mini|Früherer Unternehmenssitz im Schloss Wachenheim mini|Ehemaliges Logo Die Schloss Wachenheim AG – ehemals Sektkellerei Schloss Wachenheim AG – ist ein international operierender Konzern und weltweit einer der größten Hersteller von Sekt. Im Geschäftsjahr 2019/2020 wies der Konzern einen Umsatz von 354,6 Mio. Euro aus.
Die deutsche Konzerntochter belegt unter den umsatzstärksten Unternehmen in Rheinland-Pfalz etwa Rang 50.Rheinland-Pfalz Bank
Firmengeschichte Gründung Das heutige Unternehmen wurde 1888 gegründet, doch die Geschichte des Sektschlosses in Wachenheim begann bereits 1341. Die Ritter von Steinhausser ließen sich auf dem Gelände der heutigen Sektkellerei nieder und errichteten hier einen Adelssitz. 1725 erwarb Freiherr Johann Georg von Sussmann, Hofgerichtsrat des Kurfürsten in Mannheim, das Grundstück samt den umliegenden Weinbergen und Äckern. Auf den Grundmauern des ehemaligen Adelssitzes ließ er ein Schloss im ländlichen Barockstil sowie einen Wirtschaftstrakt errichten, den sogenannten Sussmann’schen Hof. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wechselte dieser mehrmals den Eigentümer, bis der Weinhändler Georg Böhm das Anwesen in den 1880er Jahren kaufte, um eine Schaumweinfabrik zu errichten.
Nachdem sie 1886 das Patent zur Schaumweinherstellung im Fassgärverfahren von dem Stuttgarter Weinchemiker Friedrich Adolf Reihlen erworben hatten, gründeten Georg Böhms Erben, die Brüder Friedrich und Ludwig Böhm, 1888 gemeinsam mit Reihlen und einer Stuttgarter Bankengruppe die Deutsche Schaumweinfabrik in Wachenheim. Im Jahr 1892 als „Deutsche Schaumweinfabrik AG, Wachenheim“ eingetragen, firmierte das Unternehmen zunächst als „Sektkellerei Wachenheim AG“ (1913), ehe schließlich der Name „Sektkellerei Schloss Wachenheim AG“ Verwendung fand. Damit ist das Sekthaus eine der ältesten Aktiengesellschaften in Deutschland.Geschichte. In: schloss-wachenheim.de Carl Josef Wagner etablierte 1899 als Betriebsleiter die Methode der Flaschengärung in Wachenheim. Später wurde er Mehrheitseigner der Kellerei und gestaltete sie zwischen 1924 und 1939 nach seinen Ideen um.
Zwischen 1952 und 1958 vervierfachten sich die Umsätze der Kellerei nahezu.Vorerst keine Kapitalerhöhung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Mai 1959 Daraufhin wurden 1962 umfangreiche Kapazitätsausweitungen vorgenommen. Es wurden Lagerkeller, Pack- und Versandräume sowie Materiallager gebaut.Vermögensabgabe voll passiviert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai 1964 In den 1960er Jahren verstarben kurz hintereinander zwei Vorstandsmitglieder im Amt: Am 29. April 1962 verschied das Vorstandsmitglied Wilhelm Meinzer, der die Kellerei während des Zweiten Weltkriegs geleitet hatte.Familienanzeigen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 1962 Am 31. Januar 1965 verstarb das Vorstandsmitglied Hans Otto Wagner, das unmittelbar nach dem Krieg ins Unternehmen eingetreten war.Familienanzeigen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 1965 Nachfolger wurden Emil Wegner und Karl Josef Wagner.
Eigentümerwechsel in der Nachkriegszeit Im Herbst 1963 verkaufte die Carl Josef Wagner Erbengemeinschaft ein Viertel des Grundkapitals, blieb aber weiterhin mit 56 % am Grundkapital beteiligt.Aktienpaket von Sekt Wachenheim wechselt Besitzer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. September 1963 1968 gab das Bankhaus Merck Finck & Co bekannt, 25 % des Grundkapitals zu besitzen.An Wachenheim beteiligt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juli 1968 Diese Bank war bereits seit den 1930er Jahren an der Würzburger Sektkellerei J. Oppmann beteiligt. 1973 übernahm das stellvertretende Vorstandsmitglied Karl Josef Wagner den Anteil der Carl Josef Wagner Erbengemeinschaft.Aufsichtsratsbezüge gekürzt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juni 1973 Ende 1977 stieg die Spirituosen- und Fruchtsaftfirma Peter Eckes mit über 25 % ins Unternehmen ein.Kurze Meldungen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. April 1978Eckes hofft auf Normalisierung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 1978
Wachstum in den 1980er Jahren 1983 betrug der Umsatz 22,2 Millionen DM bei einem Flaschenabsatz von 4 Millionen Stück.Schloß Wachenheim mit Absatzplus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 1984 1985 und 1986 wurde erneut ein größeres Investitionsprogramm in Höhe von 2,5 Millionen DM in Angriff genommen.Flaschengärung und moderne Technik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Mai 1985 Dazu wurden 4.000 neue Aktien im Verhältnis 9:1 für 300 DM je 50 DM Aktie emittiert.Neue Dividenden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Mai 1985 1986 konnten 6,6 Millionen Flaschen Sekt verkauft und ein Umsatz von 38,6 Millionen DM erzielt werden.Wachenheim mit gutem Wachstum. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Mai 1987 1989 betrug der Umsatz bereits 63 Millionen DM,Unternehmensnachrichten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 1990 1990 wurde das stürmische Wachstum fortgesetzt und 71,4 Millionen DM erlöst.Schloß Wachenheim mit 13% Wachstum. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 1991
Krise 1994 1991 wurde eine Kooperation mit der Elsässer Genossenschaftskellerei in Eguisheim bekannt gegeben.Wachenheim kooperiert mit "Wolfberger". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 1991 1994 wurde bekannt, dass das Vorstandsmitglied Bernd Lemke und der Prokurist Werner Bauer Scheingeschäfte mit dieser Firma abgeschlossen hat. Gegen ihn wurde wegen Inventurfälschung und Veruntreuung von Firmengeldern ermittelt. Bei einer Zollprüfung fiel auf, dass Lagerbestände um 1,4 Millionen Flaschen Sekt mit einem Wert von 7,3 Millionen DMSind die Jahresabschlüsse von Sekt Wachenheim nichtig? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Oktober 1994 zu hoch ausgewiesen wurden. Insgesamt wurde die Firma um 16 Millionen DM geschädigt, so dass sie am 12. Oktober 1994 einen Vergleich anmelden musste. Auch die Tochterunternehmen Weingut Friedrich Wilhelm Freudenmacher GmbH sowie HNB Handelsgesellschaft mbH mussten in der Folge einen Vergleich anmelden.Wachenheim: Weitere Vergleichsanträge. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. November 1994 Peter Eckes, der am 1. Januar 1995 den Import der spanischen Sektmarke Freixenet übernommen hatte und mit 40 % an der Rotkäppchen Sektkellerei beteiligt war, wollte seinen Anteil von 37,5 % nicht erhöhen.Wachenheim-Vorstand Lemke verhaftet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Oktober 1994Beratungen über Zukunft von Schloss Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 1994 Stattdessen wurde über einen Einstieg der Sektkellerei Deinhard & Co KGaA, des Spirituosenherstellers Berentzen, der Racke GmbH & Co und des Pfälzer Winzerverbands.Interesse an Sekt Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Oktober 1994
Die Geschäfte wurden zunächst durch Karl Josef Wagner und den neuen Vorstand Willi Federspiel fortgeführt,Sektkellerei will Schadensersatz einklagen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. November 1994 ohne dass ein neuer Großaktionär gefunden werden konnte.Sekt Wachenheim versucht es ohne neuen Aktionär. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 1994 Im Februar 1995 wurde einem Vergleich zugestimmt.Unternehmensnachrichten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Februar 1995 Für das Geschäftsjahr 1993/94 musste dennoch ein Verlust von rund 71,5 Millionen DM ausgewiesen werden. Die beiden Großaktionäre Karl Josef Wagner und Peter Eckes AG haben den Vergleichsverwalter ermächtigt, ihre Anteile von 50,4 % und von 31,8 % "aus einer Hand" zu veräußern.Hoher Jahresfehlbetrag als Kaufanreiz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Februar 1995 Auf der Hauptversammlung im April 1995 trat Karl Josef Wagner aus gesundheitlichen Gründen von seinem Vorstandsamt zurück. Dort wurde auch bekannt, dass insgesamt 27,4 Millionen DM veruntreut worden waren.Wachenheim sucht weiter einen Investor. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. April 1995 Im Geschäftsjahr 1994/95 wurde erneut ein Verlust ausgewiesen, in Höhe von ca. 10 Millionen DM. Dadurch musste ein negatives Eigenkapital ausgewiesen werden.Keine Kapitalmaßnahmen bei Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. August 1995 Im Dezember 1995 wurde bekannt, dass Nick Reh eine Beteiligung von 80 % am Grundkapital anstrebt.Reh an Wachenheim interessiert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Dezember 1995 Dazu bot er den Großaktionären den symbolischen Preis von 1 DM für ihre Anteile und sagte zu, 10 Millionen DM frisches Kapital einzubringen.Reh bietet eine DM für Wachenheim-Mehrheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 1996 Dieses Angebot wurde von Karl Josef Wagner zunächst abgelehnt, da er damit seine privaten Schulden nicht hätte bedienen können.Aktionäre gegen Reh-Angebot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Januar 1996 Am 31. Januar 1996 zog die Günther Reh AG ihr Angebot zurück, weil sie sich von der Deutschen Bank hintergangen fühlte.Reh zieht Angebot zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 1996 Auf Vermittlung von Rainer BrüderleBrüderle will weitere Verhandlungen über die Sektkellerei Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Februar 1996 konnte schließlich doch noch eine Übernahme von 76,83 % der Anteile stattfinden.Die Reh AG übernimmt Schloß Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Mai 1996 Auf einer Hauptversammlung am 9. August 1996 wurde das Grundkapital gegen Bareinlagen von 2,2 Millionen DM auf 6,6 Millionen DM erhöht.Kapitalerhöhung bei Sekt Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juni 1996 Dazu wurden 88.000 neue Aktien zum Preis von 115 DM ausgegeben.Unternehmensnachrichten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 1996 Durch den Zufluss von etwa 10 Millionen DM konnte wieder ein positives Eigenkapital in Höhe von 6,9 Millionen DM ausgewiesen werden. Der Erhalt der Sektkellerei war sichergestellt.Aktionäre genehmigen Kapitalerhöhung bei Schloß Wachenheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. August 1996
Teil der Reh-Gruppe Die Sektkellerei ist rückwirkend zum 1. Juli 1996 mit der Reh-Tochtergesellschaft Sektkellerei Faber GmbH & Co. KG in Trier verschmolzen worden. Dazu wurde die Sektkellerei Faber in die Wachenheim AG eingebracht und das Grundkapital um 26,4 Millionen DM erhöht. Um den Anteil der Kleinaktionäre bei ca. 20 % halten zu können, wurde zusätzlich eine Barkapitalerhöhung von 6,6 Millionen DM Aktien im Verhältnis 1:5 für 200 DM je Aktie vorgenommen. Die 1950 gegründete Sektkellerei Faber hatte in den 1970er Jahren erstmals breiten Konsumentenschichten Sekt zu erschwinglichen Preisen angeboten und erlöste 1996 einen Umsatz von 354 Millionen DM.Die Sektkellereien Schloß Wachenheim und Faber wollen fusionieren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Januar 1997 Damit entstand unter Vorstand Helmut Henseler die damals größte Sektkellerei der Welt mit einem Absatz von etwa 100 Millionen Flaschen und einem Umsatz von rund 400 Millionen DM.Die größte Sektkellerei der Welt entsteht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 1997 Schloss Wachenheim wurde danach Dachmarke der gesamten Gruppe, in die auch die bisherigen Marken eingebracht wurden.Faber übernimmt Wachenheim. In: Hamburger Abendblatt, 14. Mai 1996 Wegen des stagnierenden Sektverbrauchs im Inland forciert die Unternehmensgruppe seit Anfang der 1990er Jahre die Expansion in Ostmitteleuropa, Frankreich und anderen Wachstumsmärkten.Schloß Wachenheim ist jetzt die größte Sektkellerei der Welt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juni 1997