mini|Blick auf die Villa rustica Laufen (Zustand 2025) Die Villa rustica Lauffen am Neckar ist ein konservierter und restaurierter römischer Gutshof aus der Zeit des zweiten bis dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung auf dem Gebiet der Stadt Lauffen im baden-württembergischen Landkreis Heilbronn.
Lage und Entdeckungsgeschichte
Das Gelände der Villa rustica befindet sich in der Senke einer Felsterrasse oberhalb eines steil abfallenden Hangs zum Neckarufer. Im Laufe der Jahrhunderte war die Senke von Schwemmlehmschichten überdeckt worden, wodurch die Mauerreste vorzüglich geschützt waren. Heute ist die Gegend von Weinbergen und Obstanlagen umgeben und gestattet, wie schon in antiker Zeit, einen guten Ausblick ins Neckartal. Das Villengelände befindet sich in den Gemarkungen Brunnenäcker und Nonnenberg und ist über die Straße von Ilsfeld nach Lauffen erreichbar. Vom Lauffener Ortskern ist die Villa rustica etwa 2 km entfernt, der Weg durch die Weinberge ist für den allgemeinen Fahrzeugverkehr jedoch nicht zugelassen.
Die Villa rustica wurde erst 1978 bei Rebflurbereinigungsarbeiten entdeckt und in der folgenden Zeit vollständig durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemeberg untersucht. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes wurde die Anlage anschließend konserviert und teilrekonstruiert. Die großflächigen Untersuchungen zeigten aber auch deutliche Spuren vor- und nachrömischer Besiedlung der Hallstattzeit, der Latènezeit und der Völkerwanderungszeit, letztere in Form frühallamannischer Gräber unweit des Villengeländes.Dieter Planck: Lauffen am Neckar (HN). Römischer Gutshof. In: Ders. (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 175–178.Dieter Planck: Lauffen am Neckar (HN). Römischer Gutshof. In: Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg, Theiss, Stuttgart 1986³, ISBN 3-8062-0287-7, S. 401–405.
Anlage
Die Villa rustica wurde von einer mindesten 2,5 m hohen Hofmauer umgeben. Die Ausgrabungen zeigten eine zweiphasige Anlage. Die ältesten Bauwerke (Gebäude I bis III) wurden vermutlich um das Jahr 150 u. Z. errichtet. Im späten zweiten Jahrhundert erfolgte eine Erweiterung des umfriedeten Geländes und die Errichtung eines weiteren Gebäudes (Gebäude IV) nach Nordwesten hin, so dass die Anlage schließlich vier Gebäude auf einer Fläche von 94 × 90 m (= 8460 m²) umfasste. Die ausgeklügelte Wasserversorgung wurde von einer heute noch aktiven, 100 Meter oberhalb gelegenen Quelle gespeist. Höchstwahrscheinlich um das Jahr 260 wurde die Villa im Zusammenhang mit den Ereignissen des so genannten Limesfalls aufgegeben.
Gebäude I
Das ältere Wohngebäude I wurde unmittelbar am Rande der Neckarterrasse errichtet. Es umfasste in einer ersten Bauphase nur bescheiden 10 m mal 8 m (= 80 m²), wurde jedoch mehrfach umgebaut und erweitert, so dass sich seine Größe zum Schluss auf 15 m mal 13 m (= 195 m²) belief. Einer der Räume war mit Wandverputz ausgestattet, ein anderer mit einem Hypokaustum. Das Gebäude enthielt einen in den anstehenden Felsen gehauenen Vorratskeller, in dessen Boden zusätzlich noch eine wohl zur Kühlung von Speisen bestimmte rechteckige Grube geschlagen worden war.
Gebäude II
Das als Gebäude II bezeichnete Bauwerk maß ursprünglich 18 m mal 15 m (= 270 m²), wurde in der letzten Bauphase jedoch nach Westen hin auf 22 m mal 15 m (= 330 m²) erweitert. Breite und Tiefe der massiven Fundamente sprechen für eine Funktion als Wirtschaftsgebäude, wobei jedoch offen bleiben muss, ob es sich um ein Kelterhaus oder eine Scheuene gehandelt hat. Es wurde zumindest eine falx arborea, ein kleines, eisernes Rebmesser gefunden, das in Richtung Weinbau weist. Ferner gelang die Bergung einer mit Eisen beschlagenen Holzkiste, in der sich verkohlte Bohnen befanden.
Gebäude III
Das offenbar den Ansprüchen seiner Bewohner schließlich nicht mehr genügende Wohngebäude I wurde schließlich durch das größere, nach Osten zurückversetzte Gebäude III ersetzt. Das neue Wongebäude war mit 23 m mal 18 m (= 414 m²) doppelt so groß wie sein Vorgänger und entsprach dem Bautyp der Portikusvilla mit Eckrisaliten, wobei diese hypokaustiert und vermutlich zweigeschossig waren. Von der Portikus der Querhalle zwischen den Risaliten konnten noch Teile gedrehter Sandsteinsäulen geborgen werden. Eins dieser Säulenstücke wurde am Fundort wieder aufgestellt. Ein laggestreckter, oberhalb der Portikus liegende Raum wurde als Wohnhalle angesprochen, ihr hinterer, südöstlicher Teil könnte eine Küche gewesen sein. An der Nordostecke des Bauwerks befand sich eine kleine Thermenanlage, die man von der Wohnhalle aus durch ein Apodyterium (Umkleideraum) betrat und die aus Caldarium (Warmbaderaum) und Frigidarium (Kaltbaderaum) bestand, die beide mit entsprechenden, rot verputzten, eingebauten Wannen ausgestattet waren. Das Hypokaustum des Caldariums wurde über ein seitlich angebautes Praefurnium (Feuerungsstelle) versorgt, das auch das Wasser erhitzte. Ebenfalls angebaut war eine kleine, rechteckige Toilette. Die Wasserentsorgung der beiden Baderäume und der Toilette erfolgte über einen gemauerten und auf der Innenseite verputzten Abflusskanal.
Gebäude IV
Gebäude IV ist wieder ein Wirtschaftsgebäude, das an der südöstlichen Ummauerung lag und wahrscheinlich der Unterbringung von Fuhrwerken und landwirtschaftlichen Geräten diente. Im Schutt des Gebäudes konnte das Bruchstück eines Reliefs des Mercurius geborgen werden.
Präsentation, Fundverbleib und Denkmalschutz
mini|Modell der Villa rustica vor Ort (2025) Die konservierten und teilrestaurierten Mauern können im Gelände besichtigt werden, ein Modell vor Ort veranschaulicht das ehemalige Aussehen der Anlage. Das Fundmaterial aus der Villa rustica wird im so genannten „Klosterhof“„Klosterhof“ auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Lauffen am Neckar, abgerufen am 27. Mai 2026. des „Hölderlinhauses“, dem früheren „Museum der Stadt Lauffen im Klosterhof“ aufbewahrt und präsentiert.„Hölderlinhaus“ auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Lauffen am Neckar, abgerufen am 27. Mai 2026.
Das Bodendenkmal „Villa Rustica (Lauffen)“ ist geschützt als eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes des Landes Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.
Siehe auch Liste von Villae rusticae
Literatur
Jörg Biel: Archäologische Fundstellen im Rebflurbereinigungsgebiet von Lauffen am Neckar. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, Heft 3/1980, Stuttgart 1980, S. 81–85. (PDF; 869 KB) Dieter Planck: Das römische Landgut bei Lauffen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, Heft 1/1979, Stuttgart 1979, , S. 27–35. (PDF; 8,8 MB) Dieter Planck: Die Römer im Neckartal. In: Stadt Lauffen am Neckar (Hrsg.): 750 Jahre Stadt Lauffen a.N. Heimatbuch anlässlich des Stadtfestes 1984. Stadt Lauffen, 1984, S. 45ff. Dieter Planck: Lauffen am Neckar (HN). Römischer Gutshof. In: Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg, Theiss, Stuttgart 1986³, ISBN 3-8062-0287-7, S. 401–405. Dieter Planck: Lauffen am Neckar (HN). Römischer Gutshof. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 175–178. Tamara Spitzing: Die Villa rustica von Lauffen a.N. In: Stadt Lauffen am Neckar (Hrsg.): 750 Jahre Stadt Lauffen a.N. Heimatbuch anlässlich des Stadtfestes 1984. Stadt Lauffen, 1984, S. 62ff. Tamara Spitzing: Die römische Villa von Lauffen a.N. (Kr. Heilbronn). (= Materialhefte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Heft 12, zugleich Dissertation an der Universität Freiburg). Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0730-5.
Weblinks
Römischer Gutshof Lauffen auf roemer-tour.de Rekonstruktionszeichnung auf der Webpräsenz des Limesmuseums Aalen
Einzelnachweise
Lauffen Lauffen, Villa rustica Kategorie:Kulturdenkmal in Lauffen am Neckar Kategorie:Bauwerk in Lauffen am Neckar Kategorie:Erbaut im 2. Jahrhundert