Der Burunduk (Eutamias sibiricus, Synonym: Tamias sibiricus), auch Gestreiftes Backenhörnchen, Sibirisches Streifenhörnchen oder Asiatisches Streifenhörnchen genannt, ist ein waldbewohnendes Nagetier aus der Familie der Hörnchen (Sciuridae). Er ist der einzige nahe Verwandte der nordamerikanischen Streifenhörnchen (Neotamias) außerhalb Nordamerikas.

Kennzeichen mini|links|Der buschige Schwanz erreicht fast die Länge des Körpers Der Burunduk wird bis zu 125 g schwer, bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 13 bis 17 cm und einer Schwanzlänge von 8 bis 11 cm. Sein Fell ist rau, kurzhaarig und braun, der Rücken längsgestreift mit fünf schwarzbraunen und vier hellen breiten Streifen. Die Flanken sind heller braun; die Unterseite ist hell. Schmale dunkle Streifen finden sich auch am Kopf in der Augengegend sowie am Schwanz. Das Fell wird zweimal im Jahr gewechselt, im Frühjahr und im Herbst.

Alle Rückenstreifen haben in etwa die gleiche Breite und Länge. Nur das seitliche Paar dunkler Streifen ist kürzer als das mittlere Trio, das bis auf die Schulter und das Hinterteil reicht. Die Ohren sind breit und an den Spitzen abgerundet. Die Schwanzlänge beträgt 40 bis 45 % der Gesamtlänge. Der Gaumenbein ist kurz und reicht bis zu den letzten Molaren oder knapp dahinter. Die Paukenblasen sind relativ groß. Die oberen Schneidezähne sind mit zahlreichen deutlichen Längsstreifen ausgestattet. Es gibt in der Regel zwei obere Prämolaren. Der Penisknochen verjüngt sich allmählich von der Basis zur Spitze. An der Spitze ist er gleichmäßig gebogen. Auf seiner Oberseite verläuft ein mikroskopisch kleiner Grat. Der Karyotyp ist 2n = 38.Bruce D. Patterson, Ryan W. Norris: Towards a uniform nomenclature for ground squirrels: the status of the Holarctic chipmunks. Mammalia 80 (3), Mai 2016; S. 241–251, doi:10.1515/mammalia-2015-0004

Regional variieren kann unter anderem die Grundfarbe (grau-, gelb- oder rotbraun) und die Farbe der Unterseite (weiß, beige oder rötlich), die Intensität der Färbung, die Breite der Streifen und die Trennschärfe von Streifen und Grundfarbe (von sehr stark abgesetzt bis hin zu ineinander übergehend).

Kopf und Körper des Burunduks haben ein typisches Nagetieraussehen mit kurzen Beinen und zum Greifen befähigten Pfoten. Die Ohren sind klein und rund; der Schwanz wird waagerecht getragen.

Die Pfoten des Burunduks zeigen deutliche Anpassungen an das Baumleben. Die polsterartigen Zehen- und Fußballen sind stark ausgeprägt, die Krallen kurz, aber stark gekrümmt und scharf.

Verbreitung mini|hochkant=1.5|Das Verbreitungsgebiet des Burunduk Derzeit ist der Burunduk in den gesamten nördlichen Nadelwaldgebieten Eurasiens von der Beringstraße bis Finnland zu Hause; außerdem in den südlicher gelegenen Laub- und Mischwäldern Nordjapans, Koreas und der Mandschurei.

Noch vor 200 Jahren war der Burunduk nur in Asien zu Hause. Um 1850 überwand er den Ural, breitete sich langsam nach Westen aus, überschritt im 20. Jahrhundert die Wolga und wurde in den 1960er-Jahren aus Finnland gemeldet.

Da dem Burunduk als einziger eurasischer Streifchenhörnchenart 24 Arten in Nordamerika gegenüberstehen, ist davon auszugehen, dass die Gattung der Streifenhörnchen sich in Nordamerika entwickelte und der Burunduk sich von Arten in Westalaska abspaltete. Wann der Burunduk (bzw. sein Vorläufer) die Beringstraße überquerte, ob während der Eiszeit über die Landbrücke oder später (treibend auf ins Meer gespülten Bäumen oder Sträuchern oder als Blinder Passagier in Booten der Eskimos), ist nicht bekannt. Denkbar ist jedoch, dass die Überquerung des Urals nur Teil einer allgemeinen, schon lange anhaltenden Westwärtsbewegung ist, und dass der Burunduk sich, wie schon in Ostasien, auch in Europa langsam südwärts ausbreiten wird.

Burunduks als Neozoen in Mitteleuropa mini|Burunduk in Ingolstadt Auch in Mitteleuropa finden sich Burundukpopulationen, die jedoch nicht von zugewanderten, sondern von entlaufenen oder freigelassenen Tieren abstammen. Die meisten Populationen sind recht klein und weisen meist eine begrenzte Lebensdauer auf (einige Jahrzehnte). Fast immer leben die Tiere in Parks, Friedhöfen, Tierparks oder städtischen Waldgebieten. Hinweise auf dauerhafte, sich selbst erhaltende und selbständig weiter ausbreitende Populationen liegen nur wenige vor, keiner davon aus Deutschland. Der ökologische Einfluss auf heimische Arten ist gering.Wolfgang Nentwig, Elfi Kühnel, Sven Bacher: A Generic Impact-Scoring System Applied to Alien Mammals in Europe. In: Conservation Biology. Bd. 24, Nr. 1. 2010, , S. 302–311, . Neben verstreuten Hinweisen in Blogs und Foren sind die folgenden Bestände besser dokumentiert: Freiburg im Breisgau: Über mindestens 30 Jahre existierte eine Population auf dem Freiburger Hauptfriedhof.Sibylle Münch: Burunduk. In: Monika Braun, Fritz Dieterlen: Die Säugetiere Baden-Württembergs. Band 2: Insektenfresser (Insectivora), Hasentiere (Lagomorpha), Nagetiere (Rodentia), Raubtiere (Carnivora), Paarhufer (Artiodactyla). Eugen Ulmer, Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-4246-5, S. 167–175. Der Bestand wurde 1976 auf ca. 120 bis 150 Tiere, 1995 noch auf ca. 70 Tiere geschätzt, die Dichte in den günstigsten Lebensräumen auf ca. 6,5 Tiere pro Hektar. Hauptnahrung waren Ahorn- und Lindensamen. Die Population ist um 2001 erloschen. Als Ursache des Zusammenbruchs auf dem 24 Hektar großen, von Mauern und Straßen begrenzten Areal wurde schon bald Inzucht innerhalb der Nachkommen eines einzigen Gründerpaares angenommen.

Münster (Westfalen): Waldfriedhof Lauheide. Seit 1973/74, Ende der 1970er Jahre ca. 200 Tiere.Martin Berger: Streifenhörnchen, Burunduk – Tamias sibiricus (Laxmann, 1769). In: Rüdiger Schröpfer, Reiner Feldmann, Henning Vierhaus (Hrsg.): Die Säugetiere Westfalens (= Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Bd. 46, Nr. 4). Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1984, ISBN 3-924590-04-4, S. 155–159. Neben Erdbauten Nester mit Jungen, zweimal auch in Vogelnistkästen. Heute wieder verschwunden.

Aschaffenburg: Park Schöntal. Ca. 70 bis 90 Exemplare, keinerlei Ausbreitungstendenz.Olaf Schmidt: Sibirisches Streifenhörnchen. In: Neue Arten in Bayern. Bereicherung oder Bedrohung für unsere Wälder? (= LWF aktuell. Nr. 45, Ausgabe 3, ). Freising, 2004, S. 35.

Brüssel: Im Brüsseler Stadtwald (Foret de Soignes). Seit den 1970er Jahren, ca. 2000 Individuen.J. Riegel, J. Pasteels, R. M. Lafontaine, P. Devillers: Influence potentielle du Tamia de Siberie tamias sibiricus (Laxmann) sur la regression de l'avifaune en Foret de Soignes. In: Cahiers d'Ethologie Fondamentale et Appliquee, Animale et Humaine. Bd. 20, Nr. 1, 2000, , S. 45–62.

Genf: Eingebürgert in verschiedenen Stadtparks.Rüdiger Wittenberg (Hrsg.): Invasive alien species in Switzerland. An inventory of alien species and their threat to biodiversity and economy in Switzerland. (= Environmental studies. Organisms. 29, 6, ). Federal Office for the Environment FOEN, Bern 2006, S. 33, .

Belluno: In Wäldern entlang des Flusses Piave und angrenzender Kulturlandschaft auf ca. 5 bis 6 Kilometer Länge, seit ca. 1970.Sandro Bertolini, Italo Currado, Peter J. Mazzoglio, Giovanni Amori: In: Hystrix. NS Bd. 11, Nr. 2, 2000, , S. 65–74. (PDF; 198 kB) Beobachtungen aus zwei weiteren Städten (Verona, Rom) mit kleineren Populationen liegen vor.Sandro Bertolino, Piero Genovesi: In: Hystrix. NS Bd. 16, Nr. 1, 2005, S. 59–69, (PDF; 236 kB).

Hinweise auf weitere Fundorte wildlebender Tiere in Remagen und Essen-Bredeney betreffen Zoos und Tierparks.. Online auf www.burunduk.de, Zugriff am 17. Juni 2013.

Der Burunduk ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Spezies“ für die Europäische Union aufgenommen worden. abgerufen am 15. Juli 2016

Lebensraum und Lebensweise Anders als ihre nahen Verwandten, die steppenbewohnenden Ziesel, leben Burunduke vorwiegend in unterholzreichen Nadel- und Mischwäldern sowie in Gebüschen an Wald- und Feldrändern und in Flusstälern.

Sie sind zwar gewandt und gute Kletterer, die auch an senkrechten Baumstämmen auf und ab laufen können, halten sich jedoch im Gegensatz zu den vorwiegend auf Bäumen lebenden Eichhörnchen einen großen Teil der Zeit am Boden auf. Hier legen sie Erdhöhlen an, deren Einfahrt je nach Bodenbeschaffenheit bis in eineinhalb Meter Tiefe führen kann. Der eigentliche Bau ist ein bis zweieinhalb Meter lang und besteht aus der Nestkammer und mehreren Vorratskammern sowie Blindgängen für den Unrat. In letzteren werden sämtliche Ausscheidungen und Nahrungsabfälle gelagert, während die Nestkammer peinlich sauber gehalten wird.

Burunduke leben in lockeren Kolonien, innerhalb dieser jedoch als Einzelgänger; jedes Tier hat sein eigenes Territorium, das es gegenüber den anderen Tieren verteidigt. Auch gegenüber anderen Nagetierarten ihrer Größenklasse können sie bissig werden. Die Territorien sind 700 bis 4000 m² groß, wobei Weibchen größere Gebiete als Männchen beanspruchen.Gemessen in Burunduk-Kolonien in Deutschland. Nach Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Band 2. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9, S. 1249. Die Reviergrenzen werden mit körpereigenen Duftstoffen und mit Urintropfen markiert.

Sonstiges Verhalten und Ernährung Burunduke sind lebhafte und, soweit es sich nicht um Artgenossen oder andere Nager handelt, auch zutrauliche Tiere, die sich nahe an Menschen heranwagen und, wie auch Eichhörnchen, so vertraut werden können, dass sie Nahrung aus der Hand nehmen.

Sie sind tagaktiv und verfügen über entsprechend gut entwickelte Augen, die auch zum Farbsehen befähigt sind.

Sie treiben ausgiebig Körperpflege und nehmen gerne Sandbäder; dabei reiben sie sich durch Schlängelbewegungen Sand ins Fell, den sie anschließend wieder herausschütteln.

Burunduke sind Allesfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von Samen, Beeren, Nüssen und Insekten, selten erbeuten sie auch Amphibien und Reptilien oder greifen sich nesthockende Jungvögel. Sie essen auf den Hinterbeinen sitzend, die Nahrung wird dabei mit den Vorderpfoten gehalten.

Winterschlaf Burunduke halten Winterschlaf, die im Norden (also dem größten Teil) ihres Verbreitungsgebietes fünf bis sechs Monate, von Oktober bis April, dauern kann. In unseren Breiten dauert er kürzer, von November bis März. Sie wird nur an wärmeren Tagen für kurze Zeit zur Nahrungsaufnahme unterbrochen.

Als Wintervorräte werden Samen, Knospen, Eicheln, Blätter und trockene Pilze gesammelt und getrennt nach Futterart in den Vorratskammern verstaut. Gesammelt werden im Durchschnitt bis zu zwei Kilogramm an Vorräten, zuweilen bis zu sechs Kilogramm. Das Sammelverhalten verstärkt sich im Spätsommer und Herbst; in dieser Zeit kann auch ihre Bissigkeit gegenüber den Artgenossen zunehmen. Burunduke in menschlicher Obhut vergraben oft Vorräte in den Töpfen der Zimmerpflanzen; ob dieses der Vorratshaltung der Eichhörnchen entsprechende Verhalten auch in freier Natur vorkommt, ist nicht bekannt.

Fortpflanzung Mit dem Ende des Winterschlafs beginnt die Paarungszeit. Die Paarung findet je nach Temperaturen und Erwachen aus dem Winterschlaf beginnend ab März statt. Unmittelbar nach der Paarung trennen sich Männchen und Weibchen und gehen wieder zum Einzelgängerdasein über. Bei einer Tragezeit von 30 Tagen (29–31 Tage) werden ab April bis Anfang Juni die Jungen geboren, meist um die vier, in Einzelfällen bis zu zehn. Die Jungen werden vier Wochen gesäugt und haben mit ca. 90 Tagen als „subadulte“ Tiere schon ihre volle Größe erreicht. Im Lauf des Juli schließlich trennt sich die Familie. (In den südlicheren Teilen des Verbreitungsgebietes können die Daten für die Paarung und entsprechend für die folgende Jungenaufzucht früher sein.)