Fritz!Box (Eigenschreibweise: FRITZ!Box) ist eine Fritz-Produktreihe von Routern für drahtgebundene und -lose Zugänge zu Telekommunikationsnetzen über Doppelader (DSL, Analoge Telefonie, ISDN), Koaxialkabel (DOCSIS), Lichtwellenleiter (GPON, Ethernet) und Mobilfunk (LTE, 5G).

Fritz!OS ist der Name des Betriebssystems, das auf den Fritz!Boxen installiert ist.

Allgemeines mini|Die Platine einer Fritz!Box von 2005

In Deutschland dominierten 2010 Fritz-Box-Geräte mit über 68 Prozent Marktanteil den DSL-Endgerätemarkt. Onlinekosten.de; abgerufen am 2. März 2010. Dazu haben die deutsche Insellösung des ADSL-over-ISDN-Einsatzes sowie die hohe Verbreitung von ISDN-Endgeräten beigetragen, worauf AVM seine Produktpalette angepasst hat. Auf dem Weltmarkt stehen DSL-Endgeräte für ADSL-over-POTS und analoge Telefonschnittstelle im Fokus der Hersteller. Aber auch AVM bietet einige Modelle in einer speziellen OEM-Version für Österreich, die Schweiz und englischsprachige Regionen, die zu ADSL-over-POTS umgeschaltet werden können.

2014 lag der Marktanteil in Deutschland bei ca. 50 Prozent.

Die Fritz!Box-Familie wurde in der Fachpresse mehrfach für ihre Benutzerfreundlichkeit, Leistungsfähigkeit und ihren Funktionsumfang ausgezeichnet.

Geschichte Namensherkunft Fritz (ohne Zusatz) ist ein älteres Softwarepaket für Windows, welches bei Benutzung entsprechender Hardware Datentransfer (Fritz!data), Fax (Fritz!fax), Telefonie (Fritz!fon) sowie Interneteinwahl (Fritz!web) über den ISDN-Anschluss ermöglicht. Der Name Fritz wurde gewählt, da „ein nicht-technischer Name gesucht wurde, der auch im Ausland augenzwinkernd deutsche Wertarbeit andeuten sollte.“

Gerät Vorgänger der Fritz!Box ist die ISDN-Telefonanlage Fritz!x.

Die erste Fritz!Box wurde 2004 auf der Cebit vorgestellt. Dieses Gerät war erstmals DSL-fähig und verfügt neben dem DSL- noch über zwei Ethernet- sowie einen USB-B-Anschluss.

Im selben Jahr wurden auch Varianten mit WLAN- und Telefon-Adapter für IP-Telefonie eingeführt. Damit ließen sich bereits vorhandene Telefone an den Router anschließen und für IP-, ISDN sowie Analogtelefonie einsetzen. Als Betriebssystem setzt AVM auf seinen Fritz!Boxen Linux ein. Ende 2007 wurde mit der Modellbezeichnung Fritz!Box Fon WLAN 7270 erstmals ein Modell mit Texas-Instruments-UR8-Chipsatz eingeführt, während alle Modelle zuvor auf dem Texas-Instruments-AR7-Chipsatz basierten. Auf der CeBIT 2009 stellte AVM die Fritz!Box Fon WLAN 7390 vor, welche nach zwei OEM-Modellen und der in Deutschland ebenfalls nur als OEM-Gerät erhältlichen Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL erstmals VDSL und Gigabit-Netzwerkleitungen unterstützt. W722 und 7390 verwenden einen neuen Chipsatz Fusiv Vx180 von Ikanos. Bereits vor Eröffnung der CeBIT 2010 hat AVM in einem Newsletter die Fritz!Box WLAN 3370 und die Fritz!Box Fon WLAN 6360 vorgestellt. 2014 wurde auf der CeBIT erstmals seit der Fritz!Box ATA eine Box für FTTH-Anschlüsse, also für den Einsatz als „Glasfasermodem“ ONT (Optical Network Termination), der Öffentlichkeit präsentiert.

Am 11. November 2016 war in den Vereinigten Staaten die Top-Level-Domain .box freigeschaltet worden, worauf es Jahre später bei Fritz!Box-Routern zu Problemen kam: Im Januar 2024 registrierten Unbekannte die Domain fritz.box, über die bisher die Fritz!Box-Router aus dem Heimnetz aufrufbar waren. Darauf leitete die Domain fritz.box auf eine fremde Seite um. Die dahinterstehenden Absichten sind nicht bekannt. Seither sind Fritz!Box-Router über die IP-Adresse 192.168.178.1 oder die ältere Notfall-IP 169.254.1.1 aufrufbar. Am 23. April 2024 hat die WIPO auf Antrag von AVM entschieden, dass die Domain fritz.box an AVM zu übertragen sei. Seitdem zeigt die Domain (beim Zugriff aus dem öffentlichen Internet) eine Webseite von AVM, die Nutzer beim Zugriff auf ihre Fritz!Box im Heimnetz anleitet.

Sicherheit Anfang Februar 2014 wurden erfolgreiche Kaperungen der Telefonie von Fritz!Boxen bekannt, die mit massenhaft gestohlenen Kennwörtern erklärt wurden. Einige Tage später wurde erklärt, dass bei aktiviertem Fernzugang wider Erwarten gar kein Kennwort zur vollkommenen Übernahme jeglicher Fritz!Box erforderlich sei, und als AVM nach weiteren drei Tagen übers Wochenende ein Update gegen diese Sicherheitslücke lieferte, wurde es in namhafter deutscher Fachpresse ausgiebig gelobt. Nach einigen weiteren Tagen offenbarten Journalisten, dass die Sicherheitslücke auch ohne aktivierten Fernzugang jahrelang bestanden hatte und ihre Ausnutzung nur einer einfachen präparierten Webseite bedurfte.

Laut einer Untersuchung von Heise online waren im April 2014 immer noch 34 % aller im Internet angetroffenen Fritz!Boxen (hochgerechnet mehrere Millionen) verwundbar.

Ab dem Fritz!OS 6.20 hat AVM zur Erhöhung der Systemsicherheit die Möglichkeit blockiert, parallel zur Fritz!OS-Firmware Betriebssystemerweiterungen über ein Shellskript zu installieren.

Produktlinien

Fritz bietet unter dem Namen Fritz!Box mehrere Modellreihen an: Fritz!Box: Aktuelle DSL-Modelle Fritz!Box Cable: Geräte mit Kabelmodem Fritz!Box LTE: Geräte mit LTE-Modem Fritz!Box Fiber: Geräte für den Glasfaser-Anschluss Fritz!Box: Ehemalige Geräte ohne WLAN. Ursprünglich bestanden die Geräte aus einem LAN-Router mit integriertem DSL-Modem. Fritz!Box WLAN: Ehemalige Geräte mit zusätzlichem WLAN Fritz!Box Fon: Ehemalige Geräte mit zusätzlicher IP-/ISDN-/Analog-Festnetztelefonanlage Fritz!Box Fon WLAN: Ehemalige Geräte mit zusätzlicher IP-/ISDN/Analog-Festnetztelefonanlage und WLAN

Die neueren Produkte bieten meist eine Kombination aus WLAN nach IEEE 802.11ax, IP-Telefonie und DECT für schnurlose Telefone, sowie Datei- und Druckerserverfunktion in Verbindung mit einer Anschlussmöglichkeit für USB-Geräte (Drucker, externe Festplatten, UMTS-Sticks u. ä.). Andere Geräte wie Scanner können über das Programm für den USB-Fernanschluss direkt an einen Windows-PC durchgereicht werden.

Anmerkungen zu allen Modellen mini|Anschlüsse der Fritz!Box 7590 (DSL)

USB An allen Geräten mit USB-Host-Schnittstelle können USB-Massenspeicher und/oder Drucker angeschlossen werden.

Telefonie An alle Fritz!Boxen mit DECT-Basisstation können durch den Standard Generic Access Profile bis zu sechs Schnurlostelefone oder Headsets angemeldet werden. Die interne S0-Schnittstelle ist ein ISDN-Mehrgeräteanschluss, diese ist bei neueren Fritz!Boxen nicht mehr verfügbar. An diesen S0 können – über zusätzliche Verteiler – jeweils bis zu acht ISDN-Endgeräte oder direkt eine Telefonanlage angeschlossen werden. Bei den Fritz!Box Cable-Modellen mit S0-Port ist zu beachten, dass über das Breitbandkabelnetz nicht alle ISDN-Dienstmerkmale abgebildet bzw. unterstützt werden.

An vielen Fritz!Boxen Modellen können SIP-Telefone verwendet werden. Damit unterstützt die Fritz!Box auch im Local Area Network Telefone, die das Session Initiation Protocol (SIP) nutzen.

Ältere Fritz!Boxen mit Anschlüssen für analoge Telefone (FON-Buchsen) unterstützen noch das Impulswahlverfahren (IWV). Der Betrieb historischer Telefone mit Nummernschaltern („Wählscheiben“) ist somit möglich. Die Rufwechselspannung wird mit einer Frequenz von 25 Hz generiert, was elektromechanischen Weckern klanglich entgegenkommt.

DSL Für den internationalen Markt wurden die Varianten der Fritz!Box Fon WLAN und Fritz!Box Fon WLAN 7270 mit Annex-A („ADSL over POTS“) angeboten.

Alle Fritz!Boxen mit VDSL, mit Ausnahme der 7570, sind mit der aktuellen Fritz!OS-Version (z. B. 8.02 für Fritz!Box 7590 AX) VDSL Vectoring-fähig.

WLAN Unter der Bezeichnung Fritz!WLAN werden auf die Fritz!Box abgestimmte USB-WLAN-Sticks angeboten. Seit Kernel-Version 4.19 werden sie unter Linux unterstützt. Neuere v2-Sticks haben unter Umständen einen Atheros-WLAN-Chip (ath9271), der auch unterstützt wird.

Fremdzubehör Auf Grund der hohen Verbreitung der Fritz!Box gibt es viel Zubehör von Drittanbietern, die sowohl für professionelle als auch private Anwender passende Lösungen anbieten, wie Wandkonsolen, Server-Zubehör, oder externe WLAN-Antennen.

Betriebssystem Fritz!OS

Die Firmware der Geräte basiert auf Linux. Anfang des Jahres 2012 wurde die von AVM für ihre Produkte gepflegte Firmware auf den Namen Fritz!OS getauft.

Fritz! Labor Vom Hersteller AVM selbst werden in regelmäßigen Abständen sogenannte Fritz! Labor-Firmwares veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Beta-Versionen mit zahlreichen experimentellen Verbesserungen und neuen Erweiterungen. Daraus werden dann die stabilen Versionen, die dann in die offizielle Firmware eingepflegt werden.

OEM-Versionen mini|Fritz!Box Fon WLAN 7390, OEM-Version für Sunrise

Die Deutsche Telekom vermarktete OEM-Modelle der Fritz!Box-DSL-Router mit integriertem ADSL2+-Modem (Eumex 300 IP, Sinus W 500V sowie diverse Speedport-Modelle (weiß)) und mit integriertem VDSL2-Modem (Speedport W 721V, Speedport W 722V Typ A, Speedport W 920V). Weitere Provider, welche Fritz!Box-Modelle unter anderen Bezeichnungen als OEM-Produkte anbieten, sind 1&1/Web.de/GMX (Kabel-Modem, DSL-Modem, WLAN-Router, Homeserver, Homeserver+ (schwarz)), Telefónica, EWE TEL (Multibox), Kabel Deutschland (Homebox) (Fritz!Box 7270 & Fritz!Box 6360), Vodafone (Homebox) (Fritz!Box 6490 Cable) oder Unitymedia (Fritz!Box 6320 Cable (dunkelblau), Fritz!Box 6360 Cable (dunkelblau), Fritz!Box 6490 Cable (weiß)). Mit der Einführung von DOCSIS 3.1 wird bei den Kabelanbietern die OEM-Version der Fritz!Box 6591 Cable sowie die Fritz!Box 6660 Cable verwendet. Optisch unterscheiden sich diese Boxen nicht mehr von dem Original.

Mit dem Branding verbunden sind zum Teil nur kosmetische Anpassungen, wie zum Beispiel andere Farbgebung oder Logo-Aufdruck. Manche Modelle enthalten jedoch auch Beschränkung auf anbietereigene DSL-Login-Eingabemasken oder IP-Telefonie-Profile. Technisch entsprechen die Modelle aber den Originalen von AVM.

Populär ist deshalb das Entbranden, um beispielsweise Geräte auch an Internet-Anschlüssen anderer Anbieter nutzen zu können. So hatte ein Unternehmen aus Velbert die OEM-Version Fritz!Box 6490 Cable (weiß) in großer Stückzahl von Unitymedia erworben, die aktuelle Fritz!OS-Firmware aufgespielt und im Internet zum Verkauf angeboten. Daraufhin reichte AVM beim Landgericht München I Klage ein und bekam Recht. Der Verkauf dieser Boxen wurde durch das Gericht untersagt.

Alternative Firmware Bedingt durch den großen Funktionsumfang und die relativ hohe Leistungsfähigkeit der Fritz!Box-Geräte entstanden Mitte der 2000er bis Ende der 2010er zahlreiche modifizierte Firmware-Versionen. Da Teile der AVM-Firmware unter der GPL stehen, bot es sich an, die Originalfirmware zu verändern. So wurden die freien GPL-Komponenten der Firmware durch Skripte ergänzt oder teilweise ersetzt.

Die Installation alternativer Firmware wird zunehmend erschwert. Mit Fritz!OS 6.25 wurde der freischaltbare Telnet-Zugang durch AVM entfernt, der als Einstieg zur Modifikation verwendet werden konnte. Ab der Version 6.51 ist es auch nicht mehr möglich, unsignierte Firmware zu installieren. Die Hürde, eine Fritz!Box mit einer alternativen Firmware auszustatten, ist damit extrem hoch. AVM begründet dies mit mehr Sicherheit für die Systeme. Unter Moddern wird vermutet, dass auch eine neue EU-Regelung Mitursache für die neue Firmenpolitik von AVM sein könnte. Diese Regelung sieht vor, dass Hersteller dafür haften, dass bei Geräten mit Funk-Schnittstelle (z. B. WLAN) stets die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Dies ist aber nur möglich, wenn man fremder Software keine Kontrolle über die Funkschnittstellen überlässt.

Danisahne-Mod

Schon ziemlich bald nach Erscheinen des ersten Fritz!Box-Modells waren einige Nutzer mit Beschränkungen in den originalen AVM-Geräten unzufrieden. Es entstand der Danisahne-Mod (kurz DS-Mod), ein Entwicklerpaket, mit dessen Hilfe Linux-Programmierer Firmwares modifizieren und mit zusätzlichen Softwarepaketen ergänzen konnten.

Freetz-NG