Die Glencore plc ist die weltweit grösste im Rohstoffhandel und Bergwerksbetrieb tätige Unternehmensgruppe. Ihr operativer Hauptsitz befindet sich in Baar in der Schweiz. Der Konzern befand sich bis Mai 2011 vollständig im Privatbesitz des Managements und von Mitarbeitern in Schlüsselpositionen. Seit dem Börsengang an der London Stock Exchange 2011 werden Glencore-Aktien öffentlich gehandelt. Glencore ist Mitglied im britischen Leitindex FTSE 100.

Glencore ist umsatzmässig vor Vitol das grösste Unternehmen der Schweiz. Direkt oder indirekt werden rund 150.000 Mitarbeiter beschäftigt, von denen 60.000 an über 19 Standorten in 12 Ländern die industriellen Aktivitäten ausführen; für das Marketing sind etwa 2.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern zuständig.

Mit einem Umsatz von 256 Milliarden US-Dollar, bei einem Gewinn von 17,3 Milliarden US-$, stand Glencore im Jahr 2022 laut den Forbes Global 2000 auf Platz 59 der weltgrößten Unternehmen. Die Forbes Global 2000 des Jahres 2021 benannten Glencore International als das 415-größte börsennotierte Unternehmen der Welt.

Glencore werden nach einer Auswertung der Carbon Majors für den Zeitraum 1988 bis 2015 rund 0,38 % der weltweit industriell erzeugten Treibhausgasemissionen zugerechnet. Die Berechnung berücksichtigt neben direkten Emissionen auch die Emissionen aus der Nutzung der von dem Unternehmen produzierten bzw. vermarkteten fossilen Energieträger.

Unternehmen mini|Glencore Hauptsitz in Baar Das Unternehmen wurde 1974 von Marc Rich unter dem Namen Marc Rich + Co AG gegründet. Nach dem 1994 vom Management de facto erzwungenen Ausscheiden des Gründers wurde die Firmierung auf Glencore (Global Energy Commodity and Resources) geändert. Zunächst konzentrierte sich Glencore auf den physischen Handel mit Metallen, mineralischen Rohstoffen und Erdöl. In der Folge expandierte das Unternehmen mit Öl- und Kohleprodukten in den Energiebereich. Durch die Akquise einer etablierten niederländischen Getreidevertriebsgesellschaft im Jahr 1982 stieg Glencore in die Agrarwirtschaft ein. Durch weitere Akquisitionen in den Bereichen Bergbau, Verhüttung, Raffinerie und Verarbeitung expandierte das Unternehmen in den 1980er und 1990er Jahren weiter.

Die zwölf obersten Manager sind zugleich die grössten Aktionäre von Glencore. Mit einem Anteil von geschätzten 10 Prozent galt der ehemalige Verwaltungsratspräsident Willy Strothotte 2010 als grösster Einzelaktionär. Im April 2011 wurde Simon Murray zu Strothottes Nachfolger ernannt, nachdem Gespräche mit dem als Wunschkandidaten gehandelten ehemaligen BP-Vorstandsvorsitzenden John Browne im Sand verlaufen waren. Zuvor wurde bereits der ehemalige BP-Manager Tony Hayward zum Verwaltungsrat ernannt.

Murrays Verpflichtung diente der Vorbereitung des Börsenganges, der dem Unternehmen 12 Milliarden US-Dollar einbringen sollte. Der Börsengang erfolgte in London am 19. Mai 2011; seit dem 25. Mai 2011 werden die Papiere auch in Hongkong gehandelt. Glencore wurde vorab mit 61 Milliarden US-Dollar bewertet und 16,9 Prozent der Aktien wurden an die Börse gebracht; dies war der grösste Börsengang im Jahr 2011. Schweizer Banken wurden die Kernaktionäre des Unternehmens. Im Zuge des Börsenganges wurde eine Holding auf der Insel Jersey gegründet, einer Steueroase. Die Holding soll der juristische Sitz von Glencore sein, der operative Hauptsitz ist weiterhin in Baar. Nach Angabe des geschäftsführenden Vorstands sollte der Börsengang keinen Einfluss auf das Geschäft haben, laut Experteneinschätzung diente er ausschliesslich der Erhöhung des Eigenkapitals.

Heute zählt Glencore zu den weltweit führenden Rohstoffkonzernen. Das Geschäftsfeld umfasst unter anderem die Produktion, die Verarbeitung und den Handel mit Aluminium, Aluminiumoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle und Öl, sowie Agrarprodukten (Getreide bzw. Reis, Ölsaaten, verzehrbare Pflanzenöle, Zucker, Biodiesel u. a.).

Am 7. Februar 2012 wurde die beabsichtigte Fusion mit der in Zug ansässigen Xstrata bekannt gegeben.Glencore und Xstrata: Zuger Bergbauriesen fusionieren zu neuem Giganten aus Cabo Ruivo, abgerufen am 7. Februar 2012 Nach eingehender Prüfung teilte die Europäische Kommission am 22. November 2012 in Brüssel mit, dass die angestrebte Fusion der beiden Konzerne zur Glencore Xstrata International plc genehmigt wurde. Als einzige Auflage wurde die Beendigung der Kooperation zwischen Glencore und dem Zinkhersteller Nyrstar genannt.Rohstoffe – EU gibt grünes Licht für Mega-Fusion. RP-Online, abgerufen am 22. November 2012 Im April 2013 gaben auch die chinesischen Regulierungsbehörden ihre Zustimmung zu der Fusion unter der Auflage, dass das peruanische Kupferbergwerk Las Bambas verkauft und bis zum Jahr 2020 den chinesischen Kunden bestimmte Mengen an Kupfer, Zink und Blei geliefert werden.Mega-Fusion von Glencore und Xstrata nimmt letzte Hürde, Tages-Anzeiger vom 16. April 2013.

Mit dem Zusammenschluss kündigte Unternehmenschef Ivan Glasenberg den Wegfall der Hauptsitze von Xstrata in London und Zug an sowie die Entlassung einer grossen Zahl vom Managern der mittleren Führungsebene.Glasenberg lässt Köpfe rollen, Tages-Anzeiger vom 3. Mai 2013. Auf der ersten Generalversammlung des fusionierten Konzerns im Mai 2013 wurde der bisherige Verwaltungsratspräsident John Bond abberufen; sein Nachfolger wurde Tony Hayward.Aktionäre servieren Glencore-Xstrata-Präsidenten John Bond ab, Tages-Anzeiger vom 16. Mai 2013. Für das erste Halbjahr 2013 meldete der Konzern Wertberichtigungen besonders im Bergbaubereich.Gerald Hosp: Glencore Xstrata mit milliardenschwerer Wertberichtigung., nzz.ch, 20. August 2013, abgerufen am 20. August 2013

Am 14. April 2014 gab das Unternehmen den Verkauf von Las Bambas für 5,85 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 4,22 Milliarden Euro) an ein chinesisches Konsortium bekannt.NZZ.ch: China kauft Kupfermine Las Bambas von Glencore vom 14. April 2014

2020 gab Ivan Glasenberg bekannt, er werde in der ersten Hälfte 2021 als CEO und aus dem Verwaltungsrat zurücktreten. Seit Juli 2021 ist Gary Nagle der CEO des Unternehmens.

Per Ende Juli 2021 wurde Kalidas Madhavpeddi Verwaltungsratspräsident; er folgte auf Tony Hayward.Appointment of new Chairman. In: Glencore.com, 5. Juli 2021.

Für das Geschäftsjahr 2022 profitierte Glencore von hohen Energiepreisen und konnte einen deshalb einen Rekordgewinn von 17,3 Mrd. US-Dollar erzielen und 7 Milliarden an Aktionäre ausschütten.

2023 wurde die beabsichtigte Mehrheitsbeteiligung an der im Kohlegeschäft tätigen Elk Valley Resources (EVR) bekannt, eine Tochtergesellschaft von Teck Resources, welche Glencore zuvor versuchte ganz zu übernehmen.

Im August 2024 wurde bekannt, dass die damalige Absicht einer anschliessenden Abspaltung des Kohlegeschäfts revidiert worden ist.faz.net 7. August 2024: Schweizer Rohstoffriese Glencore bleibt doch im Geschäft mit Kohle

Beteiligungen Das Unternehmen hält unter anderem namhafte Beteiligungen an den börsennotierten Bergwerkskonzernen Minara Resources (Australien; Nickel; 70,6 %), Koniambo Nickel SAS (Neukaledonien; Nickel, 49 %) und Century Aluminium (Vereinigte Staaten; Aluminium; 44,0 %). In Afrika hält das Unternehmen knapp 75 Prozent an der Katanga Mining Limited im Kongo. In Asien ist Glencore seit 1997 am Unternehmen Kazzinc beteiligt; seit 2012 sind 69,7 Prozent der Anteile im Besitz von Glencore.

Die Tochtergesellschaft Century Aluminium ist an Aluminiumprojekten in Island beteiligt, für die unter anderem Europas grösstes Wasserkraftwerk gebaut wurde.

Ein weiteres Glencore-Tochterunternehmen hält 73,1 % an dem sambischen Kupfer- und Kobaltbergwerk Mopani.

Seit Anfang 2007 ist das Unternehmen mit der russischen Holding RUSAL verwoben. Im März 2007 wurden die damaligen RUSAL-Geschäftsbereiche mit dem Aluminiumkonzern SUAL und Glencores Geschäftsbereich Aluminium zur neuen «United Company Rusal Limited» (UC Rusal) mit Sitz auf Jersey verschmolzen. An UC Rusal hält Glencore seither einen Anteil von knapp 10 %. Ab Ende 2009 hielt Glencore 50 % plus eine Aktie an der Biopetrol Industries AG in Zug mit der Option, die Beteiligung auf zwei Drittel auszubauen. Im Laufe des Jahres 2010 wurde der Anteil dann auf 60,4 % erhöht und der Sitz des Unternehmens nach Baar verlegt. 2016 erwarb Glencore eine Beteiligung an Rosneft.

In Chile produziert Glencore über die Compañía Minera Lomas Bayas (CMLB) etwa 75'000 Tonnen Kupfer Kathode pro Jahr.

Beim peruanischen Bergbauunternehmen Volcan Compañía Minera war Glencore ab 2017 als Inhaber von 55,03 % der Aktien der Mehrheitsaktionär.Historia auf der Webseite von Volcan Compañía Minera (spanisch), abgerufen am 19. November 2019. Im Mai 2024 gab Glencore bekannt, diese Mehrheitsbeteiligung zu verkaufen.Glencore sells its controlling stake in Volcan Compañia Minera auf der Webseite von Glencore (englisch), 6. Mai 2024, abgerufen am 30. September 2024.

Im Dezember 2025 wurde bekannt gegeben, dass Glencore für einen nicht genannten Betrag eine Mehrheitsbeteiligung an FincoEnergies, einem in den Niederlanden ansässigen Kraftstofflieferanten, erworben hatte. Durch die Übernahme baute Glencore seine Präsenz im nachgelagerten Kraftstoffvertrieb in Nordwesteuropa aus.

Kritik Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen 2008 wurde Glencore der Negativpreis Public Eye Swiss Award verliehen. Der Firma wird vorgeworfen, in kolumbianischen Kohlebergwerken skrupellos gegen Gewerkschaftsmitglieder vorzugehen. Durch die Bergwerke würden Bevölkerung und Umwelt der Region massiv geschädigt. Zahlen und Geschäftspraxis blieben völlig im Dunkeln. 2008 behauptete ein kolumbianischer Paramilitär, der Gewerkschafter tötete, von Glencore finanzielle Unterstützung zu erhalten; Glencore wies diese Angaben zurück.

Eine kleine Gruppe kritischer Schweizer reiste 2015 ins kolumbianische El Cerrejón zum grössten Steinkohlentagebau Südamerikas, um die negativen Auswirkungen des Abbaus vor Ort zu sehen, zu überprüfen und publik zu machen. Glencore bemühte sich unter dem damaligen CEO Glasenberg – auch dank dieser Gruppe – um vermehrte Eindämmung entstandener Umweltschäden. Doch die Wirksamkeit solcher Massnahmen ist beschränkt, nicht zuletzt weil der kolumbianische Staat vor allem an Abgaben und Steuern der Rohstoffförderung und nicht an den Rechten der indigenen Bevölkerung und einer intakten Natur interessiert sei.Rocio und Daniel Puntas Bernet: Macht Glencore schmutzige Geschäfte in Kolumbien? Eine Gruppe Rentner und Lehrer aus dem Säuliamt will es wissen – und stellt Ivan Glasenberg, den CEO des Rostoffkonzerns Glencore, zur Rede. Eine Tatortbegehung in Südamerika. Das Magazin N° 16, Tamedia, Zürich 18. April 2015

Der Entwicklungsdienst Brot für alle kritisierte die Unternehmensmethoden im Kongo als Raubbau und Ausbeutung der Bergarbeiter. Laut dem Business & Human Rights Resource Centre wurden zwischen 2010 und 2023 über 70 Vorwürfe wegen Menschenrechtsverstöße gegen Glencore laut.

Vorwurf der Steuermanipulation Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern wirft dem Konzern vor, seine Geschäftsbücher durch erhöht ausgewiesene Betriebskosten und unrealistisch tiefe Rohstoffpreise zu manipulieren, um dadurch in den Entwicklungsländern keine Abgaben oder Steuern zahlen zu müssen.

So soll die sambische Glencore-Tochterfirma – laut einer Untersuchung zweier internationaler Rechnungsprüfungsgesellschaften im Auftrag der sambischen Steuerbehörden – unerklärlich „niedrige Einnahmen“ und ebenso unerklärlich „hohe Betriebskosten“ haben. Das Kupfer von Mopani werde über eine britische Tochter rund 25 % unter dem Weltmarktpreis an die Glencore-Zentrale in der Schweiz verkauft. Von dort gehe es dann zu Marktpreisen an die Abnehmer. „Der Gewinn entsteht also nicht in Sambia, sondern steuergünstig in der Schweiz, so die Prüfer.“