mini|Karte von Ratzenstadt von 1745 mini|Rathaus mini|Festung Petrovaradin mini|Freiheitsbrücke über die Donau mini|hochkant|Marienkirche in der Altstadt (Stari Grad)
Novi Sad ( [] ; ; ; ) ist die zweitgrößte Stadt in Serbien, die Hauptstadt der Vojvodina und administratives Zentrum des Okrug (etwa Landkreis) Južna Bačka.
Die Universitätsstadt besteht aus den Stadtteilen Novi Sad nördlich der Donau und Petrovaradin am Fuße der gleichnamigen Festung südlich der Donau. Laut Volkszählung von 2011 hat die Stadt 231.798 Einwohner. Im Großraum der Opština Novi Sad leben 341.625 Einwohner. Die Stadt wird auch als serbisches Athen bezeichnet.
Geographische Lage Die Stadt liegt ca. 70 km nordwestlich von Belgrad auf einer Höhe von 72 bis 80 Metern über dem Meeresspiegel. In Novi Sad mündet der Kleine Batschka-Kanal (als Teil des Donau-Theiß-Donau-Kanalsystems) in die Donau.
Geschichte Mittelalter
Der Ort entstand im Spätmittelalter im dicht besiedelten Komitat des Königreichs Ungarn durch den Bau des Zisterzienserklosters Belefons als sogenannter kirchlicher Ort. 1526 wurde er von den Osmanen erobert. Deren 150-jährige Herrschaft führte zur Verwüstung und Entvölkerung der Pannonischen Tiefebene. Von den Osmanen geduldete nomadisierende Südslawen übernahmen bestehende Ortschaften oder gründeten neue Siedlungen. Die damaligen Turbulenzen ließen in der Regel jedoch nachhaltige Siedlungen nicht zu. Nach osmanischen Aufzeichnungen (Defter) von 1590 lebten 105 slawische Familien im heutigen Novi Sad.
Habsburgermonarchie
Nach dem Sieg der Österreicher gegen die Osmanen (1697) unter Prinz Eugen bei Zenta (serbisch Senta) und dem anschließenden Friedensvertrag von Karlowitz (1699) musste das Osmanische Reich u. a. die Batschka an Österreich abtreten. Nach Erscheinen des Kaiserlichen Impopulationspatentes („.. zur besseren Auffhelfung, wieder Erhebung und Bevölkerung derselben“) war seitens der Wiener Hofkammer eine sofortige Neubesiedlung der Batschka geplant, die jedoch bald wegen der Vorrangstellung der Militärgrenze (Pantschowa, Temeswar etc.) zurückgestellt wurde.
Bereits 1694 hatte die österreichische Militärverwaltung einen Brückenkopf am gegenüber liegenden Donauufer der Peterwardein-Festung errichtet, um den herum eine Siedlung mit Soldaten, Handwerkern und Händlern heranwuchs, die anfangs Racka Varoš genannt wurde. Auf Deutsch nannte man die Siedlung Ratzenstadt, womit Serbenstadt gemeint war, denn Raizen, Ratzen oder Rac war eine frühere deutsche und ungarische Bezeichnung für die Serben, die Bewohner von Raszien. Später wurde die Siedlung Peterwardeiner Schanze genannt. Um diesen Brückenkopf herum entwickelte sich eine Siedlung mit rund 1000 slawischen Einwohnern, die heutige Altstadt. In den Anfangsjahren waren es überwiegend Serben, da in der gegenüberliegenden Festung Peterwardein (serbisch Petrovaradin) nur Katholiken sich ansiedeln durften.
1716 standen die Osmanen abermals vor Novi Sad, wurden allerdings in der Schlacht von Peterwardein von Prinz Eugen vernichtend geschlagen.
Königliche Freistadt Neoplanta
Am 1. Februar 1748 verlieh Kaiserin Maria Theresia der Stadt die Rechte einer „königlichen Freistadt“ () und nannte sie (lateinisch) „Neoplanta“. (), ungarisch: Új-Vidégh, deutsch: Ney-Satz. Später wurde der Ort serbisch Novi Sad und bulgarisch Mlada Loza genannt.
Gerüchten zufolge sollen sich die Handwerker und Händler den Status der Freien Kaiserstadt für 80.000 Forint von der Kaiserin abgekauft haben, da sie nicht länger Bewohner einer Militärsiedlung, sondern Bürger einer freien Handelsstadt sein wollten.
Novi Sad entwickelte sich rasch zu einem wirtschaftlichen und vor allem kulturellen Zentrum der Serben. 1765 wurde das erste serbisch-orthodoxe Priesterseminar eingerichtet. Im gegenüberliegenden Nationalpark Fruška Gora gibt es 17 serbisch-orthodoxe Klöster. 1810 wurde das erste serbische Gymnasium in Novi Sad eröffnet. Vuk Stefanović Karadžić schrieb 1817, dass Novi Sad die größte serbische Stadt weltweit sei.
Novi Sad war ein Standort der k.u.k. Armee, hier waren das III. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 20, das IV. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 6 sowie Teile des k.k. Landwehr Infanterie-Regiments Nr. 32 stationiert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellten Deutsche nach Ungarn und Serben die drittstärkste Bevölkerungsgruppe in der Stadt.Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 14. Leipzig 1908, S. 573 (zeno.org).
Königreich Jugoslawien
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fiel das Gebiet um Novi Sad an das neu errichtete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das sich ab 1929 Königreich Jugoslawien nannte.
Zweiter Weltkrieg
In der Zeit von 1941 bis 1945 war die Stadt vom zu den Achsenmächten gehörenden Königreich Ungarn besetzt. In Novi Sad ließ der ungarische Befehlshaber General Ferenc Feketehalmy-Czeydner vom 21. bis 23. Januar 1942 1246 Zivilisten erschießen, darunter waren 809 Juden, 375 Serben, 8 Deutsche und 18 Ungarn. Mehrere hundert Zivilisten wurden unter das Eis der zugefrorenen Donau geworfen und ertränkt.Nicholas Wood, Ivana Šekularac: Hungarian Is Faced With Evidence of Role in ’42 Atrocity In: The New York Times. 1. Oktober 2006 (nytimes.com). Nach dem Einrücken der Partisanen Ende 1944 wurde nahezu der gesamte Teil der verbliebenen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe, welche bis dahin noch nicht geflohen war, vertrieben oder ermordet.
Bombardements der NATO
mini|Die eingleisige Behelfsbrücke ersetzt seit 2000 die 1999 durch Bombardierung zerstörte Žeželj-Brücke auf der Relation Belgrad–Budapest in Novi Sad. Im Bild: Blick auf Petrovaradin und die neue Žeželj-Brücke
Novi Sad war während des Kosovokrieges 1999 Ziel von Luftangriffen durch die NATO, wobei unter anderem alle Donaubrücken, die regionale Wasserversorgung (welche 600.000 Menschen versorgte), das Rundfunkgebäude und die Raffinerie zerstört wurden. Weiter wurden das städtische Krankenhaus, mehrere Grundschulen, eine Kindertagesstätte und mehrere Kinderkrippen durch die Bomben beschädigt.
Der die Donau querende Verkehr wurde mehr als sechs Jahre lang über eine Pontonbrücke abgewickelt, die nur dreimal wöchentlich für Schiffe geöffnet wurde. Seit der Wiedereröffnung der so genannten Freiheitsbrücke am 11. Oktober 2005 ist die Schifffahrt wieder ungehindert möglich.
Dacheinsturz am Bahnhof 2024 und Folgen
Am 1. November 2024 stürzte das frisch renovierte Vordach des Hauptbahnhofs ein. Dabei starben 16 Menschen, etwa 30 wurden verletzt. Die serbische Regierung ordnete daraufhin für den Folgetag Staatstrauer an. Fachleute und Oppositionelle kritisierten Schlamperei und Korruption bei den Bauarbeiten am Bahnhof. Proteste gegen die Regierung erfolgten bis Mittwoch, 13. August 2025 friedlich, wurden jedoch von organisierten Anhängern der Vučić-Regierung wiederholt tätlich angegriffen, was häufig nicht geahndet wurde. Polizei ging gegen Demonstranten vor. Gebäude von Oppositionellen wurden zerstört. Danach, in der Nacht auf So, 17. August 2025, zündeten Regierungsgegner in Valjevo das Parteilokal von Vučićs Serbischer Fortschrittspartei (SNS) an und beschädigten staatliche Gebäude.
Wirtschaft und Verkehr Novi Sad ist das wirtschaftliche Zentrum der Vojvodina und profitiert von der Lage in einer der produktivsten Agrarregionen Serbiens. Neben Lebensmittelverarbeitung, Messewesen, Energieversorgung, Bauwirtschaft und einem stark wachsenden IT-Sektor prägen Dienstleistungen und städtische Verwaltung die lokale Wirtschaft. Die Stadt unterhält ein eigenes Büro für lokale Wirtschaftsentwicklung, das Investitionen anziehen, beraten und die Wettbewerbsfähigkeit stärken soll. Novi Sad wurde zudem als wirtschaftsfreundliches Umfeld zertifiziert und positioniert sich in der Stadtentwicklung bis 2030 stärker in Richtung Investitionen, nachhaltige Wirtschaft, Innovationspotenzial und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.
Bahn Der Bahnhof Novi Sad liegt an der Bahnstrecke Belgrad–Subotica und ist Ausgangspunkt für Bahnstrecken nach Bogojevo und Orlovat.
Seit 2018 gibt es eine neue kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Donau als Teil der Schnellfahrstrecke (bis 200 km/h) Belgrad–Novi Sad, die 2022 eröffnet wurde. Die Fortführung nach Subotica ging im Oktober 2025 in Betrieb. Darüber soll dann auch die Anbindung in Richtung Mitteleuropa erfolgen.
Am 1. November 2024 brach das Vordach des 1964 errichteten und 2024 renovierten Empfangsgebäudes des Bahnhofs Novi Sad von dem Bauwerk ab und begrub zahlreiche Menschen unter sich. Bei dem Einsturz starben 16 Menschen.jh: Vordach des Empfangsgebäudes in Novi Sad eingestürzt. In: Eisenbahn-Revue International 12/2024, S. 570. Es besteht der Verdacht, dass die zugrundeliegenden Baumängel auf Korruption zurückzuführen waren. Von Novi Sad ausgehend protestierten darum Menschen landesweit gegen die SNS-Regierung.
Stadtverkehr Von 1911 bis 1958 bestand in Novi Sad ein Straßenbahnsystem mit mehreren Linien. Der Bau eines neuen Straßenbahnnetzes ist in Planung.
Bevölkerung
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1920 Jahr Einwohner Anmerkungen 1751 4000 Julius Horn: Das Königreich Ungarn, seine Geschichte, Verfassung und seine gegenwärtigen Zustände, Hornyásky & Hummel, Pest 1864, S. 124. 1805 – 13.262 Nichtadlige 1832 17.350 in 2921 HäusernAdolph Schmidl: Reisehandbuch durch das Königreich Ungarn mit den Nebenländern und Dalmatien, nach Serbien, Bukarest und Constantinopel. Band 2, Carl Gerold, Wien 1835, S. 417. 1864 ≈ 20.000 verschiedener, gleichberechtigter ReligionJulius Horn, ebenda, S. 277. 1870 19.119 Bericht der Budapester Handels- und Gewerbekammer über Gewerbe und Industrie des Budapester Kammerdistrictes für die Jahre 1870–1875 (Aus dem Ungarischen übersetzt), Budapest 1877, S. 15. 1901 29.296 davon 10.321 Ungarn, 9889 Serben und 6483 Deutsche (meist römisch- oder griechisch-katholischen Glaubens)Meyers Großes Konversations-Lexikon. &. Auflage Band 14. Leipzig/Wien 1908, S. 573.
+ Entwicklung der Anzahl Mitglieder der römisch-katholischen Kirchengemeinde im 18./19. Jahrhundert Jahr 1748 1767 1806 1810 1813 1839 1848 1891 Mitglieder 1468Melhior Érdujhelyi: Geschichte der Stadt Neusatz. Aus dem ungarischen Original in's Deutsche übersetzt von Heinrich Gunde und Friedrich Steiger. Herausgegeben von der königlichen Freistadt Neusatz. Druck von Emil Fuchs & Comp., Neusatz 1895, S. 187. 1745 3907 4011 4780 5787 5555 9581
+ Entwicklung der Anzahl Mitglieder der serbischen griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde im 19. Jahrhundert Jahr Mitglieder Anmerkungen 1806 6373 Melhior Érdujhelyi: Geschichte der Stadt Neusatz. Aus dem ungarischen Original in's Deutsche übersetzt von Heinrich Gunde und Friedrich Steiger. Herausgegeben von der königlichen Freistadt Neusatz. Druck von Emil Fuchs & Comp., Neusatz 1895, S. 192. 1813 8498 1848 9050 1891 8908 + Entwicklung der Anzahl Mitglieder der jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert Jahr Mitglieder Anmerkungen 1806 400 Melhior Érdujhelyi: Geschichte der Stadt Neusatz. Aus dem ungarischen Original in's Deutsche übersetzt von Heinrich Gunde und Friedrich Steiger. Herausgegeben von der königlichen Freistadt Neusatz. Druck von Emil Fuchs & Comp., Neusatz 1895, S. 217. 1813 592 1848 1320 1891 1507
+ Entwicklung der Anzahl Mitglieder der armenischen Kirchengemeinde im 18./19. Jahrhundert Jahr 1763 1767 1798 1806 1810 1813 1849 Mitglieder 36Melhior Érdujhelyi: Geschichte der Stadt Neusatz. Aus dem ungarischen Original in's Deutsche übersetzt von Heinrich Gunde und Friedrich Steiger. Herausgegeben von der königlichen Freistadt Neusatz. Druck von Emil Fuchs & Comp., Neusatz 1895, S. 206. 45 102 74 75 71 30
Laut der Volkszählung von 2011 waren in der Bevölkerung der Stadt Serben, Ungarn, Slowaken, Kroaten, Roma und andere Ethnien vertreten.media.popis2011.stat.rs