mini|300px|Münster und Deutschhof (Stand 2008) Der Deutschhof ist ein innerstädtisches Quartier in Heilbronn, das auf die um 1225 gegründete Heilbronner Kommende des Deutschen Ordens zurückgeht. Der Ordensbesitz mit Deutschhof und zugehörigem Deutschordensmünster St. Peter und Paul bildete ein eigenes Herrschaftsgebiet innerhalb der Stadtmauern der Reichsstadt Heilbronn. Die Gebäudegruppe des Kleinen Deutschhofs entstand im Wesentlichen im 16. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert um den Großen Deutschhof erweitert. 1806 kam die Anlage infolge der Säkularisation an Württemberg und war anschließend zunächst Kaserne, später Amts- und Gerichtssitz. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Deutschhof beim Luftangriff vom 4. Dezember 1944 weitgehend zerstört. In mehreren Bauabschnitten von 1958 bis 1977 wiederaufgebaut, folgen die Baulichkeiten heute ungefähr ihrer historischen Gestalt. Die Anlage befindet sich im Besitz der Stadt Heilbronn und beherbergt u. a. die Städtischen Museen, das Stadtarchiv Heilbronn mit seinem Haus der Stadtgeschichte und die Volkshochschule.
Geschichte Kommende Heilbronn des Deutschen Ordens Der Deutsche Ritterorden wurde 1198 gegründet und breitete sich im frühen 13. Jahrhundert durch zahlreiche Stiftungen und den Beitritt wohlhabender Adliger im gesamten Heiligen Römischen Reich aus. Die Anzahl der gegründeten Kommenden im deutschsprachigen Raum erreichte im Zeitraum von 1219 bis 1222 ihren Höhepunkt. 1219 wurde auch eine Kommende in Mergentheim gegründet. Der Orden übte durch päpstliche und kaiserliche Privilegien die alleinige Herrschaft in seinen Gebieten aus.
Die Gründungsgeschichte der Kommende in Heilbronn liegt weitgehend im Dunklen, da während des Bauernkriegs zahlreiche Dokumente verloren gingen. Die Forschung ist sich jedoch einig, dass die Gründung in den 1220er Jahren erfolgt sein muss.
Gemäß einem im 19. Jahrhundert gefundenen Anniversar kommen Ulrich II. von Dürn und seine Mutter Luitgard als Stifter der Heilbronner Kommende in Frage. Ulrich II. von Dürn trat um 1225 in den Deutschen Orden ein. In dieser Zeit erfolgte auch die Stiftung.
Die ältere Forschung (Hess 1954) sieht in dem Stiftungsgut Teile des fränkischen Königshofs, mit dem die Grafen von Lauffen zur Hälfte belehnt gewesen seien. Nach dem Tod des letzten männlichen Vertreters der Grafen von Lauffen Boppo (V.) im Zeitraum von 1216 bis 1219 sei der Besitz über Boppos Tochter Mechthild, die mit Konrad I. von Dürn verheiratet war, an die Herren von Dürn gelangt, und im Rahmen einer Erbauseinandersetzung habe Ulrich II. den Königshof erhalten.
Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass sich der Königshof Bereich Kaiserstraße / Gerberstraße / Untere Neckarstraße befunden haben muss, außerdem sprechen zahlreiche weitere Argumente gegen die obige These. Unter anderem erscheint ein Vermächtnis von Mechtild an ihren Schwager wenig plausibel. Der Dürner Besitz in Heilbronn war nachweislich ein Reichslehen, die Reichslehen der Lauffener wurden jedoch nach ihrem Aussterben von den Staufern eingezogen. Das spätere Areal des Deutschhofs befand sich wohl vor ungefähr 1250 noch außerhalb der Stadtmauern. Die Formulierung des Anniversars legt nahe, dass die Dürner lediglich Grund und Boden stifteten. Die fehlenden archäologischen Funde im Bereich des Deutschhofs aus der Zeit vor 1225 deuten ebenfalls in diese Richtung.
Wie die Herren von Dürn in den Besitz des Areals kamen, ist somit unklar. Am plausibelsten gilt momentan eine direkte Belehnung durch Heinrich (VII.), nachdem dieser im Rahmen des Nordhäuser Vertrags Rechte in Heilbronn zurückgewinnen konnte.
Nach Alois Seiler (1991) ist die These einer Stiftung durch Ulrich von Dürn fragwürdig, unter anderem da er in Heilbronn ansonsten nicht in Erscheinung trat und er im Anniversar – im Gegensatz zu einer Erwähnung in Mergentheim – nicht in einer für einen Stifter angemessenen Form erwähnt wird. Seiler zieht das Bistum Würzburg als Stifter in Betracht, da es seinerzeit in Heilbronn die größte Macht auf sich konzentriert hatte und sein Bischof Otto I. von Lobdeburg ein großer Förderer des Deutschen Ordens war.
mini|hochkant|Das Deutschhaus auf einer Stadtansicht von 1557 Aus der Zeit vor 1500 liegen keine Bauakten vor, und Grabungsbefunde werden unterschiedlich gedeutetvgl. die Problematik der Lokalisierung der Pfalzkapelle St. Michael, so dass es über den ursprünglichen Gebäudebestand keine gesicherten Erkenntnisse gibt. Als sicher anzunehmen ist, dass unmittelbar nach Gründung der Kommende in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine kleine romanische Kirche erbaut oder erweitert wurde, aus der nach zahlreichen Umbauten das Deutschordensmünster St. Peter und Paul hervorgegangen ist. Die angrenzenden Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude bildeten den eigentlichen Deutschhof.
1268 wurde erstmals ein Komtur in Heilbronn erwähnt. Dabei handelte es sich um einen Volmar, der aus dem Heilbronner Patriziergeschlecht der Laemmlin stammen könnte. Wie in vielen anderen Städten könnte die Schicht der Patrizier teilweise die frühen Komture gestellt haben. Die Kommende selbst wurde erst 1279 erstmals urkundlich erwähnt.
Zum Ordensbesitz in Heilbronn zählten neben Kirche und Deutschhof auch ausgedehnte Ländereien, darunter 40 Morgen Wiesen in den Auen des nahen Neckars. Auf Markung des Nachbarorts Sontheim, der um die Zeit der Gründung der Kommende an den Orden kam, hatte die Heilbronner Kommende ihren größten Besitz mit 367 Morgen Wald sowie zahlreichen Weingärten, Äckern, Baumstücken und Gärten. Weiteren Besitz sowie Güter und Rechte besaß die Kommende in zahlreichen Orten der näheren Umgebung. In Talheim wurde vom Orden ein Amtmann zur Verwaltung des dortigen Besitzes eingesetzt. Insgesamt umfasste der Ordensbesitz 507 Morgen Wald, 265 Morgen Äcker, 212 Morgen Wiesen und 34 Morgen Weinberge. Neben den Einnahmen aus Verpachtung und Bewirtschaftung der eigenen Güter hatte der Orden Einnahmen aus Zehntabgaben, Kelter- und Mühlenzwang.
Gleichzeitig mit der Heilbronner Kommende erfuhr auch Heilbronn im 13. und 14. Jahrhundert einen Aufschwung. Nach Stadtwerdung und Loslösung von der Oberhoheit der Bischöfe von Würzburg wurde die Stadt 1371 Reichsstadt. Ordensbesitz und Stadt stellten getrennte Herrschaftsgebiete dar, wenngleich sich der Deutschhof auch innerhalb der Stadtmauern befand. Dies führte vielfach zu Streitigkeiten, z. B. als 1333 ein Neckarhochwasser den Lauf des Neckars über Wiesen des Ordens änderte und zum Neckarprivileg führte oder aber mehrfach über das Asylrecht, das der Orden von der Heilbronner Obrigkeit Gesuchten gewähren konnte. Auf anderen Gebieten war die Zusammenarbeit zwischen Orden und Stadt gut, so 1340 bei der Vergrößerung der zur Wallfahrtskirche gewordenen Kirche des Ordens. Auch die persönlichen Beziehungen von Komturen und Räten waren freundlich.
1401 weilte König Ruprecht von der Pfalz im Deutschhaus. 1414 berief der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Sigismund die deutschen Fürsten nach Heilbronn zu einer Zusammenkunft ein und wohnte während dieser Zeit im Deutschhof, 1495 war Maximilian I. Gast des Komturs.
Im 16. Jahrhundert wurde der Deutschhof im Stil der Renaissance erneuert, wobei der kleine Deutschhof im Wesentlichen in seiner heutigen Form mit Komtureigebäude (1512), Staffelgiebelhaus (1546/50) und Ritterherberge (1566) entstand. Zur Anlage des 16. Jahrhunderts zählten außerdem das Steinhaus (1506) für Balleirat und Pflugmeister sowie ein Wirtschaftsgebäude mit Bäckerei, Wäscherei und Pferdeställen. Der Deutschhof wurde um 1600 um den südlich an die Kirche angebauten Stein-Kallenfelsischen Bau mit Fürstenzimmer sowie nach Süden um das Wagen- und Kornhaus erweitert. Dieses heute nicht mehr bestehende Gebäude an der Stelle des heutigen Stadtarchivs unterschied sich von anderen Zehntscheunen durch seine repräsentative Gestaltung mit zwei gotischen Kreuzgewölben.
Im Deutschen Bauernkrieg 1525 plünderten aufständische Bauern den Deutschhof. Mit der Vernichtung sämtlicher schriftlicher Unterlagen der Deutschordens-Verwaltung, welche sie in den vorbeifließenden Kirchbrunnenbach warfen, erhofften sie sich ein für alle Mal ihrer Verpflichtung gegenüber dem Orden entledigen zu können. Dass sie ihr Ziel auf diese Weise nicht erreichten, mussten sie allerdings zu ihrem großen Leidwesen bald feststellen. Den Deutschherren selbst war kein Leid geschehen. Der Komtur berechnete seinen Schaden später auf 20.653 Gulden – eine gewaltige Summe, wegen der sich Kommende und Stadt, die den Bauern ohne Zwang die Tore geöffnet hatte, noch Jahre stritten.
mini|Axel Oxenstierna hält 1633 im Deutschhof den Heilbronner Konvent ab (Lithographie um 1842) Zur Zeit der Reformation bekannten sich im Spätjahr 1530 Rat und Bürgerschaft zur Augsburger Konfession und wurden in Folge protestantisch, während der Deutsche Orden katholisch blieb. Während des auch als Religionskriegs geführten Dreißigjährigen Kriegs litten die Stadt Heilbronn und ihre Dörfer stark. Nach der Schlacht bei Wimpfen wurde 1622 Neckargartach niedergebrannt, Böckingen geplündert. 1629 zog eine katholische kaiserliche Besatzung in Heilbronn auf. Im Dezember 1631 gelang es den auf protestantischer Seite kämpfenden Schweden, die Stadt einzunehmen, worauf General Gustaf Horn sein Hauptquartier im Deutschhof aufschlug. Die Schweden übergaben den Deutschhof mit seinen zugehörigen Orten am 28. Februar 1632 offiziell der Stadt Heilbronn. Unter Vorsitz des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna fand 1633 der Heilbronner Konvent im Deutschen Haus statt, bei dem der Heilbronner Bund zwischen Frankreich und Schweden sowie den protestantischen süddeutschen Reichsständen geschlossen wurde. Nach der Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen erfolgte 1635 die Rückgabe des Besitzes an den Deutschen Orden. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg zählten 1689 neben Ratsherren und sonstigen Honoratioren zwei Ordenskomture zu den von Franzosen verschleppten Geiseln.
Kaiser Joseph I. nahm am 21. Juli 1702 Quartier im Deutschen Haus auf dem Weg zur Reichsarmee am Oberrhein. Ihm zu Ehren wurde eine Nachtmusik dargebracht. Es muss ihm gut gefallen haben, weil er bei anderer Gelegenheit am 26. September wieder dort einkehrte, als er sich auf der Reise zur Besichtigung der Belagerung von Landau befand.
mini|Deutschhoffassade in einer Lithographie der Gebrüder Wolff von 1823 1712 wurde unter Komtur Franz Claudius von Reinach und Baumeister Wilhelm Heinrich Behringer im Südwesten der Anlage mit der Errichtung des Neuen Baus begonnen, der einen dort befindlichen in krummer Linie stehenden alten und schadhaften irregulären Bau in drei Bauabschnitten bis 1718 ersetzte, später nach dem Baumeister Behringerbau genannt wurde und den heutigen großen Deutschhof umschließt. Der Bau erfolgte in einer Zeit wirtschaftlicher Prosperität der Kommende, gleichzeitig wurde ab 1717 auch ein Neubau der angeschlossenen Marienkirche sowie der Kirchen in Sontheim und in Degmarn geleistet.
Prinz Eugen und Herzog Carl Alexander von Württemberg machten 1734 nacheinander das Deutsche Haus zu ihrem Hauptquartier, von wo aus sie als Inhaber des Oberkommandos die Truppenbewegung des deutschen Heeres gegen Frankreich leiteten.