Die Linden (Tilia), über mittelhochdeutsch linde von althochdeutsch linta, bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Lindengewächse (Tilioideae) innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

Etymologie Mittelhochdeutsch linde, althochdeutsch linta, germanisch *lenþjō(n) „Linde“, von welchem auch die Bedeutung „Schild“ bezeugt ist; diese Bedeutung kommt daher, dass Schilde oft aus Lindenholz gemacht wurden; das Wort ist seit dem 9. Jahrhundert belegt.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Köhler’s Medizinalpflanzen der Winter-Linde (Tilia cordata) mini|Blütendiagramm mini|Blütenstand der Winterlinde (Tilia cordata) mit Dunkler Erdhummel mini|Früchte von Tilia cordata mit flügeligem Hochblatt Vegetative Merkmale Linden-Arten sind laubabwerfende Bäume. Sie bilden keine terminalen Knospen, daher ist ihr Wuchs sympodial. Je nach Linden-Art erreichen sie maximale Wuchshöhen zwischen 15 Metern (z. B. Krimlinde) In: natur-lexikon.com, abgerufen am 21. November 2010. und 40 Metern. Der erreichbare Stammdurchmesser variiert ebenfalls von Art zu Art, liegt in der Regel zwischen 1 und 1,8 Meter. Sie können ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen. Die Knospenschuppen fallen früh ab.

Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist meist herzförmig.

Generative Merkmale Im seitenständigen, zymösen Blütenstand befinden sich drei oder mehr Blüten. Ein auffälliges, längliches großes Hochblatt ist mit der Blütenstandsachse lang verwachsen; es dient für den abfallenden Fruchtstand als Flügel. Die duftenden, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es sind fünf Kelchblätter vorhanden mit Nektardrüsen an ihrer Basis. Die fünf Kronblätter sind weiß oder gelb. Es sind viele Staubblätter vorhanden; sie sind frei oder in fünf Bündeln zusammengefasst. Die Staubfäden sind oft gegabelt. Fünf Fruchtblätter sind zu einem fünfkammerigen Fruchtknoten zusammengewachsen. In jeder Fruchtknotenkammer befinden sich zwei Samenanlagen. Der Griffel endet mit einer fünflappigen Narbe. Linden-Arten besitzen einen fünffächrigen Fruchtknoten.

Es werden Schließfrüchte (Pseudosamara) entwickelt.

Ökologie Die Lindenarten vermehren sich stark vegetativ durch Stockausschlag und Wurzelbrut, können sich darüber hinaus aber auch generativ vermehren.

Bei der generativen Vermehrung erfolgt die Bestäubung durch verschiedene Insekten, die durch den intensiven Duft der Lindenblüten angelockt werden. Hierzu gehören Bienen und Hummeln, Schwebfliegen und andere Dipteren. Teilweise kommt es jedoch auch zu Windbestäubung. Die Samen werden hauptsächlich durch den Wind ausgebreitet (Anemochorie).

Krankheiten und Schädlinge Vor allem Linden, die in Städten als Straßenbäume wachsen, werden häufiger von der Lindenspinnmilbe befallen. Bei starkem Befall durch die Lindenspinnmilbe können die Bäume schon im Juli völlig entlaubt sein. Bei Straßenbäumen tritt auch öfter ein Schaden durch die Kleine Lindenblattwespe auf. Die Larven des Großen Lindenprachtkäfers fressen in und unter der Rinde gut besonnter Partien stärkerer Äste oder des Stammes kränkelnder Linden. Bei starkem Befall kann der Larvenfraß zum Absterben und Abbrechen der Äste sowie in weiterer Folge zum Absterben des ganzen Baumes führen. An Sommerlinden findet man häufig die Lindengallmilbe, die jedoch nicht zu den Schädlingen gezählt wird.

Verbreitung und Systematik Die 20 bis 45 Arten (plus etliche (überwiegend natürlich entstandene) Hybriden) der Gattung Tilia gedeihen hauptsächlich in gemäßigten bis subtropischen Gebieten. 19 bis 20 Arten kommen in China vor, etwa 15 davon nur dort. Linden können in der Schweiz kleinflächige, aber artenreiche Mischwälder bilden.Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen (= Grundlagen der Vegetationsgliederung in kausaler, dynamischer und historischer Sicht. Teil 2). Ulmer, Stuttgart 1963, , S. 255. Die Bestimmung der Arten ist schwierig, molekulargenetische Daten lassen vermuten, dass die Artenzahl wohl etwa 22 ist.

mini|Japanische Linde (Tilia japonica) mini|Tilia maximowicziana mini|Mongolische Linde (Tilia mongolica) mini|Tilia nobilis mini|Olivers Linde (Tilia oliveri) mini|Silber-Linde (Tilia tomentosa)

Je nach Autor gibt es 20 bis 40 Arten (Auswahl): Amerikanische Linde: (Tilia americana ): heimisch in den zentralen, südlichen und östlichen USA bis hinauf nach Ostkanada und südlich bis Mexiko; in Mitteleuropa gelegentlich als Straßen- oder Parkbaum angepflanzt Tilia amurensis : Sie kommt in Korea, Russland und in China vor. Tilia begoniifolia : Sie ist ein Endemit im Iran. Tilia callidonta : Sie kommt im nordwestlichen Yunnan vor. Tilia caroliniana : Sie kommt in den zentralen und in den südöstlichen Vereinigten Staaten vor; in Mitteleuropa wird sie gelegentlich als Straßen- oder Parkbaum angepflanzt. Chinesische Linde (Tilia chinensis ): Sie kommt in den chinesischen Provinzen Gansu, Henan, Hubei, Shaanxi, Sichuan, Xizang und Yunnan vor. Tilia chingiana & : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Anhui, Jiangsu, Jiangxi und Zhejiang vor. Winter-Linde auch Stein-Linde (Tilia cordata , Syn.: Tilia parvifolia , Tilia ulmifolia ): heimisch von Europa bis nach Westsibirien sowie Vorderasien Kaukasische Linde (auch Schwarzmeer-Linde) (Tilia dasystyla ): Sie kommt in drei Unterarten im Kaukasusraum, auf der Krim sowie im Iran vor. Tilia dasystyla subsp. caucasica : Krim, nördliche Türkei bis nördlicher Iran. Tilia dasystyla subsp. dasystyla Tilia dasystyla subsp. multiflora (Syn.: Tilia ledebourii ) Tilia endochrysea : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Hunan, Jiangxi und Zhejiang vor. Tilia henryana : Sie kommt in zwei Varietäten in den chinesischen Provinzen Anhui, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Shaanxi und Zhejiang vor. Tilia heterophylla : heimisch in den nördlichen und östlichen Vereinigten Staaten. Tilia insularis : endemisch in Korea Japanische Linde (Tilia japonica & ): Sie kommt in Japan und in den chinesischen Provinzen Anhui, Jiangsu, Shandong und Zhejiang vor. Tilia jiaodongensis : Sie kommt in der chinesischen Provinz Shandong vor. Tilia kiusiana & : Sie kommt in Japan vor. Tilia kueichouensis : Sie kommt in der Provinz Chongqing, im nördlichen Guizhou und vielleicht auch in Yunnan vor. Tilia likiangensis : Sie kommt in Wäldern im nordwestlichen Yunnan in Höhenlagen um 2300 Metern vor. Mandschurische Linde (Tilia mandshurica & ): Sie kommt in vier Varietäten in Japan, Korea, in Sibirien und in China vor. Tilia maximowicziana : endemisch in Japan auf den Inseln Honshu und Hokkaido. Tilia membranacea : Sie kommt in den Provinzen Hunan und Jiangxi vor. Miquels Linde (Tilia miqueliana ): heimisch in Japan und China. Mongolische Linde (Tilia mongolica ): Sie kommt in den chinesischen Provinzen Hebei, Henan, westliches Liaoning, Nei Mongol und Shanxi vor. Tilia nobilis & : Sie kommt in Sichuan und Yunnan und vielleicht auch in Henan vor. Olivers Linde (Tilia oliveri ): Sie kommt in zwei Varietäten in den Provinzen Gansu, Hubei, Hunan, Shaanxi und Sichuan vor. Tilia paucicostata : Sie kommt in drei Varietäten in den Provinzen Gansu, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Shaanxi, Sichuan und Yunnan in Höhenlagen zwischen 1300 und 2400 Metern vor. Hänge-Silberlinde (Tilia petiolaris Syn.: Tilia tomentosa ‚Petiolaris‘) Sommer-Linde (Tilia platyphyllos ): heimisch in Mittel- und Südeuropa, teilweise bis in den Kaukasus und nach Kleinasien. Tilia rubra : Sie kommt in Ungarn, Bulgarin und Griechenland vor. Tilia sabetii : Sie wurde 2012 aus dem Iran erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht nur in der zentralen Elburz Region, südliche von Chaloos in Höhenlagen von 900 bis 1500 Metern. Tilia stellato-pilosa : Sie wurde 2012 aus dem Iran erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht nur in der Region Dodangeh 70 bis 80 km südlich von Sari nur in Höhenlagen oberhalb von 1500 Metern, besonders 1750 bis 1850 Metern. Tilia taishanensis : Sie kommt nur in der chinesischen Provinz Shandong vor. Tilia taquetii : Sie kommt in Korea und in China vor. Silber-Linde (Tilia tomentosa ): Sie ist von Südosteuropa über die Türkei bis nach Syrien verbreitet. Tilia tuan : Sie kommt in drei Varietäten in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Sichuan, Yunnan und Zhejiang in Höhenlagen zwischen 1200 und 2400 Metern vor.

mini|Krim-Linde (Tilia ×euchlora) mini|Holländische Linde (Tilia ×europaea)

Es gibt einige natürliche oder durch Züchtung entstandene Hybriden: Krim-Linde (Tilia ×euchlora = Tilia cordata × Tilia dasystyla); etwa 1860 entstandene Hybride – Sie ist nur aus Kultur bekannt. Holländische Linde (Tilia ×europaea , Syn.: Tilia ×intermedia , Tilia ×vulgaris = Naturhybride aus Tilia cordata (?) × Tilia platyphyllos) Kaiserlinde (Tilia ×europaea var. pallida ) – Gezüchtete Hybride Moltke-Linde (Tilia ×moltkei ) = Tilia americana × Tilia petiolaris – um 1880 in Berlin entstandene Hybride

Mitteleuropa In den Wäldern Mitteleuropas sind mit der Sommer- und der Winterlinde sowie (am südöstlichen Rand Mitteleuropas) der Silberlinde nur wenige Lindenarten heimisch. Trotzdem spielen diese Baumarten eine nicht ganz unwesentliche Rolle sowohl im hiesigen Brauchtum wie auch in der Forstwirtschaft.

Nutzung mini|Traditionelle Maske geschnitzt aus Lindenholz: der Seehase aus Friedrichshafen mini|Lindenblüten mini|Querschnitt durch den Stamm einer Linde mit krankem Kern

Holznutzung

Unter den Linden werden vor allem die Winterlinde (Tilia cordata), die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und die Holländische Linde (Tilia ×europaea), eine Kreuzung der ersten beiden, als Holzquelle verwendet. Die Linden zählen zu den Reifholzbäumen und haben ein helles Kernholz, das sich farblich nicht vom Splintholz unterscheidet. Das Holz ist hellfarbig, weißlich bis gelblich und hat häufig einen rötlichen oder bräunlichen Einschlag und zeigt einen matten Glanz. Seltener ist es grünlich gestreift oder gefleckt.

Lindenholz wird vor allem in der Bildhauerei, zum Schnitzen und für Drechselarbeiten verwendet. Verbreitet war zum Beispiel der Einsatz von Lindenholz in der deutschen Bildhauerei vor allem der Spätgotik, so unter anderem durch Tilman Riemenschneider oder Veit Stoß. Aber auch in wesentlich späterer Zeit wurde Lindenholz von Bildhauern als Material bevorzugt, etwa seitens Ludwig Schwanthalers. Da Heiligenstatuen häufig aus Lindenholz gefertigt wurden, galt es als lignum sacrum (lateinisch für heiliges Holz). Heute wird für Schnitzarbeiten jedoch häufiger das leichter beschaffbare Holz der Weymouths-Kiefer (Pinus strobus) eingesetzt. In Deutschland wird der jährliche Verbrauch an Lindenholz für Schnitzarbeiten auf 3000 bis 5000 m³ geschätzt.

Des Weiteren wird Lindenholz als Blindholz und Absperrfurnier in der Möbelherstellung eingesetzt, es eignet sich auch zur Imitation von Nussbaumholz. Frontpartien von Kuckucksuhren, Reiß- und Zeichenbretter, Hutformen und Holzköpfe als Modelle für Perückenknüpfer werden häufig aus Lindenholz gefertigt. Es dient zur Herstellung von Gießereimodellen, Spielwaren, Küchengeräten und Holzpantoffeln. Lindenholz wird auch zur Fertigung von Fässern und Behältern für trockene und geruchsempfindliche Waren verwendet, zur Fertigung billiger Bleistiftsorten und von Zündhölzern. Im Musikinstrumentenbau wird es zur Herstellung von Harfen, als Tastatur von Klavieren, als Korpus für Gitarren und als Zungenpfeifen von Orgeln verwendet. Aus Lindenholz wird auch Zeichen- und Filterkohle hergestellt, früher wurde Kohle aus Lindenholz auch zur Erzeugung von Schwarzpulver und als Zahnpflegemittel verwendet.

Weitere Verwendung