mini|Georg V. (Foto von 1923) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von König Georg V. Georg V. (englisch: George V, gebürtig HRH Prince George Frederick Ernest Albert of Wales; * 3. Juni 1865 in Marlborough House, City of Westminster, London; † 20. Januar 1936 in Sandringham House, Norfolk) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha war vom 6. Mai 1910 bis zu seinem Tod König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland (ab 12. April 1927 Nordirland), König der britischen Dominions sowie Kaiser von Indien.

Aufgrund des innenpolitischen Drucks während des Ersten Weltkriegs änderte Georg V. am 17. Juli 1917 den anglisierten Namen seiner Dynastie Saxe-Coburg and Gotha in den bis heute verwendeten Namen Windsor.

Leben

Herkunft mini|175px|Im Alter von 5 Jahren HRH Prince George of Wales war der zweite Sohn des britischen Kronprinzen Albert Eduard, Prince of Wales (ab 1901 Eduard VII.) und dessen Gemahlin Alexandra von Dänemark. Er wurde am 3. Juni 1865 in der Londoner Stadtresidenz Marlborough House geboren.

Väterlicherseits war Georg ein Enkel der regierenden britischen Königin Victoria und stand hinter seinem Vater und dem älteren Bruder Albert Victor an dritter Stelle der Thronfolge. Mütterlicherseits stammte er von Dänemarks König Christian IX. ab, der den Beinamen Schwiegervater Europas trug. Aufgrund der Heiratspolitik seiner Großeltern bestanden zu zahlreichen europäischen Herrscherfamilien enge Verwandtschaftsbeziehungen. Georg war beispielsweise mütterlicherseits ein Cousin des russischen Zaren Nikolaus II., dem er äußerlich sehr ähnlich sah, und väterlicherseits ein Cousin des Deutschen Kaisers Wilhelm II.

Der Erzbischof von Canterbury, Charles Longley, taufte ihn am 7. Juli 1865 in der Privatkapelle von Windsor Castle nach dem Ritus der Kirche von England auf den Namen George Frederick Ernest Albert. Seine Taufpaten waren König Georg V. von Hannover, Königin Louise von Dänemark, Kronprinz Friedrich von Dänemark, Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, Prinzessin Augusta, Duchess of Cambridge, Prinz George, 2. Duke of Cambridge, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha und Fürst Ernst zu Leiningen.

Frühe Jahre mini|175px|Georg als junger Prinz mini|Georg als Offizier der Royal Navy (1885) Bis zum sechsten Lebensjahr waren Kindermädchen und Gouvernanten für die Erziehung Georgs und seines siebzehn Monate älteren Bruders Albert Victor (genannt „Eddy“) verantwortlich. Auf Anweisung des Prince of Wales genossen seine fünf Nachkommen – neben den Prinzen hatte das Thronfolgerpaar mit Louise, Victoria und Maud noch drei Töchter – eine ungezwungene und liberale Erziehung, der es stark an Disziplin fehlte, weshalb sich Königin Victoria häufig über das schlechte Benehmen ihrer Enkel beklagte. Ab 1871 unterstand die Erziehung dem anglikanischen Geistlichen John Neale Dalton, der den beiden Prinzen die nächsten zwölf Jahre als Hauslehrer zur Seite stand, sich für diese Aufgabe jedoch nur bedingt geeignet zeigte. Dalton gelang es nicht, das Interesse der Prinzen an den Lerninhalten zu wecken, weshalb die schulischen Leistungen Georgs und insbesondere Albert Victors als unterdurchschnittlich beschrieben wurden.

Im September 1877 traten die Prinzen in die Royal Navy ein. Als Seekadetten auf dem Schulschiff HMS Britannia in Dartmouth durchliefen sie eine militärische Ausbildung, die sich durch Drill, strenge Disziplin und eine spartanische Lebensführung auszeichnete. Anschließend begaben sie sich zur weiteren Ausbildung in Begleitung Daltons an Bord der Panzerkorvette HMS Bacchante auf eine dreijährige Weltreise (1879–1882). Dabei bereisten sie die Westindischen Inseln, Virginia, Südamerika, die Falklandinseln, Australien, die Fidschis, Japan, Ceylon, die Kapkolonie, Aden, Ägypten, Palästina und das Mittelmeer. Zur Verbesserung ihrer mangelhaften Französisch- und Deutschkenntnisse schloss sich nach ihrer Rückkehr ein sechsmonatiger Sprachaufenthalt in Lausanne an, der jedoch nicht den gewünschten Erfolg erzielte.

1883 wurden die Brüder voneinander getrennt. Während Albert Victor das Trinity College der University of Cambridge besuchte, verfolgte Georg weiterhin seine Offizierskarriere in der Royal Navy. Nach dem Besuch des Royal Naval College in Greenwich diente er von 1886 bis 1888 der Mediterranean Fleet auf Malta, dem größten Flottenverband des Vereinigten Königreichs. Oberbefehlshaber war sein Onkel Alfred, Duke of Edinburgh. Mit der Übernahme eines Torpedoboots (HMS Torpedo Boat no. 75) erhielt Georg 1889 sein erstes eigenes Kommando, 1890 befehligte er das Kanonenboot HMS Thrush im Nordatlantik (Atlantic Fleet). Im August 1891 wurde er zum Commander befördert und erhielt den Befehl über den Geschützten Kreuzer HMS Melampus.

Der plötzliche Tod Albert Victors am 14. Januar 1892 beendete Georgs Marinekarriere, der nunmehr zum designierten Thronerben seines Vaters aufrückte. Zum Ausdruck seiner dynastischen Bedeutung verlieh Königin Victoria ihrem Enkel am 24. Mai 1892 den Adelstitel des Duke of York. Dadurch erhielt Georg einen Sitz im House of Lords, ein Appartement im Londoner St James’s Palace (York House) und den Landsitz York Cottage auf dem väterlichen Anwesen in Sandringham. Zur Vorbereitung auf seine künftige Rolle wurde Georg durch den Universitätsprofessor Joseph Robson Tanner in Verfassungsgeschichte unterrichtet, wobei das Standardwerk The English Constitution (1867) von Walter Bagehot den zentralen Lerninhalt darstellte. Der Verfassungstheoretiker Bagehot schrieb dem konstitutionellen Monarchen generell drei grundlegende Rechte zu: „Das Recht, angehört zu werden, das Recht, Rat zu erteilen und das Recht zu warnen.“Walter Bagehot: The English Constitution. Abschnitt III.2. Zitat: To state the matter shortly, the sovereign has, under a constitutional monarchy such as ours, three rights-the right to be consulted, the right to encourage, the right to warn. And a king of great sense and sagacity would want no others. He would find that his having no others would enable him to use these with singular effect. gutenberg.org.

Ehe und Nachkommen mini|175px|Hochzeitsfoto des Paares mini|175px|Albert, Mary, Edward (oben, von links), John, Henry, George (unten, von links) um 1910

Während seiner Stationierung auf Malta war Georg häufig im San Anton Palace, der Residenz seines Onkels Alfred, zu Gast. Dabei verliebte er sich in seine Cousine Mary of Edinburgh (Missy) und hielt um ihre Hand an. Sowohl Maries als auch Georgs Vater stimmten der Verbindung zu, jedoch hegte Maries Mutter Marija Alexandrowna Romanowa eine tiefe Abneigung gegen das britische Königshaus und sprach sich daher für einen ausländischen Heiratskandidaten aus, weshalb Marie den Antrag ablehnte.

Auf Wunsch von Königin Victoria heiratete Georg die Verlobte seines verstorbenen Bruders Maria von Teck (Mary), die mütterlicherseits eine Urenkelin Georgs III. war. Sie war die älteste Tochter des deutschstämmigen Herzogs Franz von Teck und dessen Gemahlin Mary Adelaide of Cambridge. Durch ihre gemeinsame Abstammung waren die Brautleute Tante und Neffe zweiten Grades. Die Hochzeit fand am 6. Juli 1893 in der Chapel Royal des St James’s Palace statt und obwohl die Ehe arrangiert war, entwickelte sich zwischen dem Paar eine Liebesbeziehung. Mary unterstützte ihren Gatten stets loyal, Georg blieb ihr zeitlebens treu verbunden.

Innerhalb von elf Jahren bekam das Paar sechs Kinder: Eduard, Prince of Wales (* 23. Juni 1894; † 28. Mai 1972), als Eduard VIII. 1936 König, nach seiner Abdankung Duke of Windsor ⚭ Wallis Simpson; Albert, Duke of York (* 14. Dezember 1895; † 6. Februar 1952), als Georg VI. von 1936 bis 1952 König ⚭ Lady Elizabeth Bowes-Lyon; Mary, Princess Royal (* 25. April 1897; † 28. März 1965) ⚭ Henry Lascelles, 6. Earl of Harewood; Henry, Duke of Gloucester (* 31. März 1900; † 10. Juni 1974) ⚭ Lady Alice Montagu-Douglas-Scott; George, Duke of Kent (* 20. Dezember 1902; † 25. August 1942) ⚭ Marina von Griechenland und Dänemark; John (* 12. Juli 1905; † 18. Januar 1919).

Zu seinen Kindern pflegte Georg ein distanziertes, wenig emotionales Verhältnis und war ihnen ein strenger, pedantisch veranlagter Vater. Er behandelte seine Söhne wie Seekadetten und verlangte von ihnen ein Höchstmaß an Disziplin, was sich auf ihre Entwicklung teilweise negativ auswirkte. Gegenüber seinem Vertrauten Lord Stanley gestand er: „Mein Vater fürchtete sich vor seiner Mutter, ich fürchtete mich vor meinem Vater und ich will verdammt nochmal sehen, dass sich meine Kinder vor mir fürchten“ („My father was frightened of his mother, I was frightened of my father, and I am damned well going to see to it that my children are frightened of me.“).Wilfried Burkard, Leo Hepner, Manfred Jehle, Georg Paulus, Andrea Weindl: Die großen Dynastien. Lingen-Verlag, Köln 2012,

Leben bis 1910 mini|175px|Als Duke of York (1893) Georg bevorzugte ein ruhiges, zurückgezogenes Familienleben, das regelrecht bürgerlich wirkte. Damit unterschied sich der pflichtbewusste und disziplinierte Duke of York deutlich von seinem lebenslustigen Vater, dessen Haushalt der soziale Mittelpunkt der britischen Oberschicht war. Trotz der wachsenden Anzahl an Kindern lebte das Paar in dem verhältnismäßig beengten York Cottage und genoss das Landleben. Neben den offiziellen Repräsentationsaufgaben für das Königshaus widmete sich Georg ausgiebig seinen Leidenschaften wie der Jagd oder dem Segeln. Er war ein begeisterter Briefmarkensammler und fungierte von 1893 bis 1910 als Ehren-Vizepräsident der Royal Philatelic Society.

Mit dem Tod Victorias am 22. Januar 1901 bestieg sein Vater als Eduard VII. den britischen Thron. Automatisch rückte Georg zum direkten Thronfolger auf und erbte den Titel Duke of Cornwall sowie die Residenz Marlborough House. Den einflussreichen Posten des Privatsekretärs (Private Secretary to the Sovereign) übernahm Arthur Bigge, 1. Baron Stamfordham, der bereits Königin Victoria in gleicher Funktion gedient hatte und dieses Amt bis 1931 bekleidete. Im Auftrag der Regierung unternahm das neue Kronprinzenpaar an Bord des eigens dafür gemieteten Dampfschiffs Ophir eine achtmonatige Reise durch das Britische Empire. Die Reise führte sie über Gibraltar, Malta, Port Said, Aden, Ceylon, Mauritius und Singapur nach Australien, Neuseeland, Kanada, Neufundland und in die Kapkolonie. Georg und Maria nahmen Glückwünsche für den neuen König entgegen und dankten den Dominions für ihre Unterstützung während des Zweiten Burenkriegs (1899–1902). Im australischen Melbourne eröffnete Georg am 9. Mai 1901 die erste Parlamentssitzung des neu geschaffenen Commonwealth of Australia.

Nach der Rückkehr nach Großbritannien verlieh sein Vater ihm den traditionellen Titel des Thronfolgers, indem er Georg am 9. November 1901 zum Prince of Wales ernannte. Eduard VII. war gewillt, seinen Sohn auf dessen zukünftige Rolle als Monarch besser vorzubereiten, als er selbst vorbereitet worden war, weshalb Georg umfangreichen Zugang zu Kabinettspapieren und anderen Staatsdokumenten erhielt. Zwischen 1905 und 1907 bekleidete Georg als Lord Warden of the Cinque Ports das älteste militärische Amt der Monarchie und unterstützte die Marinereformen des Ersten Seelords, Admiral John Fisher.

Auf einer achtmonatigen Rundreise durch Britisch-Indien (Oktober 1905 bis Mai 1906) gewann Georg einen vertieften Einblick in die herrschenden Lebensverhältnisse des Subkontinents. 1906 besuchten der Prince und die Princess of Wales die Hochzeit von Georgs Cousine Victoria Eugénie von Battenberg mit dem spanischen König Alfonso XIII. sowie die Krönungsfeierlichkeiten seiner Schwester Maud und ihres Ehemanns Haakon VII. in Norwegen.

Als König mini|George und Mary im Krönungsornat (1911) mini|Das Königspaar auf dem Delhi Durbar (1911)