mini|Der Herzog von Alba auf einem Gemälde von Willem Key rahmenlos|zentriert|128px|klasse=skin-invert-image
Don Fernando Álvarez de Toledo y Pimentel, 3. Herzog von (Duque de) Alba (* 29. Oktober 1507 in Piedrahíta, Kastilien; † 11. Dezember 1582 in Lissabon) war ein spanischer Adliger, Feldherr und Staatsmann im Dienste des Kaisers und spanischen Königs Karl V. und dessen Sohnes, des spanischen Königs Philipp II. Er gilt als einer der herausragenden militärischen und diplomatischen Diener der spanischen Krone des 16. Jahrhunderts und ist vor allem wegen seiner Stellung im Achtzigjährigen Krieg bekannt. In den Niederlanden unterdrückte er den Aufstand gegen die spanische Herrschaft so brutal, dass er später auch der „Eiserne Herzog“Siehe nur die Buchtitel: Walther Kirchner: Alba. Spaniens eiserner Herzog (= Persönlichkeit und Geschichte. Bd. 29). Musterschmidt, Göttingen u. a. 1963; Manuel Fernández Álvarez: El Duque de Hierro. Fernando Álvarez de Toledo, III duque de Alba. Espasa Calpe, Madrid 2007, ISBN 978-84-670-2625-2. genannt und zu einem zentralen Feindbild der „schwarzen Legende“ wurde.
Leben mini|Anthonis Mor: Porträt des Herzogs von Alba, 1549 (Ausschnitt)
Herkunft Fernando entstammte dem Haus Álvarez de Toledo, der Familie der Herzöge von Alba. Er war der Sohn von Don Garcia Álvarez de Toledo († 1512), Marqués de Coria, und Beatriz de Pimentel, und Enkel des 2. Herzogs von Alba, Fadrique Álvarez de Toledo.
Frühe Jahre Bereits als Jugendlicher nahm er 1525 an der Schlacht bei Pavia teil und erhielt dafür eine Auszeichnung. Von Kaiser Karl V. zu einem militärischen Kommando berufen, nahm er an der erfolgreichen Belagerung von Tunis 1535 teil.
Daraufhin wurde er einer der engsten Berater des Kaisers und war in dieser Funktion zu einem der wichtigsten Würdenträger bei Hofe geworden. Während der Abwesenheit des Kaisers wurde er für den Kronprinzen von Spanien zu einer wichtigen Stütze.
Schmalkaldischer Krieg Unter Kaiser Karl V. war er siegreicher Heerführer gegen den Schmalkaldischen Bund und siegte 1547 in der entscheidenden Schlacht bei Mühlberg vollständig über die protestantische Seite, die von Johann Friedrich von Sachsen angeführt wurde. Dieser Sieg trug wegen des politisch ungeschickten Verhaltens des Kaisers keine weitreichenden Früchte. 1554 wurde Alba von Karl V. an den englischen Hof geschickt, um dort des Kaisers Sohn Philipp II. diplomatisch zu unterstützen, der zu diesem Zeitpunkt mit der englischen Königin Maria I. verheiratet war und den Titel eines Königs von England trug.
In die Zeit des Schmalkaldischen Krieges fällt die Einführung des burgundischen Hofzeremoniells am spanischen Königshof. Alba erhielt als erster die führende Stellung des Oberhofkämmerers. Im Jahr 1546 wurde er zum Ritter vom Goldenen Vlies geschlagen.
Frankreich- und Italienfeldzug mini|„Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba“ von Peter Paul Rubens (1628)
Sechs Jahre später (1552) wurde Fernando Álvarez de Toledo mit dem Kommando über die Armee betraut, die Frankreich erobern sollte. In der Folge war er einige Monate gegen seinen Willen mit der erfolglosen Belagerung von Metz beschäftigt, da er lieber in offener Feldschlacht gegen die Franzosen vorgegangen wäre, der Kaiser jedoch die Festung und Stadt Metz wieder zurückgewinnen wollte. Als Folge des Erfolgs der französischen Waffen im Piemont wurde er zum Generalkommandeur der kaiserlichen Truppen in Italien mit unbeschränkter Macht befördert. Als seine ersten Angriffe relativ erfolglos blieben, wurde er zum Rückzug in sein Winterquartier gezwungen. Nach der Abdankung von Karl V. verlängerte Philipp II. sein Kommando, hielt ihn jedoch von extremen Maßnahmen ab, da Alba dem Papst schon schriftlich mit der Eroberung von Rom gedroht hatte. Er unterwarf Kampanien und stand vor den Toren Roms, als Philipps Befehle ihn zwangen, den Frieden von Cave-Palestrina (12. September 1557) auszuhandeln, wodurch auch Papst Paul IV. zum Nachgeben gezwungen war. Der Papst musste Spaniens Hegemonie in Süditalien anerkennen und sich von weiteren Bündnissen mit Frankreich und den Moslems in Konstantinopel abwenden.
Gesandter Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis entsandte ihn der König 1559 an der Spitze einer glänzenden Gesandtschaft nach Paris, um im Namen seines Herrschers um Elisabeth von Valois, die Tochter des französischen Königs Henri II. zu werben. Die Werbung war erfolgreich und Alba schloss in Vertretung Philipps (per procurationem) die Ehe für diesen mit ihr.
Statthalter der Niederlande mini|Ankunft des Herzogs von Alba in Rotterdam 1567 (von Eugène Isabey, 1844) mini|300px|Alba präsidiert dem Blutrat. Druckgraphik von Simon Frisius, 1612 mini|Eine Streitschrift der aufständischen Niederländer, ca. 1572: Hy nempt met gewelt den ryckdom van / Het land ende heeft veel ontschuldich / Bloet laten hangen ende branden / Hy heeft ock egmont ende horn dat leven / Genomen ende den heelen edeldom onder bracht / Dat wort van borger en boeren beclaecht – „Er nimmt mit Gewalt den Reichtum des Landes und hat viel unschuldig Blut hängen oder verbrennen lassen. Er hat auch Egmont und Horn das Leben genommen und den ganzen Adel erniedrigt, das wird von Bürgern und Bauern beklagt.“ Neben dem Herzog eine vielköpfige Hydra mit den Köpfen des Herzogs von Guise, des spanischen Kardinal-Ministers Granvelle und des Herzogs von Lothringen (loreyne), zu seinen Füßen die Leichen der hingerichteten Philippe de Montmorency, Graf von Hoorn und Graf Lamoral von Egmond. mini|Der Herzog von Alba im hohen Alter, gestochen von Frans Hogenberg
Von 1567 bis 1573 war Alba Statthalter der Spanischen Niederlande und Nachfolger der Halbschwester des Königs, Margarethe von Parma. In den Niederlanden war es 1566 zu einem calvinistischen Bildersturm gegen die katholischen Kirchen gekommen; hunderte von Kirchen waren verwüstet worden. Alba bekam vom spanischen König Philipp II., dem Landesherrn der Niederlande, den Auftrag, die öffentliche Ordnung und die Vormachtstellung der katholischen Kirche wiederherzustellen und die Verantwortlichen für den Bildersturm zu bestrafen.
Dazu richtete Alba ein Sondergericht unter dem Namen „Rat der Unruhen“ ein, das im Volk „Blutrat“ genannt wurde.Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Politik – Verfassung – Wirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07082-8, S. 63. Es stand unter der direkten Kontrolle Albas und ersetzte de facto die bisherige Gerichtsbarkeit, eine Berufung gegen die Urteile war nicht möglich. Das Sondergericht verurteilte von 1567 bis 1573 schätzungsweise 9000 Menschen und ließ viele hinrichten.Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. Regensburg 2009, S. 32. Angaben zur Anzahl der Opfer reichen von 1073 bis zu „mehrere Tausend“. Die bekanntesten Opfer des Blutrats waren die Grafen Lamoral Graf von Egmont und Philippe van Hoorn. Das setzte einen gewaltigen Flüchtlingsstrom von 60.000 Bewohnern der Niederlande in Gang.Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. Regensburg 2009, S. 34.
Außerdem versuchte Alba, Kontrolle über die Buchdruckereien in einem Teil Europas zu erlangen, in dem der Buchdruck die Quelle abweichender Meinungen war und als Massenmedium die Masse der Bevölkerung erreichen konnte. Einige Drucker ließ er verbannen, einen sogar exekutieren. Buchdrucker und -händler wurden durchsucht, um verbotene Schriften und Bücher zu finden. Viele neue Bücher wurden zusätzlich auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt, den päpstlichen Zensurindex für verbotene Bücher.
Albas Unterdrückungsmaßnahmen waren zunächst erfolgreich, vorübergehend beruhigte sich die Lage. Zwischen 1569 und 1571 verfügte Alba jedoch die Einführung von drei Sondersteuern, darunter den besonders umstrittenen sogenannten „tiende penning“ (zehnter Pfennig), eine zehnprozentige Sondersteuer auf alle Verkäufe. Er plante mit ihnen die traditionelle Zustimmungspflichtigkeit der Generalstände zu umgehen, was deren heftigen Widerstand hervorrief.Martin van Gelderen: The Political Culture of the Dutch Revolt 1555–1590. Cambridge University Press, Cambridge 1992, S. 40 f.
Alba ging daraufhin militärisch gegen die aufständischen Städte vor und begann damit den Achtzigjährigen Krieg. In mehreren Feldzügen gelang es ihm, die niederländischen Unabhängigkeitskämpfer militärisch zu schlagen oder zum Rückzug zu bewegen. In der Schlacht von Jemgum vernichteten seine Truppen den größten Teil der Rebellenarmee. Daher vermieden es die Rebellen ab 1570, sich offenen Feldschlachten zu stellen und begannen einen Guerillakrieg.
Als 1572 die sogenannten Geusen, Freibeuter, die sich auf die Seite Wilhelms von Oranien gestellt hatten, die holländische Hafenstadt Den Briel eroberten, schlugen sich binnen weniger Wochen fast alle Städte in den Provinzen Holland und Zeeland auf die Seite des Rebellenführers.
Die kostspieligen Belagerungen, die darauf folgten, führten zu einer Erschöpfung der spanischen Finanzen und zum Staatsbankrott. Alba agierte dabei weiter mit großer Brutalität. Dabei machte er einen entscheidenden strategischen Fehler: Obwohl er den Bewohnern des Festungsstädtchens Naarden bei Amsterdam zugesichert hatte, ihr Leben zu schonen, wenn sie freiwillig kapitulieren sollten, ließ er die Bevölkerung töten. Daraufhin leisteten ihm die holländischen Städte entschlossenen Widerstand.Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. Regensburg 2009, S. 39 ff.
Im Jahr 1572 entstand das Vaterunser von Gent als Schmähgebet gegen Alba: Teufel unser, der zu Brüssel du haust, verflucht sei dein Name, vor dem uns graust; von uns dein Reich sich wende zu lang ersehntem Ende; dein Wille mag nie erfüllet werden, wie nicht im Himmel, so nicht auf Erden. Du nimmst uns heute unser täglich’ Brot, Weiber und Kinder leiden viel Not; keinem erläßt Du seine Schuld, drum bewahr’ uns alle vor deiner Huld. Stets wirst du uns in Versuchung führen, so lang diese Lande dein Wüten spüren. Himmlischer Vater, der über uns thront, mach, daß dieser Teufel uns verschont, samt seinem falschen, blutigen Rat, der stets nur Böses im Sinne hat, und schick’ seine spanische Kriegermeute zurück in die Hölle, dem Satan zur Beute. Amen.Wieland Eschenhagen, Gabriele Intemann: Chronik-Handbuch Personen der Weltgeschichte. 1995, S. 19.
Alba wurde 1573 auf eigenen Wunsch von Philipp II. abberufen und durch Luis Requesens ersetzt.Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Politik – Verfassung – Wirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, S. 64. „Löst mich von diesem Posten ab und holt mich hier raus, und wenn dies nicht möglich ist, dann erschießt mich und räumt mich so aus dem Weg“, so wird er zitiert.Zitiert nach Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. Regensburg 2009, S. 42.
Letztlich scheiterte Alba in den Niederlanden, weil er durch sein brutales Regime und seine marodierenden Söldner den Widerstand auf breiter Front erst entfachte und zuvor an der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung desinteressierte Bürger zur Rebellion brachte. So fiel er gerade durch den Misserfolg dieser Mission beim König in Ungnade. Sein Siegesmonument im Hof der Zitadelle von Antwerpen wurde bereits 1574 entfernt.Cornelia Manegold: Clementia principis. Intention und Rezeption des Standbildes für Fernando Álvarez de Toledo, Dritter Herzog von Alba (1507-1582). In: Martin Espenhorst (Hrsg.): Unwissen und Missverständnisse im vormodernen Friedensprozess. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-10127-8, S. 41–70. Er selbst wurde nach seiner Rückkehr aus den Niederlanden bis zum Portugal-Feldzug 1580 samt Familie zeitweilig vom Hof verbannt, da sein Sohn Fadrique unerlaubterweise seine Cousine María de Toledo geheiratet hatte.
Portugalfeldzug und Tod