Stadtkern bildet zusammen mit dem Westviertel, dem Nordviertel, dem Südviertel, dem Ostviertel und dem Südostviertel die Essener „Stadtmitte“. Der Stadtkern ist der flächenmäßig kleinste Stadtteil Essens.

Charakter und Geschichte der Innenstadt mini|links|hochkant=2.5|Blick auf den Stadtkern von Süden – markante Punkte: im Vordergrund der Hauptbahnhof, rechts dahinter das Haus der Technik HDT, links daneben das Hotel Handelshof, dahinter mit grünem Dach der Dom, rechts davon die Rathaus Galerie mit dem dunklen Rathaus-Hochhaus dahinter; links hinter dem Hauptbahnhof die Hauptpost, dahinter das Deutschlandhaus An der Kettwiger Straße, am Burgplatz, befindet sich mit dem Essener Münster die Keimzelle der Stadt. Das Gotteshaus war die Kirche des Damenstifts Essen, gegründet um 845 von Altfrid, Bischof von Hildesheim. Die Essener Stadtmauer umschloss etwa zwischen 1244 und 1865 nahezu genau das Gebiet des heutigen Stadtteils Stadtkern.

Im 19. Jahrhundert wurden, zur Zeit der Industrialisierung, durch Erweiterungen der Krupp-Gussstahlfabrik westlich vom damaligen Essen und dem umliegenden Steinkohlenbergbau, immer mehr Einwanderer als Arbeitskräfte angelockt. So wurde im Stadtkern 1861 erstmals offiziell die Hausnummerierung nach Straßennamen eingeführt. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte es noch ausgereicht, die Häuser einzeln durchzunummerieren.

Essen bezeichnet sich selbst als die Einkaufsstadt – eine Bezeichnung, die bereits im Jahre 1938 von der damaligen Werbegemeinschaft geprägt worden ist, doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Thema dominierte. Bis dahin, also bis zur über 90-prozentigen Kriegszerstörung, war die Innenstadt hauptsächlich Wohnquartier. Von 1944 bis März 1945 befand sich im Stadtkern ein Außenlager des KZ Buchenwald, das KZ-Außenlager Schwarze Poth, zu dem 2002 eine Gedenkstätte im ehemaligen Treppenaufgang zur Porschekanzel eingerichtet wurde.

Essen sollte nun als wichtigste Einkaufsstadt im Ruhrgebiet zum Wiederaufbau antreiben. 1960 hatten sich daraufhin die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu 1950 verdoppelt. Damit überholte der Einzelhandel den bisher führenden Wirtschaftszweig des Bergbaus. 1964 wurden 23 Prozent des Bruttosozialproduktes im Einzelhandel erwirtschaftet, was deutlich über dem Wert der Konkurrenten Dortmund und Duisburg lag. Dieser Teil des Bruttosozialproduktes sank in den 1980er Jahren wieder unter 16 Prozent, dennoch ist der gleichlautende Schriftzug seit 1951 bis heute in großen Buchstaben auf dem Dach des Hotels Handelshof zu sehen. Im Stadtkern befinden sich heute mehrere Fußgängerzonen mit Warenhäusern und Einzelhandelsgeschäften: die Kettwiger Straße – eröffnete am 16. Juni 1965, die Limbecker-, die Rathenau- und die Viehofer Straße. Am nördlichen Ende der zur Fußgängerzone umgestalteten Viehofer Straße liegt der Viehofer Platz, der noch durch die hier verbreiterte Friedrich-Ebert-Straße mit Kreuzung zur Schützenbahn erkennbar ist. Direkt am Viehofer Platz steht die dreischiffige St.-Gertrud-Kirche, die 1877 nach Plänen von August Rincklake fertiggestellt war und nach schweren Kriegsschäden 1955 verändert wieder aufgebaut wurde. Historisch verweist der Viehofer Platz auf den ehemals hier befindlichen Vieh-Hof, der als Fronhof des Essener Damenstiftes dieses mit Fleisch- und Milchprodukten versorgte. Der Vieh-Hof bestand vermutlich schon zu Zeiten der Stiftsgründung. Hier befand sich bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts auch das Viehofer Tor, das nördliche der vier Essener Stadttore. Westlich des Viehofer Platzes befindet sich die U-Bahn-Haltestelle Rheinischer Platz. Ende des 19. Jahrhunderts errichtete man hier einen Bahnhof der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, der dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.

Der zentrale Kennedyplatz, der etwa von 1953 bis 1964 Gildenplatz hieß, verbindet nach Neugestaltung 1989 heute die Fußgängerzonen, wobei er unter sich eine Tiefgarage erhielt. Der Kennedyplatz war vor dem Zweiten Weltkrieg bebaut, er ist also nicht stadtgeschichtlich gewachsen. Auf dem südlichen Teil des Platzes steht seit 1952 Essens Amerikahaus. Ganz in der Nähe, am II. Hagen 7, befand sich, nach der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Evangelischen Pauluskirche, seit 1968 das Haus der Kirche des evangelischen Stadtkirchenverbandes. Dieses ist 2008/2009 zum sogenannten Kennedy-Tower, einem Büro- und Geschäftshaus, umgebaut worden. Weitere Gebäude um den Kennedyplatz herum sind unter anderem das Heroldhaus (1955, Architekt: Emil Jung, seit Februar 2012 Hotel), das Allbauhaus (1956, Architekt: Willy Maximilian Schneider), das Gildenhaus (1955, Architekten: Wilhelm und Hans Eggeling), das C&A-Warenhaus (1980), aus dem C&A Anfang 2010 auszog. Daneben, zwischen dem Kennedyplatz und der dem Essener Dom vorgelagerten Kirche St. Johann Baptist, liegt der FriedensplatzHauptausschuss der Stadt Essen beschließt Umbenennung des Kardinal-Hengsbach-Platzes; In: Pressemitteilung der Stadt Essen vom 24. Januar 2024, bis 1994 Kurienplatz und dann bis 2024 Kardinal-Hengsbach-Platz genannt, auf dem sich das Denkmal des Wachsamen Hähnchens befindet. Das nördlichere Geschäftshaus am Markt 1 (1987) steht an der Stelle der ersten drei Essener Rathäuser. Nördlich des Kennedyplatzes liegt der 1858 angelegte Kopstadtplatz. Hier war unter anderem das Anwesen der Familie Kopstadt, die von 1734 bis 1833 drei Essener Bürgermeister stellte. Der Platz diente zunächst als Markt- und später als Kirmesplatz. 1896, nach dem Abriss des Heilig-Geist-Hospitals, wurde der Platz erweitert. Am 19. Januar 1899 eröffnete an der Stelle der heutigen Kopstadt-Passage das Varieté Wolff's Colosseum (Leitung: Martha Wolff), ein großes deutsches Revue- und Operettentheater mit rund 3.000 Sitzplätzen und bis zu 400 Aufführungen pro Jahr. Architekten des reich verzierten Gebäudes waren Oskar und Bruno Kunhenn. In den 1930er Jahren entstand dann hier das schlicht gehaltene Varieté Scala mit rund 1.200 Sitzplätzen. 1991 wurde der Kopstadtplatz neugestaltet.

mini|hochkant|Bär am Berliner Platz Am nordwestlichen Ende des Stadtkerns liegt der Berliner Platz, der nach dem Mauerbau aus Solidarität zu den betroffenen Berlinern seinen Namen erhielt und auch nach dem Mauerfall behielt. Die vom Bildhauer Herbert Lungwitz erschaffene, knapp drei Meter hohe Skulptur des Berliner Bären aus Anröchter Dolomit, die seit 1959 im Grugapark stand, wurde am 10. Juli 1964 am nun Berliner Platz genannten Kreisverkehr aufgestellt. In seinen steinernen Sockel sind die Worte Denkt an Berlin geprägt. Zur Einweihung des Berliner Platzes im Juli 1964 war der damalige Regierende Bürgermeister Berlins Willy Brandt erwartet worden, er wurde aber wegen Krankheit durch seinen späteren Nachfolger Heinrich Albertz vertreten. In den 1960er Jahren ein Platz mit großem Straßenbahn-Bahnhof, befindet sich heute hier noch eine Straßenkreuzung mit großem Kreisverkehr. Unterirdisch liegt heute der U-Bahnhof Berliner Platz auf zwei Ebenen. Die Skulptur des Berliner Bären war wegen Umbauten des Platzes seit 2007 eingelagert worden. Sie ist 2012 am zwei Jahre zuvor fertiggestellten Kreisverkehr des Berliner Platzes vor der Agentur für Arbeit wieder aufgestellt worden.

Südöstlich angrenzend lag der Limbecker Platz, der heute überwiegend vom Einkaufszentrum am Limbecker Platz überdeckt wird, dessen letzter Bauabschnitt am 22. Oktober 2009 eröffnet wurde. Das aus dem Jahre 1912 stammende und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute alte Karstadt-Gebäude, im Volksmund Warenburg genannt, wurde im Frühsommer 2008 abgebrochen und der markante Turm gesprengt. Auf der Rückseite verläuft die Friedrich-Ebert-Straße mit dem Unperfekthaus. Ein zweites Einkaufszentrum, mit heute etwa 80 Ladenlokalen, wurde 1979 eröffnet und 1993 umgebaut – das sogenannte City Center Essen. Das gesamte Center liegt am Porscheplatz, 1951 nach dem gerade verstorbenen Ferdinand Porsche benannt. Er hieß vorher im Volksmund einfach Omnibusbahnhof. Dieses Einkaufszentrum wurde nach zweijährigem Umbau am 25. März 2010 als Rathaus Galerie Essen neu eröffnet. An seinem östlichen Ende befindet sich das Essener Rathaus. Im Zuge des Fahrplanwechsels der damaligen Essener Verkehrs-AG im Dezember 2009 wurden die Bus- und U-Bahn-Haltestellen von Porscheplatz in Rathaus Essen umbenannt. In der Kettwiger Straße befindet sich das 1928 errichtete Glockenspiel, welches von der alteingesessenen Firma Deiter betrieben wird. Gegenüber dem Glockenspiel befand sich das renommierte Café Overbeck, das jedoch aufgrund von Insolvenz im Jahr 2014 geschlossen wurde. Unweit davon, neben der gehobeneren Theater-Passage, befindet sich das Grillo-Theater, das alte Stadttheater aus dem Jahre 1892, welches nach kriegsbedingten Beschädigungen in veränderter Form neu aufgebaut worden ist. Gegenüber in der Fußgängerzone befindet sich seit 1928 die Lichtburg, ein großes Kino in einem denkmalgeschützten Gebäude.

Mitten im Zentrum, am Flachsmarkt, befindet sich die protestantische Marktkirche mit einer Geschichte bis zurück ins 11. Jahrhundert. In der Nähe des Porscheplatzes wurde 1913 die Alte Synagoge erbaut, die heute als Begegnungs- und Gedenkstätte dient. Neben der Synagoge befindet sich die 1916 eingeweihte Altkatholische Friedenskirche sowie direkt vor ihr der Jahrhundertbrunnen von 1907. An sie grenzt im Osten das Kolpinghaus Essen Zentral an, das 1858/1859 als Haus des 1852 durch Adolph Kolping gegründeten Gesellenvereins errichtet wurde. 1895 wurde es zu einem ersten Hospiz. 1911/1912 errichtete man an der Bernestraße, südlich der altkatholischen Kirche, als Erweiterung einen Neubau, in dem seit 1974 das Katholische Stadthaus untergebracht ist. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde das Kolpinghaus bis 1951 als Heimstatt der Kolpingsfamilie Essen-Zentral wiedererrichtet. Seit 1972 ist hier zugleich die Geschäftsstelle des Bischöflichen Werkes Adveniat für die Kirche in Lateinamerika untergebracht.Gedenktafel am Objekt