mini|Ehemaliger Polizeistern der Polizei Hamburg. Aktuell: siehe Info-Box oben. Die Polizei Hamburg ist die Landespolizei der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie untersteht der Behörde für Inneres und Sport (Innenbehörde) im Hamburger Senat. Vorgesetzter der Polizei in Hamburg ist der Präses der Innenbehörde, eine synonyme Bezeichnung für den Innensenator.

Geschichte Gründung mini|Zwei Polizisten im Gespräch vor der Bäckerei in der Niedernstraße 29 in Hamburg-Altstadt, um 1910 Bis zur Zeit der französischen Herrschaft in Hamburg (1806–1814) waren die Polizeiaufgaben auf verschiedene Institutionen verteilt. Die wichtigsten von ihnen waren die Bürgerwache und die Wedde. Die Wedde war für die Sitten und die Ordnung, Personenstands- und Fremdenangelegenheiten, die Überwachung der Maße und Gewichte, das Marktwesen, die Gesundheitsvorsorge und viele weitere Bereiche zuständig. Die Prätoren waren für die niedere Gerichtsbarkeit sowie die Sicherheit zuständig. Im Hafen sorgte die Hamburgische Admiralität für Ordnung und Sicherheit. Nachdem Hamburg dem französischen Kaiserreich einverleibt wurde, wurden alle Polizeiaufgaben per Dekret unter einem Generalpolizeikommissar zusammengefasst.

Nach Vertreibung der Franzosen wurden deren Reformen sofort durch den Senat wieder rückgängig gemacht. Es zeigte sich aber schnell, dass gerade in den Wirren der Nachkriegszeit eine gut organisierte Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung wichtig war. Am 26. Mai 1814 wurde durch einen entsprechenden Senatsbeschluss die Polizey-Behörde gegründet. Zum Sitz dieser Behörde wurde das Stadthaus am Neuen Wall bestimmt. Wenig später wurden die ersten Beamten eingestellt.

Die neugeschaffene Behörde stellte jedoch über viele Jahre ein Provisorium dar, da man sehr lange über die neue Organisation der Polizei beriet. Erst mit dem Rats- und Bürgerbeschluss vom 15. Februar 1821 fanden die Beratungen ein vorläufiges Ende: Die 1814 eingesetzte Polizeibehörde sollte zunächst auf 6 Jahre befristet fortbestehen. Es wurden zwei Senatsmitglieder mit der Aufsicht über die Polizeibehörde betraut: Der Erste Polizeiherr und dessen Stellvertreter, der Zweite Polizeiherr.

Im Jahre 1826 wurde durch das sog. Kompetenzgesetz der Polizeibehörde die Strafgewalt bei kleineren Vergehen wie Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt in weniger schweren Fällen übertragen. Das Strafmaß war auf 15 Reichstaler Geldstrafe oder 2 Monate Gefängnis beschränkt.

1876 wurde – neben der Hafenpolizei und dem berittenen „Constablercorps“ – auch eine „Criminalpolizei“ etabliert. Nach der Cholera-Epidemie 1892, bei der Tausende Hamburger starben, entstand zudem eine „Schutzmannschaft“ nach preußischem Vorbild.

Die Umwandlung der im Juni 1919 in Hamburg einmarschierten Freikorpseinheiten der Reichswehr in eine kasernierte „Sicherheitspolizei“ und deren Integration in die bereits bestehende uniformierte Schutzpolizei ab 1920 führte dazu, dass diese Polizeitruppe zum großen Teil antirepublikanisch eingestellt war.Lernwerkstatt Neuengamme: Die Hamburger „Ordnungspolizei“ in der Weimarer Republik. Rathausausstellung 2012

Im Oktober 1923 erstürmten kommunistische Aufständische mehrere Polizeiwachen. Dieser sogenannte „Hamburger Aufstand“ wurde von Polizeieinheiten aus Hamburg niedergeschlagen. Zur Unterstützung der Polizei setzte die Reichsmarine den Kleinen Kreuzer Hamburg sowie die Torpedoboote T 151 und T 157 ein.

NS-Zeit mini|Hamburg Stadthaus Gedenktafel Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Polizei deutschlandweit zentralisiert und in die Sicherheitspolizei (SiPo) und die Ordnungspolizei (OrPo) unter dem Kommando von Polizeigeneral Kurt Daluege überführt, welche für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig war.Heiner Lichtenstein: Himmlers grüne Helfer. Die Schutz- und Ordnungspolizei im „Dritten Reich“. Bund-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7663-2100-5. Hamburger Polizisten waren in der Zeit des Nationalsozialismus an zahlreichen NS-Verbrechen beteiligt. Unter anderem beteiligte sie sich an der 1938 angeordneten Aktion gegen sogenannte Asoziale, bei der die Hamburger Polizei ca. 700 Personen verhaftete und in das KZ Sachsenhausen deportieren ließ. Allein die Zahl der Opfer des Hamburger Reserve-Polizeibataillons 101 im Rahmen der sog. „Aktion Reinhard“ 1942–1944 wird auf ca. 100 000 jüdische Menschen geschätzt. Die Opferzahl der anderen Hamburger Polizeibataillone (u. a. 102, 103, 104, 305, Polizeischützenregiment 31) wird auf mehrere hunderttausende Menschen in den besetzten Gebieten geschätzt.

Nachkriegszeit mini|Ehemaliges Polizeipräsidium Berliner Tor (1962–2000), die beiden äußeren Hochhäuser wurden erst 2004 ergänzt Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war zunächst die Militärregierung der britischen Besatzungszone für die Polizei in Hamburg zuständig. Eines der Ziele der britischen Besatzungsbehörden war es, die Polizei zu demokratisieren.Ingo Haar: Die Hamburger Polizei nach 1945. In: taz, 12. Oktober 1990, S. 13 (online, abgerufen am 6. Januar 2024). Die Polizisten sollten sich als Diener des Volkes verstehen. Dies dokumentiert auch der Titel des 1948 unter der Regie von Graham Wallace gedrehten Films über die Ausbildung junger Hamburger Polizisten, der in den Kinos der britischen Besatzungszone zum Zweck der Reeducation gezeigt wurde.Heiner Ludwig Roß: Lernen Sie die Demokratie! – Reeducate Germany by Film. In: Daniel Huhn, Carsten Happe (Hrsg.): Andere Blicke. 75 Jahre Filmclub Münster. Strzelecki Books, Köln 2023, ISBN 978-3-910298-12-5, S. 10–13, hier S. 13. Von 1945 bis 1947 suspendierten die Briten im Zuge der Entnazifizierung 1168 Hamburger Polizeibeamte wegen ihrer Nazivergangenheit. Doch ab 1952 war ein Großteil von ihnen wieder im Amt.

Das Präsidium befand sich im DAG-Haus am heutigen Johannes-Brahms-Platz, bis im Jahre 1962 der Neubau am Berliner Tor bezogen wurde.

Die Insel Neuwerk ist die Exklave des Bundeslandes Hamburg und nur auf dem Weg durch Niedersachsen erreichbar, oder die Elbe hinab, auf der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Wegen des hauptsächlich hamburgischen Zieles der Elbnutzer und der Exklave Neuwerk wurden mit der Gründung der Länderpolizeien die Befugnisse der Hamburger Polizei auf dem niedersächsisch/schleswig-holsteiner „Grenzfluss“ Elbe zwischen der Grenze zur DDR und der Nordsee sehr schnell vertraglich geregelt.

Bei der verheerenden Sturmflut 1962 mit Hunderten Toten waren die Einsatzkräfte mit der Katastrophe überfordert. Als Konsequenz wurde auf Initiative des damaligen Polizeisenators Helmut Schmidt (SPD) im Juni 1962 die Behörde für Inneres gegründet, in der seither Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz zusammengefasst sind.

Bekannte Angehörige Stefan Bauer, Bürgermeister von Henstedt-Ulzburg, war von 1995 bis 2013 Angehöriger der Polizei Hamburg Kathrin Bockey, Politikerin (SPD), seit 1988 Angehörige der Polizei Hamburg Fabian Boll, ehemaliger Fußballspieler, Fußballtrainer, spielte 2002 bis 2016 für den FC St. Pauli Peter Born, von 1971 bis 2014 Angehöriger der Polizei Hamburg; in der Zeit ab 2005 verantwortlicher Polizeiführer aller polizeilichen Großlagen in Hamburg Bruno Claußen, ehemaliges Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft von 2004 bis 2008; war von 1970 bis 2006 Angehöriger der Polizei Hamburg Hartmut Dudde, Polizeiführer, seit 1984 Angehöriger der Polizei Hamburg, leitete zwischen dem Frühjahr 2018 und Mai 2022 die Schutzpolizei Reinhard Fallak, Polizeivizepräsident von 2008 bis 2016 und Fernsehmoderator, seit 1974 Angehöriger der Hamburger Polizei, seit 1978 Kriminalbeamter Werner Giese, Hamburger Landespolizeidirektor von 1979 bis 1983, erlangte überregionale Bekanntheit durch eine eigene humoristische Radiosendung und die Herausgabe einer Schallplatte mit ostpreußischen Witzen. Claus Göttsche, der als Leiter des Judenreferats der Hamburger Gestapo von 1941 bis 1943 maßgeblich in die Deportation der Hamburger Juden involviert war, war von 1921 bis 1933 Hilfspolizist bei der Hamburger Polizeibehörde. Rolf Grunert, BDK-Bundesvorsitzender, wurde 1978 als Spion des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, 1985 wurde er Dozent an der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit. Jobst Hirscht, Angehöriger der Polizei Hamburg, Leichtathlet und Gewinner der Bronzemedaille bei der Olympiade 1972 Patrick Ittrich, Angehöriger der Polizei Hamburg und Fußballschiedsrichter Werner Jantosch, von 1968 bis 2004 in verschiedenen Funktionen tätig; von 2004 bis 2012 Hamburger Polizeipräsident Hans Julius Kehrl war zur Zeit des Nationalsozialismus Polizeipräsident sowie Luftschutzführer in Hamburg, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Wolfgang Kopitzsch, Jahrgang 1949, Historiker, seit 1979 Lehrer an der Landespolizeischule, Forschungen zur Polizeigeschichte, Sachgebietsleiter, Abteilungsleiter, Leitender Pädagoge und stellvertretender Leiter der Landespolizeischule, 2007–2009 Leiter der Landespolizeischule, 2008–2009 Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, 2009–2012 Bezirksamtsleiter Hamburg-Nord, 2012–2014 Polizeipräsident. Vorstandsmitglied der Stiftung Lebendige Stadt, Bundesvorsitzender des Arbeitskreises ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten Heinz Krappen, Landespolizeidirektor von 1989–1995; davon 1991–1995 Amtsleiter der Polizei Hamburg; 2005 verstorben Heinz Krause, Erfinder des Verkehrskaspers, war als Polizist in Hamburg tätig und gründete hier in den 1950er Jahren die erste Polizeipuppenbühne. Joachim Lenders, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft von 2001 bis 2004 und seit 2011; Funktionär der Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund Manfred Mahr, ehemaliges Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft von 1993 bis 2003, ab 1975 Angehöriger der Hamburger Polizei und hier als Polizeihauptkommissar Mitarbeiter der Hamburger Verkehrsdirektion Ralf Martin Meyer, seit 1979 Angehöriger der Polizei Hamburg, Polizeipräsident von 2014 bis 2023 Hans-Henning von Pressentin, Militär, Politiker des Stahlhelms und ab 1933 Hamburger Senator, war von 1919 bis 1924 bei der Hamburger Sicherheitspolizei Erhard Pumm, Gewerkschaftsfunktionär, ehemaliges Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, war von 1964 bis 1980 Polizeivollzugsbeamter bei der Hamburger Polizei Robin Schenk, ehemaliges Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft von 2001 bis 2004; seit 1986 Angehöriger der Polizei Hamburg, seit 1999 Kriminalbeamter Norbert Schmid, wurde 1971 bei einem Schusswechsel von Mitgliedern der Rote Armee Fraktion erschossen André Schulz, Berufsverbandsfunktionär, ehemaliger Angehöriger der Hamburger Kriminalpolizei Wolfgang Sielaff, 1960 bis 2002 Angehöriger der Polizei Hamburg, 1989 bis 1997 Leiter des Landeskriminalamt und 1997 bis 2002 Landespolizeiinspekteur / Vizepräsident der Polizei Hamburg Thomas Wüppesahl, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, war von 1971 bis zu seiner Entfernung aus dem Polizeidienst 2005 Mitglied der Polizei Hamburg

Einsätze und Kritik mini|Demonstration gegen die Gefahrengebiete in Hamburg 2014 1951 wurde eine Demonstration von Studenten gegen die Abschaffung von verbilligten Schülermonatstickets gewaltsam beendet. Beim Hafenarbeiterstreik 1951 wurden Kundgebungen verboten und Streikbrecher gewaltsam von der Polizei zur Arbeit gebracht. 1980 ging die Hamburger Polizei mit Gewalt gegen Teilnehmer des CSD Hamburg im Sternschanzenpark vor. 1980 wurde eine Anti-Strauss-Demonstration auf die S-Bahn-Gleise getrieben, wobei ein 16-Jähriger von einer S-Bahn erfasst wurde und anschließend an seinen Verletzungen verstarb.Für die Nazis gefährlich taz, 12. Februar 1995 1986 wurde einem Kurden ein vermeintlicher Sprengstoffanschlagversuch durch den türkischen Geheimdienst mit wissender oder unwissender Hilfe der Polizei Hamburg untergeschoben.Ein Komplott des türkischen Geheimdienstes?taz, 8. Dezember 1986