mini|Jagdhausanlage um 1700 mini|Sächsischer Jägerhof, 1937 Das Jagdschloss Grillenburg befindet sich im Tharandter Wald. Es liegt im gleichnamigen Ortsteil von Kurort Hartha in der sächsischen Stadt Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, an der heutigen Ferienstraße Silberstraße zwischen Dresden und Freiberg. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen verzeichnet das Ensemble innerhalb der umgebenden drei Teiche als Kulturdenkmal einschließlich archäologischem Bodendenkmalschutz. Ein ähnliches Objekt, vom romanischen Ursprung her, stellt das Schloss Osterland bei Oschatz aus derselben Epoche dar. Das Gesamtareal stand seit der Expo Real 2015 beim Freistaat Sachsen in Kooperation mit der Stadt Tharandt zum VerkaufStephan Lorenz: Verkaufsoffensive für das Schloss und die „Nazi-Villa“ in Grillenburg. In: Freie Presse. 27. Juli 2015; Verkaufsoffensive für das Schloss Grillenburg. In: Sächsische Zeitung. Freital, 30. Juli 2015; Burgerbe-Blog (abgerufen am 3. August 2015); Silvio Kuhnert: Jagdschloss und Nazi-Villa stehen zum Verkauf. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 14. August 2015; Franz Werfel: Schlossherr gesucht. In: Sächsische Zeitung. Freital, 23. Januar 2016. und soll in den nächsten Jahren zu einem Tagungs- und Konferenzzentrum für die Technische Universität Dresden in Kooperation mit anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen entwickelt werden.Jagdschloss: Politiker beraten zur Zukunft. In: Freie Presse Freiberg, 25. Juli 2019; Sebastian Tangel: Neue Pläne für Schloß und Nazi-Villa im Tharandter Wald. In: Morgenpost Dresden, 27. Juli 2019; Jürgen Helfricht: Nazi-Villa im Tharandter Wald wird Tagungs-Zentrum für Unis. in: BILD Dresden, 27. Juli 2019; Silvio Kuhnert: Zukunftsvision für Schloss Grillenburg. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 26. Juli 2019; Verena Schulenburg: Schloss Grillenburg wird Konferenz-Zentrum. In: Sächsische Zeitung Freital, 26. Juli 2019 bzw. Geheimnis um Schloss Grillenburg gelüftet. In: Freie Presse Freiberg, 27. Juli 2019. Das Baurecht dafür wurde im Juni 2023 geschaffenGunnar Klehm: Schloss Grillenburg: Grünes Licht fürs Bauen. In: Sächsische Zeitung Freital, 7. Juli 2023 und erlangt im Sommer 2024 Rechtskraft.Mathias Herrmann: Vom Jagdschloss zum Konferenzzentrum: Grillenburg bereitet sich auf neue Ära vor. In: Sächsische Zeitung Freital, 2. April 2024 Der Baubeginn war im Herbst 2024 geplant.Mathias Herrmann: Tharandter Wald: Sanierung von Schloss Grillenburg soll noch dieses Jahr beginnen. In: Sächsische Zeitung Freital, 10. Januar 2024 Zunächst soll die Sicherung der Bestandsgebäude erfolgen.Mathias Herrmann: Schlossinsel Grillenburg: Im Herbst soll der Umbau zum Kongresszentrum starten. In: Sächsische Zeitung Freital, 19. April 2024 Der Überlassungsvertrag zwischen der Stadt Tharandt und der TU Dresden wurde am 16. August 2024 im Rahmen der öffentlichen Projektvorstellung nach Schaffung des Baurechtes unterzeichnet und die Fertigstellung für 2028 avisiert.Gabriele Fleischer: Grillenburger Schlossinsel ist jetzt ein Stück TU Dresden. In: Sächsische Zeitung Freital, 17. August 2024 Im März 2025 begannen Sicherungsarbeiten am Neuen Jägerhaus.Nach 19 Jahren Stillstand: Bauarbeiten auf der Schlossinsel Grillenburg starten. MDR Sachsen, 26. März 2025
Der Baustart wurde mit dem ersten Spatenstich durch den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und der Rektorin der TU Dresden Ursula M. Staudinger nach der Baugenehmigung und Eingang aller Fördermittel am 9. September 2026 vollzogen. Der Bau soll nunmehr im Jahr 2029 abgeschlossen werden. Das Schloss erhält zwei Tagungsräume für je 90 Personen und Seminarräume. Neu errichtet werden drei Gästehäuser in HolzmodulbauweiseRicardo Vogel: Tagungszentrum auf der Schlossinsel Grillenburg: Jetzt wird gebaggert, Dresdner Neueste Nachrichten, 11. September 2026, Seite 18 mit 90 Zweibettzimmern und 160 Betten. Im ehemaligen Fahrerhaus wird Rezeption und Gastronomie eingerichtet, das Gärtnerhaus wird zum Verwaltungsgebäude. Das Neue Jägerhaus soll eine Ausstellung beherbergen.Gabriele Fleischer: Millionenprojekt der TU Dresden: Jetzt fallen Bäume auf dem Grillenburger Schlossareal. In: Sächsische Zeitung Freital, 3. März 2026
Geschichte Ursprung Die Ursprünge der auf der so genannten Grillenburger Lichtung erbauten Jagdhausanlage reichen nachweislich bis in das 13. Jahrhundert zurück. Sie werden nach archäologischen Untersuchungen von 1935–1937 (Walter Bachmann, Hans Nadler) und 1980–1983 (Reinhard Spehr) sowie den noch vorhandenen Kellergewölben als Abtei/Grablege, staufische bzw. markmeißnische Jagdpfalz bzw. Pilgerhospiz am Heiligen Weg bzw. Weg der Jakobspilger gedeutet. Offensichtlich bestand ein enger Zusammenhang mit der benachbarten Burg Tharandt sowie den Meißner Markgrafen Dietrich und Heinrich. Erstmals dürfte die Anlage 1289 als castrum tharant cum foresta...Heinrich Magirius, Norbert Oelsner, Reinhard Spehr: Grillenburg. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Arbeitsheft 10, Dresden 2006, Kartenbeilage. und zusammen mit der Burg Tharandt 1294 als …Tarant, duo castra… urkundlich genannt sein.Leo Bönhoff: Das Hersfelder Eigen in der Mark Meißen (= Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Bd. 44.) 1923, S. 31 m. Anm. 1. Eine frühe Siedlung wird auch dadurch belegt, dass u. a. die Goldene Pforte am Freiberger Dom St. Marien 1225 aus Grillenburger Sandstein hergestellt wurde, den man noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts abbaute, und die nahe Wüstung Warnsdorf, welche bereits auf das Jahr 1162 (dendro) zurückgeht. Die ursprünglichen Anlagen auf der gesamten Fläche zwischen den Grillenburger Teichen wurden wahrscheinlich 1429/1430 in den Hussitenkriegen bzw. 1447/1450 in den nachfolgenden Sächsischen Bruderkriegen bis auf die Grundmauern zerstört.
Kurfürstliches Jagdhaus und Amtssitz Mitte des 16. Jahrhunderts wurde auf Befehl des Kurfürsten August von Sachsen unter anderem unter Leitung von Hans von Dehn-Rothfelser und Hans Irmisch eine kurfürstliche Jagdanlage anstelle eines Netzhauses auf den älteren Grundmauern errichtet, die neben der Jagd vor allem zur Entspannung des Kurfürsten im Sinne von Grillen vertreiben diente. Die unter anderem aus Fürstenhaus, Jägerhaus, Schösserei und dem Gesindewohnhaus „Bärenhaut“ mit Stallungen bestehende Anlage stellte man zwischen 1554 und 1558 bzw. das Jägerhaus 1599 und die Fronfeste 1614 fertig. Dabei wurde auch Baumaterial von der Burg Tharandt verwendet.
Um- und Erweiterungsbauten erfolgten im 17. und 18. Jahrhundert, insbesondere nach einem Brand 1654, unter anderem durch Baumeister Ezechiel Eckhardt.Wiederaufbau der abgebrannten Schösserei zu Grillenburg im Kreisamt Freiberg, 1655. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10024, Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 04449/17, Bau und Renovierung der im Kurfürstentum Sachsen befindlichen Schlösser und anderer herrschaftlicher Gebäude…, 1483–1698. Von der Anlage blieben infolge von Kriegseinwirkungen, Bränden und Abrissarbeiten nur die Schösserei und die Umfassungsmauer mit dem Colmnitzer Tor erhalten.Berichte über den Zustand der kursächsischen Ämter, Vorwerke und Schlösser, u. a. in Grillenburg, Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10036, Finanzarchiv, Loc. 35401 – 35403, Rep. 02, Lit. Z, Nr. 0015a – 0021, 1587–1703. Das Jägerhaus wurde 1720 durch eine Feldscheune ersetzt und das Fürstenhaus (bis auf die Keller) und die Fronfeste 1828 (Baumaterial für Gasthof Grillenburg) abgebrochen.
Das Areal war ursprünglich von vier Teichen umgeben, gespeist von der Schwarzen Pfütze sowie (heute über einen Kanal) von der ursprünglichen Triebisch (heute X-Bach), und über drei Tore und eine Holzbrücke erreichbar.Georg Öder: Das Schloss Grillenburg (Skizze)… In: Vermessung der im Amt Grillenburg und Tharandt gelegenen Teiche. Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 12884, Karten und Risse, Nr. Schr 003, F 043, Nr. 004e, 16. Jh. 1730 wurde die Holzbrücke durch eine Sandsteinbogenbrücke nach Plänen des Oberlandbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann ersetzt. Nur der Teich mit der Steinbrücke vor dem heutigen Jagdschloss blieb original erhalten.
1568 wurde Grillenburg der Verwaltungssitz des Amtes und der Justiz von Grillenburg-Tharandt. Das bislang in Tharandt befindliche Amt wurde hierher verlegt und in Amt Grillenburg umbenannt. Die Oberforst- und Wildmeisterei befand sich 1586–1852 und 1873–1906 in Grillenburg.André Kaiser: Die Oberforstmeisterei Grillenburg (1586–1909). In: Harthaer Gemeindeblätt’l. Amtsblatt der Gemeinde Kurort Hartha, Oktober 1996, S. 8. Sie umfasste in den Jahren 1728 bis 1813 die Ämter Dippoldiswalde, Freiberg, Grillenburg und Nossen.Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10864, Oberforstmeisterei Grillenburg, 1617–1924. Ab 1787 wurde das Amt Grillenburg von Freiberg aus mitverwaltet und 1827 der Amtssitz zurück nach Tharandt verlegt. Die Aufgaben des Justizamtes Grillenburg übernahm 1856 das Gerichtsamt Tharandt. Das Rentamt, das seit etwa 1784 als eigenes Ressort bzw. seit 1831 als eigene Behörde neben dem Justizamt bestand, wurde 1856 mit dem Rentamt Dippoldiswalde mit Amtssitz in Tharandt zusammengelegt. Seine Aufgaben übernahm 1865 das Forstrentamt Tharandt.Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10052, Amt Grillenburg, 1573–1856.
Jagdschloss mini|Hofseite des Schlosses nach dem Umbau, 2011 Die heutige Biedermeierfassade der Anlage geht überwiegend auf eine Rekonstruktion nach Plänen von Landbaukonduktor Julius August Rothe im Jahr 1855 zurück, als die Schösserei zum königlichen Jagdschloss umgebaut wurde. Etwa zeitgleich verfüllte man die südlich der Anlage gelegenen drei Teiche als landwirtschaftliche Nutzfläche.
Im Umfeld des Jagd- und Verwaltungssitzes siedelten sich neben dem Gasthof, der Schmiede und der Mühle Grillenburg nach 1780 auf Betreiben des damaligen Oberforstmeisters Friedrich Wilhelm von Hopfgarten einige Häusler an, deren Behausungen später die Gemeinde Grillenburg bildeten, welche 1973 nach Kurort Hartha (seit 1999 Ortschaft der Stadt Tharandt) eingemeindet wurde. An den Oberforstmeister erinnert noch ein Stein mit seinem Monogramm von 1779 in der Schlossgartenterrassenmauer.
Das Jagdschloss war von 1906 bis 1918 an das sächsische Königshaus unter Friedrich August III. vom Finanzministerium als Forstherr für die Hofjagden verpachtet und von diesem renoviert und neu eingerichtet worden.Rainer Kubatzki: Staatsbesuch und Hofjagd im Königreich Sachsen, Edition Sächsische Zeitung, o. J.
1935/1936 wurde das seit 1918 u. a. als Herberge des Evangelisch-lutherischen Jungmännerbundes Sachsen (Hieckeheim, benannt nach Bundeswart Friedrich Hiecke) und Café mit öffentlichem Gondelbetrieb bzw. 1925 als Sächsische Bauernhochschule genutzte Jagdschloss im Auftrag der Landesforstverwaltung unter Beteiligung des Landesjagdverbandes zum Sächsischen Jägerhof umgebaut, wobei die letzten Reste der Biedermeierausstattung im Innern verschwanden.
Den Jagdsaal stattete man mit einem Wandfries aus, der als Nachbildung den Aufzug der kursächsischen Jägerei darstellt; das Original befindet sich in der Waldschänke Moritzburg bei Dresden.
Museum, Sitz der Landesstiftung Natur und Umwelt und Konferenz-/Hotel- und Tagungszentrum der TU Dresden mini|Jagdsaal im Schloss, 2008