Wehrheim ist eine Gemeinde mit Einwohnern () im hessischen Hochtaunuskreis im Regierungsbezirk Darmstadt.
Die Gemeinde Wehrheim wies im Jahr 2020 einen weit überdurchschnittlichen Kaufkraftindex von 130,2 des Bundesdurchschnitts auf.
Geographie mini|Wehrheim mini|Obernhain
Geographische Lage Wehrheim liegt in 305 bis 400 Meter Höhe im östlichen Hintertaunus am Nordhang des Taunushauptkamms zwischen Bad Homburg vor der Höhe und Usingen. Die Südgrenze des Stadtgebietes und teilweise auch der Gemarkung Wehrheim bildet der Limes. In den Wäldern südlich der Kerngemeinde liegt die Schanze Lochmühle, eine Wallanlage, die aufgrund fehlender Funde noch nicht datiert werden konnte.
Die Gemeinde liegt im Rhein-Main-Gebiet, etwa 22 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main und 10 Kilometer nördlich der Kreisstadt Bad Homburg vor der Höhe.
Nachbargemeinden Wehrheim grenzt im Norden an die Stadt Usingen und die Gemeinde Ober-Mörlen (Wetteraukreis), im Osten an die Städte Friedberg (Hessen) und Rosbach vor der Höhe (beide Wetteraukreis), im Süden an die Städte Friedrichsdorf und Bad Homburg vor der Höhe, sowie im Westen an die Stadt Neu-Anspach.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Wehrheim umfasst neben der Kerngemeinde weitere drei Ortsteile.
Ortsteil Wappen Eingemeindung Einwohner Entfernung Richtung Friedrichsthal40px|Wappen von Friedrichsthal 31. Dezember 1971 582 5,6 kmNO Obernhain40px|Wappen von Obernhain 1. August 1972 1.768 3,05 kmSW Pfaffenwiesbach40px|Wappen von Pfaffenwiesbach 31. Dezember 1971 1.597 4,14 km NO
Der Ortsteil Wehrheim verfügt mit dem Wohngebiet Saalburgsiedlung/Die Mark über ein räumlich abgetrenntes Wohngebiet, das jedoch kein gesonderter Ortsteil ist. Der Ortsteil Pfaffenwiesbach wurde aus der bis dahin selbständige Gemeinde Pfaffenwiesenbach und dem Ortsteil Friedrichsthal der Gemeinde Kransberg gebildet. Für die Ortsteile Wehrheim, Pfaffenwiesbach, Obernhain und Friedrichsthal wurden per Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den seitherigen Gemarkungsgrenzen.
Geschichte mini|Obernhain Erste Spuren einer Besiedelung sind bis in die Bronzezeit zu verfolgen. In Wehrheim wurde ein Gräberfeld der mittleren bis jüngeren Urnenfelderkultur (10./11. Jahrhundert v. Chr.) entdeckt. Die Ausgrabung dieses Feldes 1997 förderte sieben Urnengräber zu Tage, die wissenschaftlich ausgewertet werden konnten.Eckhard Laufer: Wehrheim: das Tor zur Bronzezeit im Usinger Land. In: „Jahrbuch Hochtaunuskreis“, 1999, , Seite 167–175. Wehrheim wurde im Jahre 1046 erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Heinrich III. vermachte in dieser Urkunde seiner Ehefrau Agnes das Eigengut „Wirena“. Später werden die Burggrafen von Friedberg als Eigentümer genannt. Im 13. Jahrhundert fiel das Reichsgut an die Grafen von Diez. Unter diesen erhielt der Ort 1372 die Stadtrechte, die aber 1814 wieder verloren gingen. 1243 entstand das Kloster Thron als Stiftung des Grafen Gerhard III. von Diez.
In der Nachfolge der Grafen von Diez kam Wehrheim zu Nassau-Dillenburg. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts führten die Grafen von Nassau die Reformation ein. Daraus ergaben sich Konflikte mit dem benachbarten Kurfürstentum Trier. Im Diezer Vertrag wurde 1564 eine Teilung der Hoheit über Wehrheim vereinbart. Das Amt Wehrheim verfügte damit sowohl über nassauische als auch über kurtrierische Behörden.
Mit der Säkularisation Kurtriers durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 ging dessen Wehrheimer Hälfte auf Nassau-Usingen über. Mit der Verschmelzung der nassauischen Territorien zum Herzogtum Nassau 1806 entfiel die jahrhundertelange Zweiteilung. Da das Herzogtum Nassau nach dem verloren gegangenen Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 von Preußen annektiert wurde, kam Wehrheim zur preußischen Provinz Hessen-Nassau bis zur Neuordnung durch die Amerikanische Militärregierung 1945 und der Zuordnung zu Groß-Hessen (seit 1946 Land Hessen).
1895 ging die Bahnstrecke von Bad Homburg vor der Höhe, damals noch Homburg, über Friedrichsdorf nach Usingen in Betrieb und wurde später bis nach Albshausen verlängert. Damit wurde die Gemeinde enger an den Frankfurter Raum angebunden, eine Entwicklung, die sich in den folgenden 100 Jahren fortsetzte.
Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 die Gemeinde Pfaffenwiesbach und der Ortsteil Friedrichsthal der Gemeinde Kransberg auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Wehrheim eingegliedert. Am 1. August 1972 folgte die Eingliederung der Gemeinde Obernhain kraft Landesgesetz.Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 275
Heute zählt Wehrheim, genau wie die sonstigen Hochtaunus- und Main-Taunus-Gemeinden, zur bevorzugten Wohnlage kaufkraftstarker Bewohner.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Wehrheim erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 48,4 15 44,5 14 46,2 14 43,3 13 51,4 16 47,2 15 18,7 6 19,5 6 16,7 5 23,3 7 11,8 4 11,2 3 15,9 5 18,4 6 13,3 4 6,0 2 8,5 2 5,4 2 17,0 5 17,6 5 23,9 8 24,8 8 26,3 8 28,3 9 — — — — — — 2,7 1 2,0 1 2,8 1 — — — — — — — — — — 5,1 1 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 60,4 63,5 61,1 56,5 54,8 63,9
Bürgermeister mini|Rotes Rathaus Wehrheim Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Wehrheim neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2002 Gregor Sommer (CDU). Der Amtsvorgänger Helmut Michel (CDU) beendete seine zweite Amtszeit Ende 2001 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig und die Wahl des neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden. Gregor Sommer wurde am 18. November 2001 im ersten Wahlgang bei 70,8 Prozent Wahlbeteiligung mit 60,3 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgten vier Wiederwahlen, zuletzt ohne Gegenkandidaten im August 2025.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 31. August 2025 in Wehrheim
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2002–2031 Gregor Sommer (CDU)FNP, 28. Januar 2022: Seit 20 Jahren im Dauereinsatz: „Vor nun etwas mehr als 20 Jahren fand ein Generationenwechsel im Wehrheimer Rathaus statt. Helmut Michel verzichtete aus gesundheitlichen Gründen nach zehn Jahren im Bürgermeisteramt auf eine mögliche Wiederwahl. Ins Rennen schickten die Wehrheimer Christdemokraten dafür den damals erst 35 Jahre alten Gregor Sommer.“ 1992–2001 Helmut Michel (CDU) (1936–2009)Landjugend Wehrheim: Die Chronik 2006 - 2015: „Ein schwerer Verlust ereilt den Verein am 24. Mai 2009: Helmut Michel … verstirbt an diesem Tag.“ - FR, Mai 2009: Altbürgermeister Helmut Michel verstorben: „Kurz vor seinem 73. Geburtstag ist in dieser Woche Altbürgermeister Helmut Michel gestorben.“ 1986–1991 Aribert Oehm (SPD) 1980–1985 Josef Karl König (CDU) (* 1931)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 670. 1960–1979 Richard Wagner (SPD) 1946–1959 Ludwig Bender (CDU) 1933–1945 Heinrich Wilhelm (NSDAP) 1929–1933 Karl Dillenmuth (SPD) 1928–1929 Otto Friedrich Manck 1908–1928 Heinrich Velte 1900–1908 Peter Eifert 1882–1900 August Manck 1849–1882 Johann Peter Jäger
Ortsbeiräte Für alle eingegliederten Gemeinden und die Kerngemeinde wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung gebildet. Die Ortsbezirke sind durch das Gebiet der ehemaligen Gemeinden abgegrenzt und bestehen, je nach Einwohnerzahl, aus drei bis neuen Mitgliedern. Die Wahl der Ortsbeiräte erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.
Ortsbeirat der Kerngemeinde Wehrheim Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,47 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied der SPD, vier Mitglieder der CDU und zwei Mitglieder des Bündnis 90/Die Grünen und der FDP. Der Ortsbeirat wählte Stefan Velte (CDU) zum Ortsvorsteher.
Hoheitssymbole Das Wappen basiert auf Siegeln der Stadt aus dem 15. Jahrhundert. Es zeigt die zwei Löwen der Grafen von Diez, die in dem Gebiet bis 1388 regierten, und den Anfangsbuchstaben der Stadt. Das Wappen wurde in den späteren Jahrhunderten „vergessen“ und im frühen 19. Jahrhundert zeigte ein neues Siegel der Stadt ein unbekanntes Gebäude mit zwei Türmen. Das Gebäude, ein Wehrbau, war ein redendes Symbol. Das heutige Wappen wurde 1953 genehmigt.
Neben dem Wappen führt die Gemeinde Wehrheim eine Flagge und ein Dienstsiegel.
Partnerschaften mini|„Brunnen der Freundschaft“ Die Gemeinde Wehrheim unterhält folgende Partnerschaften: Pilisvörösvár, Ungarn, partnerschaftliche Beziehungen seit 1984 Meransen (Südtirol), Italien, freundschaftliche Kontakte seit 2001
Wirtschaft und Infrastruktur Die Bevölkerung Wehrheims verfügt über eine weit überdurchschnittliche Kaufkraft. 2020 betrug der Kaufkraftindex 130,2 des Bundesdurchschnitts.
Verkehr mini|Bahnhof Wehrheim mini|Das zur Taufe eines ICE TD (Nr. 5510) auf die Gemeinde angefertigte Gemälde am Bahnhof Wehrheim ist über die sechs Kilometer entfernte Anschlussstelle Friedberg an die Bundesautobahn 5 und mit der acht Kilometer entfernten Anschlussstelle Oberursel-Nord an die Bundesautobahn 661 an das Fernstraßennetz angeschlossen. Die Bundesstraße 456 wird als Umgehungsstraße um Wehrheim herumgeführt und führt über den Saalburgpass nach Bad Homburg und nördlich über Usingen nach Weilburg.
Die Gemeinde verfügt über zwei Stationen an der Bahnstrecke Friedrichsdorf–Albshausen, die beide von der RMV-Linie RB 15 bedient werden: den Bahnhof Wehrheim und den Bahnhof Saalburg (beim Ortsteil Saalburgsiedlung). Die Buslinie 63 verbindet die Wehrheimer Ortsteile miteinander und stellt den Anschluss zum Bahnhof Wehrheim her.
Unternehmen Ein bekanntes Produkt aus Wehrheim sind die Ohrenstöpsel der Firma Ohropax GmbH, die unter der Marke Ohropax vertrieben werden. In der Orthopädie werden künstliche Gelenke vielfach mit Knochenzementen verankert; der weltweit bekannteste, Palacos, wird von Heraeus Medical in Wehrheim hergestellt.
Quarzit-Werk Im Köpperner Tal zwischen Köppern und Wehrheim, jedoch auf Köpperner Gebiet, betreibt die Holcim Kies und Splitt GmbH, ein Tochterunternehmen der weltweit tätigen LafargeHolcim-Gruppe, einen großen Steinbruch, in dem seit Ende des 19. Jahrhunderts Quarzit abgebaut wird (siehe Köppern#Quarzit-Werk).
Bildungseinrichtungen Die Gemeinde Wehrheim verfügt mit der Limesschule über eine Grundschule. 1837 wurde in Wehrheim das Gebäude der alten Schule errichtet, das seit 1984 Sozialwohnungen beherbergt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde für die Wehrheimer Schule ein neues Gebäude errichtet, das heute die Heinrich-Kielhorn-Schule nutzt. Die Grundschule selbst erhielt in den 1990er Jahren einen modernen Neubau und ist heute eine der größten Grundschulen des Kreises.
Weiterhin bestand mit der Heinrich-Kielhorn-Schule eine Förderschule für Lernhilfe. Bis zur Gebietsreform in Hessen war sie als Sonderschule des Kreises Usingen benannt. Am 5. November 1973 wurde sie nach Heinrich Kielhorn, einem Pionier der Sonderschulpädagogik, benannt.Angelika Baeumerth: Chronik 1972-2000 Hochtaunuskreis, 2001, Seite 11 2012 wurde sie nach Usingen verlegt.