätten. Den Auftakt machte am 1. Januar 2022 Mission Apollo, Rihas siebter und bis dato letzter Pausenfilm für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Im Oktober 2022 folgte der Zweiteiler Österreichs Erbe für die Welt – Meisterwerke, Urwälder, Prachtbauten für ORF Universum. Den Abschluss des großen „UNESCO-Bogens“ bildete im Dezember 2023 Österreichs Welterbe, ein umfangreicher Dreiteiler für 3sat.

Imagefilme Neben klassischen Dokumentationen prägte Riha in den frühen 2000er-Jahren auch die Image- und Werbefilmbranche. Produktionen wie 125 Jahre Siemens Österreich, 100 Jahre Wiener Linien oder Red Bull Hangar-7 – A Timelapse Vision hoben sich durch schnelle Schnitte, Split-Screens und Zeitraffer bewusst von seinen ruhigen Dokumentararbeiten ab.

Visualisierungen Im Jahr 2000 produzierte Riha mehrere nonverbale Kurzfilme. Neben Impressions of Vienna und Aerial Visions ist besonders der ebenfalls im Jahr 2000, im Auftrag der Cine Tirol (Tirol Werbung), entstandene Film Land im Gebirg hervorzuheben. Er kombinierte die schönsten Tirol-Aufnahmen aus Rihas Dokumentationen Glockner – Der schwarze Berg und Lech - Der letzte Wildfluss mit minimalistischer, orchestraler Musik des US-amerikanischen Komponisten Philip Glass.https://www.cine.tirol/filmtourismus-tirol/ Dieser schrieb für das österreichische Festival Klangspuren Schwaz in Tirol das Klavierkonzert Tirol Concerto for Piano and Orchestra, das am 22. September 2000 uraufgeführt wurde. Der zweiten Satz des Stücks, das vom Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies eingespielt wurde, diente als Guide-Track für den Filmschnitt.