miniatur|Reining: Westernreiten bei einem Reitturnier miniatur|Vierspännerfahren Ein Turnier im Pferdesport, meist Reitturnier, umfasst Wettkämpfe mit dem Pferd als Sportpartner. Dabei treten Reiter und Pferde in verschiedenen Prüfungen gegeneinander an.
Im Pferderennsport ist der Begriff „Turnier“ nicht üblich, die Renntage im Galopp- und Trabrennsport folgen eigenen Regeln (hierzu siehe Pferderennen und Trabrennsport). Weitergehende Informationen zum Voltigieren als Turniersport sind unter Voltigieren als Turniersport zu finden.
Geschichte miniatur|Der Merrion Square in Dublin, Austragungsort der ersten Springprüfungen im Jahr 1864 Die Ursprünge von Wettbewerben „zu Pferde“ bzw. mit von Pferden gezogenen Wagen geht weit zurück: Bereits im Ägypten des Altertums finden sich Belege für Reiterballspiele (ca. 2000 v. Chr.). Wagenrennen waren im Altertum in mehreren Hochkulturen verbreitet. Im Mittelalter waren Pferde fester Bestandteil des ritterlichen Wettkampfes bei Turnieren. Viele Aufgaben und Lektionen der höfischen Reitkunst des Barock finden sich heute im heutigen Dressurreitsport wieder. Der Pferderennsport vollzog seine eigene geschichtliche Entwicklung seit der Antike.
Die Anfänge des Reitsports der Moderne erfolgen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Als Geburtstag wird heute der 15. April 1864 angesehen: An diesem Tag führte die Royal Dublin Society vor dem Leinster HouseLeinster House, dublin.de, abgerufen am 28. Juli 2019 in Dublin zwei Wettbewerbe durchführen, die die Eignung von Pferden für die Fuchsjagd überprüfen sollten. Es handelte sich um einen Hochsprung- und einen Weitsprungwettbewerb. Zwar hatte es auch schon zuvor in Europa und Nordamerika Pferdeschauen gegeben, wobei es sich jedoch weniger um sportliche Wettbewerbe von Mensch und Pferd, sondern eher um Zucht- und Eignungskonkurrenzen handelte.
In Nordamerika geht die Upperville Colt & Horse Show in Virginia auf das Jahr 1853 zurück, doch auch hier wurden Springprüfungen vermutlich erst später ausgerichtet. Eine weitere frühe Austragungsstätte neben der Dublin Horse Show (seit 1881 in Ballsbridge) war der ab 1866 durchgeführte mehrwöchige Concours central in Paris. Dieser fand zunächst im Palais de l’Industrie und von 1901 bis 1958 im Nachfolgebau, dem Grand Palais, statt.
Im deutschsprachigen Raum machte Pressburg (Bratislava) den Anfang. Hier fand 1872 im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung besonders rittige Militärpferde vorgestellt, ein Jahr später (am 25. April 1873) wurde mit dem „Preisreiten“ eine erste Form der Dressurprüfung durchgeführt., Cornelia Wumkes im Magazin des CHIO Aachen (PDF) Diese Veranstaltung wechselte 1875 nach Wien-Krieau, wo mit dem „Preisspringen“ auch eine Springprüfung hinzukam.
In den 1890er Jahren kamen Fahrsportwettbewerbe sowie kurzzeitig sogenannte Dauerritte (Raids), militärische Vorläuferveranstaltungen des heutigen Distanzreitens, auf. Im Springreiten kam die Begrifflichkeit Grand Prix (Großer Preis) für die Hauptprüfung einer Veranstaltung auf. Im Deutschen Reich wurden die ersten Concours hippique ab den 1890er Jahren durchgeführt.
miniatur|Hochsprungwettbewerb beim CHI Paris 1900 (Olympische Spiele 1900) Im Jahr 1900 wurde aus Anlass der Weltausstellung in Paris im Anschluss an den Concours central an drei Tagen internationale Wettbewerbe durchgeführt, der erste Concours Hippique International (CHI). Dieser Wettbewerb, fast ohne Beteiligung der bis zum Zweiten Weltkrieg im Reitsport prägenden Offiziere stattfand, wurde nachträglich zu den ersten Reitsportwettbewerben der Olympischen Spiele der Neuzeit erklärt.
Mit dem Championnat du cheval d’armes 1902 wurde die erste Military (Vielseitigkeitsprüfung)Naissance de l’équitation sportive, communaute-tradition-equestre-francaise.org durchgeführt, drei Jahre später die erste internationale Military 1905 in Brüssel. Im Jahr 1909 wurde der erste Nationenpreis im Springreiten in der Londoner Olympia Hall ausgetragen. Im Jahre 1912 wurden drei Reitsportdisziplinen dann in den festen Kreis der olympischen Disziplen aufgenommen. Die Gründung des Weltpferdesportverbandes FEI erfolgte erst 1921.
In den 1920er Jahren erlebten Amazonenprüfungen für Damen im Springreiten eine Blüte. In den Jahren 1929 bis 1932 wurden sogar eigene Nationenpreise für „Amazonen“ ausgeschrieben. Auch wenn zivile „Herrenreiter“ bereits von Beginn der modernen Reitsportwettbewerbe an eine große Rolle spielten, waren sie doch bis 1948 weitgehend von den olympischen Reitwettbewerben ausgeschlossen – dort waren lange Zeit nur Offiziere zugelassen. Ab 1952 begann dann auch bei den Olympischen Spielen die Entwicklung des Reitsports hin zu zivil geprägten Sportdisziplinen, bei denen Männer und Frauen in Wettbewerben zusammen antreten. Im Springreiten wurden in den Nachkriegsjahrzehnten bis 1974 noch gesonderte Welt- und Europameisterschaften für Amazonen ausgeritten.
Turnierzeiten In der Regel finden Turniere an den Wochenenden (Freitag bis Sonntag) statt. Kleinere, oft ein- oder zweitägige Turniere, die sich hauptsächlich an Berufsreiter richten und überwiegend aus Prüfungen für junge Pferde bestehen, finden auch unter der Woche statt.
Der mögliche Zeitraum für Pferdeleistungsschauen richtet sich nach der Disziplin. Turniere im Vielseitigkeits- und Distanzreiten sind an die „Grüne Saison“ gebunden und finden daher von April bis Oktober statt. Andere Pferdesportdisziplinen können auch in Hallen stattfinden, somit steht das gesamte Jahr als Veranstaltungszeitraum zur Verfügung. Generell findet jedoch eine deutlich höhere Zahl von Turnieren in der „Grünen Saison“ statt.
Reglement Im Rahmen der Turniere werden eine oder mehrere Prüfungen ausgetragen. Diese Prüfungen können nach internationalem Reglement der FEI oder nach nationalem Reglement durchgeführt werden.
Internationale Turniere führen offiziell, je nach Disziplin, verschiedene französischsprachige Bezeichnungen. Bekannter als diese Bezeichnungen sind deren Abkürzungen, so zum Beispiel CDI für ein international ausgeschriebenes Dressurturnier.
In Deutschland wird zwischen den Begriffen Pferdeleistungsschau (abgekürzt PLS) und Breitensportveranstaltung (BV) unterschieden. Eine Pferdeleistungsschau ist ein Turnier, dessen Prüfungen nach internationalem Reglement der FEI oder nach nationalem Reglement durchgeführt werden. Die Prüfungen nationaler Pferdeleistungsschauen in Deutschland sind nach den Regeln der Leistungsprüfungsordnung (LPO) ausgeschrieben, im Rahmen dieser Turniere sind auch Wettbewerbe nach der Wettbewerbsordnung für den Breitensport (WBO) möglich.
Reine WBO-Turniere in Deutschland werden offiziell als Breitensportveranstaltung bezeichnet.Beispielhaft hierzu die Besonderen Bestimmungen der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen Baden-Württemberg, § 2 Diese können vom Wettbewerbsangebot Pferdeleistungsschauen sehr ähnlich sein (zum Beispiel Hausturniere von Reitervereinen mit Spring- und Dressurprüfungen), können aber auch deutlich darüber hinausgehen (Breitensportturnier).
In Österreich regelt die Österreichische Turnierordnung (ÖTO) den Ablauf von Reitturnieren, in der Schweiz sind dies die Reglemente des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport.
Bei Turnieren kommen unterschiedliche Klasseneinteilungen zum Einsatz, so werden sowohl verschiedene Prüfungsklassen (von der Einsteigerklasse bis zur schweren Klasse) als auch Alters- und Leistungsklassen unterschieden.
Richter und Richten miniatur|hochkant=1.2|Dressurrichter bei der Notenvergabe Den Richtern kommen bei einem Turnier im Pferdesport zwei Aufgaben zu. Zum einen überwachen sie den regelgerechten Ablauf der Veranstaltung. Zum anderen richten sie die verschiedenen Prüfungen wie Springen und Dressur. Während Richtern in Springprüfungen meist eine eher beobachtende Rolle zukommt, entscheiden sie in Dressurprüfungen und in Stilspring- sowie Aufbauprüfungen über die Bewertung der einzelnen Ritte. Wie in fast allen Sportarten ist der Richterspruch endgültig. Es gibt jedoch Möglichkeiten des Einspruchs.
Alle Richter mit der jeweiligen Zulassung für die verschiedenen Klassen und Disziplinen werden jedes Jahr in der Richterliste veröffentlicht. Um die Zulassung für eine Klasse zu erhalten, muss der Bewerber an Lehrgängen und Prüfungen teilnehmen. Um als Richter zugelassen zu werden, muss der Bewerber in der Regel über Leistungsabzeichen nachweisen, dass er über entsprechende eigene Reit-/Fahrpraxis verfügt.
Richter kommen auch bei Körungen, Hengstleistungsprüfungen und Zuchtschauen zum Einsatz.
Kleidung und Ausrüstung miniatur|Dressurreiterin bei einem internationalen Reitturnier, die Prüfung wird auf Kandare geritten Bei Turnieren existieren im Regelfall Kleidungsvorschriften, die sich jedoch zwischen den einzelnen Disziplinen unterscheiden. Bei Prüfungen für Turniereinsteiger sind diese oftmals weniger streng. Ob und in welcher Größe Logos oder Werbung zugelassen ist, ist ebenfalls geregelt.
Im Spring- und Dressurreiten sind beispielsweise für den Reiter dunkle Reitstiefel oder optisch ähnliche Chaps, helle (weiße) Reithose, Oberteil (Hemd oder Bluse), Reitsakko/-jackett, Krawatte bzw. Plastron und Reithelm zu tragen. In den höheren Prüfungsklassen im Dressurreiten ist anstelle eines Jacketts ein Frack zulässig bzw. vorgeschrieben. Aus der Ausschreibung und dem Turnierreglement geht bei Dressurprüfungen zudem hervor, ob diese auf Trense oder Kandare geritten werden müssen, in anderen Disziplinen sind die Art und Details der zulässigen Zäumungen generell im Turnierreglement festgelegt. Das nationale Reglement (LPO-Ausrüstungskatalog, LPO, WBO) bzw. internationale Reglement der FEI legt fest, ob beispielsweise Fliegenmützen erlaubt sind.
In Geländeprüfungen sind Sicherheitswesten zum Schutz des Reiters vorgeschrieben (siehe hierzu auch Vielseitigkeitsreiten#Ausrüstung). Generell sind Schutzwesten jedoch in allen Leistungsprüfungen erlaubt. In den Disziplinen des Westernreitens sind orientierten sich die Kleidungsvorschriften an der traditionellen Bekleidung der Cowboys Nordamerikas.
Neben den Hilfen sind in Turnieren auch der Einsatz von Hilfsmitteln reglementiert: einfache Hilfszügel sind höchstens in Einsteigerwettbewerben zugelassen, Martingale hingegen sind beim Springreiten in allen Klassen häufig anzutreffen. Für Sporen gibt es Regeln zur Benutzung und der zulässigen Größe. Der Einsatz von Gerten und Peitschen ist ebenfalls geregelt.
Siegerehrungen miniatur|Siegerehrungen bei einem internationalen Hallenreitturnier in Finnland: Die Siegerin bekommt einen Ehrenpreis überreicht Im Regelfall findet kurz nach Ende einer Prüfung eine Siegerehrung statt. In den Prüfungen eines Turniers wird je nach Ausschreibung platziert, meist ein Drittel oder ein Viertel des Starterfeldes. Meist bekommt das beste Viertel der Teilnehmer Preisgeld, soweit nicht in der Ausschreibung festgelegt ist, dass kein Preisgeld ausgezahlt wird. Ergänzend dazu werden teilweise Ehrenpreise (Sachpreise) vergeben.
Üblicherweise sind die platzierten Teilnehmer verpflichtet, an der Siegerehrung teilzunehmen, dies soll oder muss zusammen mit dem Pferd erfolgen. Bei der Siegerehrung erhalten die platzierten Sportler Schleifen, die während der Siegerehrung an der Ausrüstung des Pferdes befestigt werden. Welche Farben die Schleifen haben, ist nach Verband und Sportart unterschiedlich: während in Deutschland in vielen Pferdesportdisziplinen goldene Schleifen an den Sieger vergeben werden, orientiert sich das Westernreiten hier an den Vereinigten Staaten. Dort erhält der Sieger eine blaue Schleife.für deutsche Turniere nach dem Reglement der EWU: (PDF; 8,3 MB), Erste Westernreiter Union
Pferdeleistungsschauen (Deutschland) Ausschreibung und Nennung Pferdeleistungsschauen werden von einem Sportverein (Reitverein) ausgerichtet. Championate (Meisterschaften) oder Zuchtveranstaltungen werden auch vom jeweiligen Verband (Landesverband, Regionalverband) ausgerichtet.