mini|Arnold Schwarzenegger, der wohl bekannteste Bodybuilder, in seiner aktiven Zeit 1974 mini|Profibodybuilder Dexter Jackson, Mr. Olympia 2008 mini|Profibodybuilderin Nikki Fuller zeigt eine seitliche Brustpose Bodybuilding ist ein Sport mit dem Ziel der aktiven Körpergestaltung. Zentrales Element ist starkes Wachstum der Muskelmasse, das durch Krafttraining unter Zuhilfenahme von Fitnessgeräten erreicht wird. Jemand, der sich dieser Aktivität widmet, wird Bodybuilder genannt. Bodybuilding wird zur Schwerathletik gezählt, unterscheidet sich jedoch von anderen Kraftsportarten dadurch, dass es beim Bodybuilding primär um das ästhetische Aussehen des Körpers und nur sekundär um die Kraft geht. Bodybuilding wird sowohl von Männern als auch von Frauen betrieben, wobei wesentlich mehr Männer dieser Tätigkeit nachgehen.
Im Bodybuilding werden Wettkämpfe durchgeführt, in denen die Teilnehmer ihren Körper in vorgeschriebenen Posen und einer Kür präsentieren. Die gezeigten Leistungen werden von einer Jury verglichen und bewertet. Auf diese Wettkämpfe bereiten sich Bodybuilder durch eine Kombination aus Training für den Muskelaufbau und spezieller Ernährung vor, die den Körperfettanteil senken soll.
Wortherkunft und Verwendung Bodybuilding wurde in der ehemaligen DDR offiziell KulturistikAlexa Hennings: Kulturistik: Muskeln made in DDR deutschlandfunkkultur.de, 3. April 2016.Körperkult: Bodybuilder in der DDR mdr.de, 18. November 2021.Duden online: Kulturistik oder KörperkulturistikAndreas Müller: Körperkulturistik. Bodybuilding in der DDR. Novagenics, Arnsberg 2007, ISBN 978-3-929002-43-0.Duden online: Körperkulturistik genannt, womit man sprachlich an die sogenannten Bruderstaaten anknüpfen wollte, in denen Bodybuilding (auch weiterhin) Kulturystyka (polnisch), Kulturistika (tschechisch) oder Культуризм (russisch) genannt wird. Diese Bezeichnungen wurden von den aktiven Athleten jedoch kaum verwendet und der englischsprachige Begriff bevorzugt.Thomas Grossbölting: Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand, Ch. Links Verlag 2009, S. 181.
Der Begriff „body building“ wurde 1881 von Robert J. Roberts geprägt, der Mitarbeiter im Bostoner YMCA war. Er entwickelte Turnunterricht, der dem heutigen Fitnesstraining ähnelt. Übernommen und populär gemacht hat den Begriff zwei Jahrzehnte später schließlich Eugen Sandow, der ihn vor allem für seine Produktwerbung und zahlreiche Veranstaltungen nutzte.
Training Das Bodybuildingtraining ist ein Krafttraining, dessen Hauptziel die erwünschte Umformung des Körpers ist. Der damit verbundene Kraftzuwachs ist für die meisten Bodybuilder nur ein willkommener Nebeneffekt. Das Training kann mit Hanteln oder speziellen Trainingsmaschinen (wie z. B. der Hantelbank) durchgeführt werden.
Beim Bodybuilding wird meist mit Wiederholungszahlen von acht bis zwölf Wiederholungen pro Satz trainiert, während beim Maximalkrafttraining mit höherer Belastung, aber weniger Wiederholungen (eine bis fünf) trainiert wird. Bei 15 bis 25 Wiederholungen bewegt man sich im Kraftausdauerbereich, der für die Kapillarisierung der Muskulatur zuständig ist. Gewöhnlich wird konzentrisch trainiert. Dabei wird der Muskel über einen Großteil seines Bewegungsspielraumes mit möglichst konstanter Kraft belastet. Bei manchen Trainingsmaschinen wird dazu der Kraftverlauf am Angriffspunkt über ein Kurvenrad oder einen Exzenter so gesteuert, dass der Muskel in jeder Phase der Bewegung gleich stark belastet wird. Weitere Trainingsformen ergeben sich aus einer extremen Minderung oder Erhöhung der Wiederholungszahlen (z. B. dem einmaligen Maximalversuch oder dem sogenannten „100er-Satz“), der Verringerung des Ausführungstempos oder einer exzentrischen Belastung (z. B. einem kontrollierten Absenken beim Bankdrücken). Wichtig ist, dass der Muskel nach dem Training genügend Zeit hat, sich zu regenerieren. Aus diesem Grund wird beim Bodybuilding häufig ein Splittraining durchgeführt, welches meist wöchentlich wiederholt wird und bei dem während jeder Trainingseinheit andere Muskelgruppen trainiert werden.
Ernährung Eine dem Bodybuilding förderliche Ernährung unterteilt man in die Masse- und die Definitionsphase. In beiden Phasen werden verschiedene Nährstoffe, über den Tag verteilt, gezielt eingenommen; durchschnittlich in vier bis zehn Mahlzeiten pro Tag. Dadurch wird gewährleistet, dass dem Körper ein kontinuierlicher Strom an Nährstoffen zugeführt wird, die er zum Aufbau und Erhalt der Muskulatur benötigt. Der Körper wird somit in einem sog. „anabolen“ (aufbauenden) Umfeld gehalten. Besonderer Wert wird dabei auf eine ausreichende Proteinzufuhr gelegt. Als Faustregel gilt, dass der Bodybuilder täglich 1,5 bis 2 g Protein pro Kilogramm aktiver Körpermasse zuführen sollte. Die Menge an Proteinen kann bei verschiedenen Trainingskonzepten abweichen. Die Menge an Kohlenhydraten und Fetten ist größtenteils abhängig vom Stoffwechseltyp jedes einzelnen Sportlers. Um einen anabolen Zustand auch nachts aufrechtzuerhalten, essen die meisten Bodybuilder vor dem Zubettgehen noch etwas, das ein langsam verdauliches Protein wie bspw. Casein enthält. Das soll den Zustrom wichtiger Aminosäuren auch während der Nacht gewährleisten. Um eine große Menge an Nahrung zu bewältigen, greifen Sportler oft auf Nahrungsergänzungen zurück, die entweder selbst Nährstoffe liefern oder helfen, diese besser zu verwerten bzw. zu verdauen. Sie liegen meist als Pulver, Kapseln oder in Tablettenform vor. Diese Ergänzungen sind legal zu erwerben, abhängig von den jeweiligen Länderbeschränkungen. Aus sportmedizinischer Sicht sind die meisten Nahrungsergänzungsmittel nur für bestimmte Hochleistungssportler sinnvoll. (S. 82 ff.; PDF; 11,8 MB)Kurt A. Moosburger: (PDF; 82 kB) Weiterhin wird in beiden Phasen auch zu illegalen Mitteln gegriffen, die vorwiegend aus dem pharmazeutischen Bereich kommen und zweckentfremdet werden (siehe Abschnitt Doping).
Die Massephase beinhaltet das Ziel, durch einen Kalorienüberschuss (gepaart mit gezieltem Training) bei gleichzeitig möglichst geringem Körperfettaufbau dem Körper genügend Aufbaumaterial für den Muskelaufbau zu liefern.
Die Definitionsphase (meistens vor Wettkämpfen) hat zum Ziel, durch eine negative Kalorienbilanz das Körperfett zu senken, um die Muskeln besser zum Vorschein treten zu lassen. Dabei wird versucht, die vorher aufgebaute Muskelmasse weitestgehend zu erhalten.
Erreicht werden beide Ziele durch die Anpassung der Gewichtung von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten in der Diät untereinander, wie z. B. in der sog. „anabolen Diät“, bei der Fett, gefolgt von Proteinen, den größten Teil der Nährstoffzufuhr ausmacht und die Kohlenhydratzufuhr gesenkt wird. Ziel ist das Erreichen der Ketose. Diese Form der Diät wird von vielen Sportlern zur gezielten Gewichtsreduktion durchgeführt.
Entgegen einem weitverbreiteten Gerücht, wonach tierische Proteine gegenüber pflanzlichen Proteinen besser für das Bodybuilding geeignet sei, konnten Wissenschaftler keinerlei Belege dafür finden.K. M. Mangano, S. Sahni, D. P. Kiel, K. L. Tucker, A. B. Dufour, M. T. Hannan: Dietary protein is associated with musculoskeletal health independently of dietary pattern: the Framingham Third Generation Study. In: The American journal of clinical nutrition. Band 105, Nummer 3, März 2017, S. 714–722, doi:10.3945/ajcn.116.136762, PMID 28179224, . Vielmehr spielt für den Muskelaufbau die Wertigkeit des Proteins eine entscheidende Rolle und diese ist bei entsprechender Kombination im Falle von Pflanzenproteinen sogar höher als die von Tierproteinen aus Muskelfleisch oder Eiern.
Geschichte mini|Eugen Sandow, der Vater des Bodybuilding Das moderne Bodybuilding geht auf den Deutschen Friedrich Müller alias Eugen Sandow zurück, der am 14. September 1901 den ersten Bodybuildingwettbewerb in London veranstaltete. Der Wettbewerb wurde in der Royal Albert Hall ausgerichtet und bot ein Preisgeld von 1.000 Guineas (inflationsbereinigt etwa 147.000 Pfund im Jahr 2024). Die Veranstaltung war restlos ausverkauft, nicht zuletzt weil der Sherlock-Holmes-Autor Arthur Conan Doyle Teil der Jury war.
In Deutschland machte insbesondere Harry Gelbfarb das Bodybuilding populär. Lange Zeit war der Sport eine Männerdomäne. Seit den 1970er-Jahren begannen auch Frauen, ausgehend von den USA, mit dem Bodybuilding. Während Bodybuilding vor allem als eine besondere Form der Verbesserung von Schönheit, Gesundheit und Körperkraft angesehen wurde, überwiegen mit der Verwendung von hormonellen Substanzen auch weniger gesunde Aspekte.Arnd Krüger, Bernd Wedemeyer-Kolwe (Hrsg.): Kraftkörper – Körperkraft. Zum Verständnis von Körperkultur und Fitness gestern und heute. Begleitheft zur Ausstellung in der Eingangshalle der neuen Universitätsbibliothek. 3.–31. Juli 1995 (= Göttinger Bibliotheksschriften, Bd. 8). Göttingen: Universitätsdruckerei 1995.
Siehe: Frauenbodybuilding
Bodybuilding als Leistungssport Obwohl der Bekanntheitsgrad in den letzten Jahrzehnten infolge der Fitnessbewegung deutlich zugenommen hat, wird es in der breiten Öffentlichkeit eher als Attraktion denn als Leistungssport wahrgenommen (siehe Abschnitt Bodybuilding als Lebensstil). Das könnte daran liegen, dass der Begriff des Sports allgemein eher auf dem Vergleich von Kraft, Ausdauer und Koordination basiert, als auf der Präsentation von trainierten Körpern, die eher mit Schönheitswettbewerben in Verbindung gebracht wird.
Die begrenzte Breitenwirkung geht mit vergleichsweise geringen Verdienstmöglichkeiten einher. Auf den 17 weltweit wichtigsten Turnieren wurde 2011 ein Gesamtpreisgeld von lediglich umgerechnet 1,3 Millionen Euro ausgeschüttet. Viele Bodybuilder schließen deshalb Sponsorenverträge ab oder eröffnen Fitnessstudios und Geschäfte für Nahrungsergänzungsmittel, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Ablauf der Wettbewerbe mini|Bodybuilder der Juniorenklasse beim sog. „Posedown“ Bodybuilder präsentieren ihre Körper im Rahmen von Wettbewerben. Dazu treten sie in unterschiedlichen Gewichts- bzw. Größenklassen, getrennt nach Geschlecht und Alter, als Amateure und Profis an, bekleidet mit einem Posingslip bzw. einem Bikini.
Klasseneinteilung Die Klasseneinteilung erfolgt nach Regularien des IFBB und des DBFV nach dem jeweiligen Körpergewicht des Bodybuilders: Männer 1: bis 70 Kilogramm Männer 2: bis 80 Kilogramm Männer 3: bis 90 Kilogramm Männer 4: bis 100 Kilogramm Männer 5: über 100 Kilogramm
Bodybuildingverbände, die eine Größeneinteilung bei Männern praktizieren, sind keine anerkannten Sportverbände und gehören nicht dem Weltverband IFBB an. Nur über diesen kann sich ein Bodybuilder z. B. für den internationalen Bodybuildingwettkampf Mr. Olympia qualifizieren, der als höchste Auszeichnung im professionellen Bodybuilding gilt.
Wertungskriterien In allen Kategorien bewertet eine Jury vor allem die Muskulosität, die Symmetrie und die Proportionen der Wettkampfteilnehmer.
Muskulosität Die Masse und Dichte sowie die Härte und Teilung der Muskeln. Angestrebt wird die Verbindung von möglichst viel Muskelmasse mit einer Definition, die eine Muskelgruppe von der anderen abgrenzt und die Details innerhalb einer Muskelgruppe deutlich werden lässt. Die Sichtbarkeit von Venen (Vaskularität) ist kein Wertungskriterium, kann die Kampfrichter aber auf eine gute Härte, also einen geringen Körperfettanteil und kaum Wasser unter der Haut, aufmerksam machen. Symmetrie Die gleichmäßige Entwicklung beider Körperhälften. Proportionen Eine möglichst gleichmäßige Entwicklung aller Muskelgruppen. Präsentation