Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie war ein deutscher Agitationsverband in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Geschichte Der Verband wurde am 9. Mai 1904 in Berlin von Mitgliedern der Deutschkonservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen Partei gegründet. Eduard von Liebert, bis 1901 Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Von Politikern der SPD wurde er meist als „Reichslügenverband“ bezeichnet.
Ziel des Reichsverbands war die Herbeiführung geschlossenen Vorgehens aller treu zum Kaiser und Reich stehenden, nicht sozialdemokratischen Parteien und Personen bei den Wahlen. Ideologisch war er, ähnlich dem Alldeutschen Verband und dem Deutschen Flottenverein, am Militarismus orientiert. Der Reichsverband veröffentlichte regelmäßig das propagandistische Handbuch für nichtsozialdemokratische Wähler analog zum vom SPD-Parteivorstand herausgegebenen Handbuch für sozialdemokratische Wähler.
Liebert schrieb in seinen Erinnerungen:
Aus dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie entwickelte sich der 1907 gegründete Bund vaterländischer Arbeitervereine.Fritz von der Boeck: Der Bund vaterländischer Arbeitervereine, in: Der Tag, 25. März 1908.
Bei der Reichstagswahl 1912 konnte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,8 % der Stimmen erlangen und ihre Sitze im Reichstag mehr als verdoppeln. In Folge verlor der Reichsverband stark an Mitgliedern.
Wenige Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am 29. August 1914, stellte der Reichsverband infolge der Burgfriedenspolitik seine gesamte Tätigkeit ein. Damit sollte für die Kriegsdauer der innere Frieden innerhalb des Deutschen Reichs gehalten werden, außerdem hoffte der Vorstand, dass nach Kriegsende eine Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht mehr notwendig sein würde.
Literatur Dieter Fricke, Reichsverband gegen die Sozialdemokratie (RgS) 1904-1918. In: Dieter Fricke, Werner Fritsch, Herbert Gottwald, Siegfried Schmidt, Manfred Weißbecker (Hg.), Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945), 4 Bände, Köln/Leipzig 1983–1986, hier: Bd. 4, S. 63–77. Axel Grießmer, Massenverbände und Massenparteien im wilhelminischen Reich. Zum Wandel der Wahlkultur 1903–1912, Düsseldorf 2000. ISBN 3-7700-5228-5
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Ehemaliger Verein (Deutschland) Kategorie:Geschichte der Sozialdemokratie Kategorie:Verbandsgründung 1904 Kategorie:Aufgelöst 1914