mini|OEG, Triebwagen 105 in Heidelberg, Bergheimer Straße (Aufn. 1984) Die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft Aktiengesellschaft Mannheim (OEG), anschließend OEG AG, später MVV OEG AG, war ein Eisenbahninfrastruktur- und ‑verkehrsunternehmen mit Sitz in Mannheim. Sie betrieb die schmalspurigen Eisenbahnstrecken zwischen Mannheim, Heidelberg und Weinheim. Das Unternehmen wurde am 16. März 2010 mit der MVV Verkehr AG verschmolzen. Inzwischen werden die Strecken von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) betrieben.
Die OEG betrieb zudem bis Dezember 2009 den Stadtbusverkehr in Weinheim, einige Buslinien im Südosten Mannheims sowie einige weitere Buslinien in der Umgebung von Schriesheim und Ladenburg. Sie war Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).
Geschichte mini|Schuldverschreibung über 1000 Mark der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft AG vom 10. August 1920 mini|Wochenkarte zur Beförderung eines Esskorbs mini|Wochenkarte für Milchtransport Nach dem Tod von Herrmann Bachstein 1908 übernahm der rheinische Großindustrielle Hugo Stinnes im Jahr 1909 die Aktienmehrheit der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) mit dem Ziel, über die von ihm kontrollierte RWE (Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG) die elektrischen Straßenbahnen des Ruhrgebietes und anderer Großstädte sowie damit verbunden die gesamte westdeutsche Stromversorgung in die Hand zu bekommen. Durch die Konzentration auf elektrische Straßenbahnen wurden einige Bahnen aus der SEG ausgegliedert und in neu gegründete Gesellschaften überführt.
Um eine Elektrifizierung und den Ausbau ihres Straßenbahnnetzes zu ermöglichen, gründete 1911 die Stadt Mannheim gemeinsam mit der SEG, die die Mannheim-Weinheim-Heidelberg-Mannheimer Eisenbahn einbrachte, die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft AG (OEG). Um eine beherrschende Stellung der RWE zu verhindern, bestand die Stadt Mannheim auf einer Aktienmehrheit von 51 %.Gerald D. Feldman: Hugo Stinnes: Biographie eines Industriellen, 1870–1924. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-43582-3, S. 268 ff. In die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft wurden auch die Straßenbahn Schwetzingen–Ketsch sowie zwei Kraftwerke in Ladenburg und Rheinau eingebracht. Das Aktienkapital hielten die Stadt Mannheim mit 51 % und die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft mit 26 %. Der Rest entfiel auf drei weitere Anteilseigner. Die OEG übernahm den Betrieb der Strecken zum 1. April 1911.Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 5. August 1911, Nr. 39. Nachrichten, S. 297.
Um finanzielle Probleme nach dem Ersten Weltkrieg abzumildern, übernahm die Stadt Mannheim die Bahnen von der OEG, die Gesellschaft mit Kraftwerken und Elektrizitätsanlagen blieb in der Hand von Stinnes und firmierte in Kraftwerke Rheinau um.
Die nun freie Firma Oberrheinische Eisenbahngesellschaft übernahm eine neue Gesellschaft, die die Städte Mannheim, Heidelberg, Weinheim, Viernheim und die Rhein-Haardtbahn gegründet hatten, und in die die Stadt Mannheim die Bahn einbrachte.Günter König: Einführung der Scharfenbergkupplung bei der OEG. In: Die Museums-Eisenbahn 4/2012, S. 29
1913 wurde von der OEG die Straßenbahnstrecke von Neckarau nach Rheinau, damals noch durch die Rhenaniastraße, eröffnet. Zum Baubeginn der Strecke war Rheinau noch nicht nach Mannheim eingemeindet, wodurch entsprechend bestehenden Kooperationsverträgen die Zuständigkeit bei der OEG lag. Mit der Eingemeindung im Jahr der Fertigstellung änderte sich dies, weswegen die Strecke dann von der städtischen Straßenbahn betrieben wurde und 1921 in ihren Besitz überging.
1914 wurde das erste Teilstück der Strecke Mannheim–Feudenheim–Ilvesheim–Ladenburg–Schriesheim bis Feudenheim für den provisorischen Güterverkehr eröffnet. Außerdem wurde die Strecke für zwei Monate von der städtischen Straßenbahn befahren, bevor diese ihre eigene Strecke einweihen konnte. Zwar fanden neben dem Geländekauf schon Bauarbeiten (unter anderem Brückenbauwerke) für die Reststrecke statt, diese mussten jedoch wegen des Ersten Weltkrieges eingestellt werden. Da sich der Bau auch nach dem Krieg aus wirtschaftlichen Gründen nicht verwirklichen ließ, richtete die OEG 1925 ihre erste Omnibuslinie ein. Sie war als Provisorium gedacht, der Bau der Eisenbahnstrecke unterblieb jedoch bis heute. Ende der 1920er Jahre wurden der Güterverkehr nach Feudenheim eingestellt und die Strecke aufgegeben.
Neben den überall haltenden Personenzügen betrieb die OEG früher auch die Zuggattungen Eilzug, im Kursbuch mit einer Raute gekennzeichnet, und den noch seltener haltenden Fernzug, im Kursbuch mit F abgekürzt.Kursbuch 1944/45, Tabelle 302 g
mini|OEG-Zug unterwegs in Mannheim (1986)
Wie die meisten Verkehrsbetriebe in Deutschland musste auch die OEG einen enormen Anstieg des Fahrgastaufkommens nach Ende des Zweiten Weltkrieges bewältigen, zumal ihr 1946 nur weniger als die Hälfte ihres Wagenparks zur Verfügung stand. 1947 erreichten die Fahrgastzahlen den bisher nicht mehr erreichten Höchststand von 25,6 Millionen Fahrgästen. Da die Ursache für den großen Anstieg der Beförderungsleistung nicht zuletzt in so genannten Hamsterfahrten begründet war, normalisierten sich die Fahrgastzahlen nach der Währungsreform 1948 wieder.
Nach Überwindung der Nachkriegsschwierigkeiten musste sich die OEG mit der beginnenden Massenmotorisierung auseinandersetzen. Das Ziel war, sie vor allem schneller und bequemer werden zu lassen, um die Fahrgäste halten zu können. Ein erster Schritt dazu war die Beschaffung von vier Großraumwagen samt Beiwagen von der Waggonfabrik Fuchs (siehe auch unter Fahrzeuge).
Ungefähr 1960 begann die technische Sicherung der Bahnübergänge mit Blinklichtanlagen, wobei später die Ausstattung mit Halbschranken hinzukam. Im Jahr 1964 betrieb die OEG 142 km Gleise und beförderte täglich über 50.000 Reisende.Heidelberger Geschichtsverein e. V. auf s197410804.online.de
1976 wurde der Betriebsfunk eingeführt.
1996 wurde die Verteilung der Verluste der OEG neu geregelt. Danach trug Mannheim 58,2 %, der Rhein-Neckar-Kreis 30 %, Heidelberg 7,2 % und Viernheim 4,6 % der jährlich auftretenden Verluste. Bis dahin hatte die Stadt Heidelberg überhaupt nichts bezahlt.
Außerdem wurde 1996 das Weinheimer Busunternehmen GmbH (WEBU) von den Stadtwerken Weinheim GmbH (71,6 %) und der OEG (28,4 %) gegründet, das seitdem offizieller Konzessionär der Weinheimer Stadtbuslinien ist und in dessen Auftrag die OEG bis zur Aufgabe des Busbetriebs am 31. Dezember 2009 fuhr.
Im Jahr 2000 übernahm die MVV GmbH einen Anteil von 94,6 % der Stadt Mannheim an der OEG und benannte das Unternehmen zunächst in OEG AG und wenige Monate später in MVV OEG AG um. 5,18 % verblieben jedoch weiter bei der Stadt Mannheim direkt, während die Stadt Heidelberg noch 0,2 % und die Stadt Weinheim noch 0,02 % am Unternehmen halten. Der Betrieb erfolgte ab 2002 gemeinsam mit den Mannheimer Straßenbahnen der MVV Verkehr AG.
Zum 1. Oktober 2004 gründete die MVV OEG AG zusammen mit MVV Verkehr AG, HSB, VBL und RHB das gemeinsame Tochterunternehmen Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV), das seit 1. März 2005 den gemeinsamen Betrieb durchführt. Die Infrastruktur sowie die Konzessionen verblieben bei der OEG. Die Fahrzeuge, mit Ausnahme der mittels Cross-Border-Leasing beschafften Variobahnen V6, gingen im Zuge der Kapitaleinbringung an die Rhein-Neckar-Verkehr, die seitdem im Auftrag ihrer Mutterunternehmen die Verkehrsleistungen erbringt. Seit 2005 werden die anfallenden Verluste nach den gefahrenen Nutzkilometern auf der jeweiligen Gemarkung auf Mannheim, Heidelberg, Viernheim und den Rhein-Neckar-Kreis verteilt. Der Gemeinderat der Stadt Mannheim beschloss 2009 die Verschmelzung der MVV OEG AG mit der MVV Verkehr AG Beschlussvorlage 282 / 2009. Nach dem Erwerb der verbliebenen 0,22 % Aktienanteil der Stadt Heidelberg hält Mannheim nun 100 % der Anteile. Die Verschmelzung wurde am 16. März 2010 mit der Löschung der MVV OEG AG aus dem Handelsregister abgeschlossen. In einem nächsten Schritt wurde die MVV Verkehr AG zum 31. März 2011 in eine GmbH überführt. Zum 2. Januar 2018 wurde das Unternehmen in MV Mannheimer Verkehr GmbH umbenannt.
Betriebene Strecken Die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft betrieb folgende Strecken:
Bahnstrecke Mannheim–Weinheim Bahnstrecke Weinheim–Heidelberg Bahnstrecke Mannheim Kurpfalzbrücke–Edingen–Heidelberg Bahnstrecke Mannheim-Käfertal–Heddesheim Bahnstrecke Mannheim-Seckenheim–Neckarhausen–Edingen (Baden) Bahnstrecke Heidelberg-Güterbahnhof OEG–Dossenheim–Schriesheim
Fahrzeuge Dampflokzeit
Auf den anfangs nicht elektrifizierten Strecken wurden Züge mit kleinen zweiachsigen Dampflokomotiven (B-Loks), teilweise auch verkleidete Kastendampfloks und Eisenbahnwagen eingesetzt. Die Dampfloks 56 und 102 gehören heute zur Sammlung des Technoseums Mannheim, wobei nur Lok 56 öffentlich ausgestellt ist. Lok 101 landete nach mehreren Zwischenstationen bei der Selfkantbahn, wo sie als Lok MEG 101 im Einsatz ist.
Weiterhin sind einige Personenwagen und zahlreiche Güterwagen erhalten geblieben, beispielsweise beim DEV Bruchhausen-Vilsen, bei der Selfkantbahn, der Märkischen Museums-Eisenbahn bei Plettenberg, dem Albbähnle Amstetten–Oppingen und der Härtsfeld-Museumsbahn in Neresheim. Insgesamt 29 Wagen befinden sich inzwischen in einer niederländischen Sammlung. Sie werden nach und nach aufgearbeitet und kommen leihweise auf verschiedenen Museumseisenbahnen zum Einsatz.
Für die normalspurige Strecke nach Schriesheim hatte die OEG zwei der T 3 ähnliche Lokomotiven, die Loks 341 und 342.
Diesellokomotiven Zur Ablösung der Dampflokomotiven beschaffte die OEG ab 1953 vom Hersteller Gmeinder drei Diesellokomotiven für Meterspur (Betriebsnummern 01 bis 03) und eine Diesellok für Normalspur (Betriebsnummer 04). Die zweiachsigen Lokomotiven entsprachen technisch im Wesentlichen den Köf II der DB, waren aber abweichend aufgebaut. Bis zur Elektrifizierung des Streckenabschnitts Weinheim–Schriesheim bespannten die meterspurigen Loks dort auch Personenzüge. Später kamen sie, wie ihre regelspurige Schwesterlokomotive, nur noch im Güter- und Bauzugdienst zum Einsatz. Zur Ablösung der letzten Dampflokomotive wurde 1967 eine weitere Diesellok unter der Betriebsnummer 05 in Dienst gestellt, die technisch und optisch viele Gemeinsamkeiten mit einer Köf III hatte. Mit der Stilllegung der regelspurigen Güterstrecke im Jahr 1973 wurden zunächst die Dieselloks 04 und 05 verkauft. Mit dem Rückgang des Güterverkehrs und Verlagerung des Stückgutverkehrs auf LKW konnte man später auch auf zwei meterspurige Loks verzichten und verkaufte die Lok 01 an die Essener Verkehrs-AG (dort Nr. 601) und die Lok 03 an die Rhein-Haardtbahn GmbH (dort V01). Lok 02 wurde mit Einführung der Arbeitswagennummern Anfang der 1990er Jahre auf 350 umgezeichnet. Sie ist heute noch im Einsatzbestand und wird gelegentlich als Bauzug- oder Hilfslok eingesetzt.
Elektrische Rangierlok