mini|270px|Kupferstich Lichtenberg von Matthäus Merian
Salzgitter-Lichtenberg ist einer der insgesamt 31 Stadtteile der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft Nordwest. Der Ort wurde 1857 als Zusammenschluss der Orte Ober- und Niederfreden mit der Domäne Lichtenberg und dem Vorwerk Altenhagen gebildet. Der Name des Ortes leitet sich von der nahegelegenen Burg Lichtenberg ab. Lichtenberg gehörte bis zum 31. März 1942 zum Landkreis Wolfenbüttel und wurde durch einen Verwaltungsakt am 1. April 1942 ein Teil der damaligen Großstadt Watenstedt-Salzgitter. Am 23. Januar 1951 wurde diese amtlich in Salzgitter umbenannt.
Geschichte Ortsname und Gründungszeit Der Name Lichtenberg wird auf die Bezeichnung eines Ortes am oder beim lichten Berge zurückgeführt, womit der auffällige, aus hellem Kalkstein bestehende, Berg beschrieben wird. Der Name wird 1180 in den Steterburger Annalen erstmals urkundlich als Liechtinberc erwähnt.Casemir: Ortsnamen. S. 227–228.
Der Ortsname Freden wird auf das altsächsische Wort frithu (Frieden) zurückgeführt, mit dem ein rechtlich geschützter Bezirk bezeichnet wurde.Wiswe: Flurnamen. S. 476–477. Ein erster Verweis auf den gemeinsamen Ort Ober-/Niederfreden stammt von 1226, in dem ein Ort Frethen genannt wird. Niederfreden wurde in einer Schrift von 1363 erstmals genannt, dort ist die Rede von tho Vreden in dem nedderen dorpe. Oberfreden wird erstmals 1331 mit Ecclesie superiori in Vredene subtus Liechtenberg (d. h. Kirche im oberen Freden unterhalb von Lichtenberg) erwähnt, in der Schrift von 1363 ist von tho Vreden in deme overen dorpe die Rede.
Seit dem 5./6. Jh. gehörte das nördliche Harzvorland zum Herzogtum Sachsen. Freden lag damals im Grenzgebiet des Astfala-, Lera- und Salzgaus, allerdings ist wegen der ungewissen Grenzen eine genaue Zuordnung der Fredener Orte zu einem dieser Gaue nicht möglich. Der Ort lag an der alten Mindener Heerstraße und dem Magdeburger Königsweg.Chronik Lichtenberg. Kap. Amt und Gericht Lichtenberg, S. 126–136.
Nieder- und Oberfreden Die erste neuzeitliche Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Lichtenberg war Niederfreden, das ursprünglich Freden genannt wurde. Namenskundlich gehört Freden zu den ithi-Orten, die zu den ältesten Siedlungen im niedersächsischen Raum zählen. Aus den archäologischen Funden lässt sich eine lückenlose Bebauung seit dem 5. bis 6. Jahrhundert nachweisen.
Oberfreden wurde im 9. oder 10. Jahrhundert angelegt. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine befestigte Anlage, die zum Schutz der Heerstraße Minden-Hildesheim und der Abzweigung zur Okerfurt bei Ohrum und zur Bischofsstadt Halberstadt errichtet worden war. Zur Unterscheidung der beiden Siedlungen bildeten sich die Ortsnamen Ober- und Niederfreden aus, die auf deren Lage am Höhenzug der Lichtenberge verweisen.Chronik Lichtenberg. Kap. Entstehung, S. 65–124
Klein Freden Klein Freden lag nördlich von Lichtenberg auf dem Gebiet des heutigen Lebenstedter Ortsteils Fredenberg. Scherbenfunde belegen, dass der Ort in der Karolingerzeit des 8. Jahrhunderts entstanden ist. Der Ort wurde erstmals 1180 in den Steterburger Annalen als in parvo Vreden erwähnt. Klein Freden gehörte zum Hochstift Hildesheim und wurde 1339 an die benachbarte Vogtei Lichtenberg verkauft, die schon damals in Besitz der Welfen war. Die Bewohner von Klein Freden wurden in der Schutz des nahen Oberfreden umgesiedelt und die Siedlung fiel wüst.
Wallanlage Freden Unterhalb der Siedlung Klein Freden wurden Reste eines Rundwalles entdeckt, die auf eine Wehranlage des 8. oder 9. Jahrhunderts hindeuten. Noch um 1870 soll dieser Wall bestanden haben und „etwa so hoch wie ein Haus“ gewesen sein. Dieser Rundwall steht im Zusammenhang mit weiteren, die längs einer alten Heerstraße von Hildesheim über die Ohrumer Furt nach Wolfenbüttel und Braunschweig gelegen haben und den Reisenden Schutz boten. Solche Rundwälle lagen bei Osterlinde (Apenburg), Salder (durch den Bahnhof Salder überbaut), südlich von Heerte die Arzburg (durch den Klärteich III/Heerter See überbaut) und die Schalksburg östlich von Groß Flöthe. Die Reste der Wallanlage von Klein Freden sind heute durch die Autobahn 39 überbaut.
Amt Lichtenberg Um 1300 gehörten zur Vogtei Lichtenberg neben den beiden Fredener Dörfern noch die Orte Bleckenstedt und Barbecke, Sitz des Amtes war die Burg Lichtenberg. 1352 wurde auch der östlich gelegene Barumer Gau dem Amtsbezirk der Burg zugeordnet. In der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte das Amt Lichtenberg seine größte Ausdehnung erreicht: Im Norden reichte es bis nach Barbecke und Broistedt, im Süden bis Gebhardshagen und Calbecht, im Osten bis Watenstedt und Cramme und im Westen bis Burgdorf und Westerlinde. Zwischen 1539 und 1542 wurde das Amt Gebhardshagen gegründet und der Ort zusammen mit Calbecht, Lobmachtersen und Leinde, später auch Heerte ausgegliedert, womit dem Lichtenberger Amt ein großer Teil seines südöstlichen Einflussgebietes verloren ging. Nach Zerstörung der Burg Lichtenberg 1552 wurde der Verwaltungssitz zur Domäne Lichtenberg verlegt. Herzog Karl I. (1735–1780) ordnete 1774 eine Zusammenlegung der bisher selbständigen Ämter Lichtenberg, Gebhardshagen und Salder zum Amt Salder an. Es dauerte aber noch bis 1795, bis nach dem Tod der letzten bisherigen Amtsleiters die Verwaltung in einer Hand lag, der Sitz des Amtes war seitdem das Schloss Salder.
Zugehörigkeit des Ortes Seit der Zeit Heinrichs des Löwen, der von 1142 bis 1180 Herzog von Sachsen war, gehörten die von ihm erbaute Burg Lichtenberg und die umliegenden Orte zu Herrschaftsbereich der Welfen. Aus diesem ging 1235 das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hervor, nach dessen Teilung im Jahr 1269 fiel der Ort an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.
Herzog Friedrich Ulrich verlieh 1614 den Dörfern Nieder- und Oberfreden das Marktrecht (Johannis- und Martinimarkt). Dieses stand zuvor Nienstedt zu und war wieder frei geworden, nachdem der zwischen Barbecke und Lesse gelegene Ort wüst gefallen war. Der letzte Markttag wurde hier 1950 abgehalten.
Zwischen Oktober 1806 und der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gehörte der Ort zum Königreich Westphalen und war seit dem 24. Dezember 1807 dem Kanton Gebhardshagen im Distrikt Braunschweig des Oker-Departments zugeteilt. Am 30. Dezember 1813 nahm der zurückgekehrte Herzog Friedrich Wilhelm wieder Besitz von seinem Herrschaftsgebiet. Am 22. Februar 1814 wurden die ehemaligen Kantone Gebhardshagen, Salder und Lesse zu einem neuen Kreisgericht Salder (später Kreisamt Salder) zusammengefasst, das ab 1833 als Amt Salder zur Kreisdirektion Wolfenbüttel gehörte.
Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Orte Nieder- und Oberfreden sowie die Domäne Lichtenberg so eng zusammengewachsen, dass die Grenzen nicht mehr genau bestimmt werden konnten. In Folge dieser Entwicklung wurden Ober- und Niederfreden sowie die Domäne Lichtenberg nebst dem Vorwerk Altenhagen zum 1. Januar 1857 zur Gemeinde Lichtenberg zusammengeschlossen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus dem Herzogtum Braunschweig der Freistaat Braunschweig – ab 1933 das Land Braunschweig – und Lichtenberg wurde ein Teil des Kreises Wolfenbüttel. Seit dem 1. April 1942 gehört Lichtenberg der neugegründeten Stadt Watenstedt-Salzgitter an – dem heutigen Salzgitter.
Domäne Lichtenberg mini|Rest der ehemaligen Domänenmauer und Förderwagen aus dem Bergwerk Altenhagen mini|Das ehemalige Vorwerk Altenhagen Der Domänenhof lag am östlichen Ortsrand von Niederfreden. Bei Abbrucharbeiten 1964/65 wurden hier Teile eines alten Kreuzgewölbekellers freigelegt, der auf die Zeit um 1200 datiert wurde und somit der älteste Gebäudeteil der Anlage ist. Der Domänenhof lässt sich in vier Abschnitte einteilen. Im Norden liegt als ältester Teil der Schäfergarten mit der Schäferei. Südlich davon liegt der Amtshof, in dem ab 1552 das Amt Lichtenberg untergebracht war. Im Westen schließt sich der Schweinehof an. 1852/53 wurde im Südteil des Domänenhofes das heute noch erhaltene Herrenhaus errichtet, hierzu gehörten auch der Park im Osten des Geländes und die handwerklichen Arbeitsstätten im westlichen Teil, wie Stellmacherei, Schmiede und Windmühle.
Die Domäne Lichtenberg wurde zum 1. Juli 1962 geschlossen. Im Zusammenhang mit dem geplanten Aufbau des Lebenstedter Ortsteils Fredenberg sollte auf den landwirtschaftlichen Flächen des Gutes Wohnraum für die schnell wachsende Bevölkerung geschaffen werden. In den Jahren 1964/65 wurden die Gebäude der Domäne abgerissen, nur ein kleiner Teil des südlichen Bereichs mit dem einstigen Herrenhaus und ein kurzes Stück der ehemals 850 Meter langen Umfassungsmauer des Domänengeländes blieb erhalten.Chronik Lichtenberg. Kap. Domäne, S. 137–151.
Vorwerk Altenhagen
Das Vorwerk Altenhagen war ein ehemaliges Pertinenzstück des Gutes Lichtenberg. Es wurde erstmals 1342 in einer Verkaufsurkunde als „Oldenhagen“ erwähnt. Das Vorwerk wurde 1706 mit der Domäne Lichtenberg vereinigt.
Windmühlen von Lichtenberg Bockwindmühle Lichtenberg mini|Bockwindmühle bei Salzgitter-Lichtenberg (2017)
Die älteste Mühle Lichtenbergs wurde 1810 am nördlichen Ortsrand von Niederfreden errichtet. Es handelt sich um eine Bockwindmühle mit einem Mahlgang, die bis in die 1950er-Jahre betrieben wurde. Seit 1964 steht die Mühle unter Denkmalschutz. Sie wurde 1965 und zuletzt 1999/2000 umfassend renoviert.Chronik Lichtenberg. Kap. Denkmäler, S. 254–268.
Mühle der Domäne Lichtenberg Diese Mühle wurde 1889/90 im südlichen Teil der Domänenhofes neben Gerstenscheune und Schmiede errichtet. Es handelte sich um eine in dieser Region seltene Holländermühle, bei der nur der Kopf der Mühle mit dem Windrad in den Wind gedreht wurde, während das Mühlengebäude feststand. Das Windrad hatte einen Durchmesser von 12 Metern, in der Mühle wurden zwei Schrotmahlgänge und eine Gattersäge betrieben. In den Jahren 1912/13 erhielt die Mühle elektrischen Antrieb. 1964/65 wurde die Mühle, die zu dieser Zeit schon nicht mehr betrieben wurde, zusammen mit den übrigen Gebäuden der Domäne abgerissen.
Schachtanlage Altenhagen Bereits 1852 beschrieb der braunschweigische Kammerrat August von Strombeck das Eisenerzlager im Grubenfeld Eschwege bei Altenhagen. Dieses lag im Forstort Colli beim Vorwerk Altenhagen. Das abgebaute Eisenererz wurde – neben Erz aus anderen Bergwerken – in der Wilhelmshütte in Bornum am Harz verhüttet. Auf einer Holztafel, die man bei Abraumarbeiten an einem alten Stollenmundloch im Feld Eschwege fand, stand „Fund 1838, angefangen die Eisensteinförderung 1839, des Stollens 1848“.Chronik Lichtenberg. Kap. Bergbau, S. 480–489.
Im Zuge der Gründung der Reichswerke Hermann Göring und dem damit verbundenen Ausbau des Eisenerzbergbaus in Salzgitter wurde 1938 die nahegelegene Grube Haverlahwiese aufgeschlossen. Für dieses Erzbergwerk wurde auch ein Schacht in der Nähe des alten Vorwerks Altenhagen geplant. Dieser Schacht, der wie auch alle anderen Hauptschächte außerhalb der Lagerstätte lag, wurde ab Mitte September 1938 auf 333 Meter abgeteuft, Der Schacht hatte einen Durchmesser von fünf Metern und war für den Betrieb als Wetter- und Seilfahrtsschacht vorgesehen. Zeitgleich zu den Teufarbeiten wurden auch die Tagesanlagen erstellt (Schachthalle, Fördermaschinen- und Kesselhaus, Waschkaue, Verwaltung, Werkstätten). Ende 1939 wurde das Teuf- durch ein Fördergerüst ersetzt und eine neue Fördermaschine montiert. Das gesamte auf Haverlahwiese gewonnene Erz wurde im zentralen Hauptförderschacht Haverlahwiese I zu Tage gebracht.