Das Kloster Dalheim ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift bei Lichtenau im Kreis Paderborn.

Im 15. Jahrhundert gegründet und im Barock prachtvoll erweitert, wurde die fast vollständig erhaltene Klosteranlage nach der Säkularisation (1803) als Gutshof genutzt. Seit 2007 beherbergt das ehemalige Kloster die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, eines der 20 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das Museum wird gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim betrieben. Direktor des Hauses ist Ingo Grabowsky.

In seinen neu gestalteten Ausstellungsräumen präsentiert das Museum Dauer- und Sonderausstellungen zur klösterlichen Kulturgeschichte. Zum Museum gehören neben der spätgotischen Klosterkirche und der Klausur das 7,5 Hektar große Außengelände mit barockem Wirtschaftshof, Mühle, Schmiede und Stellmacherei sowie die wiederhergestellten Klostergärten und eine eigene Brauerei innerhalb des heutigen Klosterwirtshauses.

Das Kloster und die benachbarte Siedlung Dalheim liegen südwestlich von Lichtenau in einem Seitental der Altenau am Westhang des Eggegebirges. Das Kloster liegt im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge.

Kloster Vorgeschichte – Pfarrort – Frauenkloster mini|Reste der Kirche des Frauenklosters mini|Ausgrabungen am Frauenkloster 2025

Archäologische Funde lassen auf eine Besiedlung des Ortes seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. schließen. Im Mittelalter besaß Dalheim offenbar bereits um das Jahr 800 eine kleine Pfarrkirche. Ein Nachfolger dieses Baus diente in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts dem in Dalheim gegründeten und beheimateten Frauenorden als Klosterkirche. Die kleine Dalheimer Frauengemeinschaft bekam nie eine große und überregionale Bedeutung. Geldnöte, gewaltsame Zerstörungen, klimatische Verschlechterungen und vor allem die Pestwelle im 14. Jahrhundert bereiteten den Nonnen Probleme. Schließlich wurde das Kloster gegen Ende des 14. Jahrhunderts aufgegeben. Reste der Kirche wurden 1990 durch eine Grabung des Westfälischen Museums für Archäologie – Amt für Bodendenkmalpflege, Münster (heute: LWL-Archäologie für Westfalen) freigelegt.

Neugründung Dem Niedergang der ersten Ansiedlung und der Auflösung des Frauenklosters folgte 1429 die Wiederbesiedlung durch Augustiner-Chorherren des Klosters Böddeken (bei Wewelsburg im heutigen Kreis Paderborn). 1452 erlangte Dalheim wieder den Rang eines selbstständigen Klosters. Da die Klostergebäude in einem schlechten Zustand waren, wurde das Kloster in den folgenden Jahren vollständig neu gebaut: Westlich der alten Anlage im Tal entstanden eine neue Kirche und großzügige Konventgebäude. Um 1500 lebten im Kloster Dalheim 24 Chorherren und 100 Laienbrüder. Es galt als das geistliche, aber auch wirtschaftliche Zentrum des südlichen Paderborner Landes.

Die Reformation blieb für das Kloster in der weiterhin katholisch geprägten Region ohne Folgen. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hingegen schädigte auch den zuvor wohlhabenden Dalheimer Konvent wirtschaftlich schwer.

Hexenprozess Hohe Wellen schlugen die Hexenprozesse, die Bischof Dietrich von Fürstenberg 1600/01 gegen den Prior, den Subprior und zwei weitere Chorherren des Klosters Dalheim durchführte.Rainer Decker: Hexen, Mönche und ein Bischof, in: Westfälische Zeitschrift 150 (2000) S. 235–245. Die vier Chorherren wurden bezichtigt, neben ihren geistlichen Tätigkeiten auch zauberische Zusammenkünfte zu pflegen. Fast ein Jahr saßen Prior Lucas Wasinck, der Subprior, der Prokurator und der für die Wirtschaft zuständige Granarius des Klosters aufgrund dieses Vorwurfs im Kerker im Schloss Neuhaus, wo einer der Konventualen starb. Laut einiger Überlieferungen aus dem Dalheimer Konvent waren machtpolitische Ränkespiele für die Festnahmen verantwortlich. Schuld seien die Gebietsansprüche der Paderborner Fürstbischofs Dietrich von Fürstenberg gewesen. Am Ende stand allerdings ein Freispruch für die Überlebenden. Die juristische Fakultät in Würzburg erstellte schließlich ein Gutachten, das die Dalheimer Brüder freisprach. Zu guter Letzt handelte der Landesherr mit den Chorherren einen Vergleich aus. Prior, Subprior und Prokurator willigten im Gegenzug zu ihrer Freilassung in eine jährlich zu leistende Getreideabgabe des Klosters ein.

Barocke Blütezeit Nach mühevollen Aufbauarbeiten erlebte das Kloster im Barock seine größte Blüte. Vor allem Bartholdus Schonlau, seit 1708 Prior, betrieb den Ausbau Dalheims und formte eine beeindruckende Gesamtanlage. Er rühmte sich, in den 23 Jahren seiner Amtszeit ebenso viele Gebäude errichtet zu haben. Diese Phase, in der der repräsentative klösterliche Ehrenhof, die großzügigen Wirtschaftsbauten und die umfangreichen Gartenanlagen entstanden, prägt bis heute maßgeblich das Erscheinungsbild Dalheims.

Auflösung mini|Heutiges Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim Um 1800 gehörten zum Kloster Dalheim fast 21.000 Morgen Land, die Dörfer Oesdorf und Meerhof (heute zur Stadt Marsberg im Hochsauerlandkreis gehörend) samt Einwohnern sowie anstelle der Laienbrüder ca. 200 angestellte Landarbeiter, die 1.250 Morgen Land bestellten.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgehoben und als Staatsdomäne verpachtet. Die Aufhebung Dalheims rechnete sich aber, anders als angenommen, zunächst nicht. Mehrere Pächter der Domäne konnten auch durch den Verkauf des Klosterinventars keine Gewinne erzielen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Dalheim zu einem landwirtschaftlichen Gut mit regelmäßigem Gewinn. Zur Säkularisation gehörte auch die Umnutzung der vorhandenen Gebäude. In Kirche und Kreuzgang stand fortan das Vieh oder lagerten Stroh und Korn. Weitere Einbauten sowie die Errichtung neuer Gebäude, wie etwa eines Neuen Schafstalls, vergrößerten die Fläche zur wirtschaftlichen Nutzung. Bis in die 1970er Jahre wurde das Kloster Dalheim als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt.

Museum Seit der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Klosteranlage im Jahr 1979 erwarb, wurden umfangreiche Mittel zur Sicherung des Bestands, für einen teilweisen Rückbau und die sorgsame Umgestaltung zu einem modernen Museum aufgebracht. Seit 2002 werden die Baumaßnahmen von Ausstellungen begleitet, die sich unter Einbeziehung unterschiedlicher Fachbereiche mit klösterlich-religiösen Themen befassen. Nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts (2005–2007) öffnete im Frühjahr 2007 die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. 2010 eröffnete das Museum auf rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche unter dem Titel „Eingetreten! 1.700 Jahre Klosterkultur“ seine neue Dauerausstellung.

Ziel des bundesweit einzigartigen Hauses ist es, einen ebenso lebendigen wie fundierten Einblick in die Entwicklung und Vielfältigkeit der europäischen Klosterkultur zu geben. Die Dalheimer Klosteranlage ist dabei als Gesamtheit das wichtigste Exponat.

Klosterkirche und Klausur mini|Klosterkirche mini|hochkant|Der Kreuzgang des ehemaligen Klosters Dalheim stammt aus dem 15. Jahrhundert

Den Kern der Klosteranlage bilden die spätgotische Klosterkirche und die Klausur. Die Kirche stammt aus der Gründungszeit des Klosters und wurde von 1460 bis 1470 errichtet. Es handelt sich um einen turmlosen, gestreckten Saalbau von rund 52 Metern Länge, der durch einen modern wiederhergestellten Lettner in Chor und Langhaus geteilt wird. Zur Ausstattung der barocken Dalheimer Klosterkirche gehörte eine Springladen-Orgel aus dem 17. und 18. Jahrhundert, heute die größte Barockorgel Westfalens. Sie befindet sich seit der Säkularisation in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Borgentreich. Im Süden schließt sich der spätgotische Kreuzgang an, dessen Wandmalereien zum Teil bis heute erhalten sind. Spiegel erleichtern die Betrachtung der aufwendigen Wandmalereien. Der südliche Kreuzgangflügel wurde nach 1803 zerstört und im Zuge des zweiten Bauabschnitts (2008–2010) mit modernen Mitteln wiederhergestellt, etwa durch ein pro Joch maßgeschneidertes Gewölbe, das in einem aufwendigen Verfahren aus Beton gegossen wurde. Ein Brand zerstörte zudem im 19. Jahrhundert das Obergeschoss des östlichen Kreuzgangs, das im zweiten Bauabschnitt ebenfalls wiederhergestellt wurde.

Seit 2010 macht die neue große Dauerausstellung des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, ausgehend von den historischen Gegebenheiten in der Klausur, Raum und Funktion mit modernen Mitteln und Inszenierungen erlebbar. Dazu gehören zum Beispiel der Kapitelsaal (Versammlungsraum), das Refektorium (Speisesaal), das Skriptorium (Schreibstube) oder das Kalefaktorium (Wärmestube), aber auch die Bibliothek und der Vorratskeller.

Barocke Erweiterungsbauten Ab 1711 wurde die spätgotische Anlage durch Anbauten nach Art eines dreiflügeligen Schlosses nach Westen erweitert. Der nördliche Flügel (1712/13) war das Wohnhaus des Klostervorstehers, die so genannte Prälatur, im Südflügel (1727) befanden sich Gästehaus und Brauerei. Der Westflügel, der sogenannte Küchentrakt, erhielt zwischen 1731 und 1737 eine angleichende Fassade, die noch heute von der barocken Pracht der Anlage zeugt. Heute werden West- und Südflügel als Museumsräume genutzt. Ein Teil des Südflügels beherbergt das Klosterwirtshaus und die Brauerei.

mini|Bauinschrift am Südflügel Am Südflügel der Anlage bezeichnet eine Inschrift mit Chronogramm das Ende der Bauarbeiten und nennt den Namen des Bauherrn, Prior Bartoldus Schonlau: DEO VERO SVCCESSORIBVS ET PROXIMO SVPPORTATO NOVENDECIM ANNIS VARIO LABORE ET VIGILIIS FABRICA DECIMA NONA E SAXO EXSVRGEBAT ASSIDVIIS STVDIIS BARTOLDI SCHONLAV SVPERIORIS In allen vier Zeilen ergibt sich jeweils das Jahr 1727.

Klostergärten mini|Die wiederhergestellten Klostergärten zeigen die klösterliche Gartenbaukunst

Im Barock war das Kloster Dalheim von prächtigen Gärten umgeben. Sie fielen nach der Säkularisation den Umgestaltungen der Klosteranlage zum Opfer. Anhand archäologischer Ausgrabungen und der sogenannten Schonlau-Vedute (nach 1737), eines detaillierten und sehr realitätsnahen Gemäldes der barocken Klosteranlage, konnte das Erscheinungsbild der historischen Gärten auf einer Fläche von 2 Hektar rekonstruiert werden. Nach einer behutsamen Neuinterpretation der ehemals barocken Klostergärten sind sie nun wieder eine der Hauptattraktionen der Museumsanlage und vermitteln einen nachhaltigen Eindruck von der Gartengeschichte des Klosters Dalheim und der Bedeutung von Klostergärten im Allgemeinen.

Herzstücke der repräsentativen Anlage sind die Gärten des Konvents (eröffnet im Jahr 2006, erweitert 2010) und des Priors (eröffnet 2010) mit dem Großen Gartenhaus (Orangerie) und dem Kleinen Gartenhaus, seit 1846 Standort der Schlaguhr der Domäne. Zahlreiche Beete zeigen, welche Pflanzen von jeher in Klostergärten kultiviert wurden und informieren über ihre Bedeutung als Heil-, Nutz- oder Symbolpflanzen. Zu den weiteren Gärten des Klosters Dalheim gehörte ein Kräutergarten in der Nähe des früheren Klosterhospitals. Der im Jahr 2002 angelegte Heilkräutergarten neben dem Geflügelhaus spiegelt den Kenntnisstand der Klostermedizin im Barock wider. Mit dem sogenannten Meiereigarten besaß die Anlage zudem eine weitere wichtige Anbaufläche.

Von Juni 2009 bis Juli 2010 wurden die Dalheimer Klostergärten zum Ort moderner Kunst: Die weltweit erste Außenskulptur Volk Ding Zero – Folk Thing Zero von Georg Baselitz wurde im Beisein des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben. Sie war im Rahmen des Projekts „Rauminszenierungen“ der „Garten_Landschaft OstWestfalenLippe“ im Konventgarten zu sehen.

Die Dalheimer Klostergärten sind eingebunden in das European Garden Heritage Network, das Europäische Gartennetzwerk.

Außengelände