mini|Sternsingergruppe aus dem Bistum Essen in Berlin (Januar 2025) mini|Sternsinger in Dessau (2009) Als Sternsinger bezeichnet man eine Gruppe von Menschen – meist Kinder –, von denen dem Brauchtum gemäß drei als die heiligen drei Könige verkleidet sind. Sternsingergruppen ziehen in der Zeit von Weihnachten bis zum Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar durch die Gemeinde, bringen an den Türen von Häusern und Wohnungen den Sternsingersegen an, inzensieren mit Weihrauch, singen Sternsingerlieder, sagen Sternsingersprüche bzw. -gedichte auf und sammeln auch Geld für wohltätige Zwecke, meist für die weltweite Unterstützung von Kindern in Not. Der Heischebrauch des Sternsingens ist ab dem 16. Jahrhundert nachweisbar und wird auch als Dreikönigssingen (regional auch Dreikönigsingen) bezeichnet.
Geschichte mini|hochkant|Nürnberger Holzschnitt aus dem 17. Jahrhundert Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der Weisen oder Sterndeuter in zurück. Im sechsten Jahrhundert wurden auf Grund ihrer drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe drei Personen vermutet. Aus den Sterndeutern wurden im achten Jahrhundert unter Bezug auf und Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Diese Könige wurden teilweise als Heilige bezeichnet und verehrt. Ihre Reliquien befinden sich seit 1164 im Dreikönigenschrein im Kölner Dom. Einer der Könige wird traditionell als Mohr dargestellt und wurde seit dem Mittelalter als Vertreter Afrikas gedeutet, während die beiden anderen für Europa und Asien standen, die in jener Zeit bekannten drei Erdteile, die somit alle zum neugeborenen Kind Jesus fanden. Für Beda Venerabilis (8. Jh.) symbolisierten die drei Könige die drei Lebensalter (Jüngling, Mann, Greis) und die drei damals bekannten Kontinente (Asien, Europa und Afrika).Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Herder Verlag, Sonderausgabe, Freiburg im Breisgau 2001, ISBN 3-451-27702-6, S. 169.
Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Dreikönigsspielen. Das Sternsingen entwickelte sich unterschiedlich im Norden und Süden Europas.
Im Norden verloren mit dem Beginn des Protestantismus die Klosterschulen ihr Einkommen, da die Regierungen klösterliches Land und Güter an sich nahmen. Die Klosterschüler nutzten in der Not die Gelegenheit, mittels Sternsingen Spenden zu sammeln. In Norwegen ist der Brauch ab 1563 belegt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Sternsingen in Nordeuropa vorrangig von Klosterschülern betrieben. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde es zunehmend als Form von Bettelei von den Behörden verboten und der Brauch starb vielerorts nahezu aus. In den 1920er-Jahren kam das Sternsingen an einzelnen skandinavischen Orten wieder neu auf. Es ist hier vorrangig in Städten, selten auf dem Land, zu finden.
In Mitteleuropa ist das Sternsingen ein traditioneller Brauch in der römisch-katholischen und der altkatholischen Kirche. Aufzeichnungen des Klosters St. Peter in Salzburg belegen ein erstes Sternsingen im Jahr 1541. Belege für ein Sternsingen finden sich für 1550 in Wasserburg am Inn, 1552 in Laufen und Eggenburg, 1569 für das Benediktinerstift Ettal und 1577 für Burghausen. Besonders nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen und verband sich dabei mit dem zu dieser Zeit gebräuchlichen Ansingen beim Fest der Heiligen Drei Könige durch Schülerchöre. Gebietsweise war das Sternsingen nur bestimmten Berufsgruppen erlaubt. In Freising hatten dieses Recht die Leineweber, in Laufen die Salzach-Schiffer und im damaligen Münchner Vorort Au die Maurer. In anderen Gegenden gingen arme Kinder und Jugendliche in Eigeninitiative von Haus zu Haus und sammelten Naturalien und Geld für sich und ihre Familien. Im Raum Freising wurde es am 22. November 1784 per königlich-bayerischen Erlass verboten, da die gesammelten Spenden dort für Bier in Wirtshäusern verbraucht und das Sternsingen mit größerem Lärm verbunden war. Dennoch blieb der Brauch bestehen.Johann Maier: Der Dreikönigstag hieß „Großneujahr“. Sternsingen diente früher der Unterhaltssicherung verschiedener Berufsgruppen. In: Moosburger Zeitung, 5. Januar 2013, S. 29.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsingeraktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte, die weltweit Kindern in Not helfen.
Bräuche in verschiedenen Ländern Mitteleuropa mini|Segensbitte in der Stadt Regen, Bayern mini|Segensbitte im Kloster Marienberg, Südtirol mini|Segensbitte in Hamry na Šumavě, Tschechien In Deutschland, Österreich, der Schweiz und den italienischen Regionen Trentino-Südtirol und Friaul findet das Sternsingen heute vorrangig von katholischen Gemeinden organisiert statt. Die Sternsinger sind oft Kinder und Jugendliche, heute meist in Begleitung eines Erwachsenen, die nach der Aussendung in der Weihnachtsoktav bis zum Dreikönigsfest am 6. Januar, gegebenenfalls auch noch am folgenden Wochenende,, abgerufen am 2. Januar 2017. als Heilige Drei Könige gekleidet von Haus zu Haus ziehen.
Traditionell und der christlichen Ikonographie folgend ist einer der Sterndeuter als Mohr verkleidet. Dies wurde von verschiedenen Seiten als Blackfacing kritisiert.Kritik an Gesichtschwärzen bei Sternsingern, orf.at vom 4. Jänner 2021 Kirchlicherseits wird darauf hingewiesen, dass hier ein im Ursprung ganz anderer Brauch, der auf das 14. Jahrhundert zurückgeht und eine neue Einstellung zu Afrika bedeutete,Henker, Hexen, Teufel - und dann ein König, Domradio vom 6. Januar 2019 an US-amerikanischen Maßstäben gemessen wird.Geschwärzte Sternsinger, die Presse vom 9. Jänner 2021Nicht jede amerikanische Schablone passt auf unsere Bräuche, Kleine Zeitung vom 4. Jänner 2020.
Sternsinger werden von der jeweiligen Pfarrgemeinde ausgesandt. Oft findet eine Aussendungsfeier in einem Gottesdienst statt. Den Menschen, die ihnen die Tür öffnen oder einlassen, singen die Sternsinger Lieder, sprechen ein Gebet oder sagen ein Gedicht auf. Dann schreiben sie an die Haustüren oder die Türbalken mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte C+M+B mit der jeweiligen Jahreszahl. Der Segen ist ein Sakramentale. Es gibt auch erwachsene Sternsinger, etwa bei Auftritten an öffentlichen Plätzen, bei Einrichtungen mit Nachtdiensten oder in Lokalen. In: dka.at, abgerufen am 23. November 2013.
In Deutschland und der Schweiz wird von den veranstaltenden Organisationen für das gegenwärtige Jahr die Schreibweise „*C+M+B+“ empfohlen. Diese Schreibweise hat laut Kindermissionswerk folgende Bedeutung: ein Stern für den Stern von Betlehem und die drei Kreuze für den dreifaltigen Gott. In Österreich und Südtirol findet vor allem die Schreibweise „-C+M+B-“ mit einem weiteren Kreuz über dem Buchstaben M Anwendung. Zudem existieren regional verschiedene andere traditionelle Schreibweisen, bei denen nur zwei Kreuze („*C+M+B*“, „ C+M+B “, „+CMB+“) oder vier Kreuze („+C+M+B+“) geschrieben werden.
Die Bedeutung der Buchstaben C, M und B wird spätestens seit den 1950er-Jahren als Abkürzung der lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“) gedeutet. Die Inschrift soll den Segen Gottes auf das Haus und seine Bewohner herabrufen und sie vor Unglück schützen. Frühere Quellen dieser Deutung fehlen. In älteren volkskundlichen Abhandlungen herrscht die Deutung der Buchstaben als Initialen der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar vor. Dies wird auch dadurch erhärtet, dass in manchen Regionen die Schreibweise „K+M+B“ üblich ist. In der anderen Theorie wird das „K“ in dieser Schreibweise als Abkürzung für das griechische Wort für „Herr“ (κύριος, „Kyrios“) interpretiert („Kyrios mansionem benedicat“).
Deutschland mini|2011: Sternsinger in Lennep (Remscheid) vor der Aussendung mini|2011: Sternsinger vor der Haustür in Lennep Die Sternsingeraktion wird in Deutschland auch „Aktion Dreikönigssingen“ genannt und ist weltweit die größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Seit 2003 ist der Gesamtzusammenhang der Aktion Dreikönigssingen urheberrechtlich geschützt.Ordnung für die Aktion Dreikönigssingen, Beschlossen vom ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz. Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Aachen 2024 S. 1
An der ersten Sternsingeraktion 1959 beteiligten sich Sternsinger in 100 Pfarrgemeinden und sammelten 90.000 Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund Euro). Seit 1961 beteiligt sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an der Aktion, die seitdem vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und vom BDKJ gemeinsam getragen wird. Im Jahr 2005 nahmen 12.743 Gemeinden und Gruppen mit ca. 500.000 Kindern und 80.000 Betreuern an der Aktion teil. Es wurde mit rund 47 Millionen Euro in Deutschland ein neuer Rekord beim Spendenaufkommen erreicht. Durch die bei der Aktion gesammelten Spenden erfolgt eine nachhaltige Förderung von Hilfsprojekten, die bedürftigen Kindern weltweit zugutekommen.
Traditionell werden die Sternsinger auch vom Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, vom Bundeskanzler im Bundeskanzleramt, von weiteren Mitgliedern der Bundesregierung in ihren Ministerien, von manchen Regierungschefs der Länder und von Bürgermeistern empfangen. Im Jahr 2004 wurden die Sternsinger mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet.
2015 wurde das Sternsingen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.Deutsche Unesco-Kommission e. V. – Sternsingen. Abgerufen am 5. Dezember 2015
Italien In Südtirol, im Trentino (Welschtirol) und im Friaul wird die Sternsingeraktion von der Katholischen Jungschar Südtirols zusammen mit Missio Bozen-Brixen organisiert. Mit den Spenden werden kirchliche Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Ozeanien unterstützt. missio Bozen-Brixen
Österreich Der slowenische Salesianerpater Janez Rovan ist einer der „Begründer“ des modernen Sternsingens in Österreich. Auf Anregung des damaligen Pfarrers in Globasnitz im Jauntal (Kärnten) wurde im Jahr 1946 die Idee des Dreikönigssingens zugunsten Bedürftiger ins Leben gerufen.
In Wien begründete der Beamte Franz Pollheimer 1946/1947 die Tradition des Sternsingens in der Großstadt in der Piaristenpfarrei Maria Treu (Wien-Josefstadt), wobei bereits damals bis 1955 für soziale Zwecke, für den Wiederaufbau des Wiener Stephansdoms und für die Mission (MIVA = Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft) gesammelt wurde. mini|Die Sternsinger der Piaristenpfarre Maria Treu (Wien-Josefstadt) vor dem Wiener Stephansdom, mit Kardinal Theodor Innitzer (1953). Die Präsenz der Wiener Sternsinger in den Medien und in der Öffentlichkeit – 1951/1952/1953 begleiteten jeweils tausende Wienerinnen und Wiener am 6. Jänner die Gruppe auf dem Weg zum Stephansdom – und die Zusammenarbeit mit der MIVA und deren Direktor Karl Kumpfmüller (1918–1988) führte schließlich zur Institutionalisierung der Sternsingeraktion durch die Katholische Jungschar Österreich.
Im Jahr 1949 begann Franz Sommer mit den Vorbereitungen für das Dreikönigssingen in der Steiermark.Geschichte des Sternsingens in der Steiermark auf der Website der Katholischen Kirche Steiermark abgerufen am 28. Dezember 2013.