Günther Gustav Stapenhorst (* 25. Juni 1883 in Gebweiler, Elsass; † 2. Februar 1976 in München) war ein deutscher Offizier und Filmproduzent.
Leben Günther Stapenhorst wurde als Sohn des Oberlehrers und Gymnasialprofessors Arnold Hermann Stapenhorst und dessen Frau Hulda Ida Agnes Mathilde, geb. Fink, in Gebweiler im Elsass (heute: Guebwiller, Frankreich) geboren. Sein Bruder war der Verwaltungsjurist Ulrich Stapenhorst. Stapenhorst besuchte nach dem Gymnasium die Marineakademie und trat 1900 in die kaiserliche Marine ein. 1916 nahm er an der Skagerrakschlacht teil, 1917 wurde er dem Generalstab der Marine zugeteilt. Bei Kriegsende war er Korvettenkapitän und musste sich nach der Demobilisierung eine neue Existenz aufbauen.
1919 wurde er Bankangestellter, dann Exportkaufmann. Von 1921 bis 1924 war er Mitgründer und Gesellschafter der Hamburger Exportfirma Louis Pagenstecher & Co.Einträge im Hamburger Handelsregister am 2. Juni 1921 und 24. März 1924 Durch den Export und Verleih von Filmen kam er in Kontakt mit der Filmbranche, in der er ab 1924 tätig war. 1925 wurde Stapenhorst Geschäftsführer beim Merkur Film-Verleih in München, der in die Vulkan Filmverleih GmbH umbenannt wurde.Einträge im Münchener Handelsregister am 14. und 16. Oktober 1925 1926 wurde der Firmensitz nach Berlin verlegt.Berliner Handelsregister HRB Nr. 39176 Dort arbeitete er mit Arthur Ziehm zusammen, bis dessen Firma durch das Verbot des Films "Unter Ausschluß der Öffentlichkeit" Konkurs anmelden musste. 1928 trat er als Produktionsleiter bei der UFA ein. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Produktionen, darunter die erste Erich-Kästner-Adaption Emil und die Detektive.
Da die deutsche Filmindustrie immer mehr unter staatliche Kontrolle geriet, führte dies 1935 zu seiner Emigration nach England. Dort war er für Alexander Korda als Produktionsleiter der Gaumont British und der London Film tätig. Bei Kriegsbeginn ließ er sich in der Schweiz nieder. Für die kleine Elite-Film in Zürich produzierte er den Film Verena Stadler.
Nach der Gründung der Gloriafilm am 19. November 1940 stellte er vier weitere Filme in der Schweiz her. Stapenhorst unterhielt weiterhin Kontakte zu Deutschland und bewarb sich 1941, 1942 und 1943 um einen Direktionsposten bei der UFA, was aber mit dem Hinweis auf seine Zusammenarbeit mit jüdischen Schauspielern abgelehnt wurde. In der Schweiz geriet er zunehmend unter Spionageverdacht. Im Frühjahr 1942 wurde ihm verboten, den Außenaufnahmen zu seinem Film Steibruch beizuwohnen. Nach finanziellen Verlusten trat er am 16. Juli 1943 aus dem Verwaltungsrat der Gloriafilm zurück, blieb aber bis Kriegsende in der Schweiz.
1948 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete 1949 in München die Carlton-Film GmbH. „Stapi“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, produzierte in den fünfziger Jahren zahlreiche Unterhaltungsfilme, darunter drei Filme nach den Romanen Erich Kästners (Das doppelte Lottchen, Das fliegende Klassenzimmer und Die verschwundene Miniatur), für die Kästner die Drehbücher schrieb.
Baron von Stapenhorst war seit 1911 mit Charlotte Gräfin von Brockdorff verheiratet. Von 1950 bis zu seinem Tod war die Schauspielerin Margot Rupp, die mit Willem Holsboer verheiratet war, seine Lebenspartnerin. 1962 überließ er die Leitung der Firma seinem Sohn Klaus Stapenhorst. Sein anderer Sohn Fritz wurde Filmeditor und Regisseur, seine Tochter Lore Drehbuchautorin.
Günther Stapenhorst ruht auf dem Friedhof Riem in München.
Filmografie Produktionsleitung 1925: Ich hatt' einen Kameraden 1926: Kreuzzug des Weibes 1928: Der Tanzstudent 1928: Die Yacht der sieben Sünden 1928: Die blaue Maus 1928: Ihr dunkler Punkt 1929: Adieu, Mascotte 1929: Der Sträfling aus Stambul 1929: Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst 1930: Der unsterbliche Lump 1930: Hokuspokus 1930: Ein Burschenlied aus Heidelberg 1930: Das Flötenkonzert von Sans-souci 1931: Der kleine Seitensprung 1931: Emil und die Detektive 1931: Ronny 1932: Zwei Herzen und ein Schlag 1932: Mensch ohne Namen 1932: Das schöne Abenteuer 1932: Wie sag’ ich’s meinem Mann? 1933: Morgenrot 1933: Saison in Kairo 1933: Kind, ich freu’ mich auf Dein Kommen 1933: Walzerkrieg 1933: Flüchtlinge 1933: Des jungen Dessauers große Liebe 1934: Die Töchter ihrer Exzellenz 1934: Der junge Baron Neuhaus 1934: Prinzessin Turandot 1935: Barcarole 1935: Amphitryon – Aus den Wolken kommt das Glück 1937: The Great Barrier 1937: Paradise for Two 1940: Verena Stadler
Produktion 1941: Emil, me mues halt rede mitenand! 1942: Menschen, die vorüberziehen... 1942: Gottesmühlen (Steibruch) 1943: Das Leben beginnt (Matura-Reise) 1950: So sind die Frauen 1950: Das doppelte Lottchen 1952: Das weiße Abenteuer 1952: Die Försterchristel 1952: Alraune 1952: Im weißen Rößl 1953: Einmal keine Sorgen haben 1953: Der letzte Walzer 1953: Die vertagte Hochzeitsnacht 1953: Der unsterbliche Lump 1954: Meines Vaters Pferde (2 Teile) 1954: Dieses Lied bleibt bei dir 1954: Das fliegende Klassenzimmer 1954: Die verschwundene Miniatur 1955: Solang’ es hübsche Mädchen gibt 1955: Königswalzer 1956: Rosen für Bettina 1956: Manöverball 1956: Der Bettelstudent 1958: Ich war ihm hörig 1958: Der Sündenbock von Spatzenhausen 1958: Unruhige Nacht 1958: Gräfin Mariza 1959: Paprika 1959: Bei der blonden Kathrein 1960: Im weissen Rössl 1962: Die Försterchristel
Auszeichnungen 1951: Filmband in Gold (Produktion) für Das doppelte Lottchen 1958: Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1971: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Elsass) Kategorie:Person (Stummfilm) Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Korvettenkapitän (Kaiserliche Marine) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Wikipedia:Träger des Bundesverdienstkreuzes (Ausprägung ungeklärt) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1976 Kategorie:Mann