Eishockey in Lettland Verband: 50px|Logo der Latvijas Hokeja Federācija Latvijas Hokeja Federācija Gegründet: 1930 IIHF-Mitglied seit: 22. Februar 1931, zw. 1947 und 1991 als Mitglied der UdSSR Erstes Länderspiel: Lettland 3:0 27. Februar 1932 in Riga, Lettland Höchster Sieg Lettland 32:0 16. März 1993 in Bled, Slowenien Höchste Niederlage Lettland 0:14 20. Januar 1935 in Davos, Schweiz Beste Platzierung der Herren: WM: 3. Platz (2023) Olympia: 9. Platz (2002) Beste Platzierung der Frauen: WM: 2. Platz Division I (insgesamt 11. Platz)

Eishockey gilt als die beliebteste Sportart Lettlands. Lettland hat 5.119iihf.com, IIHF – About Latvian Hockey registrierte männliche – inklusive Junioren etwa 7.000 Spieler – und 74 weibliche Eishockeyspieler, was etwa 0,35 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Organisiert wird der Eishockeysport auf nationaler Ebene vom lettischen Eishockeyverband. In der IIHF-Weltrangliste nach Beendigung der Weltmeisterschaft 2023 liegt das lettische Herrenteam auf Platz zehn, die Damen belegen den 29. Rang.

Geschichte Ursprünge Das erste Eishockeyspiel auf lettischem Boden fand am 15. Februar 1909 statt, wobei sich die zwei Teams Union und Strēlnieka Dārzs gegenüberstanden. Es brauchte jedoch weitere 20 Jahre, um das bis dahin populäre Bandy zu verdrängen.

1929 begann der Rīgas Strādnieku Sports un Sargs, ein Sportverein der sozialistisch-demokratischen Arbeiterpartei Lettlands, statt Bandy das sogenannte kanadische Eishockey zu spielen. Das erste offizielle Spiel fand ein Jahr später, am 15. Februar 1930, zwischen Rīga Zentrum und einer Mannschaft aus Königsberg statt. Ein Mannschaftsmitglied aus Rīga war Brūno Kalniņš, der zu diesem Zeitpunkt im lettischen Parlament saß und später im politischen Exil in Schweden war.

Die dreißiger und vierziger Jahre bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Die lettische Wintersportvereinigung begann 1930 die Sportart Eishockey zu unterstützen und schon 1931 wurde Lettland als Mitglied in die „Ligue Internationale de Hockey sur Glace“ (LIHG), der Vorläuferin der IIHF, aufgenommen. Mit der internationalen Anerkennung des Verbandes entstanden diverse Eishockeyklubs in den größeren Städten, unter anderem die Universitas Sports, Wanderer, Union, Armijas Sporta Klubs (ASK) aus Riga und Olimpiade aus Liepāja. Der Club der Sozialdemokraten bestand weiterhin, bevor er von dem Regime des Kārlis Ulmanis geschlossen wurde. Die genannten Vereine spielten nicht in einer geschlossenen Liga mit festem Spielplan, sondern kämpften in kleineren Turnieren um Titel. In den frühen Jahren des lettischen Eishockeys dominierte der ASK Riga die Spiele der Meisterschaft und wurde mehrfach lettischer Meister.nhl.com, Latvian champs leave their stamp on NHL

Die Anfänge der Nationalmannschaft Das erste offizielle Spiel der lettischen Eishockeynationalauswahl, die sich aus reinen Amateuren zusammensetzte, fand am 27. Februar 1932 statt. Litauen wurde 3:0 geschlagen. Nur zwei Wochen später nahm das Nationalteam das erste Mal an der Europameisterschaft teil. Dabei erlebte die lettische Auswahl einen Sieg (3:0 gegen Rumänien) und drei Niederlagen (0:7 gegen die Tschechoslowakei, 0:1 gegen Frankreich und 2:5 gegen Großbritannien). In der Gesamtwertung belegte Lettland den achten Platz von neun Teilnehmerländern.

Ein Jahr später debütierte die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Prag. Bei den Weltmeisterschaften 1935 traf sie das erste Mal auf Kanada und verlor das Spiel mit 0:14. 1936 nahm Lettland zum ersten Mal an Olympischen Winterspielen teil, aber alle drei Spiele in Garmisch-Partenkirchen gingen verloren: 0:11 gegen Kanada, 2:9 gegen Polen und 1:7 gegen Österreich. Das erste Länderspiel gegen die USA datiert aus dem Jahr 1938, wo Lettland ein respektables 0:1 erreichen konnte. Weitere Länderspiele wurden meist auf dem Weg zu oder von Weltmeisterschaften im Rahmen von Freundschaftsspielen durchgeführt.

1939 verpflichtete der lettische Eishockeyverband den kanadischen Eishockeyspieler und Sportlehrer Larry Marsh, um die Nationalmannschaft für einen Monat zu trainieren. Die lettische Eishockey-Auswahl hatte bis 1940, dem Jahr der Besetzung durch die Sowjetarmee und dem Verlust der Unabhängigkeit, insgesamt 26 Spiele absolviert, darunter sechs Siege, 16 Niederlagen und vier Unentschieden bei einem Torverhältnis von 37:93.delfi.lv,

Die Zeit der Besetzung Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Besetzung durch die Sowjetunion veränderte das lettische Eishockey zwar, aber beendete es nicht: Die Sowjets lösten die bisherigen Mannschaften auf und schufen neue, beispielsweise Dinamo Riga. Mit der Besetzung durch die Deutschen zwei Jahre später wurden die alten Teams wiedergegründet, außerdem entstanden weitere Mannschaften mit typisch lettischen Namen wie „Ledus Lāči, Daugavieši, Skrejošais Holandietis“ und „Ledus Simfonija“. Von 1944 bis 1945 wurde kein Eishockey gespielt. 1946 wurde Lettland aufgrund der Zugehörigkeit zur Sowjetunion aus der LIHG ausgeschlossen, und erst 1992, nachdem Lettland 1991 den lettischen Eishockeyverband gegründet hatte, wieder aufgenommen.

Nachkriegszeit Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Sowjetunion nicht Eishockey, sondern Bandy gespielt. Nach dem Krieg entschied die sportliche Führung, statt Bandy Eishockey einzuführen, da dieses als olympische Sportart anerkannt war. Für die Umsetzung dieses Plans fuhr eine sowjetische Delegation von Moskau nach Riga, die mit einer handschriftlichen russischen Übersetzung der kanadischen Eishockeyregeln dorthin zurückkehrte. Damit kann gesagt werden, dass ein Ursprung der russischen Eishockeytradition in Lettland liegt.

Schon zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Eingliederung Lettlands in die Sowjetunion begann Dinamo Riga unter dem neuen Namen „Daugava Riga“ mit Spielern aus Vorkriegszeiten in der ersten sowjetischen Liga zu spielen. 1948 wurde Harijs Mellups bester Torhüter der Liga und wurde in die sowjetische Nationalmannschaft berufen. Mellups starb schon Anfang der fünfziger Jahre zusammen mit seinen Klubkameraden in der Nähe der russischen Stadt Swerdlowsk bei einem Flugzeugabsturz. Er war nicht nur ein herausragender Eishockeytorwart, sondern auch ein großartiger Stürmer im Fußball, da bis in die fünfziger Jahre viele Sportler im Winter Eishockey und im Sommer Fußball spielten. Außer Daugava gab es weitere Mannschaften wie Rīgas Vagonbūves Rūpnīca (Club des lettischen Waggonwerk RVR), „Spartaks“, „VEF“ und Latvijas Bērzs, die auf Junioren- und/oder Seniorenebene in Regionalmeisterschaften spielten. Der einzige Topklub Lettlands, Daugava, blieb bis zur Saison 1958/59 in der höchsten Liga der Sowjetunion.

Andere Spieler aus der Zeit vor dem Krieg emigrierten nach Deutschland, wo zwischen 1946 und 1949 bis zu acht Letten in Augsburg unter dem Spitznamen „Letten-Mannschaft“ antraten. Diese Mannschaft gewann unter Führung der lettischen Spieler die süddeutschen Meisterschaften 1948, bevor sich die Mannschaft später auflöste. Rūdolfs Veide (dt. Rudolf Weide) begann eine lange und erfolgreiche Karriere als Spieler und Trainer in Westdeutschland. 1951 konnte er mit den legendären Preussen Krefeld die deutsche Meisterschaft erringen und zwischen 1953 und 1954 absolvierte er 18 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Später wurde er Direktor der Duisburger Eishalle und unterstützte die Entwicklung des Duisburger Eishockeys.duisburgweb.de, Geschichte der Eissporthalle Wedau Ein weiteres Mitglied der Letten-Mannschaft war Ēriks Koņeckis, der mehrfach als Spieler und Trainer Deutscher Meister wurde und später den Posten des Nationaltrainers innehatte.

Mit dem Abstieg Daugavas in die zweite Liga begann für das lettische Eishockey eine Zeit des Mittelmaß, die bis zum Ende der sechziger Jahre anhielt. 1968 wurde Daugava wieder in Dinamo Riga umbenannt. Trotz mehrfacher Versuche schaffte der Club es nicht, aus der zweiten sowjetischen Liga aufzusteigen. Außer einiger internationaler Freundschaftsspiele gegen Teams aus Finnland, Dukla Trenčín und Poldi Kladno aus der Tschechoslowakei, Nowosibirsk und Ust-Kamenogorsk sind keine weiteren Ereignisse aus dieser Zeit erwähnenswert.

Die Ära Tichonow mini|links|150px|Logo von Dinamo Riga

Die Entwicklung des lettischen Eishockey bekam 1968 durch die Ankunft des sowjetischen Trainers Wiktor Tichonow einen Schub, der dort seine legendäre Trainerkarriere begann. Er war für seinen Hang zur Disziplin bekannt und revolutionierte die Trainingsmethoden, indem er einen Videorekorder zur Spielanalyse benutzte. Außerdem legte er großen Wert auf die körperliche Fitness seiner Spieler. Aufgrund des geringen spielerischen Potentials der Dinamo-Spieler setzte er mit der Aufstellung von vier Angriffsreihen eine Strategie ein, die bis dahin keine sowjetische Mannschaft nutzte. Da mit dieser Maßnahme für die Spieler die Pausen zwischen ihren Einsatzzeiten vergrößert wurden, konnte die Mannschaft gegen stärker eingeschätzte Teams technische Nachteile durch Schnelligkeit und bessere Kondition wettmachen. 1973 konnte Dinamo Riga nach 14 Jahren sogar den Wiederaufstieg in die erste Liga feiern.

RVR eröffnete 1967 eine Schule für Eishockey und brachte wenig später Helmuts Balderis hervor, der zum Superstar werden sollte. Sein Spitzname war Elektrischer Zug und er hatte neben Tichonow großen Anteil am Aufstieg Dinamos. Zusammen mit Tichonow wechselte er 1977 zu ZSKA Moskau, nahm 1976 mit der sowjetischen Nationalmannschaft beim Canada Cup sowie an fünf Weltmeisterschaften teil und gewann darüber hinaus die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid. Außerdem errang er in seiner Karriere zweimal den Titel des besten Scorers der sowjetischen Liga und wurde einmal zum besten Stürmer der WM ausgezeichnet. Der zweite Platz von Lake Placid für die Mannschaft der UdSSR wurde jedoch in der Heimat als großer Misserfolg angesehen. Als einer der Hauptschuldigen für die Niederlage im damals entscheidenden Spiel gegen das Team USA, dem sogenannten Miracle on Ice, wurde auch Balderis angesehen.

mini|Artūrs Irbe im Tor der Red Bulls Salzburg

Dinamo Riga blieb bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion erstklassig. Die ethnische Zusammensetzung der Mannschaft änderte sich in den siebziger und achtziger Jahren stark, da immer mehr Russen die Letten verdrängten. Eine Ausnahme stellten die Torhüter Vitālijs Samoilovs und Artūrs Irbe dar. Irbe gab in der Spielzeit 1986/87 sein Debüt für Dinamo in der Eliteliga. In der folgenden Saison konnte Dinamo Riga mit dem Gewinn der sowjetischen Vizemeisterschaft den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern. Mit diesem Erfolg war Dinamo neben dem damaligen sowjetischen Serienmeister ZSKA Moskau berechtigt, an der Super Serie, einem jährlich ausgetragenen Vergleich zwischen Teams der UdSSR und der National Hockey League, teilzunehmen. Daneben wurden Irbe und Samoilovs 1988 in die Sbornaja berufen. Letzterer wurde im gleichen Jahr mit der Nationalmannschaft Olympiasieger.

Die Zeit nach 1990 Schon seit Anfang der Amtszeit von Michail Gorbatschow begannen die Letten verstärkt, nach Unabhängigkeit zu streben. Der lettische oberste Sowjet erklärte am 4. Mai 1990 die Unabhängigkeit der Republik Lettland. Erst nach dem Putsch in Moskau im August 1991 folgte dann die internationale Anerkennung Lettlands. Irbe wurde endgültig zum Held und Vorbild der Letten, als er an der Verteidigung von Barrikaden gegen die Sowjetarmee teilnahm und sich später weigerte, weiter für die sowjetische Nationalmannschaft zu spielen. Schon im Herbst 1991 unterzeichnete er seinen ersten NHL-Vertrag bei den San Jose Sharks und gewann auch gleich sein erstes Spiel.neosaturn.com, A Tribute to Arturs Irbe

Auswanderer und Rückkehrer mini|Raitis Ivanāns im Trikot der Hamilton Bulldogs