Schloss Wackerbarth, ursprünglich Wackerbarths Ruh’, ist ein von Weinbergen umgebenes Barockschloss im Radebeuler Stadtteil Niederlößnitz an der Straße nach Meißen, das als Sitz des Sächsischen Staatsweingutes dient. Das Weingut gehört zur Einzellage Radebeuler Johannisberg innerhalb der Großlage Lößnitz und liegt im Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul. Das historische Areal des Schlosses bildet einen Ausläufer des oberhalb davon gelegenen Landschaftsschutzgebiets Lößnitz.Sächsische Schutzgebiete beim SMUL, abgerufen am 12. Juni 2012. mini|Blick vom Jacobstein: Schloss Wackerbarth mit Belvedere (rechts Mitte), Nebenanlagen und barocker Gartenanlage mini|Schloss Wackerbarth (1906), die barocke Gartenanlage ist verbuscht { "type": "FeatureCollection", "features": [

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Seit der Anlage als Alterslandsitz des Generalfeldmarschalls und Reichsgrafen August Christoph von Wackerbarth und bis zur Gründung von Niederlößnitz im Jahr 1839 war das Anwesen ein dem Amt Dresden direkt unterstehendes Herrengut auf der Naundorfer Weinbergsflur.

Das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth, bestehend aus der historischen Anlage und dem modernen Neubau der Wein- und Sekt-Manufaktur, steht dem Publikum zur Besichtigung offen. Die hauseigenen Produkte werden verkostet und verkauft, die zugehörige gläserne Produktion kann besichtigt werden. Auf den Freiflächen rund um die Gebäude sind auch Beispielweinstöcke der angebauten Rebsorten in ihrem jahreszeitlichen Wachstum zu besichtigen. Das gutseigene Restaurant ist in dem östlichen, denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude untergebracht. Das höhergelegene Belvedere dient auch als Ort für Trauungen. Schloss Wackerbarth als sächsisches Kulturerbe ist ein Mitglied im Marketingverbund Schlösserland Sachsen, die GmbH eine Tochtergesellschaft der Sächsischen Aufbaubank.

Geschichte mini|Christian Gottlob Hammer: Vue de Wackerbarthsruhe aux environs de Dresde, prise sur la grande Route de Leipzig, 1805

Barocker Adels- und Landsitz Nach ersten Grundstückskäufen 1710 erwarb Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth, Generalfeldmarschall und Kabinettsminister Augusts des Starken, 1727 die auf Naundorfer Gebiet liegenden Bischofsberge sowie einige Grünflächen unterhalb dieser Weinbergsflächen. Seit jener Zeit unterstand das Anwesen direkt dem Amt Dresden, bis es 1839 Teil der neugebildeten Landgemeinde Niederlößnitz wurde.

Am Fuß der Weinberge ließ er sich in den Jahren 1727 bis 1730 durch den Landbaumeister Johann Christoph Knöffel seinen geplanten Alterssitz Wackerbarths Ruh’ erbauen. Dies geschah zeitgleich mit zwei weiteren Häusern Wackerbarths, dem Kurländer Palais in Dresden und dem Palais in Zabeltitz, beide ebenfalls von Knöffel, den Wackerbarth als jungen Maurermeister entdeckt und ins Dresdner Oberbauamt geholt hatte, wo er zum Assistenten Pöppelmanns wurde. Wackerbarth leitete seit 1697 das kurfürstlich-sächsische Bauwesen, war Chef des Ingenieurkorps und als solcher seit 1706 zugleich Generalintendant der Militär- und Zivilgebäude sowie Dienstvorgesetzter des Oberbauamts. Er wirkte an allen großen Bauplänen der Epoche mit und wird als „Regisseur des Dresdner Barock“ (Fritz Löffler) bezeichnet. Die Namensgebung „Wackerbarths Ruh’“ erfolgte wohl vorsorglich, da Wackerbarth sein erstes privates Bauprojekt, das ab 1719 erbaute Schloss und den Barockgarten Großsedlitz, 1723 an August den Starken hatte verkaufen müssen. Der im Jahr 1730 zum Generalfeldmarschall und sächsischen Armeechef ernannte Graf Wackerbarth hatte allerdings kaum Zeit und Muße, seinen Altersruhesitz zu bewohnen. Bereits im August 1734 starb er.

Nach dem Tod des „alten Wackerbarth“ erbte der „junge“, sein Stief- und Adoptivsohn Graf Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour, der ebenfalls Staats- und Kabinettsminister war, das Anwesen. Dieser nutzte es als Landsitz, und da er unverheiratet und kinderlos war, bestimmte er testamentarisch, dass nach seinem Tod das Schloss Wackerbarth zugunsten von „Dresdner Witwen und Waisen“ zu versteigern sei, was 1761 auch geschah. Im Jahr 1768 starb auf dem Anwesen der Minister und Geheime Rat Carl August Graf von Rex. Eigentümer wurde 1798 der Dresdner Bankier und Freiherr Christian Friedrich von Gregory, dem auch das Haus Sorgenfrei gehörte. Seit 1799 gehört der Jacobstein zusammen mit dem Weinberg Fliegenwedel zum Ensemble von Schloss Wackerbarth, mit dem er heute als denkmalpflegerische Sachgesamtheit unter Denkmalschutz steht.

Ein Urgroßneffe des Erbauers, der Historiker und Kunstsammler „Raugraf“ August Josef Ludwig von Wackerbarth, erwarb das Anwesen 1808 oder 1809 und verlor es 1816 durch Konkurs zunächst wieder.

Schule, Heilanstalt, Ruhesitz, Wohnsitz, Staatsbesitz, Reservelazarett, Kommandantur, Poststelle mini|Wackerbarths Ruh’, Aussehen um 1820 mit Jacobstein: barocker Ursprung mit halbrunden, statt wie heute, flachen Pilastern und Türmchen. mini|Wackerbarths Ruhe, Aussehen um 1910, im Stil italienischer Renaissance (dreistöckiger Mittelbau mit Figuren, flaches Dach) Im Jahr 1816 wurde Wackerbarths Ruh’ Sitz der von Tharandt umgesiedelten Erziehungsanstalt für Knaben unter Leitung von Carl Lang und später seinem Schwiegersohn Carl Vogel, Vater der Schriftstellerin Elise Polko und des Afrikaforschers Eduard Vogel. Von 1819 bis 1823 unterrichtete der in die Lößnitz gezogene, vormalige herzoglich-braunschweigische Edukationsrat Johann Peter Hundeiker an Langs Knabenschule.Jochen Zschaler: War Jean Paul in der Lößnitz? Teil 2. In: Vorschau und Rückblick. Monatsheft für Radebeul und Umgebung. 14. Jahrgang, Heft 3, S. 2–4. Radebeuler Monatshefte e. V. (Hrsg.), Radebeul 2003. Renommierte Schüler jener Zeit waren beispielsweise die Brüder Hermann und Heinrich Brockhaus.

Nach Langs Tod im Mai 1822 kaufte der Vorbesitzer August Josef Ludwig von Wackerbarth das Anwesen 1824 erneut. Ab 1835 nutzte Friedrich Gustav Bräunlich (1800–1875) die Baulichkeiten als Heilanstalt für Geisteskranke, die 1845 von ihm nach Neucoswig in den Lindenhof verlegt wurde. Der Raugraf Wackerbarth musste es, nachdem das Anwesen um 1840 seine größte Ausdehnung erreicht hatte, 1846 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten wieder versteigern lassen.

Am 1. April 1846 ging Wackerbarths Ruh in den Besitz von Gustav Leopold Zembsch über, ohne jedoch die Weinberge Eckberge und Fliegenwedel. In der Folgezeit nutzte ein Dr. Matthiae bis 1864 die Räumlichkeiten wieder als Anstalt. Das Hauptgebäude wurde 1853 teilweise umgestaltet. Der Maler Otto Wagner starb dort in der Anstalt 1861.

Der Sächsische Altertumsverein berichtete 1853 in seinem ersten Heft der Mittheilungen von einer Abhandlung zu einem „Alten Stein mit Inschrift (1512) der früher bei Wackerbahrtsruhe stand, von Sr. Excellenz Herrn Conferenzminister Nostitz und Jänckendorf [mitgeteilt]“.Gustav Klemm: o. T. (Protokoll, unterzeichnet „Dresden, den 24. Juli 1835.“) In: Mittheilungen des Königlich Sächsischen Alterthumsvereins. 2. Auflage, C. C. Meinhold und Söhne, Dresden 1853, Erstes Heft, S. XII. Die Datierung auf 1512 zusammen mit einer dortigen Weinbergsbezeichnung Bischofsberg schlägt eine Verbindung zu den im 16. Jahrhundert in der Nachbarschaft gelegenen bischöflichen Weinbergsbesitzungen Hohenhaus und Bischofspresse.

Friedrich Wilhelm Weinert erwarb durch Zwangsversteigerung 1869 den Besitz von Zembsch. Ihm folgte 1872 der sächsische und preußische Staatsmann Albert von Carlowitz, der dann auf Wackerbarths Ruh lebte, wo er 1874 starb.

Carlowitz' Erben verkauften 1875 an Caroline von Tümpling; in der Folge wird der preußische Generalmajor von Tümpling als Besitzer erwähnt. Dann folgt Freiherr und Rittmeister Adolf von Tümpling (1842–1920), dem das Anwesen bis 1882 gehörte. Er ließ 1875 das Schlossgebäude durch den Leipziger Baumeister Friedrich Louis Winkler im Stil der italienischen Renaissance umgestalten.

Im Jahr 1882 erwarb der Historiker und Hofrat Johann Georg Theodor Grässe das Anwesen, der dort drei Jahre nach Beginn seines Ruhestands 1885 verstarb. Danach besaßen Grässes Erben das Schloss, erst die Witwe und dann ein Sohn, der griechische Konsul Hans Björn Grässe. Mitte 1902 kam es zu einer Zwangsversteigerung (Subhastation). Die folgenden Eigentümer waren Ludwig Friedrich Matthis, Alexander Schuster und danach die Sparkasse von Oederan.

In den Jahren 1916 bis 1923 gab es einen weiteren Umbau des Schlosses durch Georg Heinsius von Mayenburg, der für den Besitzer einer Coswiger Lackfabrik, das Gebäude in Anlehnung an die Pläne Knöffels rebarockisierte. Als dieser 1926 seine Hypotheken dafür nicht mehr bedienen konnte, kam der Besitz in Zwangsverwaltung. Das Dresdner Bankhaus Gebrüder Arnhold übernahm das Anwesen. Im Jahr 1931 ging Wackerbarths Ruh’ an die Sächsische Staatsbank, zwei Jahre später an die Dresdner Bank.

Im Jahr 1937 wurde das Schloss Reichsführerschule des Reichsarbeitsdiensts und ab 1940 Reservelazarett.

Am 8. Mai 1945 fand im Schloss eine Konferenz zur Ernährungslage der Bevölkerung zwischen sowjetischen Offizieren und einer deutschen Abordnung, bestehend unter anderem aus Hermann Matern, Rudolf Friedrichs und Kurt Fischer, statt, auf die auf einer Gedenktafel an der Schlosseinfriedung hingewiesen wird. Nachdem sich der Oberbefehlshaber der 1. Ukrainischen Front, Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew, dort kurzzeitig einquartiert hatte, zog bis 1950 eine Poststelle der sowjetischen Armee ein.

Im Jahr 1950 ging das Anwesen in volkseigenen Besitz über und wurde der „Volksbildung“ übergeben, die es zu einer Schule mit Internat für einen Teil der griechischen Markos-Kinder machte; auch das Heimkombinat Korea für nordkoreanische Kinder und Jugendliche war dort sowie im Mohrenhaus und zwei weiteren Stätten untergebracht.Liana Kang-Schmitz: Nordkoreas Umgang mit Abhängigkeit und Sicherheitsrisiko: Am Beispiel der bilateralen Beziehungen zur DDR. epubli, Berlin 2011, ISBN 978-3-8442-1575-5, S. 253.

Weingutsanwesen mini|Gartenanlage vor Belvedere, geschmückt für ein Lichterfest des „Erlebnisweinguts“ Das 1952 entstandene Volkseigene Gut Weinbau „Lößnitz“ machte aus dem Anwesen wieder ein Weingut. In den Jahren 1974 bis 1977 wurden Schlossgebäude und Teile der Gartenanlage renoviert.

Im Juli 1990 wurde das VEG Weinbau Radebeul zur Weinbau Radebeul GmbH umfirmiert, die 1992 in den Besitz des Freistaats Sachsen kam, womit sie wieder zum sächsischen Staatsweingut wurde. Im gleichen Jahr fand dort der erste Sommernachtsball statt, zu dem die Gastgeber, das Sächsische Staatsweingut und die Landesbühnen Sachsen, als Ehrengäste Rüdiger Freiherr von Wackerbarth und seine Frau Adelheid eingeladen hatten.

Weingut Das neuzeitliche Weingut geht auf das 1928 in Radebeul gegründete Staatsweingut zurück. An das entstandene Staatsweingut Radebeul-Lößnitz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Winzerschule des Staatsweinguts in Oberlößnitz angegliedert.

Volksweingut Lößnitz, Weinbau Radebeul