mini|Benediktinerabtei St. Stephan zu Augsburg mini|Blick auf Kirche und einen Teil des Klosterbaus
Das Kloster St. Stephan in Augsburg ist seit 1835 eine Benediktinerabtei im Bistum Augsburg, die der Bayerischen Benediktinerkongregation angehört. Ursprünglich war es ein im Jahr 969 gegründetes Frauenkloster, ab dem 13. oder 14. Jahrhundert ein Kanonissenstift, und ab dem 15. Jahrhundert bis zu seiner Auflösung 1803 ein säkulares Damenstift.
Zum Kloster gehört die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Abteikirche St. Stephan. Dem Kloster schließt sich im Norden das Gymnasium bei St. Stephan an.
Geschichte Frauenkloster Gemäß der Ulrichsurkunde genannten Stiftungsurkunde war der Ausgangspunkt eine dem Heiligen Stephanus geweihte Kirche vor den nördlichen Mauern der Stadt, die durch den Archdiakon Amalrich, seinen Neffen, den Diakon Walther, und Elesinde durch Vergabung von Gütern unter anderem in Batzenhofen und Gersthofen gegründet wurde. Elesinde richtete sich bei dieser Kirche eine Zelle ein, um ein einsam erbauliches Leben zu führen. Nach dem Tode von Amalrich und Walther gründete Ulrich, Bischof von Augsburg und späterer Heiliger, am 23. April 969Placidus Braun, in: zu seinem, seiner Anvertrauten und der Stifter Seelenheil das Frauenkloster St. Stephan. Er ernannte Elesinde zu dessen erster Äbtissin und gestattete den Nonnen, nach deren Hinscheiden sich selbst eine neue Äbtissin zu wählen.Placidus Braun, in:
Einige Geschichtsschreiber nahmen an, dass Elesinde eine Tochter des Grafen Hupalds von Dillingen und eine Schwester des Bischofs Ulrich gewesen sei. Dies gilt jedoch als stark zu bezweifeln.Placidus Braun, in: Ihr Geburts- oder Todesjahr ist unbekannt.
Es ist nicht überliefert, welcher Ordensregel das Frauenkloster gehorchte. Jedoch vermutet Placidus Braun, dass es die Regula Benedicti gewesen sei.Placidus Braun, in:
Das Kloster brannte in den Jahren 1059 und 1205 ab.
Kanonissenstift Im 13. oder 14. Jahrhundert – es ist weder das genaue Jahr, noch der Name der Äbtissin überliefert, doch eine päpstliche Bulle Benedikts XII. aus dem Jahr 1335 begrenzt den möglichen Zeitraum nach hinten – gab sich das Frauenkloster eine neue Verfassung und wandelte sich in ein Kanonissenstift um. Die Chorfrauen waren seither Kanonissen ohne Ordensgelübde, die im Stift nach der Augustinusregel lebten.Placidus Braun, in:
Um das Jahr 1300 wurde das Gebiet nördlich der Bischofsstadt auf der Hochterrasse, in dem das Stift liegt, ummauert und in die Stadt integriert. Es wird seither die Untere Stadt genannt, im Unterschied zur Oberen Stadt im Süden der Bischofsstadt. Das Stadttor in der Nähe des Klosters erhielt zunächst den Namen St. Gallentor, ab der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde es Stephingertor genannt.Bernhard Weißhaar, Kleines Bildarchiv zur Baugeschichte von St. Stephan, in: Das Tor ist heute nicht mehr vorhanden.
Im Jahr 1380 berichtet die Hausgeschichte des Klosters, dass es wegen der Anlage eines Grabens als Teil der Stadtbefestigung vom Oblattertor bis zum Einlaß einen bedeutenden Nachteil an Grundstücken erlitten habe.Placidus Braun, in:
Säkulares Damenstift mini|hochkant=1.8|Das freiweltlich adelige Damenstift St. Stephan. Kupferstich von Simon Grimm, 1683.
Im 15. Jahrhundert gab sich das Kanonissenstift abermals eine neue Verfassung und wandelte sich in ein Säkular-Kollegiatstift („freiweltlich adeliges Damenstift“) um. Dies soll unter der Äbtissin Agnes von Ostenheim während des Konzils von Konstanz geschehen sein. Eine päpstliche Bulle Martins V. vom Jahr 1421 nennt es erstmals ein Säkular-Kollegiatstift. Der gemeinsame Tisch und das Schlafhaus wurden aufgehoben. Die Stiftsdamen, die sich ausschließlich aus dem schwäbischen Landadel rekrutierten, hatten seither Privatwohnungen. Die religiöse Tracht wurde abgelegt, nur eine nonnenförmige Chorkleidung wurde beibehalten. Die Stiftsdamen durften Privatbesitz haben und von diesem zusätzlich zu den Einkünften aus dem Stiftsvermögen leben. Sie waren in keiner Klausur und durften auch heiraten. Lediglich den Äbtissinnen blieb der Ehestand weiterhin verwehrt.Placidus Braun, in:
Im Jahr 1458Placidus Braun, in: oder 1459 brannte das Stift erneut ab.
1581 verfügte der Augsburger Bischof Marquard II. vom Berg und der Domdekan Johann Otto von Gemmingen durch ein Dekret, dass die adligen Fräulein wieder in einem gemeinsamen Schlafsaal nächtigten. Ihre Privatwohnungen durften sie nur noch tagsüber benutzen.Placidus Braun, in: Nach dem Tod der Äbtissin Euphrosina 1596 verschärfte Johann Otto von Gemmingen, der nunmehr selbst Bischof war, massiv die Regeln des Stiftes. Die Privatwohnungen wurden aufgelöst. Als Kleidung hatten die Stiftsdamen fortan eine einheitliche Haustracht zu tragen und es wurde ein gemeinschaftliches Chorgebet wie in einem Kloster eingeführt. Ohne Erlaubnis der Äbtissin durfte das Stift nicht mehr verlassen werden. Wenn sich eine Stiftsdame verheiraten wollte, musste sie das Stift verlassen.Placidus Braun, in: Die Äbtissin war nun dem jeweiligen Domdekan unterstellt.
Im 18. Jahrhundert kam das Stift St. Stephan zu neuer Blüte. Der Neubau seiner Stephanskirche unter dem fürstbischöflichen Hofbaumeister Franz Xaver Kleinhans erfolgte in den Jahren 1755/57. 1789 reformierten die Stiftsdamen auf eigenen Wunsch ihre Verfassung.Placidus Braun, in: Unter Äbtissin Maria Antonia Reichsfreifrau von Welden wurde 1796 mit einem kompletten Neubau für den Konvent begonnen. Das Stift wurde aber dann 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und kam in Besitz der Stadt. Zum Zeitpunkt der Auflösung hatte das Kloster neben der Äbtissin sieben Kapitulardamen.Placidus Braun, in: Es wurde 1807 geräumt. 1816 richtete die Armee dort ein Monturmagazin ein.
Äbtissinnen Da die Institution mehrere Male alte Urkunden verlor, lässt sich die Liste ihrer Äbtissinnen nur mit Lücken und Unsicherheiten rekonstruieren. Eine wichtige Quelle ist das sogenannte Wappenbuch von St. Stephan, doch auch dieses enthält Fehler, da sich einige seiner Angaben mit anderen erhaltenen Dokumenten widersprechen. Die folgende Liste der Äbtissinnen folgt hauptsächlich einem Aufsatz von Placidus Braun aus dem Jahr 1794, der damals die ihm verfügbaren Quellen auswertete. Die Jahreszahlen geben die Amtszeiten an. Elesinde (Eleusina, Ellensind, 969–?), erste Äbtissin von St. Stephan, später als Schwester des hl. Ulrich bezeichnet, in St. Gallus begrabenPlacidus Braun, in: ... (verlorene Namen) AgnesPlacidus Braun, in: ... (verlorene Namen) Adelheid von Stann (1199–?), soll die Umwandlung vom Kloster ins Damenstift befördert habenPlacidus Braun, in: Adelheid von Glaheim (vor 1241–?)Placidus Braun, in: Irmengard (vor 1260–?)Placidus Braun, in: Offmya (Offemia, Euphemia, 1297)Placidus Braun, in: Elisabeth von Braitenau (1280–1295/96/97?)Placidus Braun, in: Agnes von Usenhofen (unsicher)Placidus Braun, in: Irmengard von Maunheim (vor 1297–?). Bischof Wolfhard von Roth gab ihr und dem Konvent im Jahr 1298 den Befehl, dass jede eines ärgerlichen Vergehens schuldige Kanonissin ihrer Präbende verlustig sein soll.Placidus Braun, in: Willibirg (Wilbirg, Wilbirk) von Thurheim (vermutlich 1326–1344)Placidus Braun, in: Katharina Schenk (1346–1382). Während ihrer Amtszeit wurde um das Jahr 1380 Augsburg erweitert und die Frauenvorstadt vom Oblatter Tor bis zum Einlaß mit einem Graben umgeben. Sankt Stephan ist seither innerhalb der Stadt gelegen.Placidus Braun, in: Benigna von Wasserburg (1382–1387)Placidus Braun, in: Katharina von Lichtenegg (1387–?)Placidus Braun, in: Agnes von Ostenheim (vor 1405–1422?). Unter ihrer Leitung wurde das Kanonissenstift zum Säkularstift umgewandelt.Placidus Braun, in: Guta von Holzheim (von Holzen, von Roth?, 1422?–1429?)Placidus Braun, in: Elisabeth von Lichtenau (1429?–1436/37?)Placidus Braun, in: Ursula von Weiler (1437?–1475)Placidus Braun, in: Anna Harscherin (vor 1476–1488)Placidus Braun, in: Anna von Werdenstein (1488–1497). Sie wurde von Bischof Friedrich II. von Zollern wegen Misswirtschaft ihres Amts enthoben.Placidus Braun, in: Ursula von Bernstadt (1497–1517)Placidus Braun, in: Anna von Ochsenstein (von Ostheim, 1517–1521?)Placidus Braun, in: Agnes von Giltingen (1522–1523)Placidus Braun, in: Anna von Freiberg (Freyberg, 1523–1553). In ihre Amtszeit fiel die Reformation. Da sie sich mit ihren Kapitelfrauen den Verordnungen des lutherischen Magistrats nicht fügen wollte, mussten sie 1537 das Stift und die Stadt für 11 Jahre verlassen, die sie im Kloster Höchstädt an der Donau verbrachten. Sie verweigerte einer Stiftsdame, die sich zur lutherischen Lehre bekannte, den Fortgenuss ihrer Präbende. 1548 kehrte sie mit ihren noch übrigen Damen in ihr beschädigtes Stift zurück.Placidus Braun, in: Dorothea von Fridingen (1553–1561)Placidus Braun, in: Euphrosina (Euphrosyna) von Kreuth (1561–1596)Placidus Braun, in: Maria von Frauenberg (1596–1602), die erste Äbtissin unter der verschärften OrdnungPlacidus Braun, in: Magdalena von Langeneck (Langenegg, 1602?–1612?)Placidus Braun, in: Dorothea von Schwendi (1612–1650). Unter ihrer Amtszeit stürzte der Kirchturm ein. Er wurde neu aufgebaut und zugleich die Kirche renoviert (Vollendung 1620). Das Stift verarmte im Dreißigjährigen Krieg und hatte bei ihrem Tod nur noch zwei Damen. Eine dritte wurde aufgenommen, damit das Kapitel wieder beschlussfähig wurde.Placidus Braun, in: Dorothea von Westernach (1650–1678)Placidus Braun, in: M. Kleopha von Hallwill (1678–1681)Placidus Braun, in:
Margaretha Theresia von Bodmann (1681–1694)Placidus Braun, in: Susanna von Sirgenstein (1694–1706). Unter ihrer Amtszeit litt das Stift im Spanischen Erbfolgekrieg.Placidus Braun, in: Maria Eva Rosina Theresia Freiin von Bodman (1706–1747). Sie die Stiftsgebäude erneuern und den Garten neu anlegen. Sie ließ außerdem drei Kirchen bauen: 1718–1720 St. Martin in Batzenhofen, ab 1720 St. Johann Baptist in Asch (Fuchstal) und 1722–1724 St. Martin in Pfaffenhofen an der Zusam.Placidus Braun, in: M. Beata Amalia Josepha Freiin von Welden (1747–1789). Sie erbaute 1751 das Pfarr- und Mesnerhaus in der Stadt und stellte von 1755 bis 1757 die Stiftskirche neu und ohne Pfeiler im Rokokostil her. 1773 ließ sie den Pfarrhof zu Bergheim und 1787 den zu Pfaffenhofen erbauen.Placidus Braun, in:
M. Antonia Aloisia Keszentia Josepha Johanna Freiin von Welden (1789–1803, eine Nichte der vorhergehenden Äbtissin). In ihre Amtszeit fielen die Unruhen der Französischen Revolution. Sie ließ die Wohnungen des Stifts in vier Jahren mit großen Kosten von Grund auf neu bauen. Kurz darauf wurde das Stift in der Säkularisation aufgelöst.Placidus Braun, in:
Monturmagazin Nach der Säkularisation gab König Max I. von Bayern die Gebäude des vormaligen Damenstifts an den General-Kommandanten der Provinz Schwaben, General Fürst Carl Philipp von Wrede, zur Bewohnung. Dieser ließ die Taufkapelle abreißen, um an deren Stelle ein langgestrecktes Glashaus für seine Passion, die Blumenzucht, zu erbauen.Bernhard Weißhaar, Kleines Bildarchiv zur Baugeschichte von St. Stephan, in: 1816 wurden die ehemaligen Stiftsgebäude dem neuen Zweck eines königlichen Monturmagazins zugefügt. Ein großer neuer Trakt wurde für diesen Zweck entlang der Gartenmauer am Gässchen Karmelitenmauer erbaut.Bernhard Weißhaar, Kleines Bildarchiv zur Baugeschichte von St. Stephan, in:
Benediktinerabtei mini|Geschichtstaler von 1835 anlässlich der Übergabe der Lehranstalt St. Stephan an die Benediktiner