mini|400px|Graphische Zusammenfassung der Transformation Die Transformation der United States Army bezeichnet die strategische Neuorientierung des Heeres der USA. Dabei soll die Streitkraft anstatt den Anforderungen des Kalten Krieges denen des 21. Jahrhunderts entgegentreten können. Die praktische Umsetzung dieses Prozesses setzte zum Jahr 1997 ein. Die Transformation gilt als bedeutendste Strukturmaßnahme seit 1947 und soll nach ihrer Vollendung im Jahre 2007 mindestens bis 2050 greifen, wobei die Beschaffung von Ausrüstung über das Jahr 2007 hinausgeht. Auch wenn dieser Vorgang nicht die einzige Transformation in der Geschichte ist, wird sie mit einem solchen Aufwand und so hohen Erwartungen betrieben, dass der Begriff in diesem Fall einer Eigenbezeichnung nahekommt.
Historische Entwicklung 1989/90 endete der Kalte Krieg; 1991 lösten sich die Sowjetunion und der Warschauer Pakt auf. Während der 1990er erfuhr die US Army angesichts des Wegfalls des Hauptgegners, der ehemaligen Sowjetunion, drastische Kürzungen im Militärhaushalt (siehe auch Friedensdividende). Zur Zeit des 11. September 2001 hatte sich die Strategie des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten von einfachen Kürzungen, Verschlankungen und Verkleinerungen hin zur sogenannten „Transformation“ gewandelt. Diese Doktrin fokussiert das Heer auf schnellen, effizienten Kampf, der eine Verlegung massiver Einheiten, wie z. B. noch im Zweiten Golfkrieg, überflüssig macht.
Die Notwendigkeit einer neuen Art der Kriegführung sah das Verteidigungsministerium durch die prognostizierte sicherheitspolitische Situation des 21. Jahrhunderts gegeben. Dabei seien vier Formen der kriegerischen Herausforderung abzudecken: traditionelle, d. h. zwischenstaatliche, unbekannte bzw. unregelmäßige, post-katastrophale sowie störende. Insgesamt sei eine Beruhigung der weltweiten Sicherheitslage nicht abzusehen.
Das daraus gefolgerte strategische Ziel wurde in der bezeichnenden Doktrin Relevant and Ready … Today and Tomorrow festgehalten: jederzeit so früh wie möglich eine ausreichend große militärische Macht aufbieten und so die Mission (siehe auch den gleichnamigen Abschnitt) der Army erfüllen zu können.
Die vier Grundpfeiler der aktuellen Transformation werden in den folgenden Faktoren gesehen:
Einsatzbereite Kampfkraft am Boden zur Unterstützung der Combatant Commanders gut ausgebildete und ausgerüstete Soldaten – „um als Krieger unter anpassungsfähigen Vorgesetzten zu dienen“ Lebensstandard und Wohlergehen für alle Angehörigen der Army eine Infrastruktur, die eine angemessene strategische Projektion bietet
Als Risikofaktoren für die Transformation werden ein allzu anpassungsfähiger Gegner, Unterfinanzierung, zu hohe Operationsgeschwindigkeiten sowie andere übermäßige Belastungen der Army insgesamt gesehen.
Die strategische Ausarbeitung der Transformation geschah bereits unter den Verteidigungsministern William Perry (1994–1997) und William Cohen (1997–2001; beide im Kabinett Clinton). Ihrem Nachfolger Donald Rumsfeld (2001–2006) hingegen wird die kompromisslose Umsetzung ihrer Ansätze zugeschrieben, die sich die Heeresleitung erst nach und nach zu eigen machte.
Aus einer klaren Minderheitenposition unter den Offizieren heraus unterstützte der als geistiger Vater der Transformation geltende General Schoomaker Rumsfeld bei der Umsetzung der Strukturmaßnahme, was letztlich zu seiner Berufung zum 35. Chief of Staff of the Army führte.
Um die Übergangszeit der strukturellen Anpassung zu überbrücken, ließ Schoomaker den Alarmstreitkräften 30.000 Soldaten zusätzlich zuteilen (10.000 Soldaten kosten 1,4 Milliarden US-Dollar zusätzlich).
Um 2005 bestanden etwa 60 % des Heeresbudgets aus Personalkosten. Die US Army muss für die Transformation Mittel einsetzen, die für andere Ausgaben vorgesehen waren.
Die 4th Infantry Division schloss die Reorganisation am 16. Dezember 2004 als erste ab.Meldung des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten vom 16. Dezember 2004. defenselink.mil; abgerufen am 19. Februar 2007
Konzept mini|Vierteilung der potenziellen Bedrohungen
Die Notwendigkeit einer neuen Art der Kriegführung sah das US-Verteidigungsministerium durch die prognostizierte sicherheitspolitische Situation des 21. Jahrhunderts gegeben. Dabei sind seiner Ansicht nach vier Formen der kriegerischen Herausforderung abzudecken:
Staatliche Streitkräfte und anerkannte militärische Gruppen, ob überaltert oder modern, fordern die Schlagkraft der USA in traditionellen Auseinandersetzungen heraus (Krieg, verbliebene Kernwaffen), Staatliche und nichtstaatliche Akteure können ebenso irreguläre Methoden der Kriegführung, beispielsweise Aufruhr, Terrorismus, Bürgerkrieg, ethnische Säuberungen und ähnliche, um die Schlagkraft der Vereinigten Staaten zu untergraben Katastrophenähnliche Bedrohungen können von möglicherweise abtrünnigen terroristischen Splittergruppen ausgehen, die versuchen, Massenvernichtungswaffen oder taktische oder strategische Raketensprengköpfe einzusetzen, die sie möglicherweise erbeutet haben, um damit die Stärke der USA zu paralysieren Akteure, die bestimmte Techniken wie den Cyberwar, Directed Energy, Genwaffen oder Nanowaffen einsetzen, um an die technische Überlegenheit der Army anzuschließen, könnten versuchen, den Vorsprung der USA zu marginalisieren
Dabei stellte das Verteidigungsministerium fest, dass insgesamt eine Beruhigung der weltweiten Sicherheitslage nicht zu erwarten sei.
Das daraus gefolgerte strategische Ziel wurde in der als Relevant and Ready…Today and Tomorrow (zu dt.: „Schlagkräftig und einsatzbereit – heute und in Zukunft“) bezeichnenden Doktrin festgehalten: jederzeit so früh wie möglich eine ausreichend große militärische Macht aufbieten und so die Mission (siehe auch den gleichnamigen Abschnitt) der US Army erfüllen zu können.
Modularer Brigadeaufbau Als Ansatzpunkt der Transformation gilt die stärkere Akzentuierung kleinerer Einheiten. Als Dreh- und Angelpunkt der Organisation der US Army soll die Brigadeebene (2.000–5.000 Mann) dienen, im Gegensatz zur derzeitigen Betonung der Division (10.000–20.000 Mann). Damit wird gleichzeitig die Doktrin des Major Theater War abgelöst, welche die US Army befähigen soll, zwei große regionale Kriege gleichzeitig zu bestreiten. Vielmehr sollen modulare, d. h. vor allem untereinander austauschbare Brigadeelemente militärische Expeditionen weltweit unternehmen können. Die Soldaten müssen in der Lage sein, unter Umständen auch in zwei möglicherweise vollkommen unterschiedliche Einsatzgebiete hintereinander verlegt zu werden. Des Weiteren versetzt diese neue Struktur die Brigade (Unit of Action) in die Lage, wesentlich selbständiger Operationen im Einsatzgebiet durchzuführen, ohne dabei von übergeordneten Kommandostrukturen wie der Division übermäßig abhängig zu sein.
Bei Schoomakers Amtsantritt konzentrierten sich bei den aus 15.000 Mann bestehenden Divisionen alle Einheiten um die zentralen gepanzerten Divisionen. Bei der Verlagerung der maximalen Kampfkraft auf die Brigaden werden diese verkleinert, sodass aus 33 Brigaden bei den aktiven Einheiten im Jahr 2003 bis zum voraussichtlichen Ende der Transformation 2007 42–43 Kampfbrigaden zu je 3.000–4.000 Mann werden. Diese werden von 75 ebenfalls modular aufgebauten Unterstützungseinheiten ergänzt, sodass ungefähr 120 Brigaden entstehen.
Die Nationalgarde wird aus 28 Kampf- und 78 Unterstützungsbrigaden bestehen, die United States Army Reserve aus 58 Unterstützungsbrigaden.
Aufbau der Kampfbrigaden Die für den Kampfeinsatz ausgestatteten Brigademodule werden in sich geschlossene, verbundene Truppenorganisationen sein, die aus Feuerunterstützungsformationen (z. B. Artillerie), Kampfunterstützungseinheiten (Aufklärungseinheiten, Fernmeldetruppe, Militärpolizei) und Logistikeinheiten (Sanitäter, Transport, Instandsetzung) bestehen. Alle Kampfbrigaden werden von den aktiven Einheiten bis zur Reserve standardisiert, was bisher nicht der Fall war.
Vor der Transformation waren Unterstützungseinheiten nur den Divisionen zugeordnet und wurden kämpfenden Brigaden nur bei Bedarf für einen gewissen Zeitraum zugeteilt. Die Neustrukturierung beschleunigt das Zusammenwirken und verringert bürokratische Hürden.
Aufklärung spielt eine entscheidende Rolle in der Transformation. In der Planung war die Akquirierung des Zieles immer wieder als Schwachpunkt in der Kette der Ereignisse bis zur Zerstörung des Ziels bemängelt worden. Daher wurde die Anzahl von Aufklärern in einer Brigade erhöht. Dies wurde durch eine Reduzierung der Artillerietruppen bewirkt, was durch die zunehmende Kombination der Streitkräfte ermöglicht wurde.
Es wird drei Arten von kämpfenden Brigaden geben: Infanterie (inklusive Luftlandetruppen), gepanzerte und Stryker-Brigaden. Auch die Organisation der Einheit wird sich verändern, wobei das momentane Kavallerie-Regiment in mehrfacher Hinsicht als Vorbild dient.
Panzerbrigaden mini|400px|Schwere Panzerbrigaden Die so genannten Heavy Brigade Combat Teams (HBCT), seit 2012 als Armored Brigade Combat Teams (ABCT) bezeichnet, bestehen nach der Planung aus ungefähr 3.700 Soldaten. Da der Aufbau, wie erwähnt, stärker auf bestehende als auf zusammengesetzte Einheiten setzt, werden dem Ersten Offizier (executive officer) ein Stellvertreter und ein erweiterter Stab assistieren, um den steigenden Anforderungen hinsichtlich Zivilangelegenheiten, Spezialmissionen, psychologischer Kriegführung, Flugabwehr und -transport zu genügen.
Im Einzelnen sollten die Brigaden am Ende der Transformation aus folgenden Einheiten bestehen:
Stabsbataillon: Brigadestab Fernmeldekompanie Feldnachrichtenkompanie (Military Intelligence) Militärpolizeizug Stabssicherungszug gepanzerte Aufklärungsschwadron aus: 3 gepanzerte Aufklärungskompanien mit je 10 M3-Bradley-Aufklärungspanzern 1 Spähkompanie mit HMMWVs und Sensoren 2 mechanisierte Kampfbataillone zum Gefecht der verbundenen Waffen zu je: Stabskompanie Aufklärungs- und Erkundungszug Mörserzug Scharfschützenzug 2 Panzerkompanien mit je 13 M1-Abrams-Kampfpanzern 2 mechanisierte Infanteriekompanien mit je 13 M2 Bradley-Schützenpanzern Pionierkompanie Artilleriebataillon aus: 2 schießenden Batterien mit je 8 Paladin-Panzerhaubitzen Feuerleitzug Feuerunterstützungszug Logistikbataillon: Sanitätskompanie Nachschubkompanie Instandsetzungskompanie 4 Versorgungskompanien für die vier Kampfbataillone
Infanteriebrigaden mini|400px|Infanteriebrigaden Die Infantry Brigade Combat Teams werden 3.300 Mann umfassen und folgendermaßen zusammengesetzt sein:
Stabsbataillon: Brigadestab Pionierkompanie Fernmeldekompanie Nachrichtenkompanie (Military Intelligence) Militärpolizeizug Sicherungszug des Stabes Aufklärungsschwadron (RSTA: Reconnaissance, Surveillance and Target Acquisition; übersetzt in etwa: „Aufklärung, Überwachung und Zielerkennung“Der englische Begriff target acquisition umfasst in der Verwendung als militärischer Fachterminus insgesamt das Aufspüren, die Identifikation und die Ortung eines oder mehrerer Ziele.): 2 × motorisierte Aufklärungskompanien Spähkompanie Unterstützungskompanie mit Sensoren 2 × Infanteriebataillone: 3 × Infanteriekompanien Kampfunterstützungskompanie Mörserzug Aufklärungszug Scharfschützen 3 × motorisierte Panzerabwehrzüge Artilleriebataillon: 2 × schießende Batterie mit jeweils acht 105-mm-Geschützen Feuerleitzug Feuerunterstützungszug Logistikbataillon: Sanitätskompanie Nachschubkompanie Instandsetzungskompanie 4 × Unterstützungskompanien zur Versorgung der vier Gefechtsbataillone
Stryker Brigade Combat Teams mini|400px|Stryker-Brigaden