Die Bahnstrecke Vorwohle–Emmerthal ist eine in Teilen stillgelegte private Nebenbahn im Weserbergland in den Landkreisen Holzminden und Hameln.

Der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Emmerthal zur Bahnstrecke Hannover–Altenbeken und Bodenwerder wird durch das Eisenbahninfrastrukturunternehmen Lammert-Reese betrieben. In den 2010er-Jahren wurde der Streckenabschnitt saniert und bis 2019 im regelmäßigen Schienengüterverkehr reaktiviert.

Von der Betriebsstelle Vorwohle an der Bahnstrecke Langeland–Kreiensen bis Bodenwerder-Kemnade ist die Strecke stillgelegt und zwischen Vorwohle und dem ehemaligen Haltepunkt Dielmissen abgebaut und entwidmet.

Geschichte mini|links|Aktie der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft von 1898 Aus dem Niedersächsischen Landesarchiv in Wolfenbüttel finden sich Hinweise, dass zumindest bis in die 1890er-Jahre der Bau einer Nebenbahn von Emmerthal über Vorwohle hinaus bis zur Ilmebahn nach Einbeck erwogen wurde. Diese wurde jedoch nie ausgeführt und die Planung auf die Strecke Vorwohle–Emmerthal beschränkt.NLA WO > 39 T Slg > Vorwohle-Emmerthal (1900). Abgerufen am 26. Februar 2023.

Gemäß Staatsvertrag vom 9. Juni 1897 zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Braunschweig über den Bahnbau erhielt die Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft AG (VEE) mit Sitz in Eschershausen vom Herzogtum Braunschweig am 21. Juni 1898 und vom Königreich Preußen am 6. August desselben Jahres die Konzession für den Bau und den Betrieb ihrer Bahnstrecke.

Die VEE wurde am 25. Mai 1898 von der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft, der Mitteldeutschen Creditbank, der Bahnbaugesellschaft Vering & Waechter sowie dem Kreis Holzminden in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft gegründet. Vering & Waechter erbaute die Bahn und führte nach der Eröffnung am 9. Oktober 1900 zunächst den Betrieb. Der Verkehr entwickelte sich in den ersten Jahren gut, und es konnten Dividenden an die Aktionäre gezahlt werden.

Die Betriebsführung übernahm ab 1. April 1917 eine Tochtergesellschaft von Vering & Waechter, die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft AG (DEBG) in Berlin, die schon früh an der VEE beteiligt war und schließlich im Jahre 1937 rund 97 Prozent der VEE-Aktien besaß. Der Sitz der Gesellschaft wurde 1936 nach Berlin und Ende 1948 nach Bodenwerder verlegt; ab 29. Mai 1951 war er in Hameln.

Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Weserbrücke in Bodenwerder beim Rückzug von der deutschen Wehrmacht am 5. April 1945 gesprengt. Die teilweise wiederaufgebaute Brücke wurde 1947 bei Hochwasser beschädigt. Über vier Jahre lang war hier der Zugverkehr unterbrochen. Zum Sommerfahrplan ab 15. Mai 1949 konnte die Strecke auf einer Ersatzbrücke wieder durchgehend befahren werden.

In den 1960er Jahren begann die DEBG, sich von sämtlichen Aktivitäten im Eisenbahnwesen zu trennen. 1963 wurden die süddeutschen Bahnen an die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft abgegeben, worauf die bisher profitable VEE defizitär wurde, da sie für die nun zu große Verwaltung aufkommen musste. Demgemäß stellte die VEE 1965 und 1966 den Antrag auf Einstellung des Gesamtbetriebs. Diese wurde nur für den Personenverkehr zum 25. September 1966 genehmigt.

Weil die Anlieger wirtschaftliche Nachteile für ihren Standort und eine unzumutbare Belastung der engen Straßen durch verstärkten LKW-Verkehr befürchteten, widersprachen sie und örtliche Politiker einer Einstellung des Güterverkehrs. Dieser musste somit – zunächst in der Form einer Privatanschlussbahn – aufrechterhalten werden, bis in der VEV (siehe unten) ein neues Unternehmen gefunden worden war, das die Bahnanlagen und die Konzession übernahm.

Die Hauptversammlung der VEE beschloss 1967 die Auflösung der Gesellschaft.

Die VEV als Auffanggesellschaft der VEE mini|links|Logo der VEV mini|Streckenanfang im Bahnhof Vorwohle, 1982 Wegen des Rückzugs der DEBG gründeten am 18. Mai 1967 der Landkreis Holzminden, die anliegenden Gemeinden und die örtliche Industrie eine Auffanggesellschaft unter der Bezeichnung Vorwohle-Emmerthaler Verkehrsbetriebe GmbH (VEV).

Die neu gegründete VEV nahm am 2. Dezember 1968 den Personenverkehr zunächst auf dem Teilstück Emmerthal–Bodenwerder-Linse wieder auf. Ab 2. Juni 1969 fuhren die Triebwagen wieder bis Kirchbrak und ab Mai 1974 sogar auf der GesamtstreckeGerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, S. 114, allerdings nicht mit durchschlagendem Erfolg. Am 1. April 1975 wurde er zwischen Kirchbrak und Vorwohle wieder eingestellt, schließlich auch auf dem Abschnitt Emmerthal–Kirchbrak am 25. September 1982.

Der Güterverkehr zwischen Kirchbrak und Vorwohle wurde am 1. September 1982 bis auf ein Reststück bei Vorwohle eingestellt, der Restverkehr wurde ab Jahresbeginn 1986 bis zum Jahr 2000 von der Deutschen Bundesbahn bzw. der Deutschen Bahn mit einer Kleinlok bedient, weil das Frachtaufkommen immer geringer wurde. Mit der Kündigung des Bedienungsvertrags im Jahr 2000 wurde der Güterverkehr bis auf die gelegentliche Bedienung des Kernkraftwerks Grohnde praktisch eingestellt.

Ab 1999 trat die Bahngesellschaft Waldhof als Betriebsführer auf. Im Jahr 2002 übernahm die VEV die Betriebsführung wieder selbst. Nach der Einstellung des Güterverkehrs nutzte das Unternehmen Kaminski in Hameln den Bahnhof Grohnde und andere Nebengleise, um dort Kesselwagen abzustellen. Zum Jahresende 2002 wurde der Abschnitt Bodenwerder–Eschershausen stillgelegt, der Abschnitt zwischen Dielmissen und Vorwohle wurde am 22. Mai 2006 von Bahnbetriebszwecken freigestellt und zurückgebaut.Landkreis Holzminden: Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) - Entwurf - Begründung: Entwicklung der technischen Infrastruktur und der räumlichen Standortpotenziale. 21. Juni 2019, abgerufen am 25. Februar 2023. Zwischen Dielmissen und Buchhagen wird seit 2005 ein Draisinenbetrieb angeboten.

Der Abschnitt Emmerthal–Bodenwerder-Linse war zwar nie stillgelegt oder gesperrt, wurde aufgrund des heruntergekommenen, sanierungsbedürftigen und zuwachsenden Oberbaus ab Mitte der 2000er Jahre aber immer seltener und einige Jahre lang praktisch gar nicht mehr befahren. Ein Sonderzug nach Bodenwerder verkehrte letztmals 2003, seitdem wurde praktisch nur noch der Abschnitt bis Grohnde zur Bedienung des Kernkraftwerks und Abstellung von Kesselwagen genutzt. Das einzige Mal, dass noch einmal ein Zug auf der Strecke verkehrte, war im Juli 2011, als für das geplante Hotelzug-Projekt diverse Waggons des ehemaligen Abenteuerzugs Mecklenburg zur Aufarbeitung nach Dielmissen gebracht wurden. Sie wurden dabei von einem Zweiwegebagger gezogen. 2013 wurde die Infrastruktur Emmerthal–Bodenwerder zur Abgabe ausgeschrieben.

Im März 2014 wurde die VEV-Bahnstrecke zwischen Vorwohle und Emmerthal vollständig privatisiert. Die kommunalen Mehrheitsanteile übernahm die Kultur-Bahnhof Bodenwerder GmbH des Gesellschafters Oliver Victor. Das Unternehmen betreibt bisher auf der Strecke zwischen Buchhagen und Dielmissen den Draisinenverkehr und plant einen Hotelzug auf der Weserbrücke bei Bodenwerder.

Die VEV wurde im August 2014 aufgelöst, seitdem bietet der Liquidator die Grundstücke zum Verkauf an.

2015 wurde der Abschnitt zwischen Bodenwerder-Kemnade und Bodenwerder-Linse stillgelegt.

Sanierung des Abschnitts Emmerthal–Bodenwerder durch Kieswerk Lammert & Reese mini|225 101 und 218 450 der LWC mit Schotterzug zwischen Hehlen und Grohnde Anfang 2015 hatten die Kieswerke im Bereich Hehlen und Bodenwerder ihr Interesse bekundet, die Bahnstrecke wieder herzurichten.

Im März 2015 hat das Kieswerk Lammert & Reese den Streckenabschnitt Emmerthal–Bodenwerder gekauft. Im November 2015 ließ der neue Eigentümer ihn vom umfangreichen Bewuchs freischneiden, auch um festzustellen, wie hoch der Aufwand für eine Wiederinbetriebnahme für den Güterverkehr ist. Anfang Dezember 2015 fuhr, nach 15 Jahren Pause, ein erster Güterzug mit Kies.Erster Kiestransport über alte Gleise, in: DEWEZET vom 9. Dezember 2015

Mit den Erkenntnissen wurden im Februar 2016 Bundeszuschüsse für eine Sanierung beantragt, die im Oktober 2016 schließlich bewilligt wurden. Im Oktober wurden außerdem die Baumaßnahmen ausgeschrieben.Fördergelder für Bahnbau genehmigt, in: DEWEZET vom 21. Oktober 2016 mini|Nach der erfolgten Sanierung sind im Bahnhof Grohnde alle drei Gleise wieder nutzbar.

Die Sanierung des Abschnitts von der Anschlussstelle KKW Grohnde bis zum Kieswerk in Bodenwerder begann am 2. Januar 2017 und wurde am 15. Dezember 2017 abgeschlossen. Im Bahnhof Grohnde wurden alle drei Gleise erhalten bzw. wiederhergestellt. Der Bahnhof Grohnde wurde mit der Anschlussstelle zum Kernkraftwerk Grohnde betrieblich zusammengefasst. Der Anschluss Kalkwerk Hehlen sowie die Bahnhöfe Hajen und Hehlen wurden bis auf das durchgehende Hauptgleis zurückgebaut. Im Kieswerk wurden noch ein Umfahrgleis und die Verladeanlage neu gebaut.

Am 7. März 2018 war die Strecke soweit befahrbar, dass der erste kommerzielle Zug verkehren konnte, in Grohnde wurde Sturmholz verladen und nach Österreich transportiert. Bis ins Frühjahr 2019 fuhr daraufhin im Schnitt ein Ganzzug pro Monat von Grohnde ab – nicht nur nach Österreich, sondern auch nach Schweden.Reaktivierte Bahntrasse gilt als Glücksfall, in: DEWEZET vom 19. Dezember 2018

Der erste Kieszug erreichte das Kieswerk am 12. März 2019. Hierbei wurden die Verladeanlage und der neu beschaffte Vollert-Rangierroboter in Betrieb genommen. Der Planverkehr wurde im Juni 2019 aufgenommen.Kieswerk setzt auf die Schiene, in: DEWEZET vom 15. Februar 201914.800 LKW-Fahrten weniger, in: DEWEZET vom 17. Februar 2019Reguläre Kiestransporte ab April erwartet, in: DEWEZET vom 13. März 2019Der Kies ist nun am Zug, in: DEWEZET vom 12. Juli 2019

Die noch aus VEV-Zeiten bestehende technische Sicherung des Bahnübergangs über die Bundesstraße 83 war nicht mehr funktionsfähig und wurde daher zurückgebaut. Vom 25. März bis 30. April 2019 wurde eine technische Sicherung mit Lichtzeichen und Halbschranken nach aktuellen Standards installiert. Bis zu deren Inbetriebnahme am 30. April wurde der Bahnübergang nur mit Postensicherung befahren.

Infolge der erfolgreichen Reaktivierung der Strecke Bodenwerder-Emmerthal für den Güterverkehr wird von der örtlichen Politik auch die Wiedereinführung des Personenverkehrs auf diesem Abschnitt diskutiert. Im Oktober 2023 erreichte die Strecke als eine von 14 in ganz Niedersachsen die zweite Stufe im Landesprogramm zur Reaktivierung von Bahnstrecken in Niedersachsen, wodurch eine Reaktivierung im Personenverkehr wahrscheinlicher wird.

Strecke { "type": "ExternalData", "service": "geoline", "ids": "Q1263252", "properties": { "title": "Vorwohle–Emmerthal", "stroke": "#000000", "stroke-width": 2

Die normalspurige eingleisige Strecke von Emmerthal über Bodenwerder und Eschershausen zum Bahnhof Vorwohle erreichte eine Länge von 31,8 km, wovon in Preußen 9 km und in Braunschweig 23 km lagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Einzugsbereich der Bahn zu den niedersächsischen Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden.

Die Trasse folgt in ihrem ersten Teil ab Emmerthal der Weser aufwärts bis Bodenwerder-Kemnade und überquerte auf einer mächtigen Brücke den Fluss zum Betriebsmittelpunkt in Bodenwerder-Linse; dort befanden sich das Bahnbetriebswerk Linse, das neben der VEE auch für die VDD zuständig war und Arbeiten für süddeutsche DEBG-Bahnen ausführte, ferner Schuppen und größere Gleisanlagen.

Von Bodenwerder-Linse stieg die Trasse im Lennetal zwischen den Bergzügen Ith, Hils und Vogler nach Vorwohle an; hinter Wickensen kam es zu Steigungen von 1:50.

Von den zahlreichen Anschlüssen waren außer einer Zweigstrecke vom Bahnhof Lenne zur Güterladestelle Lenne (0,7 km) noch Stichstrecken vom Bahnhof Bodenwerder-Linse zum Weserhafen (0,5 km) sowie ein Industriestammgleis, das zu weiteren Industriebetrieben im Süden Bodenwerders, darunter der Arminiuswerft und dem Rigipswerk, führte, von Bedeutung.