Lacrimosa (lat., „tränenreich“, „die Tränenreiche“) ist ein Musikprojekt, das 1990 vom Deutsch-Schweizer Tilo Wolff gegründet wurde. Der Name leitet sich von der letzten Strophe der liturgischen Sequenz Dies irae ab ("Lacrimosa dies illa" – „Tränenreich ist jener Tag“), deren bekannteste Vertonung sich in Mozarts Requiem (KV 626) findet.

Geschichte mini|Tilo Wolff, 2013 mini|Anne Nurmi 1990 erschien das erste Demotape Clamor (lat. „Geschrei“). Da Tilo Wolff damit keine Plattenfirma überzeugen konnte, gründete er mit Hall of Sermon sein eigenes Plattenlabel und nahm unter dem Namen Lacrimosa die erste LP Angst auf. Seither ziert als Band-Logo ein Harlekin die Albumcover.

Seit 1994 gehört auch die Finnin Anne Nurmi, Keyboarderin und Sängerin der finnischen Gothic-Rock-Band Two Witches, als festes Mitglied zu Lacrimosa und steuert seitdem auch eigene Lieder in finnischer und englischer Sprache bei.

Lacrimosas größter Charterfolg war lange Zeit das 1999er Album Elodia mit Platz 12 in den deutschen Charts, bevor Lament im Jahr 2025 Platz 7 erreichte.

Zur selben Zeit arbeitete Tilo Wolff mit der Thrash-Metal-Band Kreator zusammen und steuerte den Gesang für das Lied Endorama auf dem gleichnamigen Album bei.

Mit ihrer Single Der Morgen danach war Lacrimosa vier Wochen lang in den offiziellen Singlecharts in Deutschland, die höchste Platzierung betrug 50.

Am 7. Mai 2010 veröffentlichten Lacrimosa anlässlich des 20-jährigen Bestehens ein Doppelalbum namens Schattenspiel, welches 18 bis dato unveröffentlichte Titel aus der Bandgeschichte beinhaltet.

Am 6. November 2015 erschien Lacrimosas zwölftes Studioalbum „Hoffnung“. Die anschließende UnterWelt-Tour führte die Band zunächst durch Belarus, Russland, China, Mexiko, Chile, Bolivien, Peru und Argentinien. Im Februar 2016 wurde die Tour in Deutschland fortgesetzt. Zum Abschluss der UnterWelt-Tour spielten Lacrimosa 2016 als Headliner auf dem 25-jährigen Jubiläum des Wave-Gotik-Treffens.

Am 25. August 2017 erschien das 13. Studioalbum Testimonium, ein Requiem in vier Akten, das den zahlreichen im Jahr 2016 verstorbenen Künstlern wie David Bowie, Leonard Cohen und Prince gewidmet ist. Am 24. Dezember 2021 folgte Leidenschaft und am 14. Oktober 2022 Leidenschaft, Pt. 2. Mit dem am 7. März 2025 veröffentlichten Album Lament schloss Lacrimosa die mit Testimonium begonnene Sturm-Trilogie ab. Lament erreichte Platz 7 der deutschen Albumcharts – die höchste Chartplatzierung der Band seit Elodia im Jahr 1999. Die anschließende Lament-Welttournee umfasste 50 Konzerte in elf Ländern.

Am 16. September 2025 gab die Band bekannt, dass Keyboarderin Anne wegen einer Erkrankung die aktuelle "Lament"-Tour nicht begleiten wird. Einige Tage später, am 22. September verkündeten sie, dass Tilos Nichte Lara für den Rest der Tournee an ihrer Stelle stehen wird. Am 7. November 2025 wurde mitgeteilt, dass Anne bei den Auftritten in China von Katharina von Schlotterstein vertreten wird, der Keyboarderin von Days of Sorrow. Im März 2026 teilte die Band mit, dass sich Annes Gesundheitszustand verbessert habe. Im Mai 2026 wurde Annes vollständige Genesung bekannt gegeben. Beim Wave-Gotik-Treffen am 25. Mai 2026 in Leipzig stand sie erstmals wieder gemeinsam mit der Band auf der Bühne – neben ihr trat auch Lara auf, die zuvor auf der Deutschlandtournee für sie eingesprungen war.

Im August 2026 gab Lacrimosa in der Arena Ciudad de México erstmals Konzerte mit einer Live-Orchesterbegleitung – die Weltpremiere dieses Formats fand damit nicht in Europa, sondern in Mexiko statt. Das erste Konzert am 22. August vor rund 22.000 Zuschauern war rasch ausverkauft, woraufhin ein zweiter Termin am 23. August angesetzt wurde, der ebenfalls ausverkauft war. Begleitet wurde die Band von der mexikanischen Orquesta Sincrophonia unter der Leitung von Maestro Rodrigo Cadet, nach den originalen Arrangements von Tilo Wolff. Anne Nurmi, die nach überstandener Erkrankung erstmals wieder ein Konzert dieser Größenordnung bestritt, übernahm bei The Turning Point die Hauptstimme; anlässlich ihres Geburtstags am 22. August sang das Publikum ihr das traditionelle mexikanische Geburtstagslied Las Mañanitas. Beide Abende wurden für eine geplante CD- und DVD-Veröffentlichung mitgefilmt. Das mexikanische Musikmagazin Pólvora betitelte seinen Bericht mit „el sueño se hizo realidad“ (der Traum wurde wahr).

Stil Lacrimosas Musikstil hat sich über mehr als drei Jahrzehnte erheblich gewandelt und lässt sich in mehrere Phasen unterteilen.

Die Frühwerke Angst (1991), Einsamkeit (1992) und Satura (1993) sind von minimalistischen elektronischen Klängen geprägt und werden der Neuen Deutschen Todeskunst zugerechnet. Tilo Wolff distanzierte sich allerdings bereits 1993 von dieser Zuordnung und verwies unter anderem auf den Einsatz von Heavy-Metal-Gitarren, die für Dark Wave unüblich seien.Dirk Hoffmann: Interview mit Lacrimosa, Zillo Musikmagazin, Heft-Nr. 3/93, März 1993, S. 40.

Ab Inferno (1995) vollzog sich der Wandel hin zu Symphonic Metal: Rockige und metal-lastige E-Gitarrenstücke verbanden sich zunehmend mit klassischen Elementen und Orchesterarrangements. Stille (1997) vertiefte diese Synthese mit Chorpassagen und detaillierten Orchesterarrangements, etwa im viertelstündigen Stück Die Straße der Zeit.

Mit Elodia (1999), Fassade (2001) und Echos (2003) erreichte Lacrimosa eine orchestrale Hochphase. Lacrimosa arbeiteten hierfür mit dem London Symphony Orchestra und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg zusammen. In dieser Phase verschwammen die Grenzen zwischen Klassik und Metal zunehmend – etwa wenn liturgische Texte wie das Sanctus oder das Kyrie aus dem Ordinarium Missae vom Chor vorgetragen werden.http://powermetal.de/content/artikel/show-LACRIMOSA__Interview_mit_Tilo_Wolff,5145-1.html Die mexikanische Ausgabe von Echos enthielt zudem eine spanischsprachige Version von Durch Nacht und Flut als Tribut an die lateinamerikanische Fangemeinde. In Lichtgestalt (2005) vertonte Tilo Wolff das Hohelied der Liebe aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther. Das Doppel-Livealbum Lichtjahre (2007) dokumentierte die Lichtgestalt-Welttournee mit Konzertmitschnitten aus dreizehn Ländern, darunter Deutschland, Spanien, Mexiko und China.

Sehnsucht (2009) war das erste Album, das Wolff in seinem eigenen Studio in der Schweiz aufnahm.http://derglaesernemensch.wordpress.com/2012/09/28/lacrimosa-im-ruckblick-sanger-tilo-wolff-im-gesprach/ Revolution (2012) markierte das bis dato härteste Album der Band, unter anderem mit Gastbeiträgen von Mille Petrozza (Kreator) und Stefan Schwarzmann (Accept).

Die jüngste Phase bildet die Sturm-Trilogie aus Testimonium (2017), Leidenschaft (2021) und Lament (2025). Testimonium, ein Requiem in vier Akten, wurde als Hommage an die vielen 2016 verstorbenen Künstler konzipiert. Thematisch verarbeitet Testimonium den Schmerz und die Trauer über den Verlust nahestehender Menschen und Künstler, Leidenschaft widmet sich der Hingabe und Sehnsucht, und Lament schließt den Bogen mit Klage und Hoffnung. Namengebend für die Trilogie sind drei „Sturm“-Stücke, die sich als roter Faden durch die Alben ziehen: Nach dem Sturm auf Testimonium, Führ mich nochmal in den Sturm auf Leidenschaft und Ein Sturm zieht auf auf Lament. Das abschließende Stück Memoria auf Lament endet dort, wo Testimonium einst begann, und schließt so die Trilogie zu einem Kreis.

Rezeption und Bedeutung Lacrimosa gelten als einer der bedeutendsten Vertreter des Symphonic Metal im deutschsprachigen Raum und werden von laut.de als „Taufpaten des Symphonic Metal“ bezeichnet. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes sind sie ein Exportschlager und belegten im Jahr 2003 Platz 9 der deutschen Auslandshitparade.Deutsches Musik-Exportbüro 2003 Besondere Popularität genießt die Band in Lateinamerika und China, wo sie als eine der wenigen deutschsprachigen Bands regelmäßig ausverkaufte Konzerte gibt.

Ein Markenzeichen von Lacrimosa ist die Zusammenarbeit mit namhaften Orchestern, darunter das London Symphony Orchestra für Elodia und das Deutsche Filmorchester Babelsberg für Fassade und Echos. Durch die Verbindung von Metal-Elementen mit anspruchsvollen Orchesterarrangements und liturgischen Texten hat Lacrimosa eine eigenständige musikalische Nische besetzt.

Mit dem eigenen Plattenlabel Hall of Sermon behält Tilo Wolff seit der Gründung die kreative und wirtschaftliche Kontrolle über das Projekt.

Diskografie

Studioalben

Livealben

Weitere Livealben 1998: Live 2023: Nachts

Kompilationen

EPs 1996: Stolzes Herz 2005: Lichtgestalten 2013: Heute Nacht [Limited Edition] 2024: Schakal 1994 - 2024 2025: Dark Is This Night

Singles

Weitere Singles 1993: Alles Lüge 1994: Schakal 2009: Feuer [Limited Edition] 2024: Avalon 2024: Du bist alles was ich will 2025: Metamorphobia 2026: Bis zum Schluss

Videoalben 1995: The Clips 1993–1995 1997: The Silent Clips 2000: The Live History 2005: Musikkurzfilme 2007: Lichtjahre

Boxsets 2002: Vintage Classix 2020: Die Jubiläumsbox 1990-2020

Literatur Das Gothic- und Dark Wave-Lexikon. Die Schwarze Szene von A–Z (erweiterte Neuausgabe, hrsg. von Peter Matzke und Tobias Seeliger), Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-522-8.

Weblinks

Offizieller Internetauftritt

Interview zum Erscheinen von „Sehnsucht“ vom Terrorverlag Anne Nurmi Singles

Einzelnachweise

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