mini|František Drtikol, 1927 František Drtikol (* 3. März 1883 in Příbram, Österreich-Ungarn; † 13. Januar 1961 in Prag) war der erste bedeutende tschechische Photograph.
Leben Nach einer Fotografenlehre im Atelier Antonin Mattas in Příbram von 1898 bis 1901 besuchte Drtikol von 1901 bis 1903 die Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München. 1904 bis 1907 leistete er Militärdienst, von 1907 bis 1935 betrieb er ein eigenes Studio, zunächst in Příbram, ab 1910 in Prag. Er portraitiert Persönlichkeiten wie T. G. Masaryk, Alfons Mucha, Vlasta Burian oder Josef Čapek. International bekannt wird er mit seinen Aktfotos.
Schwerpunkt seiner Arbeit war die Aktfotographie im Stil des Art déco.Anna Fárová, Manfred Heiting (Hrsg.): Frantisek Drtikol. Photograph des Art Deco. Schirmer/Mosel, München 1986, ISBN 3-88814-683-6. In seinen frühen Werken lässt sich der Einfluss des Prager Symbolismus erkennen. In den 1920er und 30er Jahren prägten Stummfilm, Avantgarde und Art déco sein Schaffen.
Drtikol beschäftigt sich intensiv mit dem Buddhismus und fernöstlicher sowie christlicher Mystik. Mit seinen spirituellen Lehren beeinflusst er den Schriftsteller Egon Bondy und die Mystiker Květoslav Minařík und Jaroslav Kočí.
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab František Drtikol die Photographie auf und widmete sich fortan der Malerei. 1942 schenkt Drtikol sein Gesamtwerk dem Prager Kunstgewerbemuseum. 1945/46 war Drtikol Professor an der Schule für Graphik in Prag. Er tritt der kommunistischen Partei bei und engagiert sich bei der Machtübernahme 1948.
Sein Ruhm schwand und er starb 1961 nach schwerer Krankheit weitgehend vergessen. Eine Ausstellung von Anna Fárová widmete sich 1972 wieder seinem Werk. In jüngerer Zeit nimmt Drtikol wieder einen hohen Stellenwert in der Geschichte der tschechischen Photographie ein.
Ausstellungen 1924: Gruppenausstellung in der Royal Photographic Society, London. 1925: Teilnahme an Exposition internationale des Arts Décoratifs, Paris. (Erhält den Großen Preis.) 1972: Erste Retrospektive im Kunstgewerbemuseum in Prag. Katalog (s. Lit.). 1984: Tschechische Fotografie 1918–1948, Museum Folkwang, Essen. Katalog. 1999: Modern Beauty. Tschechische Avantgarde Fotografie 1918–1948, Die Neue Sammlung, München, Mission du Patrimoine photographique, Paris, Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona und Musée de l’Elysée, Lausanne. 2004: František Drtikol: Fotografien von 1918–1935, Kunstgewerbemuseum in Prag.Fotoausstellung von František Drtikol: Fotografien von 1918–1935 im Kunstgewerbemuseum in Prag 2004 2009: Tschechische Fotografie des 20. Jahrhunderts, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag
Literatur Anna Fárová: Fotograf František Drtikol. Ausstellungskatalog. Kunstgewerbemuseum in Prag, 1972. Anna Fárová: Frantisek Drtikol. Photograph des Art Deco. Herausgegeben von Manfred Heiting. Aus dem Französischen übertragen von Michael Bischoff. Schirmer/Mosel, München 1986, ISBN 3-88814-683-6. Vladimír Birgus: Tschechische Avantgarde-Fotografie 1918–1948. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1999, ISBN 3-89790-011-4. Ulrich Pohlmann, Rudolf Scheutle: (Hrsg.): Lehrjahre, Lichtjahre. Die Münchner Fotoschule 1900–2000. Schirmer/Mosel, München 2000, ISBN 3-88814-943-6. Howard Greenberg, Annette und Rudolf Kicken (Hrsg.): Czech Vision. Avantgarde Photography in Czechoslovakia. Hatje Cantz, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7757-2030-4. Annette und Rudolf Kicken: Drtikol – Photographie. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-2600-9.
Weblinks
SK Josefsberg Studio – Frantisek Drtikol Frantisek Drtikol Die Lehre von František Drtikol
Einzelnachweise
Kategorie:Fotograf (Tschechien) Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Künstler des Art déco Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1961 Kategorie:Mann