Nukulaelae, anderer Name: Nukulailai, alter Name: Mitchell Island oder Mitchell Group, ist ein bewohntes Atoll im westlichen Pazifischen Ozean, das geografisch zur Gruppe der Elliceinseln und politisch zum Inselstaat Tuvalu gehört.

Geografie Nukulaelae ist ein geologisch weit fortgeschrittenes Atoll, dessen ehemaliger Vulkangipfel bereits unter der Meeresoberfläche verschwunden ist. Es ist nur der Kranz von niedrigen Riffinseln (Motu) verblieben, um den sich ein neues Saumriff gebildet hat. Durch das Riff führen zwei Bootspassagen. Die nordwestliche zum Motu Fangaua (auch Fangawa geschrieben) ist künstlich vertieft und führt zu einer Betonrampe nahe der Siedlung. Ein weiterer Durchlass durch das Riff liegt im Südwesten. Das Atoll erstreckt sich über rund 10 km von Nord nach Süd und 3,5 km von Ost nach West. Die Landfläche aller Inseln zusammen beträgt nur 1,82 km², die Lagune hingegen bedeckt 25,4 km². Die Wassertiefe der Lagune ist gering, der tiefste gemessene Punkt liegt bei 30 m.Robert B. Smith (et al.): Survey of Nukulaelae and Nukufetau Lagoons, Tuvalu. South Pacific Applied Geoscience Commission, 1989 Die höchste Erhebung des Atolls auf dem Motu Fangaua beträgt 26 m.Sailing Directions Pacific Islands. National Geospatial-Intelligence Agency, Springfield, Virginia, 2017 Die übrigen Riffinseln ragen nur wenige Meter über den Meeresspiegel.

Riffinseln (Motu) Motukatuli Foliki Kavatu Tumiloto (Tumilotu) Tapulaeani Kalilaia Niuoko (Niuoku) Fenulaiago (Fenualago) Motualama Fetuatasi Teafuafatu Aula Temotutafa Teafatule Fangaua (Fagawa) Muliteatua Motutala Asiageonames.org.

Klima und Wetter Nach der Klassifikation des Klimas von Köppen und Geiger gehört Nukulaelae zur tropischen Klimazone Af.Koeppen-Geiger world climate classification map Das Klima ist ausgeglichen, tropisch heiß und feucht, ohne ausgeprägte Jahreszeiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 25 und 31 °C mit nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Die Insel liegt im südostpazifischen Passatwindgürtel, das hat Auswirkungen auf die Regenmenge. Der meiste Regen fällt von Oktober bis April, eher trocken sind die Monate April bis Oktober. Wie in den Tropen üblich, fällt der Regen meist in kurzen, heftigen Schauern. I. M. Madaleno: Climate change in the Pacific. In: Y. Villacampa, C. A. Brebbia (eds.): Ecosystems and Sustainable Development VIII. WIT-Press 2011, ISBN 978-1845645106, S. 243–252

Schwere tropische Wirbelstürme sind nicht häufig, dennoch wird die Insel von Zeit zu Zeit von Zyklonen heimgesucht. Im März 2015 sorgte der Zyklon „Pam“ für Überflutungen auf dem Motu Fangaua. Zwei Drittel der Häuser erlitten Schäden.Ron K. Hoeke, Herve Damlamian (et al.): Severe Flooding in the Atoll Nations of Tuvalu and Kiribati Triggered by a Distant Tropical Cyclone Pam. In: Frontiers in Marine Science, Vol. 7 (1), 2021 Überflutungen gab es auch im Januar 2020 während des Zyklons „Tino“. Zahlreiche Bäume wurden geknickt, Pflanzungen verwüstet und Häuser beschädigt. Vegetation Die Flora der Insel wird heute von Kokospalmen dominiert, die umfangreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Plantagen für die Kopra-Produktion angepflanzt wurden. Von der ursprünglichen Vegetation gibt es nur noch Reste. Sie entspricht der typischen, auch auf anderen Atollen im Pazifik vorkommenden Zusammensetzung mit Kokospalmen, Pisonia grandis, Cordia subcordata, Pandanus tectorius und Guettarda speciosa. Die hinteren Strandbereiche sind gesäumt von Ipomoea pes-caprae.Dieter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York – Berlin 1998, ISBN 0-387-98285-X, S. 328

Geschichte Der Name Nukulaelae für die Insel bedeutet: „Land aus Sand“. Der Legende nach war es ein hellhäutiger Mann, der sie zuerst sichtete, aber dort nicht siedelte, da ihm das Land kahl und leer erschien. Der nächste Besucher mit Namen Valoa stammte von dem nördlich gelegenen Atoll Vaitupu. Er brachte aus seiner Heimat Setzlinge der Kokospalme mit, die er auf Nukulaelae anpflanzte. Als das Land begrünt war, siedelte sich Valoa mit seinen zwei Söhnen, seiner Tochter Teaalo und mehreren Begleitern auf der Insel an. Aber auch ein Krieger von Funafuti mit Namen Takauapi traf ein und tötete Valoas Söhne im Kampf. Teaalo wurde verschont und gebar mehrere Kinder. Die kleine Gemeinschaft wählte Valoa zu ihrem Stammesführer (aliki). Mit der Zeit entstanden auf mehreren Motus separate Siedlungen, deren Bewohner friedlich zusammenlebten, auch mit den Nachfahren von Takauapi.Simati Faanui, Hugh Laracy (ed.): Tuvalu: A History. University of the South Pacific, Institute of Pacific Studies, Suva 1983

Inwieweit die Erzählung einen wahren Kern hat, ist nicht zu belegen, da sie nur auf mündlicher Weitergabe beruht. Die Völker im westlichen Pazifischen Ozean hatten keine Schrift entwickelt und umfassende archäologische Untersuchungen hat es auf Nukulaelae bisher nicht gegeben. Man nimmt heute an, dass die nördlichen Tuvalu-Inseln von Samoa oder Tonga aus besiedelt wurden, wahrscheinlich um das 14. Jahrhundert. Keith S. Chambers und Doug Munro: The Mystery of Gran Cocal: European Discovery and Mis-Discovery in Tuvalu. The Journal of the Polynesian Society, Band 89 (2) 1980, S. 167–198 Es ist daher ein nicht unwahrscheinliches Szenario, dass die Seefahrer vorher andere Inseln des Archipels im Norden besiedelt hatten, bevor sie Nukulaelae erreichten.

Auf dem Motu Tumuiloto gab es eine Male namens Fagafale, eine Zeremonialanlage, an der religiöse Riten zu Ehren der Ahnen praktiziert wurden. Auf Motu Niuoko steht an einem Ort namens Te Faleatua („Haus der Götter“) ein Orthostat, ein großer Stein, der nicht mehr nachvollziehbaren, zeremoniellen Zwecken diente.

Der mündlichen Überlieferung nach gab es Mitte des 19. Jahrhunderts eine Fehde zwischen den Inseln Funafuti und Nukulaelae. Krieger von Funafuti segelten nach Nukulaelae und töteten viele Männer.Charles Hedley: General account of the Atoll of Funafuti. The Australian Museum Memoir 3(2), Sydney 1896, S. 45

Entdeckungsgeschichte Die Bark Independence II unter Kapitän George Barrett aus Nantucket begann am 23. Juli 1819 eine mehrjährige Walfangreise. Das Schiff rundete Kap Hoorn und erreichte den Pazifik im November desselben Jahres. Nach einer nur mäßig erfolgreichen Jagd bei den Galapagosinseln, bei Hawaii und in der Japan-See versuchte Barrett sein Glück in den Gewässern um die Gilbertinseln, zu jener Zeit bekannt als Kingsmill Islands, und den Elliceinseln. Am 6. November 1821 sah er eine mit Kokospalmen bewachsene Gruppe von kleinen Inseln und sandte ein Boot aus, das zwei Besatzungsmitglieder anlandete, die von den Insulanern freundlich empfangen wurden. Mit Kokosnüssen beladen kehrte das Boot zurück. Barrett nannte die Neuentdeckung „Mitchell’s Group“ nach Aaron Mitchell, dem Eigner der Independence II.Andrew Sharp: Discovery of Pacific Islands. Greenwood Press, Westport 1960, S. 195Edouard A. Stackpole: The Sea-Hunters – The Great Age of Whaling. Lippincott Company, Philadelphia 1953, S. 279

Die USS Peacock und die USS Flying-Fish, zwei Schiffe der United States Exploring Expedition (US Ex. Ex.) von Charles Wilkes, passierten Nukulaelae am 13. März 1841. Die Amerikaner betraten die Insel nicht, sondern besuchten nur die Nachbarinsel Funafuti. In Wilkes Bericht wird sie nicht erwähnt, ist aber als „Mitchell I.“ auf der Karte der Expedition eingezeichnet.Charles Wilkes: Narrative of the United States Exploring Expedition During the Years 1838, 1839, 1840, 1841, 1842. Band 5, Lea & Blanchard, Philadelphia 1845, S. 37 Mission Elekana, ein einheimischer Laienprediger der London Missionary Society (LMS) von den Cookinseln, wird als Begründer des Christentums auf den Tuvalu-Inseln angesehen. An der Südspitze des Motu Tumiloto hat man 1861 ein Denkmal errichtet, das Elekana Tuvalu-Christianity Memorial, das an das Wirken von Elekana erinnert. Nach der Überlieferung kam er mit neun Gefährten während einer Kanureise von Manihiki nach Rakahanga vom Kurs ab und trieb angeblich rund 2000 km über den Ozean, bis er zufällig auf Nukulaelae landete. Sechs Personen hatten die Reise überlebt. Die Insulaner nahmen sie freundlich auf und seien begierig gewesen, von Elekana etwas über das Evangelium zu hören. Um sie in die Lage zu versetzen, das mitgebrachte Neue Testament lesen zu können, das in der Sprache Rarotongas verfasst war, richtete Elekana Alphabetisierungskurse für alle Bevölkerungsschichten ein. Sein Erfolg sei so groß gewesen, dass die Menschen ihn baten, als ihr Lehrer auf der Insel zu bleiben. Da er jedoch kein ordinierter Geistlicher war, reiste er nach Samoa, um am 1844 gegründeten Malua Theological College der LMS Theologie zu studieren.Michael Goldsmith, Doug Munro: The Accidental Missionary: Tales of Elekana. Macmillan Brown Centre for Pacific Studies, University of Canterbury, 2002, ISBN 1-877175-33-1 Während Elekanas Abwesenheit agierte Tom Rose, ein dunkelhäutiger Beachcomber, als Laienprediger.Archibald Wright Murray: Forty years' mission work in Polynesia and New Guinea, from 1835 to 1875. Robert Carter & Brothers, New York 1892, S. 381 Obwohl die Geschichte von Elekanas abenteuerlicher Drift über den Ozean ständig wiederholt, erzählt und auch gelehrt wird, ist ihr Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen.

Wahrscheinlich sind die Insulaner durch Händler und Walfänger erstmals – gewollt oder ungewollt – mit dem Christentum in Verbindung gekommen. Ein schottischer Kopra-Händler namens Stuart dürfte, wie der Missionar Archibald Wright Murray berichtet, wesentlich dazu beigetragen haben, die Grundlagen der ursprünglichen Religion der Insulaner zu unterminieren. Er hatte den Eingeborenen erzählt, dass ihre Gottheiten nur leblose Idole seien und der wahre Gott nicht in ihren Marae, sondern im Himmel wohne.Henry Evans Maude: Slavers in Paradise. University of the South Pacific, Suva 1986

Im Mai 1865 nahm die London Missionary Society (LMS) ihre Missionstätigkeit in Tuvalu auf. Die LMS charterte das Handelsschiff Augustite der Reederei J.C. Godeffroy & Sohn aus Hamburg, das zwischen den pazifischen Inseln operierte, um Missionare auf die Inseln der Ellice-Gruppe zu bringen. An Bord waren der schottische Missionar Archibald Wright Murray (1811–1892), Elekana und zwei samoanische Theologieabsolventen, Ioane und Matatita, mit ihren Frauen, die auf den Inseln der Ellice-Gruppe das Christentum verbreiten sollten. Das Schiff kam auch nach Nukulaelae und Ioane und seine Frau siedelten sich dort als Missionare an. Sie waren erfolgreich, blieben jedoch fünf Jahre lang sich selbst überlassen und ohne Unterstützung, bis Reverend Stuart Whitmee 1870 einen Folgebesuch machte.Michael Goldsmith: Missionaries and other Emissaries of Colonialism in Tuvalu. In: The Journal of the Polynesian Society, Volume 12 (4), Dezember 2019 Heute gehört die Mehrzahl der Einwohner der Ekalesia Kelisiano Tuvalu (EKT) an, einer kongregationalistischen, christlichen Religionsgemeinschaft, deren in einer Grünfläche gelegene Kirche zusammen mit der übergroßen Versammlungshalle (maneapa) den Mittelpunkt der Inselgemeinde bildet.

Der Kapitän der Augustita nutzte den Aufenthalt, verhandelte mit Häuptling (ulu aliki) Tafalagilua und pachtete im Namen von Theodor Weber von der Firma Godeffroy Motu Niuoko für 25 Jahre, um dort Kokosplantagen für die Kopra-Produktion anzulegen. Er ließ Peter Laban als Verwalter und Arbeitskräfte von anderen Inseln zurück. Die Plantage bestand bis 1890, doch zwischen den Einwohnern von Nukulaelae und den fremden Arbeitern und ihren Familien kam es zu ständigen Reibereien und zudem zu Streit um die Pachtbedingungen.Suamalie N.T. Iosefa, Doug Munro, Nico Besnier: Te tala o Niuoko: the German plantation on Nukulaelae Atoll, 1865-1890. University of South Pacific, Suva 1991

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