mini|hochkant|Stele mit Wappen am Alten- und Pflegeheim Nußloch (erb. 1996)

Nußloch (einst: Nuzlohon, Nozloch, Nußenloch)Nußloch-Altgemeinde leo.bw leo-bw.de, abgerufen am 16. Januar 2022. ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg. Sie liegt etwa zehn Kilometer südlich von Heidelberg an der Südlichen Bergstraße und der Badischen Weinstraße. Die Gemeinde gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar, sie liegt am Rande des Kraichgaus und des Naturparks Neckartal-Odenwald und feierte 2016 ihr 1250-jähriges Bestehen. mini mini| Ortseingang Nußloch mit St.-Laurentius-Kirche an der Landstraße Heidelberg-Wiesloch (um 1890).

Geographie mini|Gemarkungsplan Nussloch 1878 (GLA BW) mini|Gemarkung Nußloch, Blick von Südosten nach Nordwesten (Luftaufn. 2021)

Geographische Lage, Geologie und Landschaft Nußloch hat Anteil an sehr verschiedenen Naturräumen und bietet daher ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Im Norden finden sich die Ausläufer des Kleinen Odenwalds, im Südosten die des Nördlichen KraichgausNaturraum Kraichgau leo.bw leo-bw.de, abgerufen am 16. Januar 2022. sowie im Westen die Oberrheinebene. Das historisch gewachsene Nußloch liegt am südlichen Ausläufer der Bergstraße, entlang der alten Bundesstraße 3, und fußt mit seinen in den 1990er Jahren erstellten südlichen Siedlungs-, Gewerbe- und Freizeitflächen auf dem einst versumpften Grabenrand (Lichtenau) der Nördlichen Oberrheinebene. Im Westen von Nußloch fließt der Leimbach. In der vorindustriellen Zeit nutzten zwei Mühlen (Giessersmühle, Koppertsmühle) seine Wasserkraft. Etwa parallel zu seinem Verlauf, der mehrfach durch den Menschen verändert wurde, erhebt sich im Osten der Anstieg zu der dem Kraichgau angehörenden tertiären Vorbergzone. Das ganze Gebiet wirkt terrassenartig (ehemalige Obst- und Weinbergslagen) und trägt die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Siedlungsflächen im Bereich Nadlerstraße, Markgrafenstraße, Panoramastraße und Rheinblick (meist Wohnbebauung). Nach der Vorbergzone folgt der bewaldete, nach Süden niedriger werdende Steilanstieg der Hauptverwerfung. Hier steht über Buntsandstein vor allem Muschelkalk an. Im Norden der Gemeinde ist dem Steilanstieg mit seinen anstehenden Laub- und Mischwäldern (meist Buche, partiell auch Fichte, angepflanzt) ein schmaler Streifen von jüngerem, nacheiszeitlichem Lößlehm vorgelagert. Auch darunter findet sich Buntsandstein, der sich an der „Bortkelter“ (südwestliche Hangkante des Hirschbergs) noch als aufgeschlossene rote Wand deutlich zeigt (u. a. Chirotherien-Sandstein). Über mehrere Jahrhunderte befanden sich hier ausgedehnte Steinbruchflächen, die die Einwohner von Nußloch als gemeindeeigene Bausteinquelle nutzten (vgl. Gemarkungskarte Nußloch 1878). Der sich daran anschließende ca. 350 ha große Gemeindewald wird seit einigen Jahren naturnah gepflegt. Ein Großteil der Waldfläche ist inzwischen ausgewiesenes FFH-Gebiet.

Durch den großen Muschelkalksteinbruch des heutigen Baustoffkonzerns HeidelbergCement, der 1899 von der Bergstraße aus zunächst in einem schmalen Einschnitt durch den Schneckenberg in den Kraichgau vorgedrungen ist, wurde die ursprüngliche Landschaft im Bereich Stupfelberg, Schlangengrund, Baiertaler Weg und Ameisenbuckel vollständig verändert. Anstehende fruchtbare Böden aus Parabraunerde und Kolluvium gingen hier der Gemarkung Nußloch großflächig verloren. Dafür bieten die mächtigen, aufgeschlossenen Muschelkalkfelsen innerhalb des Steinbruchs tiefe Einblicke in Geologie und Landschaftsgeschichte des Nördlichen Kraichgau. In verkarsteten Spalten und Gängen findet man die typischen Blei-Zink-Vererzungen (sog. Galmeien), als Ausläufer der Erzvorkommen, die bereits im 14. und im 17./18. Jahrhundert im Nußlocher und Wieslocher Bergbau intensiv genutzt wurden.

Die Gemarkungsflächen nördlich des Steinbruchs sind dicht bewaldet. Hier stehen dicke Pakete von Löß bzw. Lößlehm an, die nacheiszeitlich durch starke Westwinde herangeweht und an den Hanglagen ablagert wurden. Einen Eindruck davon vermittelt die bekannte „Weiße Hohle“, ein historischer Hohlweg, 1878 kartografisch bereits belegt, mit bis zu 8 m hohen Steilwänden aus hellem ausgebleichtem Löß, unmittelbar an der heutigen Kreisstraße 4157 (einst: Maisbacherweg), Richtung Maisbach, Ortsteil von Nußloch.

Naturschutzgebiet Nußlocher Wiesen Das kombinierte Natur- und Landschaftsschutzgebiet Nußlocher Wiesen, in der einst versumpften Leimbachniederung, blickt auf eine über 200-jährige Geschichte als WässerwiesengebietDieter Hassler: Tausend Jahre Mühe und kein Ende. Die Geschichte des Bachbaus in Kraichgau, Hardt und Bruhrain. In: Dieter Hassler (Hrsg.): Wässerwiesen: Geschichte, Technik und Ökologie der bewässerten Wiesen, Bäche und Gräben in Kraichgau, Hardt und Bruhrain. Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1995. zurück. Mit der Aufgabe der Bewässerung nach dem Zweiten Weltkrieg erlangen die ausgedehnten Wiesenflächenflächen (Gewanne: „Im Horst“, „Im Vorderen Stenglich“) im Naturraum der Hardtebenen sowohl einen hohen ökologischen als auch hydrologischen Stellenwert. Die ca. 70 ha große Fläche wurde somit 1993 als Naturschutzgebiet durch das Regierungspräsidium Karlsruhe ausgewiesen. Zugleich dient das NSG als Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung. Der linke Leimbachdamm ist von den Schutzmaßnahmen ausgeschlossen und darf wie bisher landwirtschaftlich unterhalten werden.

Für das heutige Bild der Wiesenlandschaft sind die Glatthafer-Wiesen mit der Wiesen-Witwenblume, der Wiesen-Glockenblume und dem Großen Klappertopf prägend. Auf den trockenen Bereichen finden sich Karthäuser-Nelke, Kriechender Hauhechel, Arznei-Schlüsselblume und Großer Wiesenknopf. Als botanische Kostbarkeit kommt die Unterart des Pyrenäen-Milchsterns (Ornithogalum pyrenaicum) vor, die bei Nußloch ihre nordöstlichste Verbreitungsgrenze erreicht.Andreas Wolf (2000): Naturschutzgebiet Nußlocher Wiesen. In: Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe. S. 564–566, Thorbecke Verlag, Stuttgart. Die Wiesenniederung ist ein optimales Nahrungshabitat für den Weißstorch (Ciconia ciconia), der nach über 50-jähriger Abwesenheit nach Nußloch zurückgekehrt ist und hier wieder brütet. In den Wintermonaten kann man auf den Wiesen hin und wieder auch Silberreiher auf Nahrungssuche beobachten. Als weitere Wintergäste sind seit Jahrzehnten im Dezember/Januar auch kleinere Schwärme von Saatkrähen (ca. 50 bis 200 Exemplare) vor Ort.Michaela Veh (1988): Überwinternde Saatkrähen in Nordbaden. Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ., Bd. 53, S. 75–83. Die Rabenvögel sind in den Sommermonaten in Sibirien und der Ukraine beheimatet.Jochen Hölzinger (1981): Die Vögel Baden-Württembergs (Avifauna Baden-Württemberg) Band 1: Gefährdung und Schutz. Teil 2: Artenschutzprogramm Baden-Württemberg. Ulmer Verlag, Stuttgart Im Umfeld des Leimbachs findet sich ganzjährig der Graureiher. Über den Wiesen kreist häufig der Mäusebussard auf Nahrungssuche. Wohl für immer verschwunden sind die noch 1991 erwähnten Vogelarten wie Feldlerche und Kiebitz.Rote Liste Brutvögel Baden-Württemberg, Stand: 2019Joachim Weber (1991): Tongrube "Dammstücker" und "Nußlocher Wiesen". - Ein geplantes Naturschutzgebiet am Nordrand des Kraichgaus. In: Kraichgau, Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung Bd. 12, S. 21 ff.

Das heutige Naturschutzgebiet ist mit seinen flachen, barrierefreien Wegen gut für Besucher begehbar.

Naturschutzgebiet Dammstücker Im Westen von Nußloch befindet sich das Gewann DammstückerFlurkarte 1:25 000 v. 1878 deutschefotothek.de, abgerufen am 5. Mai 2022 mit einem ehemals ausgedehnten Ton- und Kiesgrubenareal. Hier am Rand des Oberrheingrabens, stehen mächtige Tonschollen des eiszeitlichen Rheins an, die seit 1895 abgebaut werden. Noch bis in die 1960er Jahre sind die Tongruben und die dazugehörige Dampfziegelei der Gebrüder Stauch (gegründet: 1910) wichtige ortsansässige Unternehmen. Beim Nußlocher Ton handelt es sich um einen tertiären Ton, der durch seine mineralische Zusammensetzung (blau-graue Tonsteine der MelettaschichtenKleinschmitz, Markus (2019): Ziegeleirohstoff-Vorkommen im Kraichgau - Fallbeispiel Nußloch, Tertiär. LGRB Fachbericht 2019/1, Regierungspräsidium Freiburg (Hrsg.), S. 128–134.) sowohl in der Baustoffindustrie als auch in der Medizintechnik (z. B. Prothesenbau) verwendbar ist.Kommunale Wohnungs- und Grundstücks- GmbH Nußloch kwgn.de, abgerufen am 7. Juni 2022 Nach einem Erdrutsch 1991 ruht der Abbau für mehrere Jahre. Die Ziegelei an der Walldorferstraße (K 4256) wird stillgelegt und ein Jahr später abgerissen. Aufgrund fehlender Vereinbarungen hinsichtlich der Renaturierung, werden die ehemaligen Entnahmeflächen im Laufe der Zeit mit Müll, Erdaushub und Bauschutt verfüllt. Verschont bleibt das Gelände des Schützenvereins, der auf der Grubensohle ein Vereinsheim errichtet. 1991 beginnen auch die Vorbereitungen des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Unterschutzstellung der noch naturschutzrelevanten Restflächen, die am 23. Dezember 1993 in die verordnete Ausweisung des heutigen Naturschutzgebiets Dammstücker münden.LUBW Kartendienst www2.lubw.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 9. Mai 2022 Der Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung von Sekundärbiotopen als Lebensraum heimischer Pflanzen- und Tierarten von Stillgewässern (hier: insbesondere Vögel, Amphibien und Libellen). Das Areal soll das benachbarte NSG Nußlocher Wiesen ergänzen (Biotopvernetzung). Das Schutzgebiet ist öffentlich nicht zugänglich.

Ehemaliges Naturdenkmal „Dicke Buche“ 150px|rechts|Naturdenkmal Dicke Buche mit Infotafel (Aufn. 2020)

Eingebettet im Naturpark Neckartal-Odenwald stößt der Wanderer im Nußlocher Gemeindewald, in Nähe des Erlenteichwegs, auf die Reste der Dicken Buche. Laut Infotafel der Forstamts, wies das ehemalige Naturdenkmal am Hirschberg eine Gesamthöhe von 46 m und einen Stammumfang von 4,20 m auf. Das Alter der Buche wurde auf etwa 260 Jahre geschätzt. Aufgrund dendrologischer Angaben war der Baum um das Jahr 1740 gekeimt. Die Dicke Buche war lange Zeit ein beliebter Zielpunkt für Wanderungen. Es wurde zum Ritual, dass man den Stamm umarmte, wofür bis zu vier Personen erforderlich waren.

Nach einem Blitzeinschlag im Frühjahr 1968 brach im Kronenbereich ein Hauptast ab. Infolge eindringender Feuchtigkeit fraßen sich Fäulnis- und Frostschäden im Laufe der Zeit in das Stamminnere. Sanierungsversuche der Forstbehörden scheiterten an den hohen Kosten. Somit wurde die mächtige Buche zur Gefahr und musste am 9. Juni 1999 gefällt werden. Stamm und Stumpf verblieben vor Ort, als Zeugnis Nußlocher Waldgeschichte.

Teichanlage am Erlenteichweg Am Osthang des Hirschbergs, zwischen Nußloch und Maisbach, existiert seit Juni 2021 eine naturnah gestaltete Teichanlage als Lebensraum für heimische Amphibien und Wasserinsekten sowie als Tränke für Wildtiere, insbesondere in trockenen Frühjahr- und Sommermonaten.SWR: Wildtiere in Rhein-Neckar-Region kämpfen mit Trockenheit, abgerufen am 20. Juli 2023 Das Biotop wurde mittels einer Geldspende in Zusammenarbeit mit der KWGNKWGN kwgn.de, abgerufen am 30. Januar 2020. unter Regie des Forstbezirksleiter P. Schweigler innerhalb von 5 Wochen am Erlenteichweg im Nußlocher Wald geschaffen. Dazu waren etwa 30 t Tonerde aus der Tongrube Nußloch (Gewann Dammstücker) notwendig, um den Waldboden entsprechend abzudichten. Die beiden Teiche dienen gleichzeitig dem Hochwasserschutz bei Starkregen. Die Baumaßnahme steht im Zusammenhang mit dem Umweltprojekt „Vom Kraichgau zum Teichgau“ (Sinsheim).RNZ rnz.de, abgerufen am 30. Januar 2022.