Die Memelburg war eine Deutschordensburg an der Mündung des Kurischen Haffs in die Ostsee, gelegen im heutigen Klaipėda (deutsch: Memel). Viele Jahrhunderte war sie eine der wichtigsten Grenzburgen des Deutschen Ordens und später des Königreichs Preußen. Ab dem 15. Jahrhundert zur Festung ausgebaut, verlor sie Ende des 18. Jahrhunderts ihre Bedeutung und wurde abgetragen. Nach Ausgrabungen und langen Vorarbeiten, wird die Burg in Etappen wieder aufgebaut.Dankwart Guratzsch: Die Memelburg soll wiederauferstehen. Litauen will die 1252 errichtete Anlage an der Mündung des Kurischen Haffs für 42 Millionen Euro rekonstruieren. In: Die Welt. 29. Dezember 2008, abgerufen am 11. Dezember 2018.Klaipėdos piliavietėje atkurta šiaurinė kurtina. In: welovelithuania.com, 30. Juli 2018, abgerufen am 17. September 2019 (litauisch; mit Modelldarstellungen).
Bei der Burg handelt es sich nicht nur um die älteste Backsteinburg Litauens, sondern auch um die einzige mittelalterliche Burg des Landes, die nicht von Balten, sondern von Deutschen erbaut wurde. Archäologische Ausgrabungen brachten bisher zahlreiche historische Funde zu Tage, die Dank gründlicher Untersuchung das Leben auf der Burg bzw. späteren Festung dokumentieren.
Geschichte Vor dem Eintreffen der ersten Kreuzfahrer war die Region um Memel Siedlungsgebiet kurischer Stämme der historischen Landschaft Pilsaten.
1252 schickte der Hochmeister des Deutschen Ordens seinen Stellvertreter Eberhard von Sayn nach Livland um eine Vereinbarung des Livländischen Landmeisters Andreas von Felben mit dem litauischen Fürsten Mindaugas zu untersuchen. Obwohl dadurch große Gebiete Litauens (ein großer Teil Samogitiens (u. a. die Hälfte der Ländereien von Raseiniai, Betygala und Laukuva), sowie Sudauen und Nadrauen) an den Orden gingen, kritisierten einige Ordensmitglieder seine diplomatische Politik gegenüber den Litauern. Es folgte die Absetzung des Landmeisters, dessen Amt übergangsweise von Eberhard von Sayn übernommen wurde. Dieser gab das Bündnis mit Mindaugas jedoch nicht auf und organisierte stattdessen einen Feldzug gegen dessen Feinde in Samogitien.
Unter dem Livländischen Orden mini|Memelburg um 1535. Gut erkennbar sind die frühneuzeitlichen Rondelle. Einige Monate später, am 1. August 1252, unterzeichneten Eberhard und Bischof Heinrich von Kurland die Gründungsurkunde von Burg und Stadt Memel, wo Heinrich seinen Bischofssitz errichten wollte.
Noch im Jahr 1252 errichtete der Livländische Orden (möglicherweise mit Unterstützung litauischer Arbeiter) eine Holzburg auf einer der sumpfigen Inseln des Mündungsdeltas der Dange. Sie sollte die Region als wichtigste Verbindung zwischen den Territorien des Deutschen Ordens im Süden und des Livländischen Ordens im Norden vor Angriffen aus Samogitien absichern. Auch der Deutsche Orden erhoffte sich dadurch Entlastung. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung war der livländische Ordenszweig nämlich bereits weit nach Süden vorgerückt, während der Deutsche Orden in Preußen noch in intensive Kämpfe mit den einheimischen Völkern der Semba und Schalauer verwickelt war, die von den Samogiten unterstützt wurden.
Kurz darauf belagerten die Semba und die Samogiten, für die die Existenz der Burg eine große Gefahr darstellte, erfolglos die Memelburg. Es ist durchaus möglich, dass es sogar zwei Belagerungen (1252, 1253) gab, da gem. Reimchronik der neue livländische Landmeister Anno von Sangerhausen während des Angriffs der Semba im Herbst 1253 in Riga eintraf.
Da sich das Gelände relativ schnell als stark sumpfig und zu eng für einen weiteren Ausbau der Burg herausstellte, wurde im Frühjahr 1253 ein paar hundert Meter entfernt auf einer besser gelegenen Insel mit dem Bau einer neuen Burg aus Backsteinen begonnen, die bereits Ende desselben Jahres fertiggestellt war. Gemäß Vereinbarung erhielt der Orden zwei Drittel der Burg und der Bistum Kurland ein Drittel. Sie diente dem Livländischen Orden fortan als Vorposten der Mission in Kurland und Litauen und war zudem ein wichtiger militärischer Stützpunkt an der schmalen Grenze beider Ordensgebiete. Außerdem wurde noch im selben Jahr die Komturei Memel gegründet, deren Sitz die Memelburg fortan war; erster Komtur wurde Bernhard von Haren, der bisherige Vogt von Goldingen.
Neben dem Komtur bestand der Konvent damals mit dem Hauskomtur, dem Fischmeister, dem Schmiedemeister, 5 Ordensbrüdern und 2 Priesterbrüdern aus lediglich 11 Ordensleuten (alles Deutsche).
Die kurländischen Bischöfe haben nur wenige Jahre in Memel residiert und verlagerten ihren Sitz alsbald nach Pilten. Das 1290 errichtete Domkapitel (die sechs Domherren waren Priester im Deutschen Orden) siedelte 1298 nach Windau über.
Nach der Krönung Mindaugas zum König von Litauen, wurden, wie vereinbart, beträchtliche Ländereien an den Deutschen Orden übergeben. Die davon betroffenen Samogiten konnten sich unter ihrem Anführer Alminas () jedoch der fremden Herrschaft erfolgreich widersetzen und verwickelten den Orden in langwierige, verlustreiche Kämpfe. 1257 rückte eine samogitische Streitmacht sogar bis auf Memel vor und fügte dem Livländischen Orden unter dem neuen Landmeister Burkhard von Hornhausen in einer Feldschlacht eine schwere Niederlage zu. Der verletzte Landmeister konnte sich nur mit großer Mühe bis nach Memel durchkämpfen.
1258 wurde Memel von rebellierenden Litauern aus Crottingen überfallen; als Racheakt wurde daraufhin deren Burg Crottingen zerstört.
Am 14. März 1323 konnten litauische Truppen unter Großfürst Gediminas in die Komturei einfallen und in der Schlacht von Memel die Stadt zerstören. Die Burg jedoch konnte gehalten werden und das feindliche Heer musste sich zurückziehen. Vorausgegangen waren schwere Streitigkeiten und Kämpfe zwischen dem Livländischen Orden und der Kirche, was den Überfall der Litauer begünstigte.
Als eine direkte Konsequenz aus diesem verheerenden Angriff sah sich der Livländische Orden gezwungen, 1328 die Komturei Memel mitsamt Burg und Stadt an den Deutschen Orden abzugeben. Da keine direkte Landbrücke mehr nach Kurland existierte und die einzig verbliebene Versorgungsroute über die Kurische Nehrung bzw. das Haff verlief, war dies ein durchaus logischer Schritt.
Der Bischof von Kurland verzichtete jedoch erst 1392 auf sein Drittel von Memel, weshalb Burg und Stadt erst seitdem vollständig dem Deutschen Orden unterstanden.
Unter dem Deutschen Orden Aufgrund seiner exponierten Lage und Funktion als wichtiger Brückenkopf des Deutschordensstaats kam Memel aber auch unter der Herrschaft des Deutschen Ordens nicht zur Ruhe. Die ständige Gefahr von Überfällen aus Litauen hemmte zudem die Stadtentwicklung. So wurde die Burg 1379 von Litauern und Samogiten zerstört, 1393 mit einem Bergfried wiedererrichtet und noch im selben Jahr von Litauern erneut zerstört. Seit 1399 wurde der Wiederaufbau der Burg vom Deutschen Orden stark forciert. Bei den Arbeiten wurden vom Hochmeister auch etwa 500 Zwangsarbeiter (hauptsächlich Bauern) aus dem Ermland eingesetzt. Bei Weigerung wurde den Bauern angedroht, ihnen würde die rechte Hand abgehackt.
1398 erhielt der Deutsche Orden vom Litauerfürsten Vytautas im Vertrag zu Sallinwerder Samogitien zugesprochen, als Gegenleistung für die Hilfe des Ordens gegen die Goldene Horde. Dieses Gebiet wurde als Vogtei Samogitien in den Orden eingegliedert, was die Lücke zwischen dem Deutschordensstaat zwischen Livland und Preußen schloss. Dadurch hatte Memel ein Hinterland erhalten und war mit einem Mal keine Grenzstadt mehr.
Dennoch war die Memelburg immer wieder Angriffen ausgesetzt; so wurde sie 1402 abermals von den Samogiten zerstört. Erst im Jahr darauf konnte mit Reparatur- und Ausbauarbeiten begonnen werden. Dazu wurden u. a. 443.000 Ziegelsteine aus Rossitten und Kalk aus Gotland herbeigeschafft. Auch etwa 600 Feldsteine wurden gesammelt und für die Bauarbeiten verwendet. 1403 waren bereits einige Wirtschaftsgebäude fertiggestellt, darunter eine Mühle, eine Ziegelei sowie Scheunen und Ställe. Trotz einer seit 1406 im Ordensgebiet grassierenden Pestepidemie, konnten bereits 1407 die Befestigungsanlagen der Burg wieder instandgesetzt werden. 1408 und 1409 besuchte der Hochmeister Ulrich von Jungingen die Burg und brachte zur Unterstützung den Ordens-Baumeister Nikolaus Fellenstein mit. So konnten die Arbeiten an der Burg bereits 1409 abgeschlossen werden. Bei einem erneuten Angriff der Samogiten im selben Jahr hielt zwar die Burg stand, die noch nicht (vollständig) befestigte Stadt Memel jedoch wurde niedergebrannt. Die Angreifer nutzten hierbei auch die in Burg und Stadt ausgebrochene Pest, welche die Verteidiger stark dezimierte.
mini|480px|Stadt und Festung im Jahre 1674, Gemälde von Józef Naronowicz-Naroński Die Burg behielt auch nach der Niederlage des Deutschen Ordens in der Schlacht bei Tannenberg (1410) ihre Bedeutung. Im darauffolgenden Ersten Frieden von Thorn musste Samogitien 1411 wieder an Litauen abgetreten werden, wodurch Memel wieder zur Grenzfestung wurde. Im Frühjahr 1414 gelang dem litauischen Großfürsten Vytautas die Einnahme der Burg, wobei die Stadt niedergebrannt und etwa 3.000 Einwohner verschleppt wurden. In der Zeit von 1400 bis 1422 wurde Memel regelmäßig alle 2 – 3 Jahre von Litauern angegriffen, die Festungsbauwerke wurden jedoch immer wieder aufgebaut und erweitert. Laut Schätzungen waren zu dieser Zeit etwa 50 – 60 bewaffnete Männer – mit zeitgemäßer Artillerie (Steinbüchsen und Steinkugeln) ausgestattet – auf der Burg stationiert.
Im Frieden vom Melnosee wurde 1422 die Grenze zwischen dem preußischen Ordensgebiet und Litauen neu geregelt; dieser Grenzverlauf blieb bis 1945 unverändert.
Ab 1422 begannen unter dem Hochmeister Paul von Rusdorf erneut Verbesserungsarbeiten an der Befestigung von Burg und Stadt, die vermutlich um 1440 abgeschlossen waren.
Während des 15. Jahrhunderts wurde die Burg gegen litauisches Geschützfeuer gewappnet und auch für den Einsatz von Feuerwaffen umgerüstet.
Im August 1454 überfielen die Litauer während des Dreizehnjährigen Krieges die Stadt Memel, welche geplündert und zerstört wurde. Nach einer Rückeroberung durch den Orden wurde die Burg durch Aufständische aus der Stadt Danzig, von der Ostsee aus kommend, angegriffen. 1457 griff Danzig erneut an und erbeutete dabei 14 Kriegsschiffe der Hansestädte Hamburg und Lübeck, die zuvor als Unterstützung mit Truppen und Ausrüstung nach Memel geschickt wurden. Acht dieser Schiffe wurden mit der Beute nach Danzig gebracht, während die übrigen sechs zusammen mit einem Burgturm niederbrannten. 1464 versuchte Danzig zusammen mit Truppen der Stadt Elbing und mit Hilfe eines Verräters erneut die Burg einzunehmen, musste dies nach mehreren Fehlschlägen jedoch abbrechen.
1472 wurde die Burg erneut von litauischen Streitkräften belagert.
Als der Hochmeister Albrecht von Brandenburg 1520 dem polnischen König Sigismund I. den Lehnseid verweigerte, attackierte Danzig Memel mit drei Kriegsschiffen und zerstörte die halbe Stadt. Dabei wurden erneut mit Waren beladene Handelsschiffe erbeutet. Außerdem wurde die für den Schiffsverkehr wichtige Dange-Mündung durch die Versenkung von großen Steinblöcken über lange Zeit blockiert. Erst 1814 konnte diese Barriere entfernt werden; die Steinblöcke wurden dabei u. a. auf dem Süderhuk vergraben und überbaut.
Herzogtum Preußen Teil von Polen-Litauen mini|Stadt Memel (links) und Memelburg (rechts) um 1684. 1525 trat der letzte Hochmeister des Ordens, Albrecht von Brandenburg, zum Protestantismus über und legte auf Rat Martin Luthers sein Amt als Hochmeister nieder. Er säkularisierte den Deutschordensstaat zum Herzogtum Preußen und führte dieses als Herzog unter polnisch-litauischer Lehenshoheit.