Sachs-Stadion (bis 2021: Willy-Sachs-Stadion) ist der Name eines großen, städtischen Sportparks in Schweinfurt. Das Fußballstadion mit Leichtathletikanlage innerhalb des Sportparks heißt seit 2025 Riedel Bau Arena (auch: Riedel Bau Arena im Sachs-Stadion). Sie bietet 14.718 Plätze, davon 860 Sitzplätze die alle überdacht sind.
Die gesamte Anlage wurde von Willy Sachs, dem damaligen Alleininhaber der Schweinfurter Fichtel & Sachs AG, für eine Million Reichsmark der Stadt Schweinfurt gestiftet und 1936, neun Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Berlin, eröffnet. Der 1. FC Schweinfurt 05 erhielt von Sachs ein festgeschriebenes Erstnutzungsrecht aller Einrichtungen des Stadions, so lange der Verein besteht.Matthias Hunger: Fußballheimat Franken. Arete Verlag, Hildesheim 2017, ISBN 978-3-942468-91-6, S. 188–189.
Die Stadionanlage, die bis in die 1960er Jahre zu den größten Sportparks in Deutschland gehörte, wurde in Anwesenheit von Hermann Göring und Heinrich Himmler eingeweiht. Wegen der Verstrickungen von Willy Sachs mit dem Nationalsozialismus wurde sie 2021 umbenannt.
Die Haupttribüne des Stadions wurde im Bauhausstil vom Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz entworfen. Es ist eine der seltenen Vorkriegsanlagen, in denen bis heute keine größeren baulichen Eingriffe vorgenommen wurden. Neben dem Berliner Olympiastadion ist es die einzige, weiträumige Sportanlage aus den 1930er Jahren, die einschließlich aller Nebengebäude unter Denkmalschutz steht.
Lage und Verkehrsanbindung Das Stadion liegt im Nordwestlichen Stadtteil, 2 km nordwestlich des Stadtzentrums und 2 km nördlich des Hauptbahnhofs. Das Stadion liegt an der B 303, die identisch mit der Niederwerrner Straße ist, einer nordwestlichen Ausfallstraße nach Bad Kissingen. Mehrere Tausend, zum größten Teil kostenlose Parkplätze, stehen am Volksfestplatz (Wegweiser „Stadion“ folgen) und in der Umgebung zur Verfügung.
Anreise mit dem Auto Autofahrer aus Richtung Kassel verlassen die A 7 an der Anschlussstelle Nr. 98 Wasserlosen und folgen nun der B 303, die direkt zum Stadion führt. Aus Richtung Würzburg verlässt man die A 7 am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck, fährt nun auf der A 70 bis zum Autobahndreieck Werntal und hier auf die A 71 Richtung Erfurt. An der Anschlussstelle Nr. 30 (AS 30) Schweinfurt-West gelangt man ebenfalls auf die B 303 und fährt hier Richtung Schweinfurt. Aus Richtung Erfurt verlässt man die A 71 ebenfalls an der AS 30.
Autofahrer aus Richtung Bamberg verlassen die A 70 an der AS 7 Schweinfurt-Zentrum und fahren auf der B 286 Richtung Stadtmitte und folgen dann den Wegweisern „Stadion“.
Gästefans Gästefans die mit dem Auto aus Richtung Kassel, Würzburg und Erfurt anreisen biegen auf der oben erwähnten B 303 an der Ortstafel Schweinfurt links und dann in die zweite Straße rechts (Adolf-Ley-Straße) ab. Sie führt in Verlängerung zur Willi-Kaidel-Straße mit den Gäste-Parkplätzen.
Über die Straße östlich des Stadions (Heeresstraße/Kasernenweg) gelangt man vom obigen Gästeparkplatz wie auch vom übrigen Stadionumfeld zu Fuß in ca. 10 Minuten über den Eingang-Ost zum Gäste-Fanblock in der Nordkurve (siehe: oberer Plan).
Anreise mit der Bahn Mit dem Regionalexpress Anreisende steigen am Hauptbahnhof Schweinfurt aus und können dort Montags bis Freitags vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) für Regional- und Fernbusse am Bahnhofsplatz das Stadion direkt mit der Regionalbuslinie 8139 (OVF) erreichen. Alternativ erreicht man täglich vom Hauptbahnhof mit dem Stadtbus, mit einem Umstieg, das Stadion: Zunächst gelangt man mit der Linie 100 oder 120 zum ZOB für Stadtbusse am Roßmarkt. Von dort führt die Linie 160 zum Stadion und die Linie 140 zum Volksfestplatz neben dem Stadion.
Mit der Regionalbahn Anreisenden empfiehlt es sich am Haltepunkt Schweinfurt Mitte auszusteigen und von dort in ca. 10 Minuten zum ZOB Roßmarkt (siehe oben) zu laufen.
Ausbau zur Riedel Bau Arena Für den Aufstieg des FC 05 in die 3. Liga im Jahr 2025 musste das Stadion gemäß den neuen, wesentlich erweiterten Lizenz-Anforderungen des DFB weiter ausgebaut werden. Zusätzliche Sitzplatzbereiche, eine Rasenheizung, eine Umrüstung des Flutlichts auf LED-Technik, weitere Medien-Arbeitsbereiche, ein VIP-Zelt über zwei Etagen, eine Polizeiwache und weitere Arbeiten wurden nötig. Auf die Stehränge in der Nord- und Südkurve wurden mobile Sitztribünen aufgesetzt, um die erforderliche Zahl von mindestens 2.000 Sitzplätzen zu erhalten. Die Einbauten in die historische Stadionanlage wurden formal ansprechend gestaltet. In der Südkurve wurden die Tribünen symmetrisch, beiderseits des Marathontors, eingebaut.
Dem Verein entstanden durch den Ausbau Gesamtkosten von knapp fünf Millionen Euro. Gut eine Million Euro brachte der Verein auf, der Rest wurde dem FC 05 per Stadtratsbeschluss gewährt.
Sachs-Stadion / Geschichte Anlass zum Bau Der unmittelbare Anlass für die Finanzierung eines neuen Fußballstadions für den 1. FC Schweinfurt 05 waren die unzulänglichen Platzverhältnisse der existierenden Spielstätte an der Ludwigsbrücke. Während der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt 1928 das Stadion am Hutrasen bezog, mit 6000 Plätzen (1941).Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 7: Vereinslexikon. AGON-Sportverlag, Kassel 2001, ISBN 3-89784-147-9, S. 410–411.
Nach dem Aufstieg des FC 05 in die Gauliga Bayern (oberste deutsche Spielklasse) im Jahr 1933 erhoben andere Gauliga-Vereine Einspruch gegen die Benutzung des Platzes, dessen Zustand allerdings nicht entscheidend verbessert werden konnte.
Stiftung von Willy Sachs Das Stadion samt umgebenden Sportpark wurde 1934 vom Schweinfurter Industriellen Willy Sachs gestiftet, dem Inhaber des von seinem Vater Ernst Sachs gegründeten Unternehmens Fichtel & Sachs. Willy Sachs war der Vater des bekannten Playboys und Kunstsammlers Gunter Sachs (1932–2011). Im Stiftungsschreiben legte Sachs als Mäzen von Schweinfurt 05 daher für die „Dauer des Bestehens des Vereins“ das alleinige Erstnutzungsrecht aller Stadioneinrichtungen für seinen Verein fest.
Siehe auch: Denkmal am Sachs-Stadion (seit 2021 Dokumentationsstätte)
Planung und Bau mini|Bau der Haupttribüne durch die Firma Riedel aus Schweinfurt um 1935
Der architektonische Entwurf des Stadions kam von Paul Bonatz, der bereits die neue Verwaltungszentrale der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt erbaut und unter anderem den Stuttgarter Hauptbahnhof konzipiert hatte. Sein Schwiegersohn Kurt Dübbers entwarf die das Stadion umgebenden Funktionsbauten. Die gesamte Anlage wurde damals als vorbildlich und für eine Stadt der Größe Schweinfurts als nahezu einzigartig in Deutschland eingestuft. Die Firma Riedel aus Schweinfurt (seit 2025 Sponsor vom 1. FC Schweinfurt 05) errichtete das Stadion. Die gesamte Stadionanlage überstand unbeschadet die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs.
Einweihung mini|Willy Sachs (zweiter von rechts), Hermann Göring (Mitte) und Heinrich Himmler (zweiter von links) einen Tag vor der Stadion-Einweihung
Das Stadion wurde am 23. Juli 1936 eingeweiht, neun Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Berlin. Willy Sachs war während des Dritten Reichs Wehrwirtschaftsführer. Einen Tag vor der Einweihung des Stadions waren der mit Sachs befreundete Hermann Göring, der Reichsführer SS Heinrich Himmler und der Reichsorganisationsleiter Robert Ley anwesend.
Zur Einweihung des Stadions am 23. Juli 1936 war der Reichsstatthalter von Bayern und General Franz Ritter von Epp anwesend. Drei Tage später war das Eröffnungsspiel zwischen dem 1. FC Schweinfurt 05 und Schalke 04 (2:2), dem Deutschen Meister von 1935.
Kontroverse um den Stadionnamen Verstrickungen von Willy Sachs in die NS-Zeit mini|hochkant|Willy Sachs (1933)
Wegen der Verstrickungen von Willy Sachs mit dem Nationalsozialismus war der Name Willy-Sachs-Stadion seit langem umstritten. Willy Sachs trat 1933 in die SS ein und war seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Er hatte schließlich den Rang eines SS-Obersturmbannführers (1943) und gehörte dem „Freundeskreis Reichsführer SS“ (Heinrich Himmler) an. Als Leiter eines rüstungswichtigen Betriebs war Willy-Sachs Wehrwirtschaftsführer. Heinrich Himmler verlieh ihm Orden und Ehrentitel und half nach der Scheidung von seiner ersten Frau Elinor von Opel beim Kampf um das Sorgerecht für die Kinder, im Gegenzug flossen mehrere hunderttausend Mark an Spenden. Hermann Göring war Gast bei Sachs-Jagden auf Schloss Mainberg und auf Gut Rechenau; Reinhard Heydrich erhielt ein Darlehen von Sachs. Willy Sachs suchte die Nähe zu führenden Nationalsozialisten, gleichwohl bescheinigte man ihm intern, von weltanschaulichen Dingen keine Ahnung zu haben und den Anforderungen an einen nationalsozialistischen Betriebsführer nicht zu genügen.
Umbenennungs-Initiative ohne örtliche Zustimmung Im Rahmen des Aufstiegs des 1. FC Schweinfurt 05 in die 2. Bundesliga im Jahr 2001 wurde der Stadionname erstmals bundesweit in den Medien kritisiert. Die Schweinfurter Initiative gegen das Vergessen – Zwangsarbeit in Schweinfurt initiierte aufgrund der Rolle von Willy Sachs im Dritten Reich eine Kampagne für eine Umbenennung des Stadions, welche von der Süddeutschen Zeitung sowie dem Autor Werner Skrentny (Das große Buch der deutschen Fußballstadien) unterstützt wurde.Werner Skrentny: Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2001, ISBN 3-89533-306-9, S. 314–317 Die Initiative stieß jedoch in der Schweinfurter Bevölkerung und Öffentlichkeit auf wenig Zustimmung. Die Stadt Schweinfurt und der verbliebene Erbe und Sohn von Willy Sachs Gunter Sachs hielten sich bedeckt. In seiner Autobiografie Mein Leben (2005) ging er nur sehr kurz auf seine Herkunft ein. Er und die anderen Nachkommen der Familie sprachen sich gegen eine Umbenennung des Stadions aus.
mini|Blick auf Haifa. Zur israelischen Stadt hat die Stadt Schweinfurt freundschaftliche Beziehungen. Zu einem Freundschaftsspiel 2001 gastierte Maccabi Haifa im Sachs-Stadion
Ein Freundschaftsspiel am 20. Juli 2001 zwischen dem damaligen Zweitligisten Schweinfurt 05 und dem amtierenden israelischen Meister Maccabi Haifa sollte im Willy-Sachs-Stadion (Hauptplatz) stattfinden. Es musste jedoch wegen des Stadionnamens auf Wunsch des Gegners auf einen Nebenplatz verlegt werden, der jedoch im gleichnamigen Sportpark lag.
Umbenennung durch zunehmenden Druck auf die Stadt Um 2020 wurde die Forderung nach einer Umbenennung jedoch auch in den örtlichen Medien ausführlich diskutiert. Die Stadt Schweinfurt konnte sich schließlich der Sache nicht mehr entziehen. Am 29. Juni 2021 stimmte der Schweinfurter Stadtrat knapp, mit 25 zu 20 Stimmen, für die Änderung des Stadionnamens in Sachs-Stadion.
Sachs-Stadion / Architektur Sportpark Die Süddeutsche Zeitung würdigte den historischen Wert des Sachs-Stadions wie folgt:
mini|Sportpark Ende der 1930er Jahre.Vorne die Niederwerrner Straße
„Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg […] vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war. […] Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Freizeitpark und Aufenthaltsort für Familien gedacht, wie auch der Volkspark in Bamberg.“Hans Kratzer: Das unentdeckte Feld. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Juli 2014, S. R14.
Zahlreiche Freitreppen sind prägende Elemente. In der Mitte des Volksparks bildet ein Aufenthaltsbereich mit Brunnen ein kleines Wahrzeichen. Am Haupteingang befindet sich eine Gaststätte mit Biergarten. Die Gesamtanlage entwarf Paul Bonatz. Sie ist durch eine hochwertige Landschaftsarchitektur mit großem Baumbestand geprägt. Die Bepflanzung stammt vom Gartenarchitekt Alwin Seifert.