Löbau (, ) ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Görlitz in der sächsischen Oberlausitz. Sie ist Teil und auch Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Löbau.

Sie liegt etwa 75 km östlich von Dresden, 18 km südöstlich von Bautzen und 25 km südwestlich von Görlitz.

Geographie mini|links|Löbau – Stadt am Berge mini|hochkant=1.3|Löbau, Blick vom König-Friedrich-August-Turm Löbau liegt am Ostrand des Lausitzer Berglandes und des Lausitzer Gefildes.

Der Ort liegt im Löbauer Kessel, im sächsischen Naturraum des Oberlausitzer Gefildes im Grenzbereich zum Oberlausitzer Bergland (Nördlicher Hauptkamm). Kleinräumlich grenzen an: südlich das Kottmarmassiv, östlich das Neißehügelland und nördlich die Gefildezone mit Übergang zur Lausitzer Tiefebene. Das Weichbild der Stadt wird vom östlich gelegenen Löbauer Berg (), dem Hausberg der Stadt, und dem benachbarten Schafberg () geprägt. Die beiden Berge gehören zu einem Bergmassiv das vulkanischen Ursprungs ist. Seit 1974 das 255 ha große Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Löbauer Berg“.

Geologisch herrscht ein Untergrund aus Tiefengestein (Granodiorit) vor. Die Quellkuppe des Doppelberges Löbauer Berg / Schafberg entstand durch Vulkanismus im Tertiär und besteht aus Basaltgestein. Der Basalt ist zu Blöcken verwittert, die in Form von Gesteinshalden (Blockmeere oder „Steinerne Meere“) weite Flächen des Berges bedecken. Die tiefer gelegenen Teile des Löbauer Kessels (240 bis 270 m) haben die Gestalt welliger Lössplateaus, die aus Löss- und Auelehm, Sand/Kies sowie Granit bestehen.

Löbau liegt an der Einmündung der Seltenrein ins Löbauer Wasser, einem Zufluss der Spree.

Erwähnenswerte Geotope sind die Georgewitzer Skala (ein felsiger Taleinschnitt des Löbauer Wassers nördlich der Stadt) sowie die westlich gelegene Hügelkuppe des Bubenik (auch Kleine Landeskrone – 376 m), dessen Basaltquellkuppe seit 1938 Naturdenkmal ist.Forschungsverein Umweltschutz Zittau e. V. mit Unterstützung von Hrn. Lorenz und Hrn. Küpper (Text): Die geologischen Naturdenkmale des Landkreises Löbau-Zittau. 2. Auflage. Hrsg.: Naturschutzbehörde des Landkreises Löbau-Zittau in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverein Umweltschutz Zittau e. V. 2004 (Faltblatt; naturpark-zittauer-gebirge.de [PDF; 1,4 MB]).

Ferner zählt auch zur Stadt Löbau der 10 km südlich gelegene Berg Kottmar (583 m), an dessen Westhang sich eine der drei Spreequellen befindet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Löbau sind Vierkirchen im Norden, die Stadt Reichenbach/O.L. im Nordosten, Rosenbach im Südosten, Kottmar und Großschweidnitz im Süden, Lawalde im Südwesten und im Landkreis Bautzen die Gemeinde Hochkirch im Westen und die Stadt Weißenberg im Nordwesten.

Stadtgliederung Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Löbau beschloss in seiner Sitzung vom 7. Juli 2011. In: loebau.de, abgerufen am 19. Dezember 2019, mit Link zur Karte (PDF; 2,6 MB). In: loebau.de, abgerufen am 19. Dezember 2019. eine neue Gliederung der Stadt. Dabei wurden die ehemals selbständigen Dörfer Altlöbau (bisher zu Löbau), Dolgowitz (bisher zu Rosenhain), Oelsa (bisher zu Löbau), Unwürde (bisher zu Laucha), Wendisch-Cunnersdorf (bisher zu Rosenhain) und Wendisch-Paulsdorf (bisher zu Rosenhain) als separate Stadtteile der Stadt Löbau erklärt. Das Kernstadtgebiet Löbau wurde zeitgleich in die Stadtteile Löbau-Mitte, Löbau-Neustadt, Löbau-Nord, Löbau-Ost, Löbau-Süd und Löbau-West gegliedert. Somit besteht das Stadtgebiet nunmehr aus 32 Stadtteilen:

mini|Stadtgliederung von Löbau

Mit Ausnahme der ehemaligen Siedlungen Körbigsdorf, Liebesdörfel, Tiefendorf und Peschen (Stwěšin) berücksichtigt die Gliederung des Stadtgebietes somit alle ehemals selbständigen Orte.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|Altmarkt und Nicolaistraße mini|Blick in die Badergasse Funde von Keramik- und Bronzegegenständen im Tal des Löbauer Wassers und eine befestigte Höhensiedlung (Ringwallanlage oder Schanze) auf dem Schafberg belegen die urgeschichtliche Besiedlung der Gegend in der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur (um 1000 v. Chr.)K. Simon: Die Jungbronzezeitliche Besiedlung auf dem Schafberg bei Löbau. In: Heinz-Joachim Vogt (Red.): Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Fünfzig Jahre Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden (= Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege / Beiheft. Nr. 18). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1988, S. 128–133.. Etwa 800 m südwestlich des Löbauer Stadtteils Bellwitz finden sich auf einem Felsvorsprung über dem Löbauer Wasser die Überreste der slawischen Befestigung Bielplatz Bellwitz aus frühgeschichtlicher Zeit.

Mittelalter Löbau wurde im Jahre 1221 als Lubaw durch Bischof Bruno II. von Meißen erstmals erwähnt. Der Name stammt aus dem Sorbischen, die Bedeutung ist jedoch nicht gesichert. Die Stadt wurde um 1200 im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung unter böhmischer Herrschaft (Ottokar I.) auf einem Plateau oberhalb der sumpfigen Talaue des Löbauer Wassers planmäßig angelegt. Seiner ursprünglichen Bestimmung nach war Löbau als Handels- und Gewerbeort geplant und wurde mit Stadtmauern befestigt. Bis 1319 folgten Stadterweiterungen zu einer typischen Ackerbürgerstadt. 1336 wurde das hiesige Franziskanerkloster erstmals erwähnt.

Löbau gehörte dem Oberlausitzer Sechsstädtebund an, der hier 1346 gegründet wurde. Wegen ihrer zentralen Lage in der Oberlausitz blieb die Stadt bis 1815 Konventsort des Bundes. 1359 wurde erstmals ein Kirchenbau mit dem Namen (Kirche der heiligen Jungfrau außerhalb der Mauer) erwähnt. Es ist heute unbekannt ob der Bau schon vor der Ersterwähnung 1221 bestand.Informationstafel am Alten Friedhof Löbau. Siehe: Alter Friedhof Loebau bei Wikimedia Commons.

Verheerende Brände legten Stadtteile immer wieder in Schutt und Asche. Wie es einst in vielen Straßen ausgesehen hat, zeigt ein Blick in die Badergasse – die Häuser standen meist mit dem Giebel zur Straße.

Frühe Neuzeit mini|Karte von Oberreit mit Löbau um 1845 mini|Ansicht um 1850 Löbau wurde während der Hussitenkriege, die von 1424 bis 1434 auch die Oberlausitz heimsuchten, mehrmals belagert und erstürmt, so 1425 und 1428. Im letztgenannten Jahr erfolgte damit im Zusammenhang eine Brandstiftung durch einen hussitisch gesinnten Stadtbürger, wobei Löbau zum größten Teil den Flammen zum Opfer fiel. Im Jahr 1430 standen die Hussiten erneut vor den Toren der wiederaufgebauten Stadt. Die Stadt ergab sich diesmal den Böhmen, wurde verschont und besetzt. Die böhmisch-hussitischen Besatzer bauten die kleine Sechsstadt 1431 zum „Militärischen Hauptstützpunkt in den Sechslanden“ aus. Die Hussiten beherrschten in jener Zeit mehr oder minder die Oberlausitz. Die Situation in der Oberlausitz sollte sich jedoch nach der hussitischen Niederlage in der Schlacht von Lipany 1434 grundlegend ändern. Auch spätere Kriege, so der Oberlausitzer Pönfall (1547) und der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) sowie sechs Stadtbrände setzten Löbau schwer zu. So legte 1678 ein Brand die Hälfte der Stadt in Asche. Gleiches passierte am 20. Oktober 1710. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt landesherrliche Privilegien, zum Beispiel Marktrecht, Braurecht und Bannmeile. Um 1700 gab es eine Blütezeit der Leinenweberei und umfangreichen Fernhandel bis nach Übersee.

Nach dem Stadtbrand von 1710 folgten weitere städtebauliche Veränderungen, z. B. der Barockbau des Rathauses (1711) und zahlreiche Bürgerhäuser.

Im Zuge der Industrialisierung wurde Löbau durch Chausseen mit Görlitz (1822), Bautzen (1824) und Zittau verbunden. Im Dezember 1846 erreichte die Bahnstrecke Dresden–Görlitz Löbau; 1847 wurden die letzten 24 Streckenkilometer nach Görlitz fertiggestellt. Von dieser bedeutenden Bahnstrecke wurden einige Zweigbahnen gebaut: 1848 die 34 Kilometer lange Bahnstrecke Zittau–Löbau, 1873 die 16 Kilometer lange Bahnstrecke nach Ebersbach, 1895 die 40 Kilometer lange Bahnstrecke nach Weißenberg und 1928 die 19 km lange Strecke nach Cunewalde.

Im 19. Jahrhundert dominierte die Textilindustrie in der Kleinstadt. Die erste Fabrik Löbaus war die 1835 von Hildebrandt gegründete Rot- und Buntfärberei, aus der mehr als 100 Jahre später VEB Oberlausitzer Textilbetriebe hervorgingen. Daneben gab es jedoch noch vielfältige andere Industrien mit dem Schwerpunkt Verarbeitung wie z. B.: Natursteinverarbeitung, Ziegelei, Brauerei, Essigherstellung, Zuckerfabrik, Nudelherstellung, Käserei, Molkerei und Schlachthof, aber auch Maschinenbau, Gummi- und Kohlensäurefabrikation. Einige von ihnen gibt es heute (2022) noch, zum Beispiel die 1859 gegründete Klavierfabrik August Förster.

Im Jahre 1898 wurde ein Elektrizitätswerk eröffnet und ein Gaswerk betrieben. Günstig wirkte sich bei der industriellen Entwicklung die Lage Löbaus an der Bahnstrecke Dresden–Breslau aus.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde in den Dörfern westlich und nördlich von Löbau – z. B. Großdehsa, Oelsa, Kittlitz – noch der Löbauer Dialekt des Sorbischen gesprochen; dieser ist mittlerweile ausgestorben.

20. Jahrhundert mini|Karte von Löbau (1909) mini|Königsplatz 1912 mit Bismarckdenkmal mini|Wettiner Platz 2006, heute als Gründerviertel denkmalgeschützt

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Stadt wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Amtshauptmannschaft Löbau mit Kreditinstituten, einigen Ämtern, wie Finanzamt, Gesundheitsamt, Garnison, Polizei sowie Kreisgericht mit einem Gefängnis. 1912 erfolgte der Bau eines Krankenhauses.

1923 wurde eine Zeitungsdruckerei eröffnet und 1924 erschien die „Volkszeitung für die Oberlausitz“. Eine künstlerische Spielstätte am Theaterplatz war geplant, wurde aber nie gebaut.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine Handelsschule, Berufsschule und Gewerbeschule. Lehrerbildungsstätten gab es in der Stadt von 1873 bis 1998 (1873–1935 Königliches Lehrerseminar, 1955–1990 Institut für Lehrerbildung, 1993–1999 Staatliche Seminare für das Lehramt an Grund- bzw. Mittelschulen).

Von 1914 bis 1991 war Löbau Garnisonsstadt. Beginnend mit einer Jägerkaserne (1914) bis hin zu einer Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“ (1963). Während des Ersten Weltkrieges war Löbau Standort eines Reservelazaretts und mit Kriegsproduktion befasst. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war die Stadt von unmittelbaren Kriegshandlungen nicht betroffen; Soldaten der Wehrmacht sprengten aber in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1945 alle verkehrswichtigenZeittafel bis 1990, loebau.de Eisenbahnbrücken und Straßenbrücken, darunter den Löbauer Viadukt und die Brücke der Jugend (1927 als Hindenburgbrücke eingeweiht). Am 8. Mai 1945 rückten Verbände der Roten Armee kampflos ein. Am 9. Juni übernahm die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Sitz in Berlin-Karlshorst die Regierungsgewalt in der SBZ (sowjetische Besatzungszone).

Nachkriegszeit In der Zeit nach 1945 wuchsen Bevölkerung und Wirtschaft (vor allem die Textilindustrie); Löbau wurde Kreisstadt (Kreis Löbau). 1950 wurde das „Stadion der Jugend“ am Fuße des Löbauer Berges eröffnet. Nach 1960 wuchs und erweiterte sich die Stadt durch neue Wohngebiete Süd (1955), Nord (1972) und Ost (1981). Die Entwicklung des Industrie- und Bevölkerungszentrums um Ebersbach und Neugersdorf im Süden des Kreises hatte auch Auswirkungen auf Löbau.

Während der Ereignisse am 17. Juni 1953 in der DDR kam es in Löbau selbst zu Streiks in fünf Betrieben der Textilindustrie mit etwa 6.000 Beteiligten, jedoch nicht zu Demonstrationen oder Ausschreitungen gegen Einrichtungen des Staates oder staatstragender Organisationen wie etwa im nicht weit entfernten Görlitz. Die örtlichen Betriebsparteiorganisationen der SED verhielten sich den Ereignissen gegenüber passiv.Bericht des MfS der DDR über die Ereignisse in den Tagen um den 17. Juni 1953 im Bezirk Dresden vom 1. Juli 1953, S. 9 ff.