mini|Eduard Wagnes Denkmal in Bad Gams Eduard Wagnes (* 18. März 1863 in Graz; † 27. März 1936 ebenda) war ein österreichischer Kapellmeister der k.u.k. Armee und Komponist von Marschmusik.

mini|Die Bosniaken kommen miniatur|Vom Kapellmeister dem Freund Johann Puch gewidmet. Leben Der aus einer Grazer Musikerfamilie stammende Wagnes (der Vater war Blechinstrumentenbauer und Flügelhornist)Grazer Volksblatt vom 28. März 1936, S. 4. wurde an der Schule des Grazer Musikvereins durch Florian Schantl musikalisch ausgebildet. Seine Lieblingsinstrumente waren die Blasinstrumente, vor allem das Waldhorn, das er virtuos beherrschte. Ab 1876, mit nur 13 Jahren, spielte er Waldhorn im Kurorchester von St. Radegund bei Graz, ab 1878 war Wagnes als Hornist im Orchester des Grazer Stadt-Theaters tätig, 1882 bis 1885 war er wiederholt auf Tourneen im Orchester von Eduard Strauß als Solohornist.Österreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 12. Februar 2026 Der Dirigent und Komponist Gustav Mahler wollte Wagnes an das königliche ungarische Opernhaus nach Budapest verpflichten. Stattdessen zog es dieser jedoch vor, die Laufbahn eines k.u.k. Militärkapellmeisters einzuschlagen.Musik in der Steiermark, Katalog der Landesausstellung 1980, hrsg. von Rudolf Flotzinger, Graz 1980, S. 341. Im Jahr 1890 übernahm Wagnes als 27-Jähriger die Kapellmeisterstelle im uniformierten Grazer Bürgerkorps. Dieses Jahr markiert auch den Beginn seiner Laufbahn als Komponist.Alfred Seebacher-Mesaritsch und Adolf A. Osterider: Bad Gams. Geschichte und Landschaft, Graz 1980, S. 22.

Seine berühmteste Komposition ist der Marsch Die Bosniaken kommen von 1895. Der war von Wagnes dem in Graz bzw. im Lager Lebring-Sankt Margarethen stationierten Bosnisch-Hercegovinischen Infanterie Regiment Nr. 2 gewidmet. Wagnes leitete die Militärkapelle dieses Regiments.Gernot Peter Obersteiner: (abgerufen am 10. Februar 2026).

Weiterhin bekannt sind der Flitsch-Marsch, mit dem er ein Preisausschreiben gewann und Felsenfest fürs Vaterland. Einen besonderen Bezug zu Graz hat auch der Puch-Marsch, den Wagnes Meinem lieben Freunde Herrn Johann Puch gewidmet hat, also dem steirischen Fabrikanten so Reverenz erwies. Eduard Wagnes komponierte weit über 100 Märsche, mehr als 30 Walzer, 50 Lieder und Chöre, Polkas, zwei Messen und drei Operetten, wobei letztere durch schlechte Textvorlagen als entwertet angesehen werden.Mehr als 100 Märsche, mehr als 30 Walzer und, und und … Erinnerungen an den Wahl-Gamser Eduard Wagnes. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 25. Juni 2021. 94. Jahrgang Nr. 25. Seite 9.

Nach seinem Rückzug aus dem aktiven Militärdienst der österreichisch-ungarischen Monarchie zog sich Wagnes 1924 in sein Landhaus auf einem ca. 4 Joch großen Besitz nach Bad Gams zurück, um sich ausschließlich der Komposition zu widmen, danach übersiedelte er weiter in eine Villa in Gams Nr. 53 (später das Arzthaus von Ernst Salmhofer). Seine Villa in St. Peter bei Graz hatte er verkauft. Später wurde er in das österreichische Bundesheer übernommen und mit dem Aufbau einer Musik für das neu aufgestellte Alpenjägerregiment Nr. 9 beauftragt.

Über ein Jahrzehnt leitete Wagnes den Männergesangverein Gams. Er förderte die Ortsmusik und den Kirchenchor, dem er mehrere Kompositionen widmete, darunter eine lateinische Messe und ein Vaterunser.

Seinen Lebensabend konnte er, nachdem für Regimentskapellmeister der Monarchie keine Ruhegenüsse gezahlt wurden (sie waren Vertragsangestellte), durch eine kleine Ehrenpension und den Erträgen aus seinen Kompositionen absichern.

Vor allem Märsche von Eduard Wagnes finden sich bis heute im Repertoire von Blaskapellen. Die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan haben den Marsch "Die Bosniaken kommen" auf CD eingespielt.Österreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 12. Februar 2026

Rezeption im Nationalsozialismus Kompositionen von Eduard Wagnes wurden auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich nicht nur regelmäßig gespielt, der Marsch "Ein Volk, ein Reich" war laut einer Musikalienanzeige (zusammen u. a. mit Noten für das "Horst-Wessel-Lied" sowie "Die Fahne hoch!", Untertitel: "Das neue Liederbuch der deutschen Jugend") der offizielle Parteimarsch der NSDAP.Wiener neueste Nachrichten vom 3. April 1938, S. 36. Ob der Titel für diesen Marsch, der häufig aufgeführt wurde,Grazer Volksblatt vom 28. Mai 1938, S. 7; Das kleine Radio Blatt vom 30. September 1938, S. 23; Völkischer Beobachter vom 17. Januar 1939, S. 9. von Eduard Wagnes selbst stammt, ist allerdings fraglich.Fred K. Prieberg, Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. PDF auf CD-ROM. Kiel 2004. (2. Edition, Kiel 2009), S. 8034. Einen Marsch mit dem Titel "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" komponierte 1938 etwa auch Josef Vancura (1888–1960), nicht zu verwechseln mit dem Komponisten Adolf Vančura (1900–1967).

Im Rundfunk wurden Stücke von Eduard Wagnes wie "Eine Touristenpartie",Neues Wiener Journal vom 28. Oktober 1938, S. 15. vor allem aber die Märsche "Allzeit voran",Das kleine Radio Blatt vom 14. Oktober 1938, S. 24, vom 7. März 1941, S. 12 sowie vom 4. April 1941, S. 12. "Grazer Bürgermarsch"Das kleine Radio Blatt vom 3. März 1939, S. 42. "Die Bosniaken kommen",Kleine Volks-Zeitung vom 26. Juli 1938, S. 15. sowie der "Flitsch-Marsch"Das kleine Radio Blatt vom 25. Oktober 1940, S. 13. ausgestrahlt. Im Dezember 1942 spielte in Innsbruck das Musikkorps einer Wehrmachtseinheit "Felsenfest fürs Vaterland".Innsbrucker Nachrichten vom 5. Dezember 1942, S. 5. Im November 1943 meldete die Kleine Volks-Zeitung: „In Gams ob Frauental, Steiermark, feierte dieser Tage die Witwe nach dem Militärkapellmeister Eduard Wagnes, Frau Karoline Wagnes, ihren 80. Geburtstag.“Kleine Volks-Zeitung vom 30. November 1943, S. 4.

Mehrfach erklang vom Glockenspiel am Grazer Glockenspielplatz Musik von Eduard Wagnes. So meldete im April 1938 das Grazer Volksblatt: „Glockenspielprogrammänderung. Bis auf weiteres werden gespielt: Glockenspielländler von Eduard Wagnes, Wann der Auerhahn balzt, steirisches Volkslied, und Deutsch ist die Saar.“Grazer Volksblatt vom 5. April 1938, S. 15. Und im August 1938: „Das Grazer Glockenspiel spielt nun folgendes Programm: Altsteirer-Tanz von Eduard Wagnes, Jahnlied und Die steirische Roas, steirisches Volkslied.“Grazer Volksblatt vom 12. August 1938, S. 7.

Ehrungen Nach Wagnes ist der Wagnesweg im Grazer Stadtteil Mariatrost benannt. Sein Neffe Josef Wagnes komponierte ebenfalls. 1951 wurde an seinem Wohnhaus eine Gedenktafel enthüllt. Weitere Auszeichnungen waren das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone, das Ehrenzeichen vom Roten Kreuz, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Graz, die Ehrenmitgliedschaft des Männerchores Graz und vieler anderer steirischer Musikvereine.

Literatur Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 8034f. online

Weblinks

Seite über österreichische Militärmusik; beinhaltet Wagnes-Kurzbiographie , , abgerufen am 12. Juli 2014

Einzelnachweise

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