Charlotte Diede (* 12. Mai 1769 als Charlotte Hildebrand in Lüdenhausen; † 16. Juli 1846 in Kassel) war die Brieffreundin von Wilhelm von Humboldt.
Leben Charlotte Diede war die Tochter des Lüdenhausener Pfarrers und Superintendenten Friedrich Ernst Hildebrand (* 1725, † 1800) und seiner Ehefrau (geborene Falckmann, † 1787). 1788 lernte sie in Pyrmont Wilhelm von Humboldt während einer Badekur kennen. Die Begegnung mit von Humboldt (* 1767, † 1835) schilderte sie später mit bewegenden Worten:
Von Humboldt übergab ihr zum Abschied am 20. Juli 1788 ein Stammbuchblatt, welches als Facsimile noch erhalten ist. Nach diesen Tagen hatten beide über viele Jahre hinweg keinerlei Kontakt mehr. Später trafen sie sich noch zweimal, 1819 in Frankfurt am Main und 1828 in Kassel. Ein dauerhaftes Zusammenleben mit Charlotte, und sei auch als seine Gouvernante, sein Dienstmädchen oder seine Pflegerin, hat Humboldt nicht gewünscht.Michael Maurer: Humboldts Briefe an eine Freundin (Charlotte Diede). In: C. F. Berghahn (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt-Handbuch. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-476-05481-4, S. 328. doi:10.1007/978-3-476-05481-4_33.
1789 ging sie eine Ehe mit dem Obergerichtsprokurator Rudolf Wilhelm Diede († 1840) in Kassel ein, die jedoch schon nach drei Jahren wieder getrennt wurde.
Nachdem sie infolge der Kriegsunruhen durch Napoléon Bonaparte ihr angelegtes Geldvermögen verloren hatte, begann Charlotte Diede mit der gewerbsmäßigen Herstellung von künstlichen Blumen und Ballgarnituren („Ihren künstlichen Beschäftigungen“ – „Kunstarbeit“ – „Fabrication künstlicher Blumen“ im Sinne einer „arbeitenden Beschäftigung“Albert Leitzmann (Hrsg.): Wilhelm von Humboldts Briefe an eine Freundin – Zum ersten Male nach den Originalen herausgegeben von Albert Leitzmann. Insel-Verlag, 2. Auflage, Leipzig 1909, Zitate 1. Band S. 136, 279 und 300 und 2. Band S. 100.). 1814 wandte sie sich an Humboldt um Rat und Hilfe. Humboldt wohnte damals als preußischer Minister dem Wiener Kongress bei. Er unterstützte sie finanziell (mit fünf Friedrich d’or pro Quartal) und blieb mit ihr bis zu seinem Tod in Briefkontakt. Später gewährte ihr der König von Preußen eine Pension.
Humboldts klassische Briefe an sie wurden nach ihrem Tod von Therese von Bacheracht 1847 unter dem Titel Briefe an eine Freundin veröffentlicht. Außerdem erschienen noch die Briefe von Charlotte Diede, der Freundin Wilhelm von Humboldts, an Karl Schulz (Leipzig 1883), den Bruder von Humboldts Sekretär.
Ehrung Nach ihr wurde der Charlotte-Diede-Weg in Kalletal benannt.
Literatur Wilhelm von Humboldt: Sentenzen für eine Freundin. Laturner Verlag, Darmstadt 1944, 31 Seiten. Albert Leitzmann (Hrsg.): Wilhelm von Humboldts Briefe an eine Freundin – Zum ersten Male nach den Originalen herausgegeben von Albert Leitzmann. Insel-Verlag, 2. Auflage, Leipzig 1909, zwei Bände. Therese von Bacheracht: Briefe von Wilhelm von Humboldt an eine Freundin, 1854, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig 1847, 1. Theil (Digitalisat); 2. Teil (Digitalisat); 4. Auflage, 1. Teil (Digitalisat); 5. Auflage, 2. Teil (Digitalisat). . Philippine Charlotte Auguste Piderit, Otto Hartwig (Hrsg.): Charlotte Diede, die Freundin von W. von Humboldt. Lebensbeschreibung und Briefe. Max Niemeyer Verlag, Halle 1884 (Digitalisat). Albert Leitzmann: Die Freundin Wilhelm von Humboldts. In: Deutsche Rundschau. Jahrgang 1909, Band 140, Kapitel 13, S. 204–230 (Juli – August – September), Siehe (Digitalisat). Inge Brose-Müller: Humboldt und Charlotte: eine Freundschaft in Briefen. wjs, Berlin 2010, ISBN 978-3-937989-61-7. Briefe von Charlotte Diede, der Freundin Wilhelm von Humboldts, an Karl Schulz. Mit einer Einleitung von G. Lothholz. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1883, XXVIII, 105 Seiten. Michael Maurer: Humboldts Briefe an eine Freundin (Charlotte Diede). In: Cord Friedrich Berghahn (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt-Handbuch. J.-B.-Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl-Ernst-Poeschel-Verlag, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-476-05481-4. doi:10.1007/978-3-476-05481-4_33. Wilhelm von Humbold [sic], Alfred Huhnhäuser: Briefe an eine Freundin. www.lexikus.de/bibliothek/Briefe-an-eine-Freundin, Erscheinungsjahr 1921.
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