Sir Bradley Marc Wiggins, CBE (* 28. April 1980 in Gent, Belgien) ist ein ehemaliger britischer Radrennfahrer. Im Jahr 2012 gewann er als erster Brite die Tour de France. Zuvor war er vorrangig im Bahnradsport erfolgreich, wo er siebenfacher Weltmeister und vierfacher Olympiasieger wurde. Auf der Straße wurde er im Einzelzeitfahren ebenfalls Weltmeister und Olympiasieger. Weiters war er zwischen 2015 und 2019 Inhaber des Stundenweltrekords.

Sportlicher Werdegang Kindheit und Jugend Bradley Wiggins wurde am 28. April 1980 im belgischen Gent geboren. Sein Vater, Gary Wiggins, war ein australischer Radsportler, der damals für die belgische Mannschaft Marc-Carlos-V.R.D.-Woningbouw fuhr und aus diesem Grund nach Belgien gezogen war. Nach der Trennung seiner Eltern zog Bradley Wiggins im Alter von zwei Jahren mit seiner Mutter Linda nach England, wo er im Stadtteil Maida Vale im Norden von London mit einem jüngeren Halbbruder aufwuchs. In seiner Jugend ging er auf die St. Augustine’s Church of England School, bei der seine Mutter als Sekretärin arbeitete.

Nachdem er in seiner Kindheit vorrangig als Fußballer aktiv gewesen war, kam Bradley Wiggins im Alter von zwölf Jahren erstmals mit dem Radsport in Kontakt. Auf Anraten seiner Mutter verfolgte er die Radsportbewerbe bei den Olympischen Spiele von Barcelona, bei denen der britische Radsportstar Chris Boardman an den Start ging. Noch im selben Jahr bestritt der zwölfjährige Wiggins mit der West London Challenge 92 in Hayes sein erstes Radrennen. Kurz darauf wurde er in einen Unfall verwickelt und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu. Er erhielt 1700 Britische Pfund als Entschädigung für seine Verletzungen, von denen er 700 Britische Pfund seiner Mutter gab und sich mit dem verbliebenen Geld sein erstes Rennrad kaufte. Weiters wurde Bradley Wiggins Mitglied beim Archer Road Club. Er trat damit in die Fußstapfen seines Vaters, der in den 1970er Jahren für den englischen Club gefahren war und dort Wiggins Mutter kennengelernt hatte. In späteren Interviews meinte Bradley Wiggins, dass er sich bereits damals, im Alter von zwölf Jahren, einen Olympiasieg und den Gewinn der Tour de France als Ziel setzte. Ab dem Jahr 1993 bestritt Wiggins Wettkämpfe im Herne Hill Velodrome und Crystal Palace National Sports Centre und kombinierte somit bereits in jungen Jahren den Bahn- und Straßenradsport. In den nachfolgenden Jahren überzeugte Bradley Wiggins bei den Wettkämpfen seiner Altersklassen, wobei sich der 72-jährige Veteran Stan Knight als sein Förderer etablierte. Aufgrund seiner Erfolge wurde Wiggins bereits früh von Condor's Olympia Sport und Team Brite finanziell unterstützt. Später berichtete Wiggins, dass er zwischen seinem 13. und 16. Lebensjahr wiederholt von seinem Mentor sexuell missbraucht wurde.

Frühe Jahre und erste Erfolge Mit 16 Jahren wurde Bradley Wiggins erstmals nationaler Meister, als er auf der Bahn das Zeitfahren der Junioren über 1000 Meter gewann. Im Jahr darauf brach er die Schule ab und schrieb sich für einen BTEC-Grundkurs der Betriebswirtschaft ein, da er aufgrund seines fehlenden A-levels nicht zum Studium berechtigt war. Nach kurzer Zeit brach er die weiterführende Ausbildung jedoch ab, um sich ganz auf den Radsport konzentrieren zu können. Im Jahr 1997 wurde Wiggins nationaler Junioren-Meister im Zeitfahren, Punktefahren, Scratch und in der Einerverfolgung über 3000 Meter, ehe er als einziger britischer Teilnehmer bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften der Junioren in Kapstadt an den Start ging und den vierten Platz im Punktefahren belegte.

Mit dem Jahr 1998 ging Wiggins vermehrt bei internationalen Rennen der Junioren an den Start. Zudem erzielte er seine ersten Erfolge auf der Straße, ehe er im August zu den Bahnradsport-Weltmeisterschaften der Junioren von Havanna reiste. In der Einerverfolgung über 3000 Meter setzte er sich dabei vor dem Deutschen Daniel Palicki durch und gewann somit im Alter von 18 Jahren seinen ersten Weltmeistertitel. Weiters verteidigte er seine nationalen Titel aus dem Vorjahr und vertrat England bei den Commonwealth Games von Kuala Lumpur, wo er Vierter in der Einerverfolgung wurde und gemeinsam mit Colin Sturgess, Jon Clay und Rob Hayles die Silbermedaille in der Mannschaftsverfolgung holte. Weiters ging Wiggins am Ende des Jahres auch bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften der Junioren an den Start. Aufgrund seiner Erfolge wurde er in den World Class Performance Plan des britischen Radsportverbands aufgenommen und verdiente als von der National Lottery gesponserter Athlet rund 20.000 Britische Pfund pro Jahr.

Im Jahr 1999 begann er mit dem Nationalteam der Mannschaftsverfolgung zu trainieren, wobei der Fokus auf die Olympischen Spielen von Sydney gelegt wurde. Auf der Straße ging er im Alter von 19 Jahren für eine britische Auswahl bei der Tour of Britain an den Start, wo er den 55. Gesamtrang belegte. Im Oktober ging er erstmals bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften der Elite-Klasse an den Start und belegte mit dem britischen Vierer den fünften Rang in der Mannschaftsverfolgung. Weiters wurde er gemeinsam mit Rob Hayles Zehnter im Madison. Am Ende der Saison bestritt er mit seinem Teamkollegen auch die Sechstagerennen von Gent und Zürich.

Im Jahr 2000 konzentrierte sich Bradley Wiggins vorrangig auf die Olympischen Spiele und bestritt nur wenige Rennen auf der Straße. Im Juli belegte er mit dem britischen Vierer den dritten Rang bei der Mannschaftsverfolgung der Bahnrad-Weltcup-Station von Turin. Bei den Olympischen Spielen musste sich die britische Auswahl im Semi-Finale der ukrainischen Nationalmannschaft geschlagen geben, ehe sich der britische Vierer im Kampf um die Bronze-Medaille mit einer Zeit von 4:01:979 min vor dem französischen Team durchsetzte. Wenige Tage später ging Bradley Wiggins gemeinsam mit Rob Hayles im Madison an den Start und verpasste jedoch als Vierter eine weitere Medaille. Im Oktober stand Bradley Wiggins auch bei den Weltmeisterschaften im Aufgebot der Mannschaftsverfolgung und belegte mit seinen Teamkollegen hinter der deutschen Auswahl den zweiten Rang. Am Ende der Saison ging Bradley Wiggins erneut mit Rob Hayles bei mehreren Sechstagerennen an den Start, wobei das Duo in Grenoble Dritter wurde.

Im Alter von 20 Jahren unterschrieb Bradley Wiggins seinen ersten Profi-Vertrag für das britische Team Linda McCartney – Jacob’s Creek – Jaguar, das sich jedoch noch vor der Saison 2001 aufgrund von internen Problemen auflöste. Als Teil des britischen Nationalteams und aufgrund der Finanzierung durch die National Lottery bestritt er dennoch mehrere Rennen auf der Straße und belegte zu Beginn der Saison hinter Fabian Cancellara und Alexei Markow den dritten Gesamtrang bei der Tour of Rhodos. Im weiteren Saisonverlauf konnte er zudem die Gesamtwertung des Cinturón a Mallorca und Flèche du Sud gewinnen. Zwei Wochen vor den Bahnradsport-Weltmeisterschaften kam er zu Sturz, wobei er sich am rechten Handgelenk verletzte. Dennoch holte er mit dem britischen Vierer erneut die Silbermedaille und wurde Siebter in der Einerverfolgung.

Profi-Vertrag bei FDJ und erster Weltmeistertitel (2002–2003) Im Jahr 2002 erhielt Bradley Wiggins mit 21 Jahren einen Profi-Vertrag bei der französischen La-Française-des-Jeux-Mannschaft, die von dem früheren Radsportler Marc Madiot geleitet wurde. Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt kurzfristig nach Nantes, wobei er später wieder in seine Heimat zurückkehrte. In seiner ersten Saison ging er bei der Flandern-Rundfahrt an den Start, die er jedoch nicht beendete. Weiters ging er bei der Tour de l’Avenir an den Start, bei der er sich im Auftaktzeitfahren nur knapp dem Italiener Filippo Pozzato geschlagen geben musste. Neben seinen Ambitionen im Straßenradsport blieb er auch weiterhin dem Bahnradsport treu und holte bei den Commonwealth Games von Manchester hinter seinem La Française des Jeux-Teamkollegen Bradley McGee die Silbermedaille in der Einerverfolgung. Auch in der Mannschaftsverfolgung gewann er die Silbermedaille, wobei sich die englische Auswahl im Finale nur den Australiern geschlagen geben musste. Bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften folgte eine Bronzemedaille in der Mannschaftsverfolgung, während Wiggins in der Einerverfolgung den fünften Platz belegte. Unzufrieden mit seiner Leistung wurde ihm nun die britische Radsport-Ikone Chris Boardman als Mentor zur Verfügung gestellt, der seine Karriere kurz zuvor beendet hatte.

Im Mai des Jahres 2003 gab Bradley Wiggins sein Grand-Tour-Debüt beim Giro d’Italia. Nach der anspruchsvollen 18. Etappe musste er die Rundfahrt jedoch verfrüht verlassen, da er gemeinsam mit 53 anderen Fahrern das Ziel nicht im vorgegebenen Zeitlimit erreicht hatte. Im Juli ging Wiggins zum fünften Mal als Elite-Fahrer bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften an den Start. In der Einerverfolgung fuhr er die schnellste Zeit im Vorlauf, ehe er sich für das Finale qualifizierte. Dort setzte er sich mit einer Zeit von 4:18:570 min gegenüber dem Australier Luke Roberts durch und holte sich im Alter von 23 Jahren seinen ersten Weltmeistertitel in der Elite-Klasse. Im Anschluss folgte eine weitere Silbermedaille in der Mannschaftsverfolgung. Nach seinem bislang größten Erfolg kehrte Bradley Wiggins auf die Straße zurück und gewann das Auftaktzeitfahren der Tour de l’Avenir, die er jedoch nicht zu Ende fuhr. Im November triumphierte er gemeinsam mit dem Australier Matthew Gilmore beim Sechstagerennen von Gent.

Wechsel zu Crédit Agricole und Olympia-Sieg (2004–2005) Auf Anraten von Chris Boardman wechselte Bradley Wiggins im Jahr 2004 zur französischen Crédit-Agricole-Mannschaft. Auf der Straße konnte er in seiner ersten Saison keine nennenswerten Ergebnisse einfahren, wobei sich der zwischenzeitlich 23-jährige Brite nach seinem ersten Weltmeistertitel nun auf die Bahnradsport-Bewerbe bei den Olympischen Spielen von Athen vorbereitete. In der Einerverfolgung qualifizierte er sich mit einem olympischen Rekord von 4:15.165 min für das Finale, wo er auf den Australier Bradley McGee traf. Im Kampf um die Goldmedaille setzte er sich deutlich mit einem Vorsprung von mehr als vier Sekunden durch, womit er sich im Alter von 24 Jahren zum Olympiasieger krönte. Im Anschluss folgten zwei weitere olympische Medaillen, als er gemeinsam mit Steve Cummings, Paul Manning und Rob Hayles Zweiter in der Mannschaftsverfolgung wurde und mit Letzteren den dritten Platz im Madison belegte. Bradley Wiggins war somit der erste britische Athlet seit 40 Jahren, der drei Medaillen bei einer Olympiade gewonnen hatte, und wurde dafür am 31. Dezember 2004 für seine Leistungen im Sport mit dem Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet.

Nach seinen Erfolgen im Bahnradsport verlagerte Bradley Wiggins seinen Fokus ab dem Jahr 2005 vermehrt auf die Straße, wo er nach wie vor für das Team Crédit Agricole fuhr. Im April gewann er ein Einzelzeitfahren beim Circuit de Lorraine, ehe er den Giro d’Italia auf dem 123. Gesamtrang beendete. Seine beste Tagesplatzierung erreichte er dabei als Elfter im Prolog der Rundfahrt. Bei seiner dritten Tour de l’Avenir musste er sich im Einzelzeitfahren nur dem Deutschen Christian Müller geschlagen geben, ehe er die achte Etappe um Aurillac gewann. Dies war sein erster Sieg bei einem Straßenrennen seit dem Jahr 2001, wobei er sich bereits in der frühen Rennphase gemeinsam mit seinem Teamkollegen Saul Raisin vom Peloton abgesetzt hatte. Als letztes Saisonziel gab er nun die Straßenradsport-Weltmeisterschaften in Madrid aus, wo er mit Rang sieben im Einzelzeitfahren aufzeigte. Sein Rückstand auf den siegreichen Australier Michael Rogers betrug dabei rund eineinhalb Minuten.

Wechsel zu Cofidis und zweiter Weltmeistertitel (2006–2007)