Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Russlands als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme und Erfolge im Wettbewerb mini|250px|Dima Bilan (Mitte), hier im Siegerjahr 2008, ist der bisher erfolgreichste russische Interpret beim Wettbewerb Nach dem Beitritt zur EBU nahm Russland erstmals 1994 am Wettbewerb teil. Die Sängerin Youddiph landete auf Platz 9 von 25. 1995 belegte das Land Platz 17. 1996 nahm Russland an der Qualifikationsrunde zum Song Contest teil. Dort landete der Sänger Andrei Kossinski auf Platz 26 von 29, womit Russland nicht teilnehmen durfte. 1997 durfte das Land wieder antreten und holte Platz 15. Wegen unzureichender Vorjahresplatzierungen war Russland 1998 nicht für den Eurovision Song Contest zur Teilnahme zugelassen, der zuständige Fernsehsender realisierte dies aber nicht und wählte dennoch intern die Sängerin Tatjana Owsijenko mit dem Lied Solnze mojo aus, das aber nicht in Birmingham antreten durfte. Der Wettbewerb wurde daraufhin 1998 nicht in Russland ausgestrahlt, weshalb das Land den Regeln nach auch 1999 nicht teilnehmen durfte und erst 2000 wieder teilnahm.

Bei der Rückkehr erreichte die Sängerin Alsou Platz 2 und holte mit 155 Punkten eine bis dahin neue Höchstpunktzahl für Russland. 2001 konnte das Land nicht an den Vorjahreserfolg anknüpfen und belegte Platz 12. 2002 erreichte die Band Prime Minister Platz 10. 2003 folgte ein größerer Erfolg. Das Duo t.A.T.u. belegte am Ende Platz 3 und holte mit 164 Punkten eine neue Höchstpunktzahl bis dahin. Es fehlten damals allerdings nur drei Punkte zum Sieg. In den Jahren 2004 und 2005 konnte Russland diesen Erfolg nicht wiederholen und belegte mit Platz 11 und Platz 15 nur Platzierungen im Mittelfeld. Von 2006 bis 2008 folgte dann Russlands bis heute erfolgreichste Phase im Wettbewerb. So musste das Land 2006 erstmals im Halbfinale antreten. Dort belegte der Sänger Dima Bilan Platz 3 und zog somit klar ins Finale ein. Im Finale erreichte Bilan dann Platz 2 mit 248 Punkten, was bis dahin das beste Ergebnis Russlands im Wettbewerb darstellte. Schließlich erreichte Bilan mehr Punkte als Alsou 2000. 2007 war Russland wieder direkt für das Finale qualifiziert und holte mit Platz 3 im Finale wieder ein sehr gutes Ergebnis. 2008 folgte der bisher erfolgreichste russische Beitrag. So trat Dima Bilan 2008 zum bereits zweiten Mal an, musste aber erneut erstmal im Halbfinale antreten, wo er, wie schon 2006, Platz 3 erreichte. Im Finale folgte dann der Erfolg. Bilan belegte Platz 1 und holte somit den ersten Sieg für Russland. Mit 272 Punkten wurde zudem eine bis dahin neue Höchstpunktzahl erreicht. 2009 endete diese Erfolgsreihe.

Als Gastgeberland 2009 konnte Russland Platz 11 im Finale belegen, womit sie erstmals seit 2005 nicht unter den besten Zehn vertreten waren. Auch 2010 wurde Platz 11 im Finale erreicht. 2011 wurde mit Platz 16 im Finale das schlechteste Ergebnis seit 1995 erreicht. Danach ging es für das Land aber wieder bergauf. So gewann Russland 2012 das Halbfinale und belegte im Finale Platz 2. Auch 2013 platzierte sich Russland im Halbfinale unter den besten drei mit Platz 2, holte im Finale aber nur Platz 5. 2014 erreichte der russische Beitrag erneut eine Platzierung unter den besten Zehn mit Platz 7. 2015 gewann Russland dann erneut das Halbfinale und landete im Finale auf Platz 2. Wie schon 2012 gewann Schweden dabei den Wettbewerb. Mit 303 Punkten holte Russland eine neue Höchstpunktzahl, die 2016 aber schon wieder übertroffen wurde. So erreichte das Land 2016 erneut Platz 1 im Halbfinale, landete im Finale aber nur auf Platz 3. Trotzdem konnte Sergej Lasarew das Televoting gewinnen und hat mit 491 Punkten die bis heute höchste Punktzahl Russlands im Wettbewerb geholt. Somit landete das Land zwischen 2012 und 2016 nur unter den besten Zehn. 2017 zog sich das Land vom Wettbewerb zurück.

Zwar bestätigte Russland seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2017 und wählte intern Julija Samoilowa mit dem Lied Flame Is Burning aus. Da sie aber 2016 unter russischer Flagge die durch Russland besetzte Krim besuchte, erteilte ihr der ukrainische Staat ein Einreiseverbot von drei Jahren. Die EBU versuchte daraufhin Auswege zu finden, um die Teilnahme Samoilowas doch zu ermöglichen. Am 13. April 2017 zog sich Russland allerdings freiwillig vom Wettbewerb zurück, da immer noch keine Lösung gefunden wurde. Somit nahm Russland 2017 nicht teil und strahlte den ESC auch nicht aus, woraufhin das Land eine Verwarnung erhielt. Es war das erste Mal seit 1999, dass kein russischer Beitrag teilnahm. 2018 kehrte Russland aber wieder zum ESC zurück, allerdings war es zunächst noch unklar, ob Julija Samoilowa das Land vertreten würde, da ihre Direktnominierung für das Folgejahr zwischenzeitlich wieder ausgesetzt worden war. Samoilowa wurde dennoch ausgewählt und vertrat Russland somit 2018. Allerdings holte sie das bis heute schlechteste Ergebnis des Landes im Wettbewerb. So belegte sie lediglich Platz 15 von 18 im Halbfinale, womit Russland zum ersten Mal in der Geschichte des Eurovision Song Contest im Halbfinale ausschied und somit den Status verlor, sich immer für das Finale qualifiziert zu haben, im selben Jahr wie Aserbaidschan und Rumänien. 2019 vertrat dann Sergej Lasarew zum bereits zweiten Mal Russland. Anders als sein Vorgänger Dima Bilan, konnte er allerdings nicht den Wettbewerb gewinnen. Trotzdem erreichte Russland mit Lasarew erstmals seit 2016 wieder das Finale und konnte dort mit Platz 3 an die vorherigen Erfolge anknüpfen. Bei der letzten Teilnahme im Jahr 2021 erreichte man den neunten Platz.

Am 25. Februar 2022 nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gab die EBU bekannt, Russland vom Eurovision Song Contest 2022 auszuschließen. Die russischen Sender verkündeten ihren Austritt aus der EBU.

Insgesamt landeten also 17 von den 22 Beiträgen in der linken Tabellenhälfte. Insgesamt schied Russland einmal im Halbfinale aus und erreichte bisher noch nie den letzten Platz. Mit einem Sieg, vier zweiten und vier dritten Plätzen und vielen weiteren Platzierungen unter den besten Zehn, zählt Russland zu den erfolgreichsten Teilnehmern im Wettbewerb.

Liste der Beiträge Farblegende:

Jahr Interpret Titel Musik (M) und Text (T) Sprache Übersetzung Finale Halbfinale/ Qualifikation Nationaler Vorentscheid Platz Punkte Platz Punkte 1994 Youddiph Wetschny strannikM: Lew Zemlinski; T: Marija Katz Russisch Ewiger Wanderer 9 / 25 70 Direkt für das Finale qualifiziert Nationaler Vorentscheid 1995 Filipp Kirkorow Kolybelnaja dlja wulkanaM: Ilja Berschadski; T: Ilja Resnik Russisch Wiegenlied für einen Vulkan 17 / 23 17 interne Auswahl 1996 Andrei Kossinski Ja eto jaM/T: Andrei Kossinski, Nikolai Denissow Russisch Ich bin, was ich bin Nicht qualifiziertQualifikationsrunde 26 / 29 14 interne Auswahl 1997 Alla Pugatschowa PrimadonnaM/T: Alla Pugatschowa Russisch – 15 / 25 33 Direkt für das Finale qualifiziert interne Auswahl 1998 Nicht qualifiziert 1999 Auf Teilnahme verzichtet 2000 Alsou SoloM/T: Andrew Lane, Brandon Barn Englisch – 2 / 24 155 Direkt für das Finale qualifiziert interne Auswahl 2001 Mumi Troll Lady Alpine BlueM/T: Ilja Lagutenko Englisch Alpenblaue Dame 12 / 23 37 interne Auswahl 2002 Prime Minister Northern GirlM: Kim Breitburg; T: Karen Kawalerjan, Jewgeni Fridljand, Irina Antonjan Englisch Nordisches Mädchen 10 / 24 55 interne Auswahl 2003 t.A.T.u. Ne wer, ne boisja M: Waleri Polijenko; T: Mars Lasar Russisch Glaube nicht, hab keine Angst 3 / 26 164 interne Auswahl 2004 Julija Sawitschewa Believe MeM: Maxim Fadejew; T: Brenda Loring Englisch Glaube mir 11 / 24 67 interne Auswahl 2005 Natallja Padolskaja Nobody Hurt No OneM: Wiktor Drobysch; T: Mary Applegate, JP Järvinen Englisch Niemand verletzt niemanden 15 / 24 57 Nationaler Vorentscheid 2006 Dima Bilan Never Let You GoM: Alexander Lunjew; T: Karen Kawalerjan, Irina Antonjan Englisch Ich werde Dich nie gehen lassen 2 / 24 248 3 / 23 217 interne Auswahl 2007 Serebro Song #1M: Maxim Fadejew; T: Daniil Babitschew Englisch Lied Nummer eins 3 / 24 207 Direkt für das Finale qualifiziert interne Auswahl 2008 Dima Bilan BelieveM/T: Dima Bilan, James Washington Englisch Glaube 1 / 25 272 3 / 19 135 Ewrowidenije 2008 2009 Anastassija Prychodko MamoM/T: Konstantin Meladse, Diana Golde Russisch, Ukrainisch Mama 11 / 25 91 Direkt für das Finale qualifiziert Ewrowidenije 2009 2010 Pjotr Nalitsch Lost and ForgottenM/T: Pjotr Nalitsch Englisch Verloren und vergessen 11 / 25 90 7 / 17 74 Ewrowidenije 2010 2011 Alexei Worobjow Get YouM/T: Alexei Worobjow, Nadir Khayat, Achraf Janussi, Bilal Hajjii, Eric Sanicola Englisch, Russisch Dich bekommen 16 / 25 77 9 / 19 64 interne Auswahl 2012 Buranowskije Babuschki Party for EverybodyM: Wiktor Drobysch, Timofei Leontjew; T: Olga Tuktarjowa, Mary Applegate Udmurtisch, Englisch Feier für Jeden! 2 / 26 259 1 / 18 152 Ewrowidenije 2012 2013 Dina Garipowa What IfM/T: Gabriel Alares, Leonid Gutkin, Joakim Björnberg Englisch Was wäre, wenn 5 / 26 174 2 / 16 156 interne Auswahl 2014 Tolmatschowa-Schwestern ShineM: Dimitris Kontopoulos, Filipp Kirkorow; T: John Ballard, Ralph Charlie, Gerard James Borg Englisch Scheinen 7 / 26 89 6 / 16 63 interne Auswahl 2015 Polina Gagarina A Million VoicesM/T: Gabriel Alares, Joakim Björnberg, Katrina Noorbergen, Leonid Gutkin, Wladimir Matezki Englisch Eine Million Stimmen 2 / 27 303 1 / 16 182 interne Auswahl 2016 Sergej Lasarew You Are the Only OneM: Dimitris Kontopoulos, Filipp Kirkorow; T: John Ballard, Ralph Charlie Englisch Du bist die Einzige 3 / 26 491 1 / 18 342 interne Auswahl 2017 Julija Samoilowa Flame Is BurningM/T: Leonid Gutkin, Netta Nimrodi, Arie Burshtein Englisch Die Flamme brennt Teilnahme zurückgezogenEinreiseverbot für Julija Samoilowa interne Auswahl 2018 Julija Samoilowa I Won’t BreakM/T: Leonid Gutkin, Netta Nemrodi, Arie Burshtein Englisch Ich werde nicht brechen Ausgeschieden 15 / 18 65 interne Auswahl 2019 Sergej Lasarew ScreamM/T: Dimitris Kontopoulos; M: Filipp Kirkorow; T: Sharon Vaughn Englisch Schreien 3 / 26 370 6 / 18 217 interne Auswahl 2020 Little Big UnoM/T: Little Big Englisch, Spanisch Eins Absage wegen der COVID-19-Pandemiedurch die EBU interne Auswahl 2021 Manischa Russian WomanM: Ori Avni, Ori Kaplan; T: Manischa Sangin Russisch, Englisch Russische Frau 9 / 26 204 3 / 16 225 Ewrowidenije 2021 – Nazionalny otbor seit 2022 Suspendierung aufgrund des Überfalls auf die Ukraine

Nationale Vorentscheide

Die meisten russischen Beiträge wurden intern ausgewählt, lediglich sieben Mal fand eine im Fernsehen übertragene Vorausscheidung statt: 1994 stellten neun Interpreten je einen Titel vor, bevor eine Jury den Sieger kürte. Ursprünglich sollten elf Titel antreten, zwei wurden jedoch disqualifiziert: Ein Ausschnitt des Liedes Oi, oi, oi wurde entgegen den Regeln vor dem Wettbewerb im Radio gespielt, dem anderen Lied Kogda wernus w Rossiju wurde vorgeworfen, antisemitisch zu sein. Beide Lieder wurden dennoch als Pausennummer gespielt.. In: geocities.com, abgerufen am 19. Mai 2019. 1996 traten vierzehn Sänger an, unter denen erneut eine Jury den Favoriten bestimmte. Alla Pugatschowa, russische Vertreterin ein Jahr später, war Mitglied dieser Jury. 2005 fanden vor dem Finale noch drei Vorrunden mit insgesamt 29 Liedern statt. Erstmals wurde ausschließlich per Telefon abgestimmt. 2008 fand erneut eine Vorentscheidung statt. An ihr nahmen 27 Künstler teil.. In: geocities.com, abgerufen am 19. Mai 2019. Auch 2009 gab es eine öffentliche Vorentscheidung, 2012 wurde das Verfahren von 2008 wiederholt. Aus 150 Bewerbern wurde eine Finalistengruppe aus 25 Beiträgen zusammengestellt, aus der am 7. März 2012 ein Gewinner hervorging. Die Entscheidung bestimmten eine nationale Jury und ein Televoting, denen gleich viel Gewichtung zugestanden wurde.Russia revealed its rules for the national selection. In: eurovision.tv, 29. Dezember 2011, abgerufen am 17. März 2019.

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