mini|Georg VI. (offizielles Hofporträt um 1940) rahmenlos|rechts|Signatur Georg VI. (), gebürtig Prince Albert Frederick Arthur George of York (* 14. Dezember 1895 in York Cottage, Sandringham, Norfolk; † 6. Februar 1952 ebenda) aus dem Haus Windsor (bis 1917 Haus Sachsen-Coburg und Gotha) war vom 11. Dezember 1936 bis zu seinem Tod König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und der Dominions, Oberhaupt des British Commonwealth of Nations, bis 1948 letzter Kaiser von Indien und bis 1937/1949 letzter König von Irland. Er war der Vater von Königin Elisabeth II., die ihm von 1952 bis 2022 nachfolgte, und Großvater von König Charles III.
Georg VI. bestieg den britischen Thron am 11. Dezember 1936, nachdem sein älterer Bruder, Eduard VIII., zugunsten einer Heirat mit der geschiedenen US-Amerikanerin Wallis Simpson abgedankt hatte (Abdankungskrise). Seine Regierungszeit war geprägt vom Zweiten Weltkrieg, in dem er gemeinsam mit Premierminister Winston Churchill eine wichtige symbolische Rolle für den nationalen Zusammenhalt spielte. Unter Georgs Herrschaft wandelte sich das Britische Empire zunehmend zum Commonwealth of Nations.
Leben Herkunft und Jugend mini|Vier britische Könige – Georg V., Eduard VIII., Georg VI. und Eduard VII. um 1908 (von links) mini|Der junge Albert of Wales Prince Albert of York wurde am 14. Dezember 1895 in York Cottage, dem väterlichen Anwesen auf dem königlichen Landsitz Sandringham (Grafschaft Norfolk), geboren. Er war der zweite Sohn des Prinzen Georg, Duke of York und dessen Gemahlin Prinzessin Maria von Teck. Albert hatte insgesamt fünf Geschwister: Edward, genannt David, Prince of Wales (* 23. Juni 1894; † 28. Mai 1972), als Eduard VIII. 1936 König, nach seiner Abdankung Duke of Windsor Mary, Princess Royal (* 25. April 1897; † 28. März 1965) Henry, Duke of Gloucester (* 31. März 1900; † 10. Juni 1974) George, Duke of Kent (* 20. Dezember 1902; † 25. August 1942) Prince John (* 12. Juli 1905; † 18. Januar 1919)
Die Taufe fand am 17. Februar 1896 durch John Sheepshanks, Bischof von Norwich, in der Kirche St Mary Magdalene in Sandringham statt. Seine Taufpaten waren Königin Victoria, Kaiserin Victoria, Großherzog Friedrich Wilhelm II. und Großherzogin Augusta von Mecklenburg-Strelitz, Kronprinz Friedrich von Dänemark, Prinz Arthur, 1. Duke of Connaught and Strathearn, Prinzessin Louise, Duchess of Fife und Prinz Adolphus von Teck.
Väterlicherseits war er ein Urenkel der regierenden britischen Königin Victoria und stand am Tage seiner Geburt hinter seinem Großvater Albert Eduard, dem Vater und dem älteren Bruder Eduard an vierter Stelle der Thronfolge. Seinen Vornamen Albert erhielt er in Gedenken an seinen Urgroßvater Prinz Albert (den Ehemann Queen Victorias), da er an dessen 34. Todestag geboren war. 1898 verlieh Königin Victoria den Nachkommen des Duke of York die Anrede „Königliche Hoheit“ (Royal Highness) und erließ die entsprechenden Letters Patent.
Wie für Nachkommen aus dem Hochadel seiner Zeit üblich, wuchs Albert, in Familienkreisen „Bertie“ genannt, unter der Aufsicht von Kindermädchen und Hauslehrern auf. Dem viktorianischen Zeitgeist entsprechend, erhielt Albert eine strenge, von Pflichtbewusstsein geprägte Erziehung und emotionale Zuwendung galt als zweitrangig. Seine Mutter legte großen Wert auf Disziplin und religiöse Pflichterfüllung, während sein Vater als reserviert und fordernd beschrieben wurde. Die distanzierte Atmosphäre im Elternhaus sowie häufige Ortswechsel zwischen den königlichen Residenzen prägten Alberts Kindheit nachhaltig. Als Kind war er von eher schüchterner und sensibler Natur. Dazu litt er unter gesundheitlichen Problemen, darunter Magenbeschwerden und einer ausgeprägten Neigung zum Stottern, die ihn sein Leben lang begleiten sollte. Zudem war Alberts Linkshänder, wurde jedoch – wie damals üblich – zum Schreiben mit der rechten Hand angehalten. Auch seine X-Beine machten schmerzhafte Behandlungen erforderlich. Diese Erfahrungen verstärkten seine Unsicherheit, förderten jedoch zugleich Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Durchhaltevermögen und ein starkes Verantwortungsgefühl. Zu seinem älteren Bruder Eduard, innerhalb der Familie David genannt, entwickelte er ein enges Verhältnis.
Nach dem Tod Victorias (1901) und des Großvaters Eduard VII. (1910) bestieg Alberts Vater am 6. Mai 1910 als Georg V. den britischen Thron. Eduard wurde im selben Jahr zum Prince of Wales ernannt und war damit offiziell Thronfolger. Für den schüchternen Albert schien zu diesem frühen Zeitpunkt klar, dass er selbst niemals König werden wollte und würde.
Vor der Thronbesteigung mini|Prinz Albert als Marineoffizier 1909 trat der dreizehnjährige Albert als Seekadett in die Royal Navy ein und besuchte zunächst das Royal Naval College in Osborne (Isle of Wight) sowie ab 1911 das Britannia Royal Naval College in Dartmouth. Der Prinz, der mit seinen Geschwistern in der sozialen Isolation königlicher Residenzen aufgewachsen war, kam nun erstmals mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt. Nach dem Abschluss der theoretischen Ausbildung diente Albert die ersten sechs Monate des Jahres 1913 auf dem Kadettenschulschiff Cumberland und bereiste die Karibik sowie die kanadische Ostküste. Im September 1913 wurde er dem Schlachtschiff Collingwood zugeteilt, das im Mittelmeer stationiert war.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die HMS Collingwood als Teil der Grand Fleet mit der Verteidigung der Britischen Inseln beauftragt, allerdings mit der Auflage, dass Prinz Albert keiner direkten Gefahr für Leib oder Leben ausgesetzt werden dürfe. Seiner eingeschränkten Verwendungsmöglichkeit zum Trotz nahm er im Sommer 1916 als Beobachter an der Seeschlacht im Skagerrak (31. Mai/1. Juni) teil und wurde ausgezeichnet (Mentioned in dispatches). Während des Krieges litt er weiterhin unter seiner anfälligen Gesundheit und musste sich wegen chronischer Darmbeschwerden im November 1917 einer Operation unterziehen, weshalb er keine weiteren Kriegshandlungen mehr aus nächster Nähe beobachten konnte. Auf eigenen Wunsch wurde er nach seiner Genesung im Februar 1918 dem neu aufgestellten Royal Naval Air Service zugeteilt und nach der Gründung der Royal Air Force als eigenständiger Teilstreitkraft von ihr übernommen. Bis zum August 1918 diente er der „Squadron of The Boy's Wings“ in Cranwell, wo er als erstes Mitglied der Königsfamilie eine Pilotenausbildung absolvierte und damit eine Tradition begründete, welche die Windsor-Prinzen bis heute fortführen. Die letzten Kriegswochen bis zum November 1918 verbrachte Albert als Generalstabsoffizier im Hauptquartier der Royal Air Force im französischen Nancy.
Im Oktober 1919 verabschiedete sich Albert aus dem aktiven Militärdienst, um am Trinity College der University of Cambridge Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Staatslehre zu studieren. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied im Bund der Freimaurer (Navy Lodge, No. 2612)., Freemasonry Today vom 1. Mai 2011, abgerufen am 23. Oktober 2012. Am 4. Juni 1920 verlieh ihm sein Vater den Titel Duke of York, der traditionell dem zweitgeborenen Sohn des britischen Königs zukommt. Mit dieser Ernennung ging die Übernahme offizieller Pflichten für die Monarchie einher. Obwohl Albert sich lieber im Hintergrund hielt und privaten Interessen wie Jagd, Angeln oder Tennis nachging, nahm er seine Aufgaben sehr pflichtbewusst und gewissenhaft wahr. Als Präsident der Industrial Welfare Society besuchte er eine Vielzahl von Kohleminen, Fabrik- und Bahnanlagen und zeigte dabei echtes Interesse an den Arbeitsbedingungen der Arbeiter, was ihm den Spitznamen „Industrial Prince“ einbrachte. Allerdings waren Alberts Auftreten und Habitus weit weniger eindrucksvoll als die seines Bruders Eduard, und sein Stottern machte öffentliche Auftritte oder Reden zur Qual. Nach einer desaströsen Abschlussrede vor 100.000 Menschen im Wembley-Stadion anlässlich der British Empire Exhibition (31. Oktober 1925) überredete ihn seine Ehefrau, eine Therapie bei dem unkonventionellen Sprachtherapeuten Lionel Logue zu beginnen. Logue betreute den Duke of York fortan regelmäßig und bereitete ihn auch später als König gezielt auf öffentliche Ansprachen vor. Als Albert 1927 das australische Parlament in Canberra eröffnete, hatte sich seine Sprechfähigkeit merklich verbessert.
Ehe und Familie mini|hochkant|Hochzeitsfoto (1923) Am 26. April 1923 heiratete Prinz Albert die schottische Adlige Lady Elizabeth Bowes-Lyon, die jüngste Tochter von Claude Bowes-Lyon, 14. Earl of Strathmore and Kinghorne und dessen Ehefrau Cecilia Cavendish-Bentinck, in Westminster Abbey. Das Paar hatte sich 1920 bei einem Ball der höheren Gesellschaft kennengelernt. Zunächst hatte Elizabeth einer Heirat in die Königsfamilie skeptisch gegenübergestanden und den dritten Heiratsantrag erst angenommen, als Albert erklärte, dass er keine andere Frau heiraten werde. Obwohl Lady Elizabeth eine Nachfahrin von König Heinrich VII. (1457 bis 1509) war und der schottischen Aristokratie entstammte, galt sie per Hausgesetz der Windsors als Bürgerliche. Der Ehe entstammen zwei Töchter: Elisabeth Alexandra Mary (* 21. April 1926; † 8. September 2022), 1952 bis 2022 als Elisabeth II. Königin von Großbritannien und Nordirland, ⚭ 1947 Philip, Duke of Edinburgh Prinzessin Margaret Rose, Countess of Snowdon (* 21. August 1930; † 9. Februar 2002), ⚭ 1960–1978 Antony Armstrong-Jones, 1. Earl of Snowdon
Herrschaftsantritt mini|hochkant|Georg VI. (1939)
Am 20. Januar 1936 starb Georg V., und als ältester Sohn folgte ihm Eduard VIII. nach. Da der ledige Eduard noch ohne Nachkommen war, stieg Albert als Duke of York zum präsumptiven Thronfolger auf. Im Verlauf des Jahres wurde offensichtlich, dass der König eine Beziehung zu der zweifach geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson pflegte. Als Eduard Premierminister Stanley Baldwin am 16. November 1936 davon in Kenntnis setzte, die bürgerliche Mrs. Simpson heiraten zu wollen, begann sich eine Verfassungskrise abzuzeichnen. Da die britische Regierung und die Regierungen der selbstverwaltenden Dominions der Heirat nicht zustimmten, erschütterte die Krise die britische Monarchie in ihren Grundfesten. Der König war jedoch entschlossen, Wallis Simpson zu seiner Ehefrau zu machen und damit private Bedürfnisse über die Belange der Monarchie zu stellen. Deshalb verzichtete er nach nur elf Monaten Regierungszeit am 11. Dezember 1936 auf die Krone und dankte ab. Mit der Abdankung seines Bruders fiel die Königswürde an Albert. Einen Tag später erschien er vor dem Accession Council im St James’s Palace, der ihn offiziell zum König proklamierte und ihm den Treueid abnahm. Um der Bevölkerung eine gewisse Kontinuität zu vermitteln, und als Geste des Respekts gegenüber seinem Vater wählte Prinz Albert den Titel Georg VI. Sein Bruder verließ nach seiner Abdankung umgehend das Land und ging ins Exil nach Frankreich, wo er Wallis Simpson 1937 heiratete. Georg verlieh seinem Bruder den Titel Duke of Windsor, versagte dessen Frau jedoch die Anrede „königliche Hoheit“.
Georg VI. wurde am 12. Mai 1937 in Westminster Abbey durch den Erzbischof von Canterbury, Cosmo Gordon Lang, mit der Edwardskrone gekrönt (siehe auch Liste der Teilnehmer an der Krönungsprozession 1937). Entgegen der Tradition wohnte seine Mutter, Königin Mary, der Krönung bei, um offen moralische Unterstützung für ihren Sohn zu zeigen. Wegen nationaler Spannungen und Unabhängigkeitsbestrebungen verzichtete Georg auf eine Kaiserkrönung in Britisch-Indien. Zusätzlich hätte eine kostspielige Krönungszeremonie bei einem Durbar (Hoftag) in Delhi den indischen Staatshaushalt belastet.
Regierungszeit 1936 bis 1952 mini|Field Marshal Bernard Montgomery (li.) und Georg VI. (15. Oktober 1944)
mini|Georg VI. (re.) mit Clement Attlee, 1945