Die S-Bahn Rheinland, ehemals S-Bahn Köln, davor S-Bahn Rhein-Sieg, ist ein S-Bahn-Netz des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) und bildet einen Teil des Nahverkehrs in Köln. Zwei Linien verkehren auch im Netz der S-Bahn Rhein-Ruhr.
Bezeichnung
Der S-Bahn-Verkehr in Köln begann am 1. Juni 1975 unter Regie der Deutschen Bundesbahn mit der Inbetriebnahme der Linie S 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Chorweiler, 1985 verlängert bis Neuss Hauptbahnhof. Formal galt sie als Teil der bereits in den 1960er Jahren eröffneten S-Bahn Rhein-Ruhr, der Zusammenschluss erfolgte am 29. Mai 1988 mit der Durchbindung der Linie S 11 bis zum Bahnhof Düsseldorf-Gerresheim. Auf der östlichen Rheinseite folgte dieser am 2. Juni 1991 mit der südlichen Verlängerung der Linie S 6, die damals ebenfalls zur S-Bahn Rhein-Ruhr gehörte, vom Bahnhof Langenfeld (Rheinland) über den Bahnhof Leverkusen Mitte und die neue Stammstrecke zum Haltepunkt Köln Hansaring.
Am 1. September 1987 wurde der Verkehrsverbund Rhein-Sieg gegründet, dieser strengte die formale Trennung des Netzes von der und Etablierung der Bezeichnung an.
Zum Weltjugendtag 2005 in Köln verwendete die Deutsche Bahn AG erstmals auf ihren Netzplänen und Fahrplanaushängen die Bezeichnung – ab 2008 auch sichtbar an den Fahrzeugen.
Im November 2024 kündigte go.Rheinland die Umbenennung in S-Bahn Rheinland an.
Linien und Betrieb Das aus fünf eigenen Linien bestehende S-Bahn-Netz befördert Fahrgäste im Großraum Köln und Bonn. Darüber hinaus ist es eng mit dem Netz der S-Bahn Rhein-Ruhr verbunden. Alle Linien mit Ausnahme der S 23 befahren in Köln gemeinsam die circa drei Kilometer lange Stammstrecke von Köln Hansaring über Köln Hauptbahnhof und die Hohenzollernbrücke bis zum Bahnhof Köln Messe/Deutz.
Auf dieser Stammstrecke wurde mit konventionellen H/V-Signalen eine Mehrabschnittssignalisierung realisiert. Das Ks-Signalsystem stand bei der Inbetriebnahme noch nicht zur Verfügung. Die Signale stehen dort im halben Bremswegabstand zueinander. Seit November 2021 ist die Stammstrecke mit Inbetriebnahme des ESTW Köln Hbf auf Ks-Signale umgebaut.
Die Liniennummerierung der S-Bahn Rheinland beginnt, mit Ausnahme der bis 2023 zum Netz der S-Bahn Rhein-Ruhr gehörenden S 6, bei elf. Die Zahlen von eins bis neun wurden von der S-Bahn Rhein-Ruhr genutzt. So wurde die Doppelbenutzung von Linienbezeichnungen in zwei benachbarten Netzen, das ursprünglich als ein Netz gedacht war, vermieden.
Im Netz der S-Bahn Rheinland verkehren folgende Linien:
Linie Laufweg Länge Fahrzeuge eigene S-Bahn-Trasse auf VRS-Gebiet Takt [Minuten] Köln‑Worringen – Köln‑Chorweiler – Köln‑Nippes – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Köln‑Mülheim – Leverkusen Mitte – Langenfeld – Düsseldorf Hbf – Ratingen Ost – Essen Hbf 2× 422 Köln‑Worringen – Köln‑Longerich,Köln‑Nippes – Köln‑Mülheim – Leverkusen Mitte 20 Düsseldorf Hbf – Neuss Hbf – Köln‑Worringen – Köln‑Chorweiler – Köln‑Nippes – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Köln‑Mülheim – Bergisch Gladbach 67 km 2× 423 Köln‑Worringen – Köln‑Longerich,Köln‑Nippes – Köln‑Mülheim Köln‑Ehrenfeld – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Porz (Rhein) – Troisdorf – Siegburg/Bonn – Hennef (Sieg)Horrem – … – Hennef (Sieg)Horrem – … – Au (Sieg) 84 km 2× 4232× 424 Horrem – Köln Steinstraße 2060 (20)60 Sindorf – Horrem – Köln‑Ehrenfeld – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Troisdorf – Siegburg/Bonn – Hennef (Sieg)Düren – … – Hennef (Sieg)(Düren –) Sindorf – … – Blankenberg (Sieg)†Düren – … – Au (Sieg)‡ 110 km 2× 4232× 424 Düren – Köln Frankfurter Str. 2020/40 (20)6060 Bad Münstereifel – …Euskirchen – …Rheinbach – Meckenheim – Bonn Hbf 34 km 1× 6202× 620 (einzelne Züge) Voreifelbahn, Erfttalbahn 603030 (15) (Marienheide –) Gummersbach – Dieringhausen – Engelskirchen – Overath – Honrath – Hoffnungsthal – Rösrath – Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Köln Hansaring 74 km 1× 6201× 622 Gesamtstrecke 30 Anmerkung: Kursivschrift Hauptverkehrszeit (HVZ) Kleinschrift Stationen außerhalb des VRS † ansonsten Halt nur im Nachtverkehr ‡ auch im Nachtverkehr
Bevor die Linie S 23 ins S-Bahn-Netz aufgenommen wurde, hieß sie bis 2014 RB 23 (Regionalbahn 23). Die Linie S 6 ist zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2023 vertraglich von der S-Bahn Rhein-Ruhr in das Netz der S-Bahn Rheinland (damals noch S-Bahn Köln) übergegangen.
Die S 19 bedient als einzige S-Bahn-Linie den Flughafen Köln/Bonn und ist Nachfolger der zurzeit eingestellten S 13. Eine Besonderheit stellen die nächtlichen Fahrtverlängerungen der S 19 von Düren bis Aachen Hauptbahnhof dar, die eine umsteigefreie Anbindung Aachens an den Flughafen Köln/Bonn herstellen. Die S 19 ist außerdem die einzige Linie, die jede Nacht durchgängig halbstündlich verkehrt.
Die Linie RB 25 (Köln Hansaring – Lüdenscheid) ist eine dieselbetriebene Regionalbahn, die das östliche Kölner Umland erschließt und über das Bergische Land bis ins Sauerland reicht. Sie fährt im 30-Minuten-Grundtakt bis Gummersbach, darüber hinaus stündlich und bedient als einzige Regionalbahnlinie planmäßig die Trassen der S-Bahn Rheinland sowie alle Haltepunkte der Stammstrecke. Auf dieser Verbindung fuhren zuvor Züge unter der Zuggattung City-Bahn. Nach der langfristig geplanten Elektrifizierung der Strecke soll sie als S 15 in das S-Bahn-Netz eingegliedert werden und zwischen Gummersbach und Kall im 20-Minuten-Takt verkehren.
Geschichte Eröffnung der Kölner S-Bahn: S 11 Keimzelle der Kölner S-Bahn war die am 1. Juni 1975 in Betrieb genommene Linie S 11, die zunächst nur zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Chorweiler verkehrte. Vorbereitend war die Strecke Köln-Mülheim – Bergisch Gladbach, auf der zuvor keine Personenzüge mehr verkehrten, elektrifiziert worden. Von Köln-Mülheim fuhren die Züge auf bestehenden Gleisen über Köln-Deutz und den Hauptbahnhof nach Köln-Longerich, wo eine Neubaustrecke in die in Bau befindliche Trabantenstadt Chorweiler begann. In Chorweiler endete die Strecke in einem gemeinsamen Tunnelbahnhof mit der damaligen Straßenbahnlinie 9. Mit fortschreitender Besiedlung Chorweilers wurde die S 11 zwei Jahre später bis Chorweiler Nord verlängert. Als Fahrzeuge kamen zunächst lokomotivbespannte Wendezüge mit der Baureihe 141 und n-Wagen, später die Triebwagen der Baureihe 420/421 zum Einsatz. Der Streckenabschnitt zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach mit dem Zwischenhalt Duckterath ist eingleisig und besonders störanfällig (Zugausfälle in diesem Bereich, wenn im Gesamtstreckenverlauf Verzögerungen auftreten).
Erste Ausbaustufe mini|links|hochkant=0.7|Gedenktafel zur Eröffnung der S 11 am Neusser Hbf mini|Wendezug der City-Bahn mini|Wendezug der S 11 in Bergisch Gladbach (1989)
Auf der von Stilllegung bedrohten Bahnstrecke Köln-Kalk – Overath sowie den gleichfalls bedrohten Abschnitten Overath–Dieringhausen der Bahnstrecke Siegburg – Olpe sowie Dieringhausen – Gummersbach der Volmetalbahn begann 1984 ein als City-Bahn bezeichneter Betriebsversuch im Taktverkehr mit Wendezügen aus Diesellokomotiven der Baureihe 218 und modernisierten n-Wagen in spezieller Pop-Lackierung in Orange-Grau, entsprechend den damaligen S-Bahn-Farben der Deutschen Bundesbahn. Mit dem Erfolg des Versuchs wurde die City-Bahn in der Folge mitunter als Diesel-S-Bahn angesehen und teilweise in die Planungen der S-Bahn Köln einbezogen.
Im folgenden Jahr wurde die S 11 von Chorweiler Nord nach Köln-Worringen und von dort über die bestehende Strecke nach Neuss und Düsseldorf verlängert und damit eine erste Verknüpfung zur S-Bahn Rhein-Ruhr geschaffen. Dabei kamen die neuentwickelten Wendezüge aus der Baureihe 111 und x-Wagen zum Einsatz.
+ 1985–1990 Linie Strecke Düsseldorf – Neuss – Köln-Worringen – Köln-Chorweiler – Bergisch Gladbach
Ende der 1980er Jahre wurde in Vorbereitung auf die Ausweitung des S-Bahn-Verkehrs eine neue Stammstrecke in Köln gebaut: Beginnend am großen Gleisdreieck im Westen des Hauptbahnhofs mit dem neuen Haltepunkt Köln Hansaring wurden zwei neue Gleise neben die bestehende Strecke durch das Eigelsteinviertel verlegt.
Der Hauptbahnhof (Umbau 1973–1975) und der Bahnhof Köln-Deutz (Umbau 1989–1990) erhielten je einen zusätzlichen Bahnsteig und die Hohenzollernbrücke wurde um ein drittes Gleispaar erweitert. Ein Überwerfungsbauwerk in Köln-Deutz schließt die Stammstrecke an neue S-Bahn-Gleise entlang bestehender Strecken nach Norden und Süden an.
Zweite Ausbaustufe mini|Triebzug der Baureihe 423 auf der Stammstrecke in Deutz
Nachdem im Mai 1990 der linksrheinische Teil der Neubauten in Betrieb gegangen war, kam es am 2. Juni 1991 zu einer großen Netzerweiterung: Die Linie S 6 wurde von Langenfeld über Leverkusen, Köln-Mülheim und die neue Stammstrecke nach Köln geführt, womit nun auch rechtsrheinisch eine Verbindung zum Rhein-Ruhr-Netz entstand. Die neue Linie S 12 führte als S-Bahn-Vorlaufbetrieb von Köln über Troisdorf nach Hennef und stündlich weiter nach Au (Sieg). Von dort aus fuhren die Züge der S 12 als konventioneller Nahverkehrszug (N) weiter bis Siegen. Auch die bisherige City-Bahn, nun als Stadt-Express (SE) bezeichnet, wurde über die neue Stammstrecke geführt.
Auf der Linie S 6 kamen wie schon auf der Linie S 11 Lokomotiven der Baureihe 111 mit x-Wagen zum Einsatz, die später mit der Baureihe 143 bespannt wurden. Auf der Linie S 12 wurden zunächst wiederum modernisierte n-Wagen eingesetzt, die zum Teil aus dem Bestand der City-Bahn nach Gummersbach stammten. Ab Mai 2000 wurde dann nach und nach auf Triebzüge der Baureihe 423 umgestellt.
+ 1991–2002 Linie Strecke K-Deutz – K-Mülheim – Leverkusen – Langenfeld – Düsseldorf – Essen Düsseldorf – Neuss – K-Worringen – K-Chorweiler – K-Nippes – K-Deutz – K-Mülheim – Bergisch Gladbach K-Nippes – K-Deutz – Troisdorf – Siegburg – Hennef – Au (Sieg)S-Bahn-Vorlaufbetrieb
Dritte Ausbaustufe mini|Baureihe 423 auf der Siegstrecke
Mit dem Ausbau der Bahnstrecke Köln – Aachen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr wurde zwischen Köln Hansaring und Düren eine eigene S-Bahn-Strecke angelegt. Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke am 15. Dezember 2002 wurde die neue Linie S 13 geschaffen, die zunächst von Düren nach Köln-Deutz fuhr.
Im folgenden Jahr wurden entlang der Siegstrecke zahlreiche Bahnsteige erhöht und die separate S-Bahn-Strecke um 4,6 Kilometer von der Abzweigstelle Vingst zur Abzweigstelle Köln Steinstraße verlängert. Dadurch wurden S-Bahn- und ICE-Verkehr entmischt. Zuvor hatten seit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Köln – Rhein/Main alle Zuggattungen in diesem Bereich ein einziges Gleispaar mit höhengleichen Verzweigungen an beiden Enden genutzt, was zu häufigen Verspätungen geführt hatte.
mini|S 13 im Flughafenbahnhof
Mit der Inbetriebnahme der Flughafenschleife am 13. Juni 2004 kam es zu deutlichen Veränderungen im S-Bahn-Netz: Die S 13 wurde über den Bahnhof Köln/Bonn Flughafen nach Troisdorf verlängert, gleichzeitig endete nach 13 Jahren der Vorlaufbetrieb der S 12. Zwei neue S-Bahn-Halte im Bereich des Gewerbegebiets des Stadtteils Gremberghoven wurden in Betrieb genommen, der Bahnhof Frankfurter Straße an der Flughafenschleife und der Haltepunkt Köln Airport-Businesspark an der Siegstrecke. Der alte Bahnhof Porz-Gremberghoven wurde stillgelegt.
Auf den Linien S 11, S 12 und S 13 kamen nun durchgehend Fahrzeuge der Baureihe 423 im 20-Minuten-Takt zum Einsatz. Gleichzeitig wurden mehrere Linienäste getauscht: Die S 6 fährt seitdem statt der S 12 nach Köln-Nippes, die Berufsverkehrs-Verstärkerfahrten nach Horrem übernahm die S 13. Der Streckenast nach Düren wurde dafür der S 12 zugeschlagen.
Entwicklung ab 2005 mini|Schriftzug „S-Bahn Köln“