Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, die vom US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war. Es wurde ein System angestrebt, das die Vorteile eines flexiblen Wechselkurssystems mit denen eines festen vereinte.Michael D. Bordo: The Bretton Woods International Monetary System: An Overview. In: Michael D. Bordo, Barry Eichengreen: A Retrospective on the Bretton Woods System. The University of Chicago Press, 1993, ISBN 0-226-06587-1, S. 5. Die tatsächliche Umsetzung folgte einem Vorschlag von Harry Dexter White.
Benannt wurde das System nach dem Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire, wo die Finanzminister und Notenbankgouverneure bzw. -präsidenten von 44 Staaten der späteren SiegermächteVgl. Glossar-Eintrag des Bundesfinanzministeriums vom 1. bis zum 22. Juli 1944 zur Konferenz von Bretton Woods zusammenkamen und zum Abschluss das Bretton-Woods-Abkommen unterzeichneten. Zur Kontrolle und Durchsetzung des Abkommens wurden in der Folge die Bretton-Woods-Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) als Organisationen der UN geschaffen.
Die Bundesrepublik Deutschland trat dem Bretton-Woods-System im Jahr ihrer Gründung 1949 bei und ratifizierte das Abkommen per Gesetz vom 28. Juli 1952 (gleichzeitig mit dem Abkommen über die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung). (PDF) Anfang der 1970er Jahre wurde das Bretton-Woods-Abkommen aufgegeben, die Institutionen bestehen jedoch mit teils veränderten Zuständigkeiten fort. Die Schweiz trat dem IWF und der Weltbank nach einer hart umkämpften Volksabstimmung vom Mai 1992 bei. Die Gegner eines Beitritts wurden von Christoph Blocher und seiner AUNS angeführt, die einen Geldabfluss ins Ausland bekämpften. Auch Entwicklungsorganisationen hatten Bedenken.Eine umstrittene Allianz seit 25 Jahren
Vorgeschichte Bereits der Erste Weltkrieg war für die meisten europäischen Kriegsparteien teuer gewesen und hatte sie wirtschaftlich sehr geschwächt; umso mehr der Zweite Weltkrieg. Selbst das vormals reiche Großbritannien – es war im 19. Jahrhundert die führende Welthandelsnation, Seemacht und Weltmacht gewesen (siehe British Empire) – stand nach dem Zweiten Weltkrieg monatelang knapp vor der Zahlungsunfähigkeit. Die USA waren zur dominanten Weltmacht geworden, was die internationale Währungs- und Finanzpolitik beeinflusste: Waffenverkäufe und Rüstungskredite machten sie zum weltweit größten Gläubiger, während der währungspolitische Hauptkonkurrent Großbritannien zum Schuldner geworden war; 70 Prozent der Goldreserven lagerten in den USA. Noch während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten die USA daher an einem Globalen Finanzsystem, das nach Kriegsende gelten sollte. Die Sowjetunion war noch als vollwertige Partnerin geplant gewesen.Was geschah in Bretton Woods? Und was nicht
Die Planung in Kriegszeiten und ihre Folgen In Großbritannien gab es ab 1940 Planungen für eine internationale Währungsordnung nach dem Krieg, in den Vereinigten Staaten ab 1941. Die Briten verpflichteten sich in der Atlantikcharta vom August 1941 und dem gegenseitigen Beistandsabkommen vom Februar 1942, die Konvertibilität für das Pfund in der Leistungsbilanz wiederherzustellen. Die USA gaben die Zusage, die Finanzhilfen zu günstigen Konditionen auszubauen und die Vollbeschäftigung zu respektieren. Als Gegenleistung akzeptierten die Briten den Grundsatz der Nichtdiskriminierung im Handel.
John Maynard Keynes und Harry Dexter White unternahmen den Versuch, diese Ziele in Einklang zu bringen, obgleich ihre Pläne miteinander rivalisierten. 1943 veröffentlichten sie eine letzte Fassung ihrer Vorschläge. Diese bildete die Grundlage für die gemeinsame Erklärung amerikanischer und britischer Experten und für die Artikel des Abkommens des Internationalen Währungsfonds. Die Fassungen von White und Keynes unterschieden sich in den Verpflichtungen, die sie den Gläubigern auferlegten, in der Mobilität des Kapitals sowie in der Flexibilität der Wechselkurse. White wollte eine Welt ohne Kursstützungen und Kontrollen. Keynes hingegen erlaubte den Ländern, ihren Wechselkurs zu ändern und bei Bedarf Handels- sowie Wechselkursrestriktionen anzuwenden, damit Vollbeschäftigung und Zahlungsbilanz in Einklang gebracht werden können. Die „Clearing Union“ von Keynes sah eine umfassende Zahlungsbilanzfinanzierung vor, welche strengen Einschränkungen und Strafzinsen unterlag, und maß der Flexibilität der Wechselkurse eine wichtige Rolle zu. Damit wollte er verhindern, dass eine deflatorische Politik im Ausland Länder dazu zwang, Arbeitslosigkeit zu importieren. Die Vereinigten Staaten würden, wenn sie ständig – wie in den 1930er Jahren – Zahlungsbilanzüberschüsse erwirtschafteten, die gesamten Ziehungsrechte anderer Länder finanzieren müssen. Diese beliefen sich laut Keynes auf 23 Milliarden Dollar. Da die Clearing Union unbegrenzte Verpflichtungen für Gläubiger mit sich bringen würde, waren die Amerikaner gegen den Plan von Keynes. Deshalb begrenzte der White-Plan alle Ziehungsrechte auf 5 Milliarden Dollar und die Verpflichtungen der USA auf 2 Milliarden Dollar.
Die ungleiche Verhandlungsmacht der Amerikaner und der Briten fand sich im Kompromiss der Gemeinsamen Erklärung und in den Artikeln des Abkommens wieder. Der Bedarf an flexiblen Wechselkursen ist umso größer, je knapper die Finanzierung ist. Die Briten wollten flexible Wechselkurse, die Amerikaner hingegen feste Wechselkurse. Der Kompromiss brachte feste, flexible Wechselkurse, also Stufenflexibilität. Die Länder mussten ihre Währung in Gold oder in Gold konvertierbarer Währung (Dollar) festlegen. Ihr Wechselkurs durfte maximal ein Prozent nach oben und ein Prozent nach unten um diesen Mittelwert herum schwanken. Das Abkommen erlaubte die Beibehaltung von Kontrollen des internationalen Kapitalverkehrs. Da die Briten weiterhin auf einer Begrenzung des Finanzierungsvolumens beharrten, wurden die Amerikaner gezwungen, auf die Forderung der Briten nach flexiblen Wechselkursen einzugehen und die Beibehaltung der Devisenbewirtschaftung hinzunehmen. Durch die Dollarknappheit wurden die bescheidenen Quoten und die Ziehungsrechte des Abkommens fast bedeutungslos. Das wurde bereits sichtbar, bevor der IWF 1947 seine Tätigkeit aufnahm.
Nach dem Krieg hatte Europa einen großen Bedarf an Investitionsgütern, Nahrungsmitteln und anderen Waren. Europa hatte deshalb nur begrenzt Möglichkeiten, Güter für den Export zu produzieren. Das Handelsdefizit des Nachkriegseuropas belief sich 1947 beispielsweise auf 7,5 Milliarden Dollar. Im Rahmen des Marshallplans brachten die Vereinigten Staaten etwa 13 Milliarden Dollar an zwischenstaatlicher Hilfe für die Finanzierung der Defizite in Europa zwischen 1948 und 1951 auf. Das war mehr als das Sechsfache der maximalen Verpflichtung nach den Artikeln des Abkommens und mehr als das Vierfache der Ziehungsrechte, welche zugunsten von Europa eingerichtet wurden. Das System von Paritäten erwies sich als unbrauchbar, obwohl die Unterstützung jene übertraf, welche in den Artikeln des Abkommens geregelt wurden. Importkontrollen konnten trotz alledem nicht abgeschafft werden. White und Keynes unterschätzten die Schäden, die die japanische und die europäische Volkswirtschaft erlitten hatten, und damit die Kosten des Wiederaufbaus.
Das System von Bretton Woods Teilnehmer der Bretton-Woods-Konferenz mini|Mount Washington Hotel
Die Vertreter der 44 Nationen trafen sich am 1. Juli 1944 im Mount Washington Hotel. Folgende Regierungen waren vertreten: Ägypten, Äthiopien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Frankreich, Griechenland, Guatemala, Haiti, Honduras, Indien, Irak, Iran, Island, Jugoslawien, Kanada, Kolumbien, Kuba, Liberia, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Norwegen, Panama, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Südafrika, Tschechoslowakei, UdSSR, Uruguay, Venezuela, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten.Bretton-Woods-Conference web.worldbank.org, abgerufen am: 27. November 2010.
Ziele Ziel war es, die Grundlagen des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu reformieren und eine neue globale Wirtschaftsordnung zu schaffen, um auf Dauer die Katastrophen zu verhindern, die zum wirtschaftlichen Nationalismus, dem Zusammenbruch des internationalen Handels- und Finanzsystems in der Weltwirtschaftskrise und zum Aufstieg des Faschismus geführt hatten.Ian Kershaw: Höllensturz. Europa 1914 bis 1949. München 2015, S. 578 f.
Die Wiederherstellung Europas als Wirtschaftszentrum und als wichtiger Handelspartner der USA war Kern der Konferenz von Bretton Woods.Vgl. . Das Abkommen von Bretton Woods verfolgte dafür vor allem ein Ziel: Die Wechselkurse zwischen den Währungen sollten stabilisiert werden, sodass der Welthandel ohne Probleme und Handelsbarrieren vonstattengehen konnte und es keine Schwierigkeiten bei Zahlungsvorgängen gab. Dies wiederum sollte die Wirtschaft so weit stimulieren, dass es vermehrt zu Handel und Investitionen kommen konnte. Zur Erreichung dieses Ziels sollten spezielle Organe eingerichtet werden. Es sollte vor allem verhindert werden, dass es zu einem Abwertungswettlauf zwischen den Nationen kam wie in der Phase zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.Paul J. J. Welfens: Grundlagen Der Wirtschaftspolitik. 2. Auflage. 2005, ISBN 3-540-21212-4, S. 235.
Vorschläge mini|Harry Dexter White (links) und John Maynard Keynes beim Eröffnungstreffen des Gouverneursrates des IWF in Savannah, 8. März 1946
Auf der Konferenz wurde das Joint Statement by Experts on the Establishment of an International Monetary Fund diskutiert, welches ein Kompromissvorschlag aus den zuvor diskutierten beiden Plänen für ein Weltwährungssystem war, nämlich
der Plan des Engländers John Maynard Keynes und der Plan des Amerikaners Harry Dexter White.Michael D. Bordo (Hrsg.): A Retrospective on the Bretton Woods System. Lessons for International Monetary Reform (= A National Bureau of Economic Research Project Reports). University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 1993, ISBN 0-226-06587-1, S. 32.
Im Keynes-Plan sollte der internationale Zahlungsverkehr über eine neu einzurichtende Verrechnungsstelle, die International Clearing Union (ICU), abgewickelt werden. Er sah vor, mit einem unabhängigen, internationalen und virtuellen Zahlungsmittel Bancor die Abrechnung im Zahlungsverkehr zwischen den Zentralbanken zu übernehmen. Der Wert des Bancor sollte in Gold definiert werden und die Mitgliedsstaaten ihre Währung gegenüber dem Bancor fixieren. Das Ziel der ICU bestand im Ausgleich der Leistungsbilanzen der Mitgliedsländer auf Basis stabiler Wechselkurse.
Der White-Plan bezog sich im Gegensatz zum Keynes-Plan nicht auf eine internationale Verrechnungsstelle mit Buchgeld, sondern auf einen Fonds, in den die Mitgliedsländer zu festgelegten Quoten einzahlen sollten, um später Kredite vergeben zu können. Der White-Plan basierte ebenfalls auf dem System fester Wechselkurse.Vgl. Manfred Borchert: Aussenwirtschaftslehre. Theorie und Politik. 7., überarbeitete Auflage. Gabler, Wiesbaden 2001, ISBN 3-409-63907-1, S. 427.
Die unterschiedlichen Vorstellungen in den beiden Plänen lassen sich durch unterschiedliche Ausgangslagen erklären. Die Briten waren durch die Kriegsfolgen in eine ausgeprägte Schuldnerposition mit starkem Handelsdefizit geraten. Daher waren sie interessiert an einem supranationalen Währungssystem, das durch keine nationale Währung dominiert war. Auf die Amerikaner als Gläubigernation traf genau das Gegenteil zu.
Inhalt des Bretton-Woods-Vertrages