mini|300px|Wechselkurs des Euro zum US-Dollar seit Bestehen des Euros Der Wechselkurs (oder Devisenkurs; ) ist in der Außenwirtschaft und im Finanzwesen der Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung. Devisenkurs ist der Preis einer ausländischen Währungseinheit in Inlandswährung, während der Preis einer inländischen Währungseinheit in Fremdwährung Wechselkurs genannt wird.Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 6, 1984, Sp. 2168 Devisen- und Wechselkurs werden deshalb häufig voneinander unterschieden und nicht als Synonyme gebraucht, denn der Devisenkurs zeigt an, was Devisen in einem Staat kosten und nicht, was die Inlandswährung in Devisen kostet.Dieter Pentzek, Der Freie Wechselkurs: Theoretische Untersuchung der Möglichkeit eines Überganges zu einem neuen Wechselkurssystem, 1963, S. 9 Der Wechselkurs ist der Kehrwert des Devisenkurses :Claus Köhler/Gerhard Merk, Geldwirtschaft, Band 2: Zahlungsbilanz und Wechselkurs, 1979, S. 36 . Diese Unterscheidung lässt sich auch historisch begründen, denn früher wurden Wechsel zwischen zwei Ländern gehandelt, wobei die Wechsel eines Landes einen Kurswert in der Währung des anderen Landes hatten.Dieter Pentzek, Der Freie Wechselkurs: Theoretische Untersuchung der Möglichkeit eines Überganges zu einem neuen Wechselkurssystem, 1963, S. 10 Helmut Lipfert zufolge stammt die Bezeichnung der Devisenkurse als Wechselkurse aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als der internationale Devisenhandel weitgehend ein Handel mit Fremdwährungswechseln war.Helmut Lipfert, Einführung in die Währungspolitik, 1973, S. 5 FN 3
Der Wechselkurs setzt voraus, dass mindestens zwei Währungen miteinander verglichen werden. Der Vergleich erfolgt insbesondere durch Anleger, Exporteure und Importeure, Investoren, Manager, Spekulanten, Unternehmer oder aus statistischen Gründen für Zeitreihenanalysen, um Entscheidungen treffen zu können. Wird der Wechselkurs über die jeweiligen Wechselkurse zu einer Drittwährung ermittelt, liegt ein Kreuzkurs () vor.Ulrich Becker, Lexikon Terminhandel, 1994, S. 370
Der Wechselkurs ist volkswirtschaftlich sehr bedeutsam, da er unter anderem die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Währungsraumes beeinflusst (siehe Wechselkursmechanismus).
Arten Allgemein wird unterschieden zwischen nominellem und realem Wechselkurs und zwischen festen und flexiblen Wechselkursen: Nominelle, reale und effektive Wechselkurse: Der nominelle Wechselkurs ist das Wertverhältnis zweier Währungen, üblicherweise angegeben als in Inlandswährung ausgedrückter Preis einer bestimmten Menge ausländischer Währungseinheiten (Numéraire).Thorsten Hadeler (Hrsg.), Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, 1997, S. 1256 Der Kehrwert dieser Preisnotierung (z. B. Euro/USD) ergibt die Mengennotierung. Zwischen dem Wechselkurs in der Preisnotierung und der Mengennotierung gegenüber einer anderen Währung besteht die Beziehung . Eine Erhöhung des nominellen Wechselkurses in der Preisnotierung entspricht einer Abwertung der Inlandswährung, eine Aufwertung ist bei Preisnotierung die Verminderung des nominellen Wechselkurses der Inlandswährung. Realer Wechselkurs: Er bezeichnet das Verhältnis, zu dem ein repräsentativer Warenkorb eines Staates gegen einen repräsentativen Warenkorb eines anderen Staates getauscht werden kann. Der reale Wechselkurs ist damit als ein Index definiert, sein absoluter Wert hat also keinen Aussagewert. Erst durch die Betrachtung der Änderungsraten im Zeitverlauf kann man wichtige Erkenntnisse gewinnen. An ihnen kann man die Entwicklung der Kaufkraft eines Staates ablesen. Eine real aufwertende Währung zeichnet sich zwar durch eine höhere Kaufkraft gegenüber dem Ausland aus (man spricht auch von verbesserten Terms of Trade), verringert jedoch gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft. Reale Falschbewertung ist ein realer Wechselkurs, der vom Gleichgewichtspreis abweicht. Effektive Wechselkurse sind der Indexwert einer Währung gegenüber einem gewichteten Währungskorb. Der effektive Wechselkurs von wichtigen Währungen wird lediglich von der Bank of England ermittelt.Lars Tvede, Psychologie des Börsenhandels, 1991, S. 159 Effektive Wechselkurse entsprechen von der Methodik einem Preisindex. Feste und flexible Wechselkurse: Ein fester Wechselkurs ist ein Wechselkurssystem, bei dem die Kurse lediglich innerhalb einer festgelegten Wechselkursbandbreite zwischen einem oberen und unteren Interventionspunkt frei schwanken dürfen. Wird der obere Interventionspunkt durch die Marktentwicklung überschritten oder der untere Interventionspunkt unterschritten, greift die Zentralbank pflichtgemäß mittels Devisenmarktintervention entweder als Verkäufer oder Käufer der Devisen ein. Der Ausgleich der Zahlungsbilanzen wird bei festen Wechselkursen und gleichzeitig angestrebter Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität ein Problem, das nur durch international koordinierte Konjunkturpolitik gelöst werden kann.Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 6, 1984, Sp. 2168 Der Crawling Peg ist ein elastisches System fester Wechselkurse, in dem den Währungsbehörden gestattet ist, entweder die Wechselkursparitäten oder die Wechselkursbandbreiten oder beides zu verschieben, so dass kein unmittelbarer Zwang zur Devisenmarktintervention besteht.Thomas Plümper (Hrsg.), Lexikon der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen, 1996, S. 44 Ein flexibler Wechselkurs (wie beim Floating) dagegen kann frei schwanken, die Zentralbank greift im Regelfall nicht ein. Die Preisbildung wird dem freien Spiel von Devisenangebot und Devisennachfrage auf dem Devisenmarkt überlassen. Ein Zahlungsbilanzdefizit (starke Nachfrage nach Fremdwährung) zeigt sich direkt in steigenden Devisenkursen, so dass die Zahlungsbilanz stets ausgeglichen ist.Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 6, 1984, Sp. 2168 Der Zahlungsbilanzüberschuss mit starkem Angebot an Fremdwährung führt zu sinkenden Devisenkursen. Eine bedeutende Rolle spielen Wechselkurse bei Kreditinstituten, Versicherern und Unternehmen mit Außenhandel. Für sie besteht durch Wechselkursänderungen ein Risiko (Wechselkursunsicherheit), wenn Forderungen oder Verbindlichkeiten in Fremdwährung denominiert sind.
Bilaterale und effektive Wechselkurse
Vom bilateralen Wechselkurs spricht man, wenn sich der Wechselkurs auf zwei Währungen bezieht. Betrachtet man dagegen den Wechselkurs zwischen einer Währung und einem Währungskorb, dann spricht man vom effektiven (oder auch multilateralen) Wechselkurs. Der Währungskorb wird aus den Währungen der wichtigsten Handelspartner gebildet. Der effektive Wechselkurs wird bestimmt, indem der Durchschnitt aus allen bilateralen Wechselkursen im Währungskorb gebildet wird, dabei wird jeder bilaterale Wechselkurs mit dem Anteil des jeweiligen Landes am Außenhandel gewichtet. Wird mit der Exportquote gewichtet, so spricht man vom Exportwechselkurs, wird dagegen mit der Importquote gewichtet, dann spricht man vom Importwechselkurs. Meistens wird der Durchschnitt aus dem Export- und Importanteil gebildet, in diesem Fall wird der effektive Wechselkurs als Außenwert der Währung bezeichnet.
Der effektive Wechselkurs ist von Bedeutung, weil Wechselkurse aus Unternehmenssicht vor allem wichtige Indikatoren für die eigene Wettbewerbsfähigkeit sind. Allerdings kann ein Wechselkurs per Definition immer nur genau zwei Volkswirtschaften miteinander vergleichen. Dies reduziert seine Aussagekraft. Um zu einer grundsätzlicheren Erkenntnis über die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates zu kommen, müssten demnach auch alle anderen für Ex- und Importe wichtigen Wechselkurse berücksichtigt werden – dies leistet der effektive Wechselkurs.
Die Europäische Zentralbank (EZB) berechnet den effektiven Außenwert des Euro gegenüber den Währungen von 23 Haupthandelspartnern (die sog. EWK-23-Gruppe). Bedeutsam sind dabei jedoch v. a. der US-Dollar, das britische Pfund und der japanische Yen, die derzeit gemeinsam über 55 Prozent des gesamten effektiven Wechselkurses des Euro ausmachen. Obwohl die Währungen, die nicht zur EWK-23-Gruppe zählen, eine relativ unwichtige Rolle spielen, bestimmt die EZB auch den effektiven Wechselkurs für die 42 wichtigsten Handelspartner, die sogenannte EWK-42-Gruppe.
Mengen- und Preisnotierung Die Mengennotierung (), der Wechselkurs im engeren Sinne, gibt den Preis einer Einheit der inländischen Währung in Geldeinheiten der ausländischen Währung an (am Beispiel von Europa und den USA aus europäischer Sicht: Dollar je Euro). Dagegen gibt die Preisnotierung () oder der „Devisenkurs“ den Preis einer Einheit der ausländischen Währung in Einheiten der inländischen Währung an (Euro je Dollar aus europäischer Sicht). Die Preisnotierung ist somit definitionsgemäß der Kehrwert der Mengennotierung.
Die Art der Kursnotierung lässt sich anhand folgender Tabelle veranschaulichen:Sebastian Bodemer, Corporate Treasury Management, 2014, S. 236
Kursnotierung Definition aus deutscher Sicht Mengennotierung der Wechselkurs gibt die Mengeneinheit an Fremdwährung an, die der Inlandswährung entspricht EUR/CHF = 1,20 1 EUR = 1,20 CHF Preisnotierung der Wechselkurs wird als Preis in Inlandswährung für eine Währungseinheit der Fremdwährung ausgedrückt CHF/EUR = 0,83 1 CHF = 0,83 EUR
In Deutschland und Österreich ist die Mengennotierung, in der Schweiz die Preisnotierung üblich. Sortenkurse werden meist in Preisnotierung wiedergegeben. In der Eurozone, Großbritannien, Australien und Neuseeland wird heute mehrheitlich die Mengennotierung verwendet, während ansonsten die Preisnotierung üblich ist. In der Eurozone war bis zu der Euroeinführung auch die Preisnotierung üblich. auf der Website der Deutschen Bundesbank
Der Wechselkurs in Mengennotierung wird durch
berechnet, in Preisnotierung (Devisenkurs) lautet sie . Ob Mengen- oder Preisnotierung vorliegen, hängt somit von der Sichtweise eines Landes ab.
Wechselkursrisiko Das Wechselkursrisiko ist ein spezifisches Kursrisiko, das von demjenigen Wirtschaftssubjekt zu tragen ist, welches mit einer Fremdwährung als Zahlungsempfänger oder Zahlungspflichtiger konfrontiert ist. Es beruht auf der Unsicherheit über zukünftige Marktentwicklungen des Wechselkurses und kommt in der Wahrscheinlichkeitsverteilung zukünftiger Ungewissheit über die Wechselkurse zum Ausdruck.Wolfgang Breuer/Thilo Schweizer (Hrsg.), Gabler Lexikon Corporate Finance, 2003, S. 578 Hiergegen kann sich der Risikoträger durch Sicherungsgeschäfte wie insbesondere Devisentermingeschäfte, Devisenoptionsgeschäfte oder Währungsswaps absichern.
Wechselkursbildung Ein Wechselkurs bildet sich bei flexiblen Wechselkursen wie jede Preisbildung am Devisenmarkt aus Devisenangebot und Devisennachfrage der betrachteten Währung. Bedeutende Einflussgrößen sind Direktinvestitionen, unterschiedliche Preisniveaus, Spekulation, Zahlungsströme (Exporteure verkaufen ihre Devisen als Devisenangebot, was als Geldangebot auf dem heimischen Geldmarkt erscheint, Importeure entwickeln Devisennachfrage, was Geldnachfrage erzeugt) oder Zinsdifferenzen der Zinsniveaus zwischen Inland und Ausland. Wichtig sind auch nicht-monetäre psychologische Faktoren (wie politische oder Finanzkrisen, Handelskriege, Handelsstreitigkeiten, Kriege oder die Veröffentlichung von Marktdaten, volkswirtschaftlichen Kennzahlen).Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftstheorie, 2013, S. 466