mini|Limburger Staurothek, geöffneter Zustand mini|Limburger Staurothek, geschlossener Zustand mini|Rückseite der Lade

Die Limburger Staurothek ist ein um das Jahr 964 in Byzanz entstandenes kaiserliches Kreuzreliquiar, das sich ursprünglich neben anderen zentralen christlichen Reliquien der Passion Christi in der kaiserlichen Pharos-Palastkapelle im Großen Palast Konstantinopels befand. Sie ist ein herausragendes Beispiel byzantinischer kaiserlicher Schatzkunst. Eine Staurothek (von „Kreuz“ und „Behälter, Kiste“) ist ein Behälter, in dem Teile vom Kreuz Christi aufbewahrt werden.

Geschichte Die Limburger Staurothek wurde um das Jahr 964 vom Parakoimomenos Basileios Lakapenos gestiftet. Die Staurothek bildete eine der zentralen Reliquien der Passion Christi in der wichtigsten der 30 Palastkapellen im Großen Palast Konstantinopels, der Pharos-Palastkapelle.Alexei Lidov: A Byzantine Jerusalem. The Imperial Pharos Chapel as the Holy Sepulchre. In: Annette Hoffmann, Gerhard Wolf (Hrsg.): Jerusalem as narrative space – Erzählraum Jerusalem (= Visualising the Middle Ages Bd. 6). Brill, Leiden-Boston 2012, S. 63–103, hier S. 69 (Digitalisat). Während des Vierten Kreuzzugs brachte der Ritter Heinrich von Ulmen (1175–1236) Bernhard Kreutz: Heinrich von Ulmen (ca. 1175–1234). Ein Kreuzfahrer zwischen Eifel und Mittelmeer. In: Franz Irsigler, Gisela Minn (Hrsg.): Porträt einer europäischen Kernregion. Der Rhein-Maas-Raum in historischen Lebensbildern. Kliomedia, Trier 2005, ISBN 3-89890-087-8, S. 80–91. unter vielen anderen Stücken auch die Staurothek nach Deutschland. Als seine Stiftung kam das Reliquiar 1208 in das Augustinerinnenkloster Stuben bei Bremm an der Mosel, wo es von seiner Schwester, der Äbtissin Irmgard von Ulmen, verwahrt wurde. Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1802 wurde es auf die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gebracht, von wo es in Besitz des Fürsten von Nassau-Weilburg gelangte. Als Säkularisationsgut überreichte Herzog Wilhelm I. von Nassau 1835 das Reliquiar dem acht Jahre zuvor gegründeten Bistum Limburg.Das byzantinische Kreuzreliquiar, Diözesan Museum Limburg, abgerufen am 23. Juli 2024 Das Reliquiar wird heute im Diözesanmuseum LimburgInventarnr. D 1/1-3. ausgestellt.

Beschreibung Die Staurothek besteht aus mit feuervergoldetem Silberblech überzogenem Sykomorenholz. Dekoriert ist sie mit Zellenschmelzemail, Perlen, Smaragden, Saphiren, Almandinen sowie geschliffenen Schmucksteinen. Ihre Maße betragen 48 cm Länge, 35 cm Breite, 6 cm Höhe, ihr Gewicht ist ca. 11 kg.

Die Staurothek besteht aus zwei Teilen, einem Schiebedeckel und der Lade mit den Kreuzreliquien. Der Schiebedeckel sicherte beim Transport den Kasteninhalt und war die dauerhafte Schauseite des Reliquienkastens. Nur zu besonderen Anlässen wurde der Schiebedeckel entfernt und der Blick auf die innere Reliquiensammlung zur Verehrung freigegeben.

Auf der Mitte des Deckels ist eine große Deesis dargestellt: Maria, begleitet vom Erzengel Michael, und Johannes der Täufer, begleitet vom Erzengel Gabriel, stehen rechts und links zur Seite des thronenden Christus. Die Engel tragen die byzantinische Hoftracht, während Christus, Maria und Johannes in Purpur, der Farbe des Kaisers, gekleidet sind. Das zentrale Bild wird von Ornamentleisten gerahmt, denen Medaillons von Heiligen eingefügt sind. Die Rückseite des Deckels zeigt ein auf einem Sockel stehendes Kreuz aus getriebenem Silber mit Feuervergoldung und Edelsteinen. Aus dem Fuß des Kreuzes wächst eine Akanthusranke, Symbol für das Kreuz als Lebensbaum.

In der Innenseite sind die Kreuzpartikel in ein doppelbalkiges Patriarchenkreuz eingelegt. Es ist von zehn Feldern mit der Darstellung von Seraphim und Cherubim umgeben, die jeweils kleine Behälter mit Marien- und Christusreliquien abdecken. Im Uhrzeigersinn sind die Felder – in deutscher Übersetzung – folgendermaßen beschriftet:Rolf Toman (Hrsg.): Ars Sacra. Christliche Kunst und Architektur des Abendlandes von den Anfängen bis zur Gegenwart. Potsdam 2015, S. 80. Der Purpurmantel des Lebensspenders Jesus Christus Das Leinentuch unseres Schöpfers und Gottes Jesus Christus Der Schwamm des langmütigen Christus, unseres Erretters Der Gürtel der stets jungfräulichen Gottesgebärerin aus der Chalkoprati-Kirche Die ehrwürdigen Haare des heiligen Johannes des Vorläufers Der Gürtel der hochheiligen Jungfrau und Gebärerin vom Bischof von Zela Der Schleier der hochheiligen Gottesgebärerin Das Grabtuch des unsterblichen Gottes und Christus Die Windeln Jesu Christi, des Gottessohnes Die Dornenkrone des menschenliebenden Christus, unseres Gottes

Die Inschrift auf der Rückseite des Kreuzreliquiars, die die todesüberwindende und siegbringende Kraft des Kreuzes preist, lautet in deutscher Übertragung:

Literatur Ernst Günther Grimme: Goldschmiedekunst im Mittelalter. Form und Bedeutung des Reliquiars von 800 bis 1500. M. DuMont Schauberg, Köln 1972, ISBN 3-7701-0669-5, S. 32–35. Hans Wolfgang Kuhn: Heinrich von Ulmen, der vierte Kreuzzug und die Limburger Staurothek. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 10, 1984, S. 67–106. Margaret English Frazer, Anthony Cutler: Limburg an-der-Lahn Reliquiary. In: Alexander P. Kazhdan (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Byzantium. Band 2. Oxford University Press, New York NY u. a. 1991, ISBN 0-19-504652-8, S. 1228–1229. Holger A. Klein: Byzanz, der Westen und das „wahre“ Kreuz. Die Geschichte einer Reliquie und ihrer künstlerischen Fassung in Byzanz und im Abendland (= Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend Reihe B: Studien und Perspektiven Band 17). Reichert, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-89500-316-5. August Heuser, Matthias Theodor Kloft (Hrsg.): Im Zeichen des Kreuzes. Die Limburger Staurothek und ihre Geschichte. Ausstellung anlässlich des 50. Jubiläums der Limburger Kreuzwoche. Diözesanmuseum Limburg, Dommuseum Frankfurt 2009/10. Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2304-9. Brad Hostetler: The Limburg Staurotheke: A Reassessment. In: Athanor. Band 30, 2012, S. 7–13 (Digitalisat). Christopher Sprecher: Emperor and God: Passion Relics and the Divinisation of Byzantine Rulers, 944–1204 (= Kulturelles Erbe: Materialität – Text – Edition (KEMTE) Band 5). Heidelberg University Press, Heidelberg 2024, ISBN 978-3-96822-225-7 / ISBN 978-3-96822-226-4, S. 75–124 (Digitalisat)

Weblinks

Domschatz und Diözesanmuseum Limburg

Anmerkungen

Kategorie:Reliquiar Kategorie:Kunstwerk der byzantinischen Kunst Kategorie:Kultur (Limburg an der Lahn) Kategorie:Werk (10. Jahrhundert) Kategorie:Bildende Kunst (Hessen) Kategorie:Christentum in Limburg an der Lahn