Die Handballregeln bestehen aus dem Regelwerk der Internationalen Handballföderation (IHF) und den an besonders gekennzeichneten Stellen davon erlaubten Abweichungen der Nationalverbände.
Die Regeln werden von der Regelkommission für Handball der IHF im Abstand einiger Jahre angepasst, zuletzt mit Wirkung von Juli 2025.www.ihf.info, Spielregeln Hallenhandball, 1. März 2025, abgerufen am 15. April 2025 Die Regeln beziehen sich auf das Verhalten aller Beteiligten (Spieler, Mannschaftsoffizielle, Zeitnehmer und Sekretär sowie Handballschiedsrichter) während des Spiels – dazu zählen auch die Pausen – auf dem Spielfeld und die technischen Grundvoraussetzungen zum Durchführen eines Handballspiels.
Geschichte der Handballregeln Grundregeln wurden erstmals 1898 in Dänemark von Holger Louis Nielsen zusammengefasst und 1906 publiziert. In Deutschland fasste 1917 Karl Schelenz etwas anders und verfeinerte sie 1919 mit anderen Sportfunktionären.
Nach den deutschen Regeln wurden ab 1925 internationale Spiele in Europa abgewickelt. 1926 nominierte die International Association of Athletics Federations ein Komitee zu deren Überarbeitung, nach denen Berlin die Olympischen Spiele 1936 und die IHF die Feld- und Hallen-Weltmeisterschaft 1938 organisierte, die danach alle drei bis vier Jahre stattfanden. Ab 1940 war Handball keine Olympiadisziplin, wurde aber 1972 (Olympischen Spiele in München) auf Betreiben Skandinaviens und des Ostblocks als team handball wieder eingeführt.
Insbesondere die Regeln 8 und 16, die die Strafen behandeln, wurden im Laufe der Zeit geändert. Das geschah vor allem durch die Regeländerungen im Jahr 2010, als der Ausschluss abgeschafft und an seiner Stelle die Disqualifikation mit Bericht eingeführt wurde. Ab Juli 2016 traten weitergehende Regelungen in Kraft, die unter anderem die Regelungen für die letzten 30 Spielsekunden betreffen.
Regelwerk Das Regelwerk besteht aus: Regel 1 bis 18 IHF-Handzeichen Erläuterungen zu den Regeln Auswechselraumreglement Guidelines und Interpretationen Richtlinien für Spielfläche und Tore
Nur an besonders gekennzeichneten Stellen dürfen die Nationalverbände Abweichungen von den Regeln erlassen, die dann Bestandteil der Regeln werden. Daneben können die Nationalverbände für die Durchführung des Spielbetriebs weitere Bestimmungen festlegen. Im Bereich des DHB sind dies zum Beispiel: Spielordnung (SpO) Festlegung von Ligen, Spielberichtigungen, Regelung von Sonderfällen (Ausbleiben der Schiedsrichter) Schiedsrichterordnung (SrO) Ausbildung sowie Rechte und Pflichten der Schiedsrichter Rechtsordnung (RO) Festlegen der Rechtsinstanzen und Sanktionsmöglichkeiten über das gelaufene Spiel hinaus Jugendordnung ergänzende Bestimmungen für die Organisation der Deutschen Handball-Jugend als Gemeinschaft aller Jugendlichen im DHB Trainerordnung (TO) Festlegen von Lizenzen und deren Gültigkeitsbereich Finanz-/Gebührenordnung (FGO) Festlegen von Kosten für bestimmte Leistungen des Verbandes Durchführungsbestimmungen Regelung von Auf-, Abstieg und Zusatzbestimmungen. Für jeden Unterverband (Regionalverband, Landesverband, Kreis) existiert eine entsprechende Regelung, da die örtlichen Gegebenheiten eine Anpassung erfordern.
Jeder Unterverband hat in bestimmten Bereichen das Recht, abweichende Regelungen von der DHB-Vorgabe zu machen.
Grundsätzliches Es spielen zwei Mannschaften gegeneinander, die aus maximal 14 Spielern bestehen. Dabei treten auf dem Feld 7 Spieler jeder Mannschaft gegeneinander an, wovon regelmäßig 6 Feldspieler sind und ein Spieler Torhüter ist. Ziel des Spiels ist es, den Ball über die Torlinie des Gegners zwischen den Torpfosten und unter der Torlatte hindurchzubefördern. Damit der Torerfolg gültig ist, muss der Ball die Torlinie vollständig überschritten haben und es darf unmittelbar vorher kein Regelverstoß der angreifenden Mannschaften stattgefunden haben. Die Mannschaft, die während des Spiels die meisten Torerfolge erzielt, gewinnt.
Der Ball darf von den Feldspielern mit dem ganzen Körper gespielt werden, außer mit Unterschenkel und Fuß (Fußspiel). Wird der Ball absichtlich mit Fuß oder Unterschenkel berührt, so wird eine progressive Strafe verhängt. Erfolgt es ohne Absicht, das heißt, der Fuß geht nicht aktiv zum Ball, so gibt es nur einen Freiwurf für die gegnerische Mannschaft. Ein Anwerfen des Abwehrspielers ohne dessen aktive Beteiligung ist nicht zu ahnden.
Jede Mannschaft besitzt einen Torwart, der den Ball innerhalb des eigenen Torraums auch mit dem Fuß bzw. dem Bein berühren darf, so lange er dies zur Abwehr tut, das heißt, wenn der Ball sich nicht in Richtung Spielfeld bewegt. Bewegt sich der Ball jedoch in Richtung der Seiten- oder Mittellinie und damit in Richtung des Spielfeldes, so ist eine Abwehr mit Fuß und Unterschenkel nicht erlaubt. Dieses Vergehen wird nur mit einem Freiwurf für die angreifende Mannschaft sanktioniert, nicht aber mit einer progressiven Bestrafung des Torwartes.Frage 58 des Regelfragenkatalogs der IHF i.d.F. vom August 2005 (PDF; 717 kB) Außerhalb des Torraums muss er sich wie ein normaler Feldspieler verhalten.
Wenn der Ball das Spielfeld verlässt, erhält die Mannschaft, die den Ball nicht als letzte berührt hat, den Ball. Wie der Ball wieder ins Spiel gebracht wird, hängt davon ab, welche Linie er überquert hat: Seitenlinie: Einwurf Torauslinie, aber kein Torerfolg: Berührt ein Spieler der angreifenden Mannschaft oder der Torwart zuletzt den Ball, erfolgt ein Abwurf.
Bei einem gültigen Torerfolg erhält die Mannschaft, gegen die das Tor erzielt wurde, einen Anwurf.
Spielflächen mini|Skizze des Spielfeldes Die Spielfläche hat die Form eines Rechtecks (40 m × 20 m) und wird durch die Mittellinie in zwei Hälften geteilt. In der Mitte der Schmalseiten befinden sich die Tore, vor diesen die jeweiligen Torräume. Der Raum innerhalb der Spielfläche, aber außerhalb der Torräume, ist das Spielfeld.
Grundsätzlich gilt, dass alle Linien zu dem Raum gehören, den sie begrenzen. Für die Mittellinie bedeutet dies, dass sie zu beiden Spielfeldhälften gehört.
In Ausnahmefällen kann in einem Nationalverband auch eine kleinere Spielfläche zugelassen werden.
Die Beschaffenheit von Spielfläche und Toren ist von der IHF in den „Richtlinien für Spielflächen und Tore“Richtlinien für Spielflächen und Tore. Abgerufen am 30. April 2010 festgelegt.
Tore Die Tore sind in der Regel im Lichten drei Meter breit und zwei Meter hoch. Sie müssen fest im Boden oder an der dahinter liegenden Wand verankert sein. Der Torrahmen muss ein Rechteck sein.
Die Torpfosten und die Querlatte, welche sie verbindet, müssen aus dem gleichen Material (zum Beispiel Holz oder Leichtmetall) bestehen und ein quadratisches Profil von 8 cm Kantenlänge aufweisen. Die Kanten müssen abgerundet sein und einen Radius von 4±1 mm aufweisen. Die Torpfosten und die Querlatte müssen auf den drei von der Spielfläche einzusehenden Seiten mit zwei deutlich kontrastierenden Farben gestrichen sein, die sich ebenfalls deutlich vom Hintergrund abheben.
In der Ecke zwischen Pfosten und Querlatte messen die Farbstreifen der Tore 28 cm in jede Richtung und weisen dieselbe Farbe auf. Alle anderen Streifen müssen 20 cm lang sein. Jedes Tor muss ein Netz haben, das sogenannte Tornetz. Dieses muss derart befestigt sein, dass ein in das Tor geworfener Ball normalerweise im Tor verbleibt oder nicht durch das Tor hindurchfliegen kann. Falls notwendig, kann – im Tor hinter der Torlinie – ein weiteres Netz angebracht werden. Die Entfernung zwischen der Torlinie und diesem weiteren Netz sollte ca. 70 cm, mindestens aber 60 cm betragen.
Torraum Vor den Toren befindet sich der Torraum. Er wird aus zwei Viertelkreisen mit einem Radius von sechs Metern um die jeweils innere hintere Ecke der Torpfosten und einer Linie parallel zur Torlinie in 6 m Abstand gebildet. Der Torraum darf von Feldspielern nicht betreten werden. Allerdings darf der Ball im Luftraum über dem Torraum gespielt werden, das heißt, ein Angreifer darf vor der Torraumlinie abspringen und aus kurzer Distanz auf das Tor werfen, wobei der Ball die Hand verlassen haben muss, bevor dieser Spieler den Boden berührt. Das Betreten des Torraums ohne Ball, um sich einen Vorteil zu verschaffen (zum Beispiel eine bessere Anspielposition), führt zu Ballverlust für die Mannschaft des Spielers. Die Spielfortsetzung ist Abwurf.
Ein Betreten des Kreises durch einen Abwehrspieler wird in der Regel nur dann geahndet, wenn er sich zum Zwecke der Abwehr einen Vorteil verschafft. Verhindert er dabei eine klare Torgelegenheit, ist die Spielfortsetzung ein Siebenmeterwurf (Wiederherstellung der klaren Torgelegenheit).
Im Torraum befindet sich die 4-m-Linie. Diese hat nur beim Siebenmeterwurf eine Bedeutung. Der Torwart darf in diesem Fall nicht weiter als bis zu dieser Marke aus dem Tor herauskommen, wobei einzelne Körperteile in der Luft darüber hinausragen dürfen.
Anwurfzone Am 1. Juli 2022 wurde die Anwurfzone (unter Regel 1:9 mit Diagramm 1b) eingeführt. Dabei wird in der Mitte der Mittellinie ein Kreis im Radius von 2 Metern eingefügt. Die Anwurfzone wird durch eine Kreislinie oder durch eine andere Farbe zum Spielfeld abgegrenzt.
Am 15. Mai 2022 beschloss der DHB-Bundesrat, dass auch in den Bundesligen, DHB-Ligen und in den Ligen der DHB-Landesverbände und deren Untergliederungen, die Anwurfzone obligatorisch werden soll. Das wurde in der DHB-Zusatzbestimmung festgelegt, welche in Regel 1:9 eingefügt wird. Bereits vorhandene Kreise in der Mitte der Mittellinie, die einen Durchmesser von drei bis vier Meter haben, werden in den Bereich der Landesverbände und deren Untergliederungen als Anwurfzone angesehen. Sollte kein Kreis vorhanden sein, muss eine entsprechende Fläche gekennzeichnet werden. Ein vollständiger Kreis oder eine vollständige Fläche ist dabei nicht erforderlich.
Auswechselraum An einer Längsseite der Spielfläche befindet sich zu beiden Seiten der Mittellinie, außerhalb der Spielfläche, für jede Mannschaft ein Auswechselraum, in dem sich die Offiziellen, die Ergänzungsspieler und gegebenenfalls hinausgestellte Spieler aufhalten. Ein Wechsel zwischen Auswechselraum und Spielfeld darf nur über die Auswechsellinie erfolgen, die von der Mittellinie aus jeweils 4,50 m lang ist.
Spielzeit miniatur|Team-Time-out in einem Bundesligaspiel Die normale Spielzeit für alle Mannschaften ab 16 Jahren (A-Jugend, Erwachsene) beträgt 2 × 30 Minuten mit einer Pause von normalerweise 10 Minuten. Für Jugendmannschaften ist die Spielzeit wie folgt reduziert: 2 × 25 Minuten bei einem Alter von 12 bis 16 Jahre (C- und B-Jugend) 2 × 20 Minuten bei einem Alter von 8 bis 12 Jahre (bis einschließlich D-Jugend)
Bei Spielen, bei denen eine Entscheidung herbeigeführt werden muss (zum Beispiel Turniere oder DHB-Pokal), gibt es bei Unentschieden nach einer Pause von 5 Minuten Verlängerung von 2 × 5 Minuten, mit einer Halbzeitpause von 1 Minute. Steht es nach der 1. Verlängerung immer noch unentschieden, wird nach einer weiteren Pause von 5 Minuten eine 2. Verlängerung mit selbem Ablauf wie bei der 1. Verlängerung durchgeführt. Ist auch dann noch keine Entscheidung gefallen wird diese mit einem Siebenmeterwerfen herbeigeführt, hier gilt zunächst die Best-of-5-Regel. Sollte dann immer noch kein Sieger feststehen, wird abwechselnd geworfen, bis eine Entscheidung fällt. Am Siebenmeterwerfen dürfen nur Spieler teilnehmen, die nach dem Ende der zweiten Verlängerung nicht hinausgestellt sind oder während des Spiels disqualifiziert wurden.
Passives Spiel
mini|Das Vorwarnzeichen «passives Spiel», angezeigt vom Schiedsrichter Die Regel zum Passiven Spiel verfolgt das Ziel, unattraktive Spielweisen wie das gezielte Verzögern zu unterbinden und den Spielfluss am Laufen zu halten. Der Schiedsrichter erhält das Recht, der verteidigenden Mannschaft den Ballbesitz zu geben, falls er den Eindruck bekommt, dass die angreifende Mannschaft nicht erkennbar versucht, ein Tor zu erzielen.