Carbofuran ist ein Insektizid, Akarizid und Nematizid mit breitem Wirkungsspektrum. Es gehört zur Stoffgruppe der Carbamate.
Synthese Carbofuran entsteht in einer mehrstufigen Reaktion aus Brenzcatechin, 3-Chlor-2-methylpropen und Methylisocyanat.
Wirkung Carbofuran ist ein systemisch wirkendes Insektizid mit Wirkung als Fraß- und Kontaktgift. Seine Wirkung beruht auf der Hemmung der Cholinesterasen Acetylcholinesterase (AChE) und Butyrylcholinesterase (BuChE).
Zulassung Carbofuran ist aufgrund einer Entscheidung im Juni 2007 für den Bereich der Europäischen Union nicht mehr als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln zugelassen.
In Österreich konnte es im Erwerbsgartenbau sowie zum Beizen von Rübensamen verwendet werden. Seit Dezember 2008 sind der Verkauf, die Anwendung und der Besitz in Österreich untersagt.Tödliches Greifvogel-Gift endlich verboten! WWF Österreich. In der Bundesrepublik Deutschland war Carbofuran kein zugelassener Wirkstoff, bei Bedarf wurden jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilt., abgerufen am 31. Juli 2006. Carbofuran war in der Schweiz gegen eine Vielzahl von Schadinsekten im Erwerbsgartenbau sowie beim Anbau von Mais, Rüben, Champignons und Zwiebeln zugelassen. Die Zulassung in der Schweiz wurde 2011 entzogen, die Verkaufsfrist lief bis Mai 2012, die Aufbrauchsfrist bis Mai 2013.www.garten.ch: Marshal/Carbosulfan nicht mehr im Handel, abgerufen am 20. Februar 2016.
Carbofuran ist unter dem Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.
Toxizität Als LD50 wurden bei der Ratte 8,2–14,1 mg·kg−1 Körpergewicht, beim Hund 19 mg·kg−1 Körpergewicht ermittelt. Bei Langzeituntersuchungen (Ratte, 2 Jahre) lag der NOEL bei 10 mg·kg−1 Futter, ab 100 mg·kg−1 Futter trat eine Wachstumsdepression auf.Werner Perkow (1992): Wirksubstanzen der Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, 2. Auflage, Erg. Lfg.; Verlag Paul Parey; ISBN 3-8304-4047-2.
Umweltverhalten Die Halbwertszeit für den Abbau im Boden beträgt 30 bis 120 Tage. Die Mobilität im Boden ist hoch. Carbofuran ist bienentoxisch.
Missbrauch In Afrika wurde Carbofuran unter anderem zum Wildern von Vögeln missbraucht.Fabio Bergamin: , Tages-Anzeiger vom 29. Januar 2010. In Vorarlberg (2012 und 2016) wurde illegales Carbofuran via Tauben als Köder gegen Greifvögel eingesetzt.Taubenzüchter vergiften Greifvögel, orf.at, 29. September 2016, abgerufen am 29. September 2016. Bei Anfang 2021 in Bayern gefundenen toten Greifvögeln wurde ein mit Carbofuran präparierter Fasan gefunden. In Basel wurden seit Sommer 2020 acht Greifvögel vergiftet. Im Lesachtal (Kärnten) wurden im April 2026 mehrere Gänsegeier tot aufgefunden, wobei sich bei Analysen herausstellte, dass diese mit Carbofuran vergiftet wurden.
Weblinks Information der US-amerikanischen Umweltbehörde (engl.)
Einzelnachweise
Kategorie:Carbamat Kategorie:Phenylester Kategorie:Cumaran Kategorie:Insektizid Kategorie:Pflanzenschutzmittel (Wirkstoff) Kategorie:Gefährliche Chemikalie nach dem Rotterdamer Übereinkommen Kategorie:Nematizid Kategorie:N-Alkylamid